|
"Wandern ist Sport und braucht Training"
Teck-Neuffen-Gau im Schwäbischen Albverein will mit
einer neuen Aktion dem Wandern ein moderneres Image geben
Manche Vorurteile
sind einfach nicht auszurotten. Zum Beispiel dies: Wanderer, das
sind ältere Herren in Kniebundhosen und roten Strümpfen, die mit
Tirolerhut und Gamsbart sonntagnachmittags durch die
schwäbischen Lande trotten. Dieses Image kriegt eine der in
Wahrheit schönsten Freizeitbeschäftigungen ganz einfach nicht
los. Der Teck-Neuffen-Gau im Schwäbischen Albverein will es
dennoch versuchen: Mit einer Initiative, die den sportlichen
Charakter des Wanderns herausstreichen möchte. Und einer
pfiffigen Aktion mit Harald-Schmidt-Partner Manuel Andrack.
Gauwanderwart Erich Haas, Gaunaturschutzwart Richard Haußmann
und Peter Kleinknecht, der Wanderwart der Oberboihinger
Ortsgruppe, machen sich nichts vor und reden auch nicht drum
rum: Den Nordic-Walking-Boom haben wir verschlafen. Das wäre
eigentlich unser Ding gewesen, räumen die drei ein. Freilich:
Zur Randerscheinung ist der Albverein dennoch nicht verkommen.
Immerhin hat der Teck-Neuffen-Gau noch stattliche 7500
Mitglieder. Und der Gesamtverein sage und schreibe 112 000.
Das klingt nicht schlecht und ist es auch fürwahr nicht.
Allerdings weiß Erich Haas auch dies: Unsere Altersstruktur ist nicht optimal. Jüngere
Wanderer treten nicht in den Verein ein: Wir haben schon
Schwierigkeiten, aktive Leute zu finden, die bei uns in der
Gruppe mitmachen.
Mit Manuel Andrack den Albrand entlang
Damit will sich
freilich
Richard Haußmann
nicht abfinden. Seit er Manuel Andracks Bestseller "Du musst
wandern" gelesen hat, ließ ihn die Idee nicht los, den Partner
von Harald Schmidt in dessen Late-Night-Show zu einer Wanderung
in die Heimat des Lästermauls zu lotsen. Und tatsächlich: Es hat
geklappt.
Im Mai 2008 ist der
Spötter und passionierte Wanderfan bei einer Ferntour des
Teck-Neuffen-Gaus mit dabei: Die ersten beiden Etappen auf dem
Nordrandweg (die damals größte markierte Wandertour der Welt
feiert dann ihr 100-jähriges Bestehen) von Neidlingen bis in den
Raum Balingen kann man mithin in ebenso prominenter wie lustiger
Begleitung absolvieren Andrack sattelt für die Strecke über Teck
und Hohenneuffen bis nach Bad Urach ebenfalls Schusters Rappen.
Von
Fernwander-Fieber ist
Richard Haußmann,
eines der Urgesteine des Albvereins im Altkreis, schon lange
infiziert. Den Jakobsweg kennt er nicht nur vom Finale in
Spanien, und auch der Neckar-Wanderweg von der Quelle bis zur
Mündung hat es ihm angetan. Spricht man mit ihm, hat man den
Eindruck, als erachte er die klassische Rundtour fast nicht mehr
als zeitgemäß, um Menschen von heute für diese Leidenschaft
begeistern zu können.
Alle Welt spricht
vom Wandersport, selbst die AOK und das möchte Haußmann
gemeinsam mit dem Albverein deutlicher ins Bewusstsein rücken:
Jede Sportart hat ihren Trainingsabend ob nun Fußball, Schießen
oder Schach. Und daher soll das nun auch fürs Wandern offeriert
werden.
Ab Mai startet das
neue Angebot, für das sich zum Beispiel die Ortsgruppen
Oberboihingen und Reudern zusammengetan haben.
An einem
regelmäßigen Wochentag trifft man sich abends um 18 Uhr mit
legeren Wander- oder Laufschuhen, und unter Anleitung gibt es
dann zuerst Lockerungsübungen und dann eine durchaus
anspruchsvolle Abendtour: Nicht gemächliches Dahin schreiten,
sondern zügiges Gehen ist dann laut Haas angesagt.
Übrigens: Um dort
mitzumachen, braucht man dem Albverein nicht beizutreten. Man
freut sich über jeden, der kommt: Das ist eine offene Sache, wie
alle unsere Wanderungen, unterstreicht der Gauwanderwart.
Lediglich der Versicherungsschutz gilt exklusiv für Mitglieder.
Ob man nun Zuwachs
bekommt oder nicht man hofft, dass nach einiger Zeit möglichst
viele der Überzeugung von
Richard Haußmann
zustimmen: Wandern ist der schönste und gesündeste Sport. Auch
Kleinknecht schwärmt nur so von den Schönheiten einer
ambitionierten Tour, zu der die Trainingsteilnehmer mit der Zeit
fähig werden sollen: Zwei oder drei Tage mit dem Rucksack über
die Alb zu ziehen das ist doch einfach herrlich! Abseits vom
Alltag kann man völlig ungestresst die Seele baumeln lassen.
Und Haußmann hegt
ohnehin keinen Zweifel, dass Wandern Hochleistungssport
darstellt: Es mag zwar unspektakulär sein. Schließlich gibt es
kein Foul und keine Rote Karte. Aber es verlangt dem Körper
schon einiges ab. Doch die Strapazen sind schnell vergessen.
Spätestens nach drei Tagen spürst du sowieso nichts mehr. Dann
bist du abends nur noch richtig wohlig erschöpft.
Wer es mal versucht
hat, weiß: Das ist ein unvergleichlich herrliches Gefühl. Das
neue Albvereins-Training will auch (aber nicht nur)
Wandermuffeln den Weg dorthin zeigen. Der Teck-Neuffen-Gau ist
überzeugt: Es lohnt sich.
Erst Aufwärmgymnastik und dann los mit forschem Schritt: wie in Oberboihingen soll das Wandertraining des Albvereins aussehen.
Bericht Jürgen Germann Nürtinger Zeitung

Die Gruppe bei der Lockerungs- und Gymnastikübung

Gaunaturschutzwart Richard Haußmann (links im Bild) und Gauwanderwart Erich Haas (rechts)
würden sich über viele
Teilnehmer und verschiedene Gruppen verteilt im Teck-Neuffen-Gau besonders
freuen.
Weiter Informationenen zu Terminen und Treffpunkten folgen.
|