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Wanderbericht OG Zuffenhausen/Stammheim
Polen, Schlesien - Glatzer Bergland
 

Wanderfahrt nach Schlesien ins Glatzer Bergland
im heutigen Polen

Das Glatzer Bergland (Grafschaft Glatz) ist ein Teil von Schlesien und  liegt an der Grenze zwischen Polen und Tschechien, früher Preußen und Böhmen. Schlesien war seit dem 11. – 12. Jahrhundert stets von Menschen deutscher Sprache bewohnt. Nach dem 2. Weltkrieg wurden 1945 und 1946 die Deutschen jenseits der Oder-Neiße-Linie von dem polnischen kommunistischen Regime vertrieben. Fast 15 Millionen Deutsche verloren damals ihre Heimat. 2 Millionen davon verloren auch ihr Leben. Das fast menschenleere Land wurde dann mit polnischen Bewohnern aus dem östlichen Polen (vor allem Raum Lemberg) besiedelt. Diese wiederum sind von dem kommunistischen Regime der Sowjetunion aus ihrer Heimat vertrieben worden. Die Vertreibungen werden von Polen und der Sowjetunion beschönigend „Bevölkerungstransfer“ genannt. Schlesien ist heute wesentlich dünner besiedelt als vor 1945. Viele kleine Dörfer hatten nach 1945 keine Bewohner und wurden dem Erdboden gleichgemacht. Bei fast gleicher Fläche wie Deutschland hat Polen nur ein Viertel der Einwohner Deutschlands.
 

Kurze Geschichte der Grafschaft Glatz (Auszug aus einem Aufsatz von Dr. Dieter Pohl)

Das Glatzer Land war seit alters her ein Teil Böhmens und somit Teil des “Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation“. Auf das Jahr 981 wird das Kastell Glatz erstmals erwähnt. 995 kam ganz Böhmen an das Fürstengeschlecht der Přemisliden. Sie beherrschten das Land als Herzöge und Könige bis 1305. Durch ihre Initiative wurde das Glatzer Land von deutschen Rittern und Bauern besiedelt. 1310 kam Böhmen durch Heirat unter die Herrschaft der Luxemburger; deren bekanntester war Karl IV.

1348 wurde das Glatzer Land, wie auch Schlesien und die Oberlaustitz, durch Karl IV. zum „Nebenland“ der übergeordneten Krone Böhmens gemacht. 1458 wählten nach langen Wirren die böhmischen Stände Georg von Podiebrad zum König. Dieser erhob 1459 das Glatzer Land, ohne dazu berechtigt zu sein, zu einer Grafschaft; die Maßnahme wurde aber im selben Jahr durch Kaiser Friedrich III. anerkannt, der zugleich Georgs zweitältesten Sohn Viktorin zum ersten Grafen von Glatz ernannte.

1524 hatte die lutherische Lehre sich in der Grafschaft Glatz auszubreiten begonnen. Nach jahrzehntelangen politischen Wirren kam 1526 die Krone Böhmen und damit auch die Grafschaft Glatz an die Dynastie der Habsburger. Im Jahre 1618, Beginn des 30jährigen Krieges gab es in der Grafschaft Glatz nur noch eine einzige katholische Pfarrei. 1622 war Glatz durch die Truppen von Kaiser Ferdinand II. erobert. Der Herrscher ergriff nun im Zuge der gewaltsamen Rekatholisierung härteste Maßnahmen gegen die Protestanten: Enteignungen, Ausweisungen, Berufs- und Heiratsverbote, in Böhmen selbst sogar noch Todesurteile. Wenige Jahre nach dem 30jährigen Krieg war die Grafschaft Glatz wieder tief katholisch geworden.

Letzte habsburgische Landesherrin war Kaiserin Maria Theresia als Königin von Böhmen. Nach den drei schlesischen Kriegen gegen den preußischen König Friedrich II. kam die Grafschaft 1763 an Preußen. Sie war damit nach wie vor Teil des “Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation“.   Der starke Katholizismus der Grafschaft blieb auch nach der Eingliederung in den stark protestantisch geprägten preußischen Staat erhalten. 

 

Montag, 1. Juni 2009 (Pfingstmontag)

Der Bus der Firma Eisemann ist überpünktklich schon vor 6 Uhr am Kelterplatz. Auch alle Teilnehmer sind pünktlich und so ist das Gepäck schnell verladen und wir können starten. Die Fahrt geht über die Autobahn nach Heilbronn weiter über Nürnberg – Amberg zur deutsch-tschechischen Grenze. Das im vergangenen Jahr noch fehlende Teilstück der Autobahn von Amberg nach Waidhaus ist nun durchgehend fertig und damit gewinnen wir eine Stunde Fahrtzeit. Grenzkontrollen gibt an der deutsch-tschechischen Grenze ebenso an der tschechisch-polnischen Grenze nicht mehr. Das ist ein großer Erfolg des zusammenwachsenden Europas. Weiter geht es auf der tschechischen Autobahn über Pilsen – Prag nach Königgrätz. Unterwegs gibt es auf einem Parkplatz Würstchen mit Brot, heißgemacht von unserem Fahrer Abraham in der Bordküche des Busses. Am Nachmittag dann Kaffee mit Hefezopf.  Bei Nachod erreichen wir die tschechisch-polnische Grenze und kommen bei Bad Kudowa (Kudowa Zdrói) in die Grafschaft Glatz und damit nach Schlesien.  Die Fahrt geht nun durch das Glatzer Bergland über Hummelstadt (Lewin Kłodzki), Bad Reinerz (Duszniki Zdróy), Bad Altheide (Polanica Zdróy), Glatz (Kłodzko), Eisersdorf (Zelazno), Ullersdorf (Ołdrzychowice Kłodzki), Kunzendorf (Trzebieszowice), vorbei an Bad Landeck (Ladek Zdróy), über Schreckendorf (Stronie Ślaskie), nach Wilhelmstal (Bolesławów) zu unserem Quartier in der Pension Emilia. Punkt 17 Uhr sind wir an Ort und Stelle und werden von der Wirtin, Frau Emilia Budzyñska freundlich empfangen. Um 18 Uhr gibt es unser Abendessen. Gulasch mit Nudeln. Nach dem Abendessen sitzen wir noch im Untergeschoß in der Bar zusammen und es wird viel er zählt.

 

Dienstag, 2. Juni 2009   

Frühstück um 8 Uhr. Von dem sehr reichlichen Frühstück können wir noch unser Vesper richten. Abfahrt mit dem Bus um 9 Uhr. In Schreckendorf können wir uns am Geldautomaten mit polnischen Złoty versorgen und im Supermarkt einkaufen. Wenn man nicht die polnischen Aufschriften sehen würde könnte man meinen es sei ein Supermarkt in Deutschland. Es gibt alles genau wie bei uns. Über Bad Altheide und Bad Reinerz kommen wir auf einer  Nebenstraße in der Nähe von Bad Kudowa zu den „Wilden Löchern“ (Błędne Skaly). Es handelt sich um eine Felsenstadt von deren Höhe man eine ausgezeichnete Sicht auf die Umgebung und vor allem in Richtung Riesengebirge mit der Schneekoppe genießt. Das große Labyrinth enger, manchmal schräger Spalten und mehrere Meter großer Felsblöcke entstand durch Verwitterung des regelmäßig aufgerissenen Sandsteins. Das Gebiet steht unter Naturschutz und darf nur auf der bezeichneten Route begangen werden. Es ist hier viel los. Vor allem Schulklassen haben wohl ihren Wandertag. Der Rundweg ist recht schwierig zu begehen. An vielen Stellen ist der Weg so eng, daß man nur seitwärts durchkommt. In manchen Spalten muß man auf die Knie, da teilweise nur der untere Teil der Spalten breit genug ist um durchzukommen. Die Dicken und die Großen haben es in diesem Labyrinth schwer. Auch der Weg zurück ist schwierig. Es geht über Wurzeln und durch den Regen der vergangenen Tage ist der Weg rutschig geworden.

Über Bad Kudowa fahren wir nach Bad Reinerz. In der Papiermühle von 1605, die mustergültig renoviert wurde, besichtigen wir das Papiermuseum. Bereits für das Jahr 1562 ist in Bad Reinerz die Existenz einer Papiermühle nachgewiesen. An diesen Wirtschaftszweig erinnert das Papiermuseum. Mit seinem mit Holzschindeln gedeckten Satteldach ist das Fachwerkhaus ein wertvolles Beispiel barocker Architektur. Heute erfahren die Besucher des Museums, wie die Menschen in der Vergangenheit Papier hergestellt haben. Wir  können zuschauen wie im Erdgeschoss des Museums in Handarbeit Büttenpapier geschöpft wird. Das Hauptgebäude der Papiermühle stammt aus dem Jahr 1605. Besonders sehenswert sind die Wandmalereien im ersten Obergeschoss, die aus dem 17. und 18. Jahrhundert stammen und Blumenornamente, biblische Szenen und Kurparkgebäude von Bad Reinerz zeigen. Sie wurden erst 1960 wiederentdeckt und zwischen 1985 und 1987 restauriert. Bei   unserem Besuch war gerade eine Ausstellung für Carl Gotthard Langhans zu sehen. Langhans ist der Erbauer des Brandenburger Tores in Berlin aber auch der Erbauer der evangelischen Kirche in meiner Geburtsstadt Waldenburg.

In Bad Reinerz wandern wir dann noch durch den Kurpark und können dort Kaffee trinken oder Eis essen. Auf der Fahrt nach Wilhelmsthal werden wir wegen eines Unfalls aufgehalten und müssen eine Umleitung fahren. Für unseren langen Bus keine Kleinigkeit.

Zum Abendessen gibt es Bigos. Das ist eine Art Szegediner Gulasch.

 

Mittwoch, 3. Juni 2009 

Pünktlich wie immer um 9 Uhr steigen wir in den Bus und fahren die schon bekannte Strecke über Schreckendorf und vorbei an Bad Landeck nach Glatz.

Glatz ist Kreisstadt und Mittelpunkt des Glatzer Bergkessels. Es ist der älteste geschichtlich bezeugte Ort Schlesiens. Die Stadtgründung erfolgte 981 als castellum Kladzco. Glatz wurde erst nach der Kapitulation am 8. Mai 1945 von sowjetischen Truppen besetzt. Kriegsbedingte Zerstörungen hat es daher nicht gegeben. Jedoch wurde in der Zeit des Kommunismus kaum etwas renoviert und daher wirkt die Stadt auch heute noch an vielen Stellen verkommen und vernachlässigt. Glatz hatte 1939 20575 Einwohner, 1970 waren es auf vergrößertem Stadtgebiet 26134 Einwohner.      

Wir haben eine Stadtführerin engagiert die uns am Parkplatz Nähe Bahnhof erwartet. Es gibt in Glatz außer der Festung noch viele weitere Sehenswürdigkeiten. Zunächst besuchen wir die Minoritenkirche St. Maria, eine barocke Saalkirche errichtet von 1628-1631. Die Kirche wurde 1783 und 1997 durch Hochwasser stark beschädigt. Es ist kaum vorstellbar wie die relativ kleine Glatzer Neiße derartige Wassermassen aufbringen kann. Neben dem Eingang können wir die Hochwassermarkierungen sehen. Im Kirchenraum stand 1997 das Wasser knapp 4 Meter hoch. Es ist alles mustergültig renoviert worden. Jedoch könnte schon das nächste Unwetter erneut große Zerstörungen anrichten.

Über die gotische Brücke, vermutlich vor 1379 anstelle einer Vorgängerbrücke errichtet, gehen wir weiter in die Stadt. Auf den Geländern der Brücke stehen sechs barocke Steinfiguren. Diese Brücke und die dahinter liegende Minoritenkirche ergeben ein wunderschönes viel fotografiertes Stadtbild. Wir kommen zum Rathaus, einem Bau der Neorenaissance, der 1890 eingeweiht wurde. Neben dem Rathaus eine Mariensäule, errichtet anlässlich der Pest 1680. Die deutschen Inschriften der Säule sind noch erhalten und, dem Zustand nach zu urteilen, wohl auch erst kürzlich erneuert worden.

Die Bebauung der Glatzer Altstadt wurde durch Bergschäden und mangelnde Erhaltung stark zerstört und zwischen 1959 und 1970 teilweise abgetragen. Die Keller dieser Gebäude sind jedoch noch erhalten und wurden miteinander verbunden, so dass ein ca. zwei Kilometer langer, unter der Stadt laufender, Gang entstanden ist, der zur Festung führt.

Die Festung, nach dem Dreißigjährigen Krieg durch Umbau des Schlosses nach holländischem Muster entstanden, wurde 1742 unter Friedrich dem Großen stark ausgebaut und 1877 aufgehoben. Mit unserer Stadtführerin erkunden wir das ganze Gelände der Festung Glatz. Obwohl ja heute keine Wanderung auf dem Programm steht haben wir doch einige Kilometer zurückgelegt. Die Rast in einer Gaststätte im Rathaus Glatz haben wir uns daher redlich verdient.

Nach dem Abendessen – es gibt polnische Fleischküchle und Salzkartoffeln - unternehmen wir noch einen kleinen Spaziergang. Wir wandern zu dem südlich von Wilhelmstal gelegenen Ölberg. Es handelt sich dabei um eine aus dem Jahr 1823 stammende volkstümliche Darstellung der Szene aus der Bibel, Lukas 22, Vers 39-46, kurz vor der Kreuzigung Christi. Die Anlage wurde vor einigen Jahren sehr schön renoviert.

Anschließend versammeln wir uns noch im Untergeschoß unserer Pension in der Bar wo wir noch kräftig singen. Allerdings ist dieser Raum auf Grund seiner Akustik zum Singen nicht sonderlich gut geeignet.

 

Donnerstag, 4. Juni    

Heute ist unser Ziel die Wallfahrtskirche „Maria Schnee“. Wir fahren über Schreckendorf – Seitendorf (Stronie Ślaskie-Wieș) – Heudorf (Sienna) – Mariendorf (Marianówka) – Kieslingswalde (Idzików) –Plomnitz (Pławnica) – Wölfelsdorf (Wilkanów) – nach Wölfelsgrund (Miedzygórze). Der Ort war früher eine vielbesuchte Sommerfrische. Erst in den letzten Jahren hat man Anstrengungen unternommen um den Fremdenverkehr wieder anzukurbeln. Zunächst kommen wir zum Wölfelsfall. Wie uns die Stadtführerin in Glatz (die aus Wölfelsgrund stammt) sagte hat der Wasserfall bei dem Hochwasser 1997 sechs Meter seiner Höhe eingebüßt. Vom Wasserfall aus geht es weiter über viele Treppen in die Höhe. Wir müssen den „Spitzigen Berg“ mit einer Höhe von 847 m ersteigen. Unterwegs gibt es ein Problem. Einige Wanderfreunde haben einen falschen Weg genommen. Aber an der Wallfahrtskirche „Maria Schnee“ sind wir dann alle wieder vereint. Leider können wir die Kirche nicht besichtigen, da gerade eine Heilige Messe zelebriert wird. Die Kirche wurde erbaut in den Jahren 1781 – 1782. Es handelt sich um einen Spätbarockbau mit klassizistischen Elementen.

Bewohner der ehemaligen Grafschaft Glatz pilgerten lange Zeit zum weit entfernten Wallfahrtsort Mariazell in der österreichischen Steiermark. Von einer solchen Wallfahrt brachte im Jahre 1750 der Bauernsohn Christoph Veit aus Wölfelsdorf eine aus Holz geschnitzte Kopie des Mariazeller Gnadenbildes mit und hängte es unterhalb des Spitzigen Berges auf eigenem Grund an einen Baum. Die Bewohner der Umgebung wallfahrten nun zu diesem Gnadenbild, für das sie bald eine Holzkapelle erbauten. Nach der Überlieferung erlangte 1777 der erblindete Sohn des Laurentius Franke sein Augenlicht, nachdem er an dem Gnadenbild gebetet hatte. Darauf hin pilgerten immer mehr Menschen zu diesem Ort.

Von der Wallfahrtskirche wandern wir zunächst auf einem grün dann auf einem blau bezeichneten  Weg hinüber zu einem Parkplatz oberhalb des Ortes Heudorf wo wir bereits von unserem Busfahrer erwartet werden. Die Überraschung ist ihm gelungen wir bekommen frischen Kaffee. Wir müssen nun einige Zeit warten denn auf dieser Bergstraße werden irgendwelche Rennen gefahren oder Fahrzeuge getestet. Auf der Rückfahrt können wir in Schreckendorf noch einkaufen und am Bankautomaten polnische Złoty holen. Zum Abendessen gibt es heute Hähnchen und natürlich Kartoffeln. Unserem Wanderfreund Holger Rath gratulieren wir am Abend noch zum Geburtstag.

 

Freitag, 5. Juni

Heute müssen wir auf unseren Bus verzichten. Unser Busfahrer muss heute seinen gesetzlichen vorgeschriebenen Ruhetag einhalten. Wir machen daher heute eine Wanderung rund um Wilhelmsthal. Von unserer Pension geht es auf einem unbezeichneten Weg den uns Frau Emilia empfohlen hat hinüber nach Klessengrund (Kletno). Hier hat sich uns ein einheimischer Hund als Begleitschutz angeboten, der mit Vesperbroten belohnt wurde. Nach der „Bezahlung“ mussten wir ohne sein fachkundige Begleitung den richtigen Weg finden: Es geht weiter in Richtung Bärenhöhle. Vor Erreichen der Höhle biegen wir jedoch ab und wandern auf einem blau bezeichneten Weg in Richtung Neu Mohrau (Nowa Morawa). Unterwegs gibt es eine Möglichkeit zum abkürzen. Einige Wanderfreunde nehmen die Straße in Richtung Kamnitz (Kamienica). Die meisten wandern aber weiter um dann auf einem gelb bezeichneten Weg über den Ölberg wieder unser Wilhelmsthal zu erreichen. Einigen ist die Wanderung noch nicht lang genug und sie wandern weiter auf dem blauen Weg in Richtung Neu Mohrau um von dort Wilhelmsthal zu erreichen. Diese Wanderfreunde müssen dann noch kurz ihren Regenschirm gebrauchen. Trotzdem können wir mit dem Wetter bisher zufrieden sein. Es hat nur immer abends oder nachts geregnet. Tagsüber wurden wir vom Regen verschont. Nach dem kurzen Regen ist das Wetter aber nun sehr schön sonnig geworden und so gibt unser Wanderfreund Sepp Neumann im Garten der Pension noch Privatunterricht im Gitarre spielen. Am Abend wird dann das Gelernte gleich in die Praxis umgesetzt und im Untergeschoß können wir noch einige Lieder singen.
Heute gibt es gebackene Forelle mit Kartoffeln. Wie immer zuvor eine gute Suppe.

 

Samstag,  6. Juni

Heute brauchen wir keine Wanderstiefel, Busfahren ist angesagt. Nach dem wie immer sehr reichlichen Frühstück von dem wir auch unser Mittagsbrot richten können geht unsere Fahrt vorbei an Bad Landeck nach Glatz und weiter über Frankenstein (Ząbkowice Śląskie) und Reichenbach (Dzierżoniów) nach Schweidnitz (Świdnica). Hier besuchen wir die evangelische Kirche zur Hl. Dreifaltigkeit die zum Weltkulturerbe der UNO zählt. Die ev. Kirchengemeinde in Schweidnitz hat nur ungefähr 150 Mitglieder, in dem Gotteshaus gibt es aber ca. 3000 Sitzplätze und 4500 Stehplätze. Zu deutscher Zeit war Schweidnitz überwiegend evangelisch.

Als am 24. Oktober 1648 der Westfälische Friede das unselige Morden des 30jährigen Kriegs beendete, sah sich Kaiser Ferdinand III. durch die Krone Schweden gezwungen, selbst den Evangelischen seiner Erbfürstentümer Schweidnitz, Jauer und Glogau den Bau je einer „Friedenskirche“ zu gestatten, aber nur draußen vor der Stadt, nur aus Fachwerk und ohne Glocken. Der Bau wurde ausgeführt vom Zimmermeister Andreas Kämper aus Jauer sowie dem Schweidnitzer Zimmermeister Kaspar König und dem Ratsmaurermeister Andreas Zöllner. Am 23. August 1656 wurde mit Predigt und Gesang die Legung des Grundteins begangen. Am 24. Juni 1657 konnte das Gebäude zum ersten Gottesdienst benutzt werden.

Die Friedenskirche erlitt ebenso wie die Stadt Schweidnitz und viele schlesische Städte keine kriegsbedingten Zerstörungen. Ruinen und Baulücken sind erst in den Jahren der kommunistischen Herrschaft zunächst durch Vandalismus der russischen Besatzer und später durch mangelnde Erhaltungsmaßnahmen entstanden. (Das Gotteshaus im Kloster Leubus bei Breslau z.B. wurde von der sowjetischen Besatzung als Pferdestall benutzt und das Mobiliar einschließlich des Hochaltars und der wertvollen Gemälde als Heizmaterial verwendet.)

Auf dem Rückweg besuchen wir noch das Gut Kreisau (Krzyżowa), 1250 erstmals als Rittersitz erwähnt. Helmuth Graf von Moltke, geb. 1800, gestorben 1891, war preußischer Feldmarschall. Er führte die preußischen Kriege 1864 gegen Dänemark, 1866 gegen Österreich und 1870/71 gegen Frankreich zum Siege. Kaiser Wilhelm I. verlieh ihm als Dank das Gut Kreisau, wo er begraben ist. Letzter Gutsherr war der am 11.3.1907 geborene Helmuth James Graf von Moltke, Mittelpunkt des Widerstandes gegen Hitler in dem 1942 von ihm ins Leben gerufenen “Kreisauer Kreis“. Moltke wurde im Januar 1944 verhaftet, zum Tode verurteilt und am 23.1.1945 in Berlin-Plötzensee hingerichtet.

In der Cafeteria versuchen wir eine Kaffeepause einzulegen. Leider werden wir sehr unfreundlich, beinahe abweisend, behandelt und so müssen die Meisten von uns eben ohne Kaffee wieder in unseren Bus einsteigen. 

Unser nächstes Ziel ist Bad Altheide.

Für den Bus haben wir schnell einen Parkplatz gefunden und schlendern auf der Kurpromenade, entlang des Flüsschens Weistritz (Bystrzyca Dusznicka), in Richtung Kurpark. In Anbetracht des kleinen Flüsschens das drei Meter unter dem Niveau der Kurpromenade dahinfließt hält man es kaum für möglich, dass beim Hochwasser 1997 diese Kurpromenade einen Meter unter Wasser stand. Im Kurcafé können wir uns dann einen guten Kaffee und ein Stück der reichhaltigen Kuchen- und Tortenauswahl einverleiben.
Zum Abendessen gibt es Kohlwickel mit Kartoffeln

 

Sonntag, 7. Juni         

Am heutigen Sonntag ist Europawahl. Es hat fast schon Symbolcharakter wenn wir heute entlang der polnischen-tschechichen Grenze wandern und diese Grenze auch ohne Schwierigkeiten überschreiten können. Unser Freund Nikolaus Simon, der als einziger unserer Gruppe in der Grafschaft geboren ist, hat uns eine Wanderung bei Mittelwalde, in diesem Ort ist er geboren, empfohlen. Wir fahren also über Schreckendorf – Heudorf – Mariendorf - Kieslingswalde – Plomnitz nach Mittelwalde (Międzylesie). Von hier aus muß unser Busfahrer erst noch erkunden, ob die Durchfahrtshöhe einer auf der Straße zwischen Schönau (Smreczyna) und Steinbach (Kamieńczyk) liegenden Unterführung für unseren Bus noch ausreichend ist. Ergebnis: Der Bus kann die Straße befahren. Also zurückfahren nach Mittelwalde und von dort nach Freiwalde (Lesica) fahren. Aber hier haben wir Pech. Die Straße ist nur für Fahrzeuge bis 5 Tonnen zugelassen. Wir müssen also etwas umdisponieren und wandern nun vom Bahnhof Mittelwalde nach Steinbach. Der Weg geht durch kleine Wälder und über Wiesen. Und hier lässt uns zum ersten Mal die Wegmarkierung im Stich. Aber nach Steinbach finden wir auf Grund der guten Wanderkarte auch ohne Markierung. In dem Ort fragen wir einen vor seinem Hause arbeitenden Bauern nach der kleinen Holzkirche. Und trotz der Sprachschwierigkeiten kann uns der freundliche Pole, der sichtlich erfreut ist uns helfen zu können, den Weg zu den Leuten weisen, die die Kirche betreuen. Unser Wanderfreund Holger Rath geht zu diesen Leuten und es kommt jemand mit, der uns die Kirche aufschließt.

Die katholische Kirche St. Michael in Steinbach ist eine barocke Holzkirche, erbaut im Jahre 1710 als Friedhofskirche. Inneres saalartig mit dreiseitiger Empore und reich ornamentierter Flachdecke. Die Balustrade der Emporen ist bemalt mit ornamentalen Blumenbuketts. Durch Ihre Schlichtheit ist diese Kirche sehr beeindruckend.

Bei der Kirche befindet sich ein schöner Rastplatz mit vielen Bänken. Da wir heute sonniges Wetter haben können wir hier unser Mittagsvesper genießen. Da auch unser Bus an der Kirche eingetroffen ist bekommen wir aus der Bordküche einen guten frischen Kaffee. Kuchen oder gar Schwarzwälder Kirschtorte gibt es leider nicht.

Von Steinbach aus wandern wir Richtung polnisch-tschechische Grenze und dann immer entlang dieser Grenze über den Grenzberg 711 m bis wir kurz vor Bobischau (Boboszów) auf eine Bahnlinie treffen. Laut Wanderkarte müssen wir diese Bahnlinie überqueren. Wir suchen eine Weile nach einem Übergang über die Gleise bis wir feststellen, dass der Wanderweg direkt über die Gleise führt. Es gibt keine Brücke oder Unterführung, auch keinen Bahnübergang. Der Wanderweg führt ohne jegliche Sicherung direkt über die Gleise. Da die Eisenbahnstrecke hier auch noch in einer Kurve liegt kommt uns diese Situation doch etwas gefährlich vor. Der Weg ist auch einigermaßen halsbrecherisch, zunächst den Bahndamm hinunter und dann auf der anderen Seite wieder hinauf. Hier fahren wohl nur sehr wenige Züge.

Am Grenzübergang Bobischau treffen wir wieder unseren Bus. Wir fahren nun noch zum Kloster Grulich in Tschechien. Auch hier sind die Anlagen am Grenzübergang verwaist. In solchen Situationen ist man für das zusammenwachsende Europa dankbar. Auf der Rückfahrt nach Wilhelmsthal kommen wir noch in ein kräftiges Gewitter. Aber wir sind im Trockenen. Vorsichtshalber fahren wir nicht den Weg über die Berge sondern über Ullersdorf – Kunzendorf zu unserer Pension.
Zum Abendessen gibt es heute Schnitzel und – natürlich Kartoffeln.      

 

Montag, 8. Juni  

Heute steht die Heuscheuer auf dem Programm. Frühstück 8 Uhr, Abfahrt 9 Uhr, pünktlich wie immer. Fahrstrecke wie gehabt über Glatz und Bad Altheide nach Bad Reinerz. Hier biegen wir ab nach Karlsberg (Karłów) zur Heuscheuer.

Im Jahre 1790 kamen Friedrich Wilhelm II. und Johann Wolfgang von Goethe hierhin zu Besuch.

Die Heuscheuer bildet eine nach allen Seiten steil abfallende Sandsteinbergplatte (Leierberg 726 m hoch), auf welcher sich mächtige, vielfach zerklüftete Kuppen und Bergkämme erheben, so die  vielbesuchte Große Heuscheuer (920 m) und der Spiegelberg (915 m), zu denen man auf Stufen bequem emporsteigt. Der zerklüftete Sandstein dieser Berge zeigt eine Menge phantastischer  Felsbildungen. Die tiefe Waldeinsamkeit, welche überall die gewaltigen öden Felsmassen umgürtet, macht einen düstern Eindruck. Wo aber von einem Aussichtspunkt der Blick über den waldigen Abgrund hinschweift, bietet sich ihm ein reichbelebtes, entzückendes Talbild. Der Tafelstein ist als Aussichtspunkt berühmt. (Aus einer alten Reisebeschreibung.)

Ein Parkplatz für unseren Bus ist bald gefunden, natürlich wie immer gegen eine verhältnismäßig geringe Gebühr. Zunächst geht es an Verkaufsständen vorbei wo man alles an Souvenirs bekommt was man sich so wünscht. Bald beginnt der Aufstieg über einige hundert Treppen. Oben angekommen können wir eine herrliche Aussicht genießen. Das Wetter ist zwar nicht ganz sicher, der Schirm ist wie an allen Tagen ständiger Begleiter. Aber gerade deshalb haben  wir eine sehr klare Sicht. Die Schneekoppe im Riesengebirge ist sehr schön zu sehen. Wir nehmen nun den bezeichneten

Rundweg der an den verschiedenen  Feldformationen, Großvaterstuhl, Affe, Henne, Kamel usw. führt. Es ist ein z.T. etwas beschwerlicher Weg. Wir müssen immer wieder Treppen auf und abwärts steigen und kommen dabei zum Beispiel in die „Hölle“, der tiefste Teil des Rundweges. Hier findet man das ganze Jahr Schnee und Eis. Über viele Treppen geht es wieder nach unten. Kurz vor dem Parkplatz müssen wir uns dann noch beeilen denn es fängt ganz leicht an zu regnen.

Wir haben nun noch etwas Zeit und so können wir noch einen Abstecher nach Albendorf (Wambierzyce) machen.

Das 1330 belegte Dorf wurde als „Schlesisches Jerusalem bezeichnet. Einer Legende nach soll hier im 12. Jahrhundert ein Blinder aus Rathen die Mutter Gottes mit dem Kind in einer Glorie gesehen und sein Augenlicht wiedererlangt haben. Danach weihte man an dieser Stelle einen Brunnen und errichtete einen Altar, zu dem bald Menschen pilgerten. Ende des 17. Jahrhunderts begann Daniel Paschasius aus Osterberg, der Grundherr von Nieder Rathen das Dorf nach dem Plan von Jerusalem umzugestalten. Er ließ eine große Wallfahrtskirche als den Tempel, 12 Tore und auf den Hügeln der Umgebung 76 Kapellen erbauen. Auch die Namen erinnerten an das Heilige Land. Der Dorfbach hieß nun Cedron, die Hügel Kalvarienberg , Sinai, Tabor, Horeb und Quarantänehügel. Die heutige barocke Wallfahrtskirche ließ Graf Anton von Götzen 1716-1721 errichten. Zu der stattlichen Fassade steigt man über 56 breite Treppenstufen empor. Diese werden derzeit erneuert. Im Kircheninnern befindet sich die 28 cm hohe Marienfigur aus dem 14. Jahrhundert, umgeben von einer überaus reichen Ausstattung mit dem geschnitzten Hochaltar und der Kanzel, dem schmiedeeisernen Gitter am Presbyterium, reich vergoldeten Seitenaltären, geschnitztem Gestühl und einer großen Anzahl an Votivgaben und Zeugnissen von wunderbaren Heilungen der Pilger.

Wir sind tief beeindruckt von der Kirche und der Umgebung auch wenn man im Innern der Kirche bemerkt, dass eine grundlegende Renovierung des Gebäudes erforderlich wäre.

Nun müssen wir und beeilen, dass wir rechtzeitig zu der bestellten Kaffeetafel im Hause Lerchenfeld (Skowronki) eintreffen. Eine Familie mit deutschen Wurzeln hat hier ein Bauernhaus zu einer kleinen Pension umgestaltet und bewirtet mit schlesischem Mohn- und Streuselkuchen viele Reisegruppen die hier gerne einkehren. Der Kuchen, vor allem der Mohnkuchen mit Streusel obendrauf, schmeckt sehr gut.

Über den „Schlesischen Streuselkuchen“ gibt es ein kleines mundartliches Gedicht:

Schläscher Kucha, Sträselkucha,
Dos is Kucha, sapperlot, 
Wie´s uff Herrgoots weiter Arde
Nernt nich su woas Gudes hoot.

Wär woas noch so leckerfetzig  (d.h. besonders lecker)
Eim Geschmak ooch noch su schien:
Über schläscha Sträselkucha
Tutt halt eemol nischt nich giehn!

Das „Derhääme Häusla“ nebenan wurde museumsartig so eingerichtet wie es in einem schlesischen Bauernhaus bis zum Jahre 1945 üblich war. Die Wirtin erzählt uns einiges über den Werdegang von Haus „Lerchenfeld“. Anschließend singen wir noch Wander- und Heimatlieder und dann müssen wir uns wieder aufmachen denn für 19 Uhr ist das Abendessen bei „Emilia“ bestellt. Heute gibt es polnische und russische Piroggen, das sind eine Art Maultaschen.  

Am Abend gibt es noch eine ungute Diskussion wie man am nächsten Tag den Schneeberg am besten „bezwingt“. Eine Fahrt mit einem alten Jeep kostet 20 Euro. 11 Personen wollen die Fahrt machen. So verdient der Besitzer des Jeeps in wenigen Stunden 220 Euro. Eine Unverschämtheit, denn von diesem Betrag muss mancher Mensch in Polen einen ganzen Monat leben.

 

Dienstag, 9. Juni  

Schneeberg-Tag. Mit dem Bus fahren wir nach Klessengrund (Kletno). Auf dem gelb bezeichneten Weg wandern wir vorbei an der Bärenhöhle (Jaskinia Niedżwiedzia) und durch Wald mehr oder weniger steil hinauf zur ehemaligen Schweizerei, erbaut 1871, jetzt eine polnische Bergbaude. Von dort ist es noch eine halbe Stunde Weges bis zum Gipfel des 1425 m hohen Glatzer Schneebergs. Im Jahre 1972 wurde der auf dem Gipfel befindliche steinerne Kaiser-Wilhelmsturm aus militärischen Gründen (andere sagen wegen Baufälligkeit) gesprengt. Wir haben hier oben eine umfassende Aussicht über die ganze Grafschaft Glatz. Auf dem Gipfel weht ein sehr kalter Wind. Hinter dem Steinhügel der Überreste des Turmes ist es jedoch aus-   zuhalten und so können wir dort unser Vesper einverleiben. Bald machen wir uns wieder an den Abstieg um im Schweizerhaus noch zu einer Kaffeepause einzukehren. Auffallend ist, dass die Schüler einiger Schulklassen, die heute wohl ihren Wandertag haben, in der Hütte sehr gesittet auftreten. Hier könnten sich deutsche Schulklassen ein Beispiel nehmen. Wir treffen hier auch die Wanderfreunde die mit dem Jeep heraufgefahren sind. Für den Weg nach unten wählen wir einen anderen, blau markierten, Wanderweg um wieder zu unserem Bus in Klessengrund zu gelangen.  
Zum Abendessen gibt es Rouladen mit Klößen.

 

Mittwoch, 10. Juni

Heute ist unser letzter Tag im Glatzer Bergland. Eine letzte Wanderung steht auf dem Programm. Wir wollen die 900 m hohe Heidelkoppe besteigen. Mit unserem Bus fahren wir durch Bad Landeck und dann in Richtung Leuthen (Lutynia) und zur tschechischen Grenze. Kurz vor der Grenze gibt es einen Parkplatz. Von hier aus wandern wir immer entlang der polnisch-tschechischen Staatsgrenze, zunächst auf einem schönen Wiesenweg und dann durch Wald zur Heidelkoppe. Hier stand früher ein Wanderheim des Mährisch-schlesischen Sudetengebirgsvereins, an seiner Stelle steht jetzt, praktisch genau auf der polnisch-tschechischen Grenze, ein neuer Aussichtsturm mit einer kleinen Restauration die heute jedoch nicht geöffnet ist. Bei der Verwirklichung des Projektes mag geholfen haben, dass sich in den Zeiten des politischen Umbruchs in den kommunistischen Ländern auf der Heidelkoppe tschechische und polnische Dissidenten getroffen haben – darunter auch so bekannte wie der tschechische Staatspräsident Vaclav Havel. Der Turm ist ganz neu und wurde im Jahre 2006 eingeweiht. Es passt durch seine Bauweise, Steinfundament und oben Holzverkleidung, sehr gut in die Landschaft. Nach einer Rast machen wir uns auf den Rückweg zum Bus um wieder hinunter nach Bad Landeck zu fahren.. Einige Wanderfreunde nehmen jedoch einen anderen Weg und wandern direkt hinunter nach Bad Landeck.

Landeck wurde vermutlich in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts durch den böhmischen König Ottokar II. Přemysl gegründet und ist für 1294 als böhmisch königliche Stadt nachgewiesen. Für 1325 ist die Schreibweise Landecke belegt, die der geographischen Lage an der südöstlichen Grenze des Glatzer Landes entspricht, mit dem es die Geschichte seiner politischen und kirchlichen Zugehörigkeit teilte. Nach den Schlesischen Kriegen kam es zusammen mit der Grafschaft  Glatz  1763 mit dem Hubertusburger Frieden an Preußen. Anfang des 19. Jahrhunderts nahm Landeck, dessen wirtschaftliche Grundlage überwiegend Handwerk und Ackerbau sowie die Badequellen waren, einen positiven Aufschwung. Nachdem der preußische König Friedrich der Große und Mitglieder seiner Familie ab 1765 mehrmals die Landecker Quellen zu einer Badekur nutzten, nahm die Zahl der Badegäste und Erholungssuchenden beständig zu.

In Bad Landeck spazieren wir in kleinen Gruppen durch das Kurviertel. Der Kurpark ist sehr schön mit Wasserspielen und Grünanlagen und Blumenrabatten gestaltet. Eindrucksvoll das Kurhaus Marienbad welches wir besichtigen können. Wir nehmen eine Probe des Heilwassers zu uns und müssen feststellen, dass man für die Gesundheit auch einen nicht so guten Geschmack in Kauf nehmen muß. Wir gehen daher lieber in das Cafe Albrechthalle. Dort trifft sich mit der Zeit fast die gesamte Gruppe wieder und wir können zur vorgesehenen Zeit mit dem Bus wieder nach Wilhelmsthal fahren.

Zum Abendessen gibt es ein gefülltes Kartoffelomelett. Für uns etwas ungewohnt. Aber wie an allen Tagen ist das Essen sehr schmackhaft.  

Nach dem Abendessen bedanken wir uns bei dem Wirtsehepaar und dem gesamten Personal für die gute Verpflegung und die überaus freundliche Bedienung. Und da vom Dank alleine niemand leben kann übergeben wir einen Geldbetrag zur Verteilung an das gesamte Personal. Mit Dankesworten und viel Beifall sowie auch mit einem Geldbetrag bedanken wir uns bei unserem Busfahrer für die stets sichere Fahrweise und die immer gleichbleibende Freundlichkeit, mit der er uns in den vergangenen Tagen durch die schlesischen Lande gefahren hat.

Wir sitzen dann noch lange im Untergeschoß in der Bar beisammen und es gibt noch viel zu erzählen.

 

Donnerstag, 11. Juni 

Der letzte Tag unserer Wanderfahrt ist angebrochen. Heute gibt es schon um halb sieben Frühstück. Vorher wird noch das Gepäck verladen. Herzlicher Abschied von den Wirtsleuten und den Bedienungen. Pünktlich kann unser Fahrer Abraham den Gang einlegen und dann geht die Fahrt heimwärts auf der gleichen Strecke wie bei der Herfahrt. Bei Bad Kudowa erreichen wir die polnisch-tschechische Grenze und dann geht es über Königgrätz – Prag – Pilsen – Amberg – Nürnberg – Heilbronn nach Zuffenhausen. Unterwegs gibt es aus der Bordküche wieder Würstchen mit Brot und später Kaffee und Kuchen. Ohne jeden Zwischenfall erreichen wir wieder unseren Ausgangspunkt. Wir alle versprechen uns bei einem Nachtreffen in einigen Monaten wieder zu sehen.        

Text und Gestaltung: Klaus und Petra Müller

 


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