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Wanderfahrt nach Schlesien ins Glatzer Bergland
im heutigen Polen
Das Glatzer Bergland (Grafschaft Glatz) ist ein
Teil von Schlesien und liegt an der Grenze zwischen Polen und
Tschechien, früher Preußen und Böhmen. Schlesien war seit dem 11. –
12. Jahrhundert stets von Menschen deutscher Sprache bewohnt. Nach
dem 2. Weltkrieg wurden 1945 und 1946 die Deutschen jenseits der
Oder-Neiße-Linie von dem polnischen kommunistischen Regime
vertrieben. Fast 15 Millionen Deutsche verloren damals ihre Heimat.
2 Millionen davon verloren auch ihr Leben. Das fast menschenleere
Land wurde dann mit polnischen Bewohnern aus dem östlichen Polen
(vor allem Raum Lemberg) besiedelt. Diese wiederum sind von dem
kommunistischen Regime der Sowjetunion aus ihrer Heimat vertrieben
worden. Die Vertreibungen werden von Polen und der Sowjetunion
beschönigend „Bevölkerungstransfer“ genannt. Schlesien ist heute
wesentlich dünner besiedelt als vor 1945. Viele kleine Dörfer hatten
nach 1945 keine Bewohner und wurden dem Erdboden gleichgemacht. Bei
fast gleicher Fläche wie Deutschland hat Polen nur ein Viertel der
Einwohner Deutschlands.
Kurze Geschichte der Grafschaft Glatz
(Auszug aus einem Aufsatz von Dr. Dieter Pohl)
Das Glatzer Land war seit alters her ein Teil
Böhmens und somit Teil des “Heiligen Römischen Reiches Deutscher
Nation“. Auf das Jahr 981 wird das Kastell Glatz erstmals erwähnt.
995 kam ganz Böhmen an das Fürstengeschlecht der Přemisliden. Sie
beherrschten das Land als Herzöge und Könige bis 1305. Durch ihre
Initiative wurde das Glatzer Land von deutschen Rittern und Bauern
besiedelt. 1310 kam Böhmen durch Heirat unter die Herrschaft der
Luxemburger; deren bekanntester war Karl IV.
1348 wurde das Glatzer Land, wie auch Schlesien und die Oberlaustitz,
durch Karl IV. zum „Nebenland“ der übergeordneten Krone Böhmens
gemacht. 1458 wählten nach langen Wirren die böhmischen Stände Georg
von Podiebrad zum König. Dieser erhob 1459 das Glatzer Land, ohne
dazu berechtigt zu sein, zu einer Grafschaft; die Maßnahme wurde
aber im selben Jahr durch Kaiser Friedrich III. anerkannt, der
zugleich Georgs zweitältesten Sohn Viktorin zum ersten Grafen von
Glatz ernannte.
1524 hatte die lutherische Lehre sich in der
Grafschaft Glatz auszubreiten begonnen. Nach jahrzehntelangen
politischen Wirren kam 1526 die Krone Böhmen und damit auch die
Grafschaft Glatz an die Dynastie der Habsburger. Im Jahre 1618,
Beginn des 30jährigen Krieges gab es in der Grafschaft Glatz nur
noch eine einzige katholische Pfarrei. 1622 war Glatz durch die
Truppen von Kaiser Ferdinand II. erobert. Der Herrscher ergriff nun
im Zuge der gewaltsamen Rekatholisierung härteste Maßnahmen gegen
die Protestanten: Enteignungen, Ausweisungen, Berufs- und
Heiratsverbote, in Böhmen selbst sogar noch Todesurteile. Wenige
Jahre nach dem 30jährigen Krieg war die Grafschaft Glatz wieder tief
katholisch geworden.
Letzte habsburgische Landesherrin war Kaiserin
Maria Theresia als Königin von Böhmen. Nach den drei schlesischen
Kriegen gegen den preußischen König Friedrich II. kam die Grafschaft
1763 an Preußen. Sie war damit nach wie vor Teil des “Heiligen
Römischen Reiches Deutscher Nation“. Der starke Katholizismus der
Grafschaft blieb auch nach der Eingliederung in den stark
protestantisch geprägten preußischen Staat erhalten.
Montag, 1. Juni 2009 (Pfingstmontag)
Der Bus der Firma Eisemann ist überpünktklich
schon vor 6 Uhr am Kelterplatz. Auch alle Teilnehmer sind pünktlich
und so ist das Gepäck schnell verladen und wir können starten. Die
Fahrt geht über die Autobahn nach Heilbronn weiter über Nürnberg –
Amberg zur deutsch-tschechischen Grenze. Das im vergangenen Jahr
noch fehlende Teilstück der Autobahn von Amberg nach Waidhaus ist
nun durchgehend fertig und damit gewinnen wir eine Stunde Fahrtzeit.
Grenzkontrollen gibt an der deutsch-tschechischen Grenze ebenso an
der tschechisch-polnischen Grenze nicht mehr. Das ist ein großer
Erfolg des zusammenwachsenden Europas. Weiter geht es auf der
tschechischen Autobahn über Pilsen – Prag nach Königgrätz. Unterwegs
gibt es auf einem Parkplatz Würstchen mit Brot, heißgemacht von
unserem Fahrer Abraham in der Bordküche des Busses. Am Nachmittag
dann Kaffee mit Hefezopf. Bei Nachod erreichen wir die
tschechisch-polnische Grenze und kommen bei Bad Kudowa (Kudowa
Zdrói) in die Grafschaft Glatz und damit nach Schlesien. Die Fahrt
geht nun durch das Glatzer Bergland über Hummelstadt (Lewin
Kłodzki), Bad Reinerz (Duszniki Zdróy), Bad Altheide (Polanica
Zdróy), Glatz (Kłodzko), Eisersdorf (Zelazno), Ullersdorf
(Ołdrzychowice Kłodzki), Kunzendorf (Trzebieszowice), vorbei an Bad
Landeck (Ladek Zdróy), über Schreckendorf (Stronie Ślaskie), nach
Wilhelmstal (Bolesławów) zu unserem Quartier in der Pension Emilia.
Punkt 17 Uhr sind wir an Ort und Stelle und werden von der Wirtin,
Frau Emilia Budzyñska freundlich empfangen. Um 18 Uhr gibt es unser
Abendessen. Gulasch mit Nudeln. Nach dem Abendessen sitzen wir noch
im Untergeschoß in der Bar zusammen und es wird viel er zählt.
Dienstag, 2. Juni 2009
Frühstück um 8 Uhr. Von dem sehr reichlichen
Frühstück können wir noch unser Vesper richten. Abfahrt mit dem Bus
um 9 Uhr. In Schreckendorf können wir uns am Geldautomaten mit
polnischen Złoty versorgen und im Supermarkt einkaufen. Wenn man
nicht die polnischen Aufschriften sehen würde könnte man meinen es
sei ein Supermarkt in Deutschland. Es gibt alles genau wie bei uns.
Über Bad Altheide und Bad Reinerz kommen wir auf einer Nebenstraße
in der Nähe von Bad Kudowa zu den „Wilden Löchern“ (Błędne Skaly).
Es handelt sich um eine Felsenstadt von deren Höhe man eine
ausgezeichnete Sicht auf die Umgebung und vor allem in Richtung
Riesengebirge mit der Schneekoppe genießt. Das große Labyrinth
enger, manchmal schräger Spalten und mehrere Meter großer Felsblöcke
entstand durch Verwitterung des regelmäßig aufgerissenen Sandsteins.
Das Gebiet steht unter Naturschutz und darf nur auf der bezeichneten
Route begangen werden. Es ist hier viel los. Vor allem Schulklassen
haben wohl ihren Wandertag. Der Rundweg ist recht schwierig zu
begehen. An vielen Stellen ist der Weg so eng, daß man nur seitwärts
durchkommt. In manchen Spalten muß man auf die Knie, da teilweise
nur der untere Teil der Spalten breit genug ist um durchzukommen.
Die Dicken und die Großen haben es in diesem Labyrinth schwer. Auch
der Weg zurück ist schwierig. Es geht über Wurzeln und durch den
Regen der vergangenen Tage ist der Weg rutschig geworden.
Über Bad Kudowa fahren wir nach Bad Reinerz. In
der Papiermühle von 1605, die mustergültig renoviert wurde,
besichtigen wir das Papiermuseum. Bereits für das Jahr 1562 ist in
Bad Reinerz die Existenz einer Papiermühle nachgewiesen. An diesen
Wirtschaftszweig erinnert das Papiermuseum. Mit seinem mit
Holzschindeln gedeckten Satteldach ist das Fachwerkhaus ein
wertvolles Beispiel barocker Architektur. Heute erfahren die Besucher des Museums,
wie die Menschen in der Vergangenheit Papier hergestellt haben. Wir
können zuschauen wie im Erdgeschoss des Museums in Handarbeit
Büttenpapier geschöpft wird. Das Hauptgebäude der Papiermühle stammt
aus dem Jahr 1605. Besonders sehenswert sind die Wandmalereien im
ersten Obergeschoss, die aus dem 17. und 18. Jahrhundert stammen und
Blumenornamente, biblische Szenen und Kurparkgebäude von Bad Reinerz
zeigen. Sie wurden erst 1960 wiederentdeckt und zwischen 1985 und
1987 restauriert. Bei unserem Besuch war gerade eine Ausstellung
für Carl Gotthard Langhans zu sehen. Langhans ist der Erbauer des
Brandenburger Tores in Berlin aber auch der Erbauer der
evangelischen Kirche in meiner Geburtsstadt Waldenburg.
In Bad Reinerz wandern wir dann noch durch den
Kurpark und können dort Kaffee trinken oder Eis essen. Auf der Fahrt
nach Wilhelmsthal werden wir wegen eines Unfalls aufgehalten und
müssen eine Umleitung fahren. Für unseren langen Bus keine
Kleinigkeit.
Zum Abendessen gibt es Bigos. Das ist eine Art
Szegediner Gulasch.
Mittwoch, 3. Juni 2009
Pünktlich wie immer um 9 Uhr steigen wir in den
Bus und fahren die schon bekannte Strecke über Schreckendorf und
vorbei an Bad Landeck nach Glatz.
Glatz ist Kreisstadt und Mittelpunkt des
Glatzer Bergkessels. Es ist der älteste geschichtlich bezeugte Ort
Schlesiens. Die Stadtgründung erfolgte 981 als castellum Kladzco.
Glatz wurde erst nach der Kapitulation am 8. Mai 1945 von
sowjetischen Truppen besetzt. Kriegsbedingte Zerstörungen hat es
daher nicht gegeben. Jedoch wurde in der Zeit des Kommunismus kaum
etwas renoviert und daher wirkt die Stadt auch heute noch an vielen
Stellen verkommen und vernachlässigt. Glatz hatte 1939 20575
Einwohner, 1970 waren es auf vergrößertem Stadtgebiet 26134
Einwohner.
Wir haben eine Stadtführerin engagiert die uns
am Parkplatz Nähe Bahnhof erwartet. Es gibt in Glatz außer der
Festung noch viele weitere Sehenswürdigkeiten. Zunächst besuchen wir
die Minoritenkirche St. Maria, eine barocke Saalkirche errichtet von
1628-1631. Die Kirche wurde 1783 und 1997 durch Hochwasser stark
beschädigt. Es ist kaum vorstellbar wie die relativ kleine Glatzer
Neiße derartige Wassermassen aufbringen kann. Neben dem Eingang
können wir die Hochwassermarkierungen sehen. Im Kirchenraum stand
1997 das Wasser knapp 4 Meter hoch. Es ist alles mustergültig
renoviert worden. Jedoch könnte schon das nächste Unwetter erneut
große Zerstörungen anrichten.
Über die gotische Brücke, vermutlich vor 1379
anstelle einer Vorgängerbrücke errichtet, gehen wir weiter in die
Stadt. Auf den Geländern der Brücke stehen sechs barocke
Steinfiguren. Diese Brücke und die dahinter liegende Minoritenkirche
ergeben ein wunderschönes viel fotografiertes Stadtbild. Wir kommen
zum Rathaus, einem Bau der Neorenaissance, der 1890 eingeweiht
wurde. Neben dem Rathaus eine Mariensäule, errichtet anlässlich der
Pest 1680. Die deutschen Inschriften der Säule sind noch erhalten
und, dem Zustand nach zu urteilen, wohl auch erst kürzlich erneuert
worden.
Die Bebauung der Glatzer Altstadt wurde durch
Bergschäden und mangelnde Erhaltung stark zerstört und zwischen 1959
und 1970 teilweise abgetragen. Die Keller dieser Gebäude sind jedoch
noch erhalten und wurden miteinander verbunden, so dass ein ca. zwei
Kilometer langer, unter der Stadt laufender, Gang entstanden ist,
der zur Festung führt.
Die Festung, nach dem Dreißigjährigen Krieg
durch Umbau des Schlosses nach holländischem Muster entstanden,
wurde 1742 unter Friedrich dem Großen stark ausgebaut und 1877
aufgehoben. Mit unserer Stadtführerin erkunden wir das ganze Gelände
der Festung Glatz. Obwohl ja heute keine Wanderung auf dem Programm
steht haben wir doch einige Kilometer zurückgelegt. Die Rast in
einer Gaststätte im Rathaus Glatz haben wir uns daher redlich
verdient.
Nach dem Abendessen – es gibt polnische
Fleischküchle und Salzkartoffeln - unternehmen wir noch einen
kleinen Spaziergang. Wir wandern zu dem südlich von Wilhelmstal
gelegenen Ölberg. Es handelt sich dabei um eine aus dem Jahr 1823
stammende volkstümliche Darstellung der Szene aus der Bibel, Lukas
22, Vers 39-46, kurz vor der Kreuzigung Christi. Die Anlage wurde
vor einigen Jahren sehr schön renoviert.
Anschließend versammeln wir uns noch im
Untergeschoß unserer Pension in der Bar wo wir noch kräftig singen.
Allerdings ist dieser Raum auf Grund seiner Akustik zum Singen nicht
sonderlich gut geeignet.
Donnerstag, 4. Juni
Heute ist unser Ziel die Wallfahrtskirche
„Maria Schnee“. Wir fahren über Schreckendorf – Seitendorf (Stronie
Ślaskie-Wieș) – Heudorf (Sienna) – Mariendorf (Marianówka) –
Kieslingswalde (Idzików) –Plomnitz (Pławnica) – Wölfelsdorf
(Wilkanów) – nach Wölfelsgrund (Miedzygórze). Der Ort war früher
eine vielbesuchte Sommerfrische. Erst in den letzten Jahren hat man
Anstrengungen unternommen um den Fremdenverkehr wieder anzukurbeln.
Zunächst kommen wir zum Wölfelsfall. Wie uns die Stadtführerin in
Glatz (die aus Wölfelsgrund stammt) sagte hat der Wasserfall bei dem
Hochwasser 1997 sechs Meter seiner Höhe eingebüßt. Vom Wasserfall
aus geht es weiter über viele Treppen in die Höhe. Wir müssen den
„Spitzigen Berg“ mit einer Höhe von 847 m ersteigen. Unterwegs gibt
es ein Problem. Einige Wanderfreunde haben einen falschen Weg
genommen. Aber an der Wallfahrtskirche „Maria Schnee“ sind wir dann
alle wieder vereint. Leider können wir die Kirche nicht besichtigen,
da gerade eine Heilige Messe zelebriert wird. Die Kirche wurde
erbaut in den Jahren 1781 – 1782. Es handelt sich um einen
Spätbarockbau mit klassizistischen Elementen.
Bewohner der ehemaligen
Grafschaft Glatz pilgerten lange Zeit zum weit entfernten
Wallfahrtsort
Mariazell in der österreichischen
Steiermark. Von einer solchen Wallfahrt brachte im Jahre 1750
der Bauernsohn Christoph Veit aus
Wölfelsdorf eine aus Holz geschnitzte Kopie des Mariazeller
Gnadenbildes mit und hängte es unterhalb des Spitzigen Berges
auf eigenem Grund an einen Baum. Die Bewohner der Umgebung
wallfahrten nun zu diesem Gnadenbild, für das sie bald eine
Holzkapelle erbauten. Nach der Überlieferung erlangte 1777 der
erblindete Sohn des Laurentius Franke sein Augenlicht, nachdem er an
dem Gnadenbild gebetet hatte. Darauf hin pilgerten immer mehr
Menschen zu diesem Ort.
Von der Wallfahrtskirche wandern wir zunächst
auf einem grün dann auf einem blau bezeichneten Weg hinüber zu
einem Parkplatz oberhalb des Ortes Heudorf wo wir bereits von
unserem Busfahrer erwartet werden. Die Überraschung ist ihm gelungen
wir bekommen frischen Kaffee. Wir müssen nun einige Zeit warten denn
auf dieser Bergstraße werden irgendwelche Rennen gefahren oder
Fahrzeuge getestet. Auf der Rückfahrt können wir in Schreckendorf
noch einkaufen und am Bankautomaten polnische Złoty holen. Zum
Abendessen gibt es heute Hähnchen und natürlich Kartoffeln. Unserem
Wanderfreund Holger Rath gratulieren wir am Abend noch zum
Geburtstag.
Freitag, 5. Juni
Heute müssen wir auf unseren Bus verzichten.
Unser Busfahrer muss heute seinen gesetzlichen vorgeschriebenen
Ruhetag einhalten. Wir machen daher heute eine Wanderung rund um
Wilhelmsthal. Von unserer Pension geht es auf einem unbezeichneten
Weg den uns Frau Emilia empfohlen hat hinüber nach Klessengrund
(Kletno). Hier hat sich uns ein einheimischer Hund als Begleitschutz
angeboten, der mit Vesperbroten belohnt wurde. Nach der „Bezahlung“
mussten wir ohne sein fachkundige Begleitung den richtigen Weg
finden: Es geht weiter in Richtung Bärenhöhle. Vor Erreichen der
Höhle biegen wir jedoch ab und wandern auf einem blau bezeichneten
Weg in Richtung Neu Mohrau (Nowa Morawa). Unterwegs gibt es eine
Möglichkeit zum abkürzen. Einige Wanderfreunde nehmen die Straße in
Richtung Kamnitz (Kamienica). Die meisten wandern aber weiter um
dann auf einem gelb bezeichneten Weg über den Ölberg wieder unser
Wilhelmsthal zu erreichen. Einigen ist die Wanderung noch nicht lang
genug und sie wandern weiter auf dem blauen Weg in Richtung Neu
Mohrau um von dort Wilhelmsthal zu erreichen. Diese Wanderfreunde
müssen dann noch kurz ihren Regenschirm gebrauchen. Trotzdem können
wir mit dem Wetter bisher zufrieden sein. Es hat nur immer abends
oder nachts geregnet. Tagsüber wurden wir vom Regen verschont. Nach
dem kurzen Regen ist das Wetter aber nun sehr schön sonnig geworden
und so gibt unser Wanderfreund Sepp Neumann im Garten der Pension
noch Privatunterricht im Gitarre spielen. Am Abend wird dann das
Gelernte gleich in die Praxis umgesetzt und im Untergeschoß können
wir noch einige Lieder singen.
Heute gibt es gebackene Forelle mit Kartoffeln.
Wie immer zuvor eine gute Suppe.
Samstag, 6. Juni
Heute brauchen wir keine Wanderstiefel,
Busfahren ist angesagt. Nach dem wie immer sehr reichlichen
Frühstück von dem wir auch unser Mittagsbrot richten können geht
unsere Fahrt vorbei an Bad Landeck nach Glatz und weiter über
Frankenstein (Ząbkowice Śląskie) und Reichenbach (Dzierżoniów) nach
Schweidnitz (Świdnica). Hier besuchen wir die evangelische Kirche
zur Hl. Dreifaltigkeit die zum Weltkulturerbe der UNO zählt. Die ev.
Kirchengemeinde in Schweidnitz hat nur ungefähr 150 Mitglieder, in
dem Gotteshaus gibt es aber ca. 3000 Sitzplätze und 4500 Stehplätze.
Zu deutscher Zeit war Schweidnitz überwiegend evangelisch.
Als am 24. Oktober 1648 der Westfälische Friede
das unselige Morden des 30jährigen Kriegs beendete, sah sich Kaiser
Ferdinand III. durch die Krone Schweden gezwungen, selbst den
Evangelischen seiner Erbfürstentümer Schweidnitz, Jauer und Glogau
den Bau je einer „Friedenskirche“ zu gestatten, aber nur draußen vor
der Stadt, nur aus Fachwerk und ohne Glocken. Der Bau wurde
ausgeführt vom Zimmermeister Andreas Kämper aus Jauer sowie dem
Schweidnitzer Zimmermeister Kaspar König und dem Ratsmaurermeister
Andreas Zöllner. Am 23. August 1656 wurde mit Predigt und Gesang die
Legung des Grundteins begangen. Am 24. Juni 1657 konnte das Gebäude
zum ersten Gottesdienst benutzt werden.
Die Friedenskirche erlitt ebenso wie die Stadt
Schweidnitz und viele schlesische Städte keine kriegsbedingten
Zerstörungen. Ruinen und Baulücken sind erst in den Jahren der
kommunistischen Herrschaft zunächst durch Vandalismus der russischen
Besatzer und später durch mangelnde Erhaltungsmaßnahmen entstanden.
(Das Gotteshaus im Kloster Leubus bei Breslau z.B. wurde von der
sowjetischen Besatzung als Pferdestall benutzt und das Mobiliar
einschließlich des Hochaltars und der wertvollen Gemälde als
Heizmaterial verwendet.)
Auf dem Rückweg besuchen wir noch das Gut
Kreisau (Krzyżowa), 1250 erstmals als Rittersitz erwähnt. Helmuth
Graf von Moltke, geb. 1800, gestorben 1891, war preußischer
Feldmarschall. Er führte die preußischen Kriege 1864 gegen Dänemark,
1866 gegen Österreich und 1870/71 gegen Frankreich zum Siege. Kaiser
Wilhelm I. verlieh ihm als Dank das Gut Kreisau, wo er begraben ist.
Letzter Gutsherr war der am 11.3.1907 geborene Helmuth James Graf
von Moltke, Mittelpunkt des Widerstandes gegen Hitler in dem 1942
von ihm ins Leben gerufenen “Kreisauer Kreis“. Moltke wurde im
Januar 1944 verhaftet, zum Tode verurteilt und am 23.1.1945 in
Berlin-Plötzensee hingerichtet.
In der Cafeteria versuchen wir eine Kaffeepause
einzulegen. Leider werden wir sehr unfreundlich, beinahe abweisend,
behandelt und so müssen die Meisten von uns eben ohne Kaffee wieder
in unseren Bus einsteigen.
Unser nächstes Ziel ist Bad Altheide.
Für den Bus haben wir schnell einen Parkplatz
gefunden und schlendern auf der Kurpromenade, entlang des Flüsschens
Weistritz (Bystrzyca Dusznicka), in Richtung Kurpark. In Anbetracht
des kleinen Flüsschens das drei Meter unter dem Niveau der
Kurpromenade dahinfließt hält man es kaum für möglich, dass beim
Hochwasser 1997 diese Kurpromenade einen Meter unter Wasser stand.
Im Kurcafé können wir uns dann einen guten Kaffee und ein Stück der
reichhaltigen Kuchen- und Tortenauswahl einverleiben.
Zum Abendessen gibt es Kohlwickel mit
Kartoffeln
Sonntag, 7. Juni
Am heutigen Sonntag ist Europawahl. Es hat fast
schon Symbolcharakter wenn wir heute entlang der
polnischen-tschechichen Grenze wandern und diese Grenze auch ohne
Schwierigkeiten überschreiten können. Unser Freund Nikolaus Simon,
der als einziger unserer Gruppe in der Grafschaft geboren ist, hat
uns eine Wanderung bei Mittelwalde, in diesem Ort ist er geboren,
empfohlen. Wir fahren also über Schreckendorf – Heudorf – Mariendorf
- Kieslingswalde – Plomnitz nach Mittelwalde (Międzylesie). Von hier
aus muß unser Busfahrer erst noch erkunden, ob die Durchfahrtshöhe
einer auf der Straße zwischen Schönau (Smreczyna) und Steinbach
(Kamieńczyk) liegenden Unterführung für unseren Bus noch ausreichend
ist. Ergebnis: Der Bus kann die Straße befahren. Also zurückfahren
nach Mittelwalde und von dort nach Freiwalde (Lesica) fahren. Aber
hier haben wir Pech. Die Straße ist nur für Fahrzeuge bis 5 Tonnen
zugelassen. Wir müssen also etwas umdisponieren und wandern nun vom
Bahnhof Mittelwalde nach Steinbach. Der Weg geht durch kleine Wälder
und über Wiesen. Und hier lässt uns zum ersten Mal die Wegmarkierung
im Stich. Aber nach Steinbach finden wir auf Grund der guten
Wanderkarte auch ohne Markierung. In dem Ort fragen wir einen vor
seinem Hause arbeitenden Bauern nach der kleinen Holzkirche. Und
trotz der Sprachschwierigkeiten kann uns der freundliche Pole, der
sichtlich erfreut ist uns helfen zu können, den Weg zu den Leuten
weisen, die die Kirche betreuen. Unser Wanderfreund Holger Rath geht
zu diesen Leuten und es kommt jemand mit, der uns die Kirche
aufschließt.
Die katholische Kirche St. Michael in Steinbach
ist eine barocke Holzkirche, erbaut im Jahre 1710 als
Friedhofskirche. Inneres saalartig mit dreiseitiger Empore und reich
ornamentierter Flachdecke. Die Balustrade der Emporen ist bemalt mit
ornamentalen Blumenbuketts. Durch Ihre Schlichtheit ist diese Kirche
sehr beeindruckend.
Bei der Kirche befindet sich ein schöner
Rastplatz mit vielen Bänken. Da wir heute sonniges Wetter haben
können wir hier unser Mittagsvesper genießen. Da auch unser Bus an
der Kirche eingetroffen ist bekommen wir aus der Bordküche einen
guten frischen Kaffee. Kuchen oder gar Schwarzwälder Kirschtorte
gibt es leider nicht.
Von Steinbach aus wandern wir Richtung
polnisch-tschechische Grenze und dann immer entlang dieser Grenze
über den Grenzberg 711 m bis wir kurz vor Bobischau (Boboszów) auf
eine Bahnlinie treffen. Laut Wanderkarte müssen wir diese Bahnlinie
überqueren. Wir suchen eine Weile nach einem Übergang über die
Gleise bis wir feststellen, dass der Wanderweg direkt über die
Gleise führt. Es gibt keine Brücke oder Unterführung, auch keinen
Bahnübergang. Der Wanderweg führt ohne jegliche Sicherung direkt
über die Gleise. Da die Eisenbahnstrecke hier auch noch in einer
Kurve liegt kommt uns diese Situation doch etwas gefährlich vor. Der
Weg ist auch einigermaßen halsbrecherisch, zunächst den Bahndamm
hinunter und dann auf der anderen Seite wieder hinauf. Hier fahren
wohl nur sehr wenige Züge.
Am Grenzübergang Bobischau treffen wir wieder
unseren Bus. Wir fahren nun noch zum Kloster Grulich in Tschechien.
Auch hier sind die Anlagen am Grenzübergang verwaist. In solchen
Situationen ist man für das zusammenwachsende Europa dankbar. Auf
der Rückfahrt nach Wilhelmsthal kommen wir noch in ein kräftiges
Gewitter. Aber wir sind im Trockenen. Vorsichtshalber fahren wir
nicht den Weg über die Berge sondern über Ullersdorf – Kunzendorf zu
unserer Pension.
Zum Abendessen gibt es heute Schnitzel und –
natürlich Kartoffeln.
Montag, 8. Juni
Heute steht die Heuscheuer auf dem Programm.
Frühstück 8 Uhr, Abfahrt 9 Uhr, pünktlich wie immer. Fahrstrecke wie
gehabt über Glatz und Bad Altheide nach Bad Reinerz. Hier biegen wir
ab nach Karlsberg (Karłów) zur Heuscheuer.
Im Jahre 1790 kamen Friedrich Wilhelm II. und
Johann Wolfgang von Goethe hierhin zu Besuch.
Die
Heuscheuer bildet eine nach allen Seiten steil abfallende
Sandsteinbergplatte (Leierberg 726 m hoch), auf welcher sich
mächtige, vielfach zerklüftete
Kuppen und Bergkämme erheben, so die vielbesuchte
Große Heuscheuer (920 m) und der
Spiegelberg (915 m), zu denen man auf
Stufen bequem emporsteigt. Der zerklüftete
Sandstein dieser
Berge zeigt eine
Menge phantastischer Felsbildungen. Die tiefe Waldeinsamkeit,
welche überall die gewaltigen öden Felsmassen umgürtet, macht einen
düstern
Eindruck. Wo aber von einem Aussichtspunkt der
Blick über den waldigen Abgrund hinschweift, bietet sich ihm ein
reichbelebtes, entzückendes Talbild. Der
Tafelstein ist als Aussichtspunkt berühmt. (Aus einer alten
Reisebeschreibung.)
Ein Parkplatz für unseren Bus ist bald
gefunden, natürlich wie immer gegen eine verhältnismäßig geringe
Gebühr. Zunächst geht es an Verkaufsständen vorbei wo man alles an
Souvenirs bekommt was man sich so wünscht. Bald beginnt der Aufstieg
über einige hundert Treppen. Oben angekommen können wir eine
herrliche Aussicht genießen. Das Wetter ist zwar nicht ganz sicher,
der Schirm ist wie an allen Tagen ständiger Begleiter. Aber gerade
deshalb haben wir eine sehr klare Sicht. Die Schneekoppe im
Riesengebirge ist sehr schön zu sehen. Wir nehmen nun den
bezeichneten
Rundweg der an den verschiedenen
Feldformationen, Großvaterstuhl, Affe, Henne, Kamel usw. führt. Es
ist ein z.T. etwas beschwerlicher Weg. Wir müssen immer wieder
Treppen auf und abwärts steigen und kommen dabei zum Beispiel in die
„Hölle“, der tiefste Teil des Rundweges. Hier findet man das ganze
Jahr Schnee und Eis. Über viele Treppen geht es wieder nach unten.
Kurz vor dem Parkplatz müssen wir uns dann noch beeilen denn es
fängt ganz leicht an zu regnen.
Wir haben nun noch etwas Zeit und so können wir
noch einen Abstecher nach Albendorf (Wambierzyce) machen.
Das 1330 belegte Dorf wurde als „Schlesisches
Jerusalem bezeichnet. Einer Legende nach soll hier im 12.
Jahrhundert ein Blinder aus Rathen die Mutter Gottes mit dem Kind in
einer Glorie gesehen und sein Augenlicht wiedererlangt haben. Danach
weihte man an dieser Stelle einen Brunnen und errichtete einen
Altar, zu dem bald Menschen pilgerten. Ende des 17. Jahrhunderts
begann Daniel Paschasius aus Osterberg, der Grundherr von Nieder
Rathen das Dorf nach dem Plan von Jerusalem umzugestalten. Er ließ
eine große Wallfahrtskirche als den Tempel, 12 Tore und auf den
Hügeln der Umgebung 76 Kapellen erbauen. Auch die Namen erinnerten
an das Heilige Land. Der Dorfbach hieß nun Cedron, die Hügel
Kalvarienberg , Sinai, Tabor, Horeb und Quarantänehügel. Die heutige
barocke Wallfahrtskirche ließ Graf Anton von Götzen 1716-1721
errichten. Zu der stattlichen Fassade steigt man über 56 breite
Treppenstufen empor. Diese werden derzeit erneuert. Im Kircheninnern
befindet sich die 28 cm hohe Marienfigur aus dem 14. Jahrhundert,
umgeben von einer überaus reichen Ausstattung mit dem geschnitzten
Hochaltar und der Kanzel, dem schmiedeeisernen Gitter am
Presbyterium, reich vergoldeten Seitenaltären, geschnitztem Gestühl
und einer großen Anzahl an Votivgaben und Zeugnissen von wunderbaren
Heilungen der Pilger.
Wir sind tief beeindruckt von der Kirche und
der Umgebung auch wenn man im Innern der Kirche bemerkt, dass eine
grundlegende Renovierung des Gebäudes erforderlich wäre.
Nun müssen wir und beeilen, dass wir
rechtzeitig zu der bestellten Kaffeetafel im Hause Lerchenfeld
(Skowronki) eintreffen. Eine Familie mit deutschen Wurzeln hat hier
ein Bauernhaus zu einer kleinen Pension umgestaltet und bewirtet mit
schlesischem Mohn- und Streuselkuchen viele Reisegruppen die hier
gerne einkehren. Der Kuchen, vor allem der Mohnkuchen mit Streusel
obendrauf, schmeckt sehr gut.
Über den „Schlesischen Streuselkuchen“ gibt es
ein kleines mundartliches Gedicht:
Schläscher Kucha,
Sträselkucha,
Dos is Kucha, sapperlot,
Wie´s uff Herrgoots weiter Arde
Nernt nich su woas Gudes hoot.
Wär woas noch so leckerfetzig (d.h. besonders
lecker)
Eim Geschmak ooch noch su schien:
Über schläscha Sträselkucha
Tutt halt eemol nischt nich giehn!
Das „Derhääme Häusla“ nebenan wurde
museumsartig so eingerichtet wie es in einem schlesischen Bauernhaus
bis zum Jahre 1945 üblich war. Die Wirtin erzählt uns einiges über
den Werdegang von Haus „Lerchenfeld“. Anschließend singen wir noch
Wander- und Heimatlieder und dann müssen wir uns wieder aufmachen
denn für 19 Uhr ist das Abendessen bei „Emilia“ bestellt. Heute gibt
es polnische und russische Piroggen, das sind eine Art
Maultaschen.
Am Abend gibt es noch eine ungute Diskussion
wie man am nächsten Tag den Schneeberg am besten „bezwingt“. Eine
Fahrt mit einem alten Jeep kostet 20 Euro. 11 Personen wollen die
Fahrt machen. So verdient der Besitzer des Jeeps in wenigen Stunden
220 Euro. Eine Unverschämtheit, denn von diesem Betrag muss mancher
Mensch in Polen einen ganzen Monat leben.
Dienstag, 9. Juni
Schneeberg-Tag. Mit dem Bus fahren wir nach
Klessengrund (Kletno). Auf dem gelb bezeichneten Weg wandern wir
vorbei an der Bärenhöhle (Jaskinia Niedżwiedzia) und durch Wald mehr
oder weniger steil hinauf zur ehemaligen Schweizerei, erbaut 1871,
jetzt eine polnische Bergbaude. Von dort ist es noch eine halbe
Stunde Weges bis zum Gipfel des 1425 m hohen Glatzer Schneebergs. Im
Jahre 1972 wurde der auf dem Gipfel befindliche steinerne
Kaiser-Wilhelmsturm aus militärischen Gründen (andere sagen wegen
Baufälligkeit) gesprengt. Wir haben hier oben eine umfassende
Aussicht über die ganze Grafschaft Glatz. Auf dem Gipfel weht ein
sehr kalter Wind. Hinter dem Steinhügel der Überreste des Turmes ist
es jedoch aus- zuhalten und so können wir dort unser Vesper
einverleiben. Bald machen wir uns wieder an den Abstieg um im
Schweizerhaus noch zu einer Kaffeepause einzukehren. Auffallend ist,
dass die Schüler einiger Schulklassen, die heute wohl ihren
Wandertag haben, in der Hütte sehr gesittet auftreten. Hier könnten
sich deutsche Schulklassen ein Beispiel nehmen. Wir treffen hier
auch die Wanderfreunde die mit dem Jeep heraufgefahren sind. Für den
Weg nach unten wählen wir einen anderen, blau markierten, Wanderweg
um wieder zu unserem Bus in Klessengrund zu gelangen.
Zum Abendessen gibt es Rouladen mit Klößen.
Mittwoch, 10. Juni
Heute ist unser letzter Tag im Glatzer
Bergland. Eine letzte Wanderung steht auf dem Programm. Wir wollen
die 900 m hohe Heidelkoppe besteigen. Mit unserem Bus fahren wir
durch Bad Landeck und dann in Richtung Leuthen (Lutynia) und zur
tschechischen Grenze. Kurz vor der Grenze gibt es einen Parkplatz.
Von hier aus wandern wir immer entlang der polnisch-tschechischen
Staatsgrenze, zunächst auf einem schönen Wiesenweg und dann durch
Wald zur Heidelkoppe. Hier stand früher ein Wanderheim des
Mährisch-schlesischen Sudetengebirgsvereins, an seiner Stelle steht
jetzt, praktisch genau auf der polnisch-tschechischen Grenze, ein
neuer Aussichtsturm mit einer kleinen Restauration die heute jedoch
nicht geöffnet ist. Bei der Verwirklichung des Projektes mag
geholfen haben, dass sich in den Zeiten des politischen Umbruchs in
den kommunistischen Ländern auf der Heidelkoppe tschechische und
polnische Dissidenten getroffen haben – darunter auch so bekannte
wie der tschechische Staatspräsident Vaclav Havel. Der Turm ist ganz
neu und wurde im Jahre 2006 eingeweiht. Es passt durch seine
Bauweise, Steinfundament und oben Holzverkleidung, sehr gut in die
Landschaft. Nach einer Rast machen wir uns auf den Rückweg zum Bus
um wieder hinunter nach Bad Landeck zu fahren.. Einige Wanderfreunde
nehmen jedoch einen anderen Weg und wandern direkt hinunter nach Bad
Landeck.
Landeck wurde vermutlich in der zweiten Hälfte
des 13. Jahrhunderts durch den
böhmischen König
Ottokar II. Přemysl gegründet und ist für 1294 als böhmisch
königliche Stadt nachgewiesen. Für 1325 ist die Schreibweise
Landecke belegt, die der geographischen Lage an der südöstlichen
Grenze des
Glatzer Landes entspricht, mit dem es die Geschichte seiner
politischen und kirchlichen Zugehörigkeit teilte. Nach den
Schlesischen Kriegen kam es zusammen mit der Grafschaft Glatz
1763 mit dem
Hubertusburger Frieden an
Preußen. Anfang des 19. Jahrhunderts nahm Landeck, dessen
wirtschaftliche Grundlage überwiegend Handwerk und Ackerbau sowie
die Badequellen waren, einen positiven Aufschwung. Nachdem der
preußische König
Friedrich der Große und Mitglieder seiner Familie ab 1765
mehrmals die Landecker
Quellen zu einer Badekur nutzten, nahm die Zahl der Badegäste
und Erholungssuchenden beständig zu.
In Bad Landeck spazieren wir in kleinen Gruppen
durch das Kurviertel. Der Kurpark ist sehr schön mit Wasserspielen
und Grünanlagen und Blumenrabatten gestaltet. Eindrucksvoll das
Kurhaus Marienbad welches wir besichtigen können. Wir nehmen eine
Probe des Heilwassers zu uns und müssen feststellen, dass man für
die Gesundheit auch einen nicht so guten Geschmack in Kauf nehmen
muß. Wir gehen daher lieber in das Cafe Albrechthalle. Dort trifft
sich mit der Zeit fast die gesamte Gruppe wieder und wir können zur
vorgesehenen Zeit mit dem Bus wieder nach Wilhelmsthal fahren.
Zum Abendessen gibt es ein gefülltes
Kartoffelomelett. Für uns etwas ungewohnt. Aber wie an allen Tagen
ist das Essen sehr schmackhaft.
Nach dem Abendessen bedanken wir uns bei dem
Wirtsehepaar und dem gesamten Personal für die gute Verpflegung und
die überaus freundliche Bedienung. Und da vom Dank alleine niemand
leben kann übergeben wir einen Geldbetrag zur Verteilung an das
gesamte Personal. Mit Dankesworten und viel Beifall sowie auch mit
einem Geldbetrag bedanken wir uns bei unserem Busfahrer für die
stets sichere Fahrweise und die immer gleichbleibende
Freundlichkeit, mit der er uns in den vergangenen Tagen durch die
schlesischen Lande gefahren hat.
Wir sitzen dann noch lange im Untergeschoß in
der Bar beisammen und es gibt noch viel zu erzählen.
Donnerstag, 11. Juni
Der letzte Tag unserer Wanderfahrt ist
angebrochen. Heute gibt es schon um halb sieben Frühstück. Vorher
wird noch das Gepäck verladen. Herzlicher Abschied von den
Wirtsleuten und den Bedienungen. Pünktlich kann unser Fahrer Abraham
den Gang einlegen und dann geht die Fahrt heimwärts auf der gleichen
Strecke wie bei der Herfahrt. Bei Bad Kudowa erreichen wir die
polnisch-tschechische Grenze und dann geht es über Königgrätz – Prag
– Pilsen – Amberg – Nürnberg – Heilbronn nach Zuffenhausen.
Unterwegs gibt es aus der Bordküche wieder Würstchen mit Brot und
später Kaffee und Kuchen. Ohne jeden Zwischenfall erreichen wir
wieder unseren Ausgangspunkt. Wir alle versprechen uns bei einem
Nachtreffen in einigen Monaten wieder zu sehen.
Text und Gestaltung: Klaus und Petra Müller
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