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Wanderbericht Gesamtverein
Italien, Sizilien
 

Wanderinformationsreise des Schwäbischen Albvereins

„Auf den Spuren der Sicani“ mit Rosario Bellina

Herr Rosario Bellina, ein Naturfreund und Wanderer mit Leib und Seele, hat es vor Jahren von Santo Stephano Quisquina/Sizilien nach Kirchheim unter der Teck am Fuße der Schwäbischen Alb verschlagen. Seine Liebe zur Natur führte ihn bald hinauf auf die Schwäbische Alb, um bei vielen Wanderungen diese Landschaften, die auch Ähnlichkeiten mit den Regionen seiner Heimat aufweisen, kennen zu lernen. Bald bemerkte er auch die allgemeinen Leistungen des Schwäbischen Albvereins in Bezug Natur – Heimat – Wandern und trat unserem Verein bei. Seine Ausbildung zum zertifizierten Wanderführer bei der Heimat und Wanderakademie Baden Württemberg im Jahre 2003 war dann für Wdf. Bellina fast selbstverständlich. Er bot daraufhin beim Deutschen Wanderverband Ferienwanderungen an, um interessierten Wanderfreunden die Schönheiten seiner Heimat Sizilien zu zeigen. Mit großem Engagement in Zusammenarbeit mit Naturschutzverbänden und Naturparks setzt er sich unter dem Motto „Erleben – Erholen – Erhalten“ für die Förderung des sanften und nachhaltigen Tourismus in Europa ein.

Nach diesem Motto hat Herr Bellina Wanderführer des Schwäbischen Albvereins zu einer Wanderreise nach Sizilien eingeladen. Karl-Heinz Lautenschlager nahm im Frühjahr 2007 sehr gerne das Angebot an, denn die Zukunft des europäischen Wanderns durch Kultur- und Naturlandschaften liegt im „nachhaltigen, sanften Tourismus“. Natur, Heimat, Brauchtum, Land und Leute, deren Lokalprodukte kennen zu lernen und zu erhalten, das sind die Stichworte der Zukunft, um interessierte junge Menschen wieder für den Wanderverein zu gewinnen. Erleben, erholen, erhalten, die Naturlandschaft erleben, Körper und Seele erholen, abschalten, neues kennen lernen, alte Kulturen erhalten, Wissen weiterreichen, Freunde, Gleichgesinnte kennen lernen. Unter diesem Gesichtspunkt fand die Erlebnis-Info-Reise statt. Beginnend mit einem angenehmen Flug von Stuttgart nach Catania-Sizilien und Fahrt nach Frankenvilla.

Wenn man eine Reise tut, dann kann man was erleben! Bedingt durch einen Flugausfall flog die Gruppe 1 schon am Samstag, 5. April, die Gruppe 2 am 7. April nach Sizilien.

Für die Gruppe 1 wurde von Herrn Bellina folgendes Programm angeboten:

5.4.: Besichtigung der zweitgrößten Stadt Siziliens „Catania“. Besonders sehenswert die Kathedrale beim Piazza Duomo. Das Wahrzeichen der Stadt der Elefantenbrunnen und das römische Amphitheater. Besonders beeindruckt waren wir alle vom Treiben auf dem Markt.

6.4.: Fahrt nach Tindari. Sehenswert die Wallfahrtskirche und Schwarze Madonna orientalischen Ursprungs. Unterwegs sehr schöne Wanderung zum Roca Novara (1340 m, das „Matterhorn Siziliens“).

7.4.: Eine sehr schöne kurzweilige Wanderung durch Zitronen- und Orangengärten führte uns zur Alcàntara-Schlucht, besonders bekannt durch ihre spektakuläre Vielfalt der Vegetation an den Ufern des Flusses. Gegen 22 Uhr wurde die Gruppe 2 mit einem Begrüßungsdrink empfangen.

Das erste große Wandererlebnis war natürlich die Besteigung des 3350 Meter hohen noch heute tätigen Vulkans „Ätna“ (Mogibello = Berg der Berge). Da der Ätna noch eine Schneehaube hatte, war die Spitze nicht zu erreichen. Das gesamte Berggebiet des Vulkans ist als Naturschutzgebiet geschützt (ca. 200 km Umfang) und zu Fuß gut zu erreichen. Bequeme Wanderwege führen durch die unterschiedlichen Vegetations- und Klimazonen. Gut ausgebaute Forstwege, beginnend beim Rifugio Ragabo, gesäumt von Buchen, Schwarzkiefern bei denen heute noch zum Teil Harz gewonnen wird. Die fruchtbare Vulkanasche lässt in der Ebene Orangen, Zitronen, Gemüse und Wein gedeihen. Esskastanienwälder und Wacholder bestimmen die höhere Region. In der Gipfelregion wachsen nur noch Flechten, um schließlich die „Mondlandschaft“, den Bereich in der Nähe des Kraters, zu erreichen. Hier kann man an der Farbe der Lava erkennen, wann die Ausbrüche waren (1928, 1971, 1982, 2002 der Letzte);  je jünger, desto dunkler die Farbe der Lava. Einer der größten Ausbrüche war 1669 und hat ein großen Teil Catanias zerstört. Unter der Führung von Natale (Wanderführer des C.A.I.) war die Besteigung ein Erlebnis, sowie einer 700 m langen Lavahöhle.

In einem erstklassigen Landhotel in der Nähe von Alia, 60 km von Palermo entfernt, fand man Ruhe und Erholung von der anspruchsvollen Wanderung.

Ein weiterer Höhepunkt war die Wanderung durch das Biosphärenreservat Monti Cammarata, hier befand man sich auf den Spuren der Sicani. Das Naturschutzgebiet Monti Sicani zeigt auf einer Fläche von ca. 2000 ha Steineichen, Ginster, Pinien und ein Meer von verschiedenen Blumen im Frühling. Orchideen, wilde Pfingstrosen, Schwertlilien, um nur einige zu nennen. Der Berg Monte Cammarata mit ca. 1600 Metern Höhe bietet Wanderern und Kletterern ein besonderes Erlebnis. Der Abstieg durch ein Geröllfeld, mit Zwangspause, um einer aufsteigenden Schafherde Platz zu machen, endet am Grillplatz di Buonanotte. Salvatore, ein Biobauer, hatte uns ein typisch sizilianisches Vesper vorbereitet. Hier konnten wir uns von den Anstrengungen und der Leistung der Forstverwaltung und deren Mitarbeitern überzeugen: stabile, gepflegte Grill- und Vesperplätze inmitten von Pinienwäldern - ein willkommener Rastplatz.

Die Spuren der Sicani waren deutlich zu erkennen: Steinwälle und Mauern zum Schutz der Schafe und Stein-Rundhütten mit Schlaf-und Kochplatz aus dem 16. Jahrhundert vor Christus. Der anschließende Abend wurde durch ein Meeting gekrönt. Die Repräsentanten der verschiedenen Reservate stellten in Wort und Bild ihre Naturparke vor.

Sizilien ist in fünf große Naturparke aufgeteilt: Naturpark Ätna, Naturpark Madonie, Naturpark Monte Cammarata, Naturpark Nebrodi, Tal der Tempel. Direktor Leto Barone erläuterte anhand von Gemälden aus dem vorigen Jahrhundert und Fotos von heute die Kultur-Historie und die Hinterlassenschaften von Valle di Templi di Agrigento (Tal der Tempel von Agrigent). Direktor Lipuma des Naturparks Madonie erläuterte die Aufgabe zur Erreichung der Anerkennung Geo-Park Madonie im „European Geopark Network“, dem auch der Geo-Park Schwäbische Alb angeschlossen ist. Er erklärte, dass in 15 Kommunen ca. 82.000 Menschen auf 400 km² leben, das heißt 44 pro km².

Sieben weitere Bürgermeister von umliegenden Gemeinden stellten ihr Gebiet vor. Der Patto Territoriale Valle del Torto e dei Feudi ist ein Projekt zur Förderung des Tourismus und der wirtschaftlichen Förderung dieser Region, wobei die Übersetzung vom Italienischen ins Deutsche eine gewisse Zeit in Anspruch nahm. Um einen Eindruck der erzählten Geschichte zu bekommen, stand am nächsten Tag unter der Führung von Direktor Lipuma eine Wanderung im Naturpark Madonie an, in einer wunderschönen Berglandschaft mit bizarren Formen des Kalkkarstes. Hier konnte man erkennen, dass die Insel aus dem Meer aufgestiegen ist. Reste von Muscheln und Korallen waren zu erkennen. Von den Bergspitzen bot sich ein herrlicher Blick auf die Küste Siziliens bis hin zum Ätna. Nachmittags noch ein Kurzbesuch der mittelalterlichen Kleinstadt Cefalu, mit zauberhaftem Charme und einer imposanten Kathedrale sowie einem kleinen Fischerhafen und pulsierendem Touristen-Verkehr.

Ein weiterer Beweis für die wachsende Begeisterung des sanften Tourismus war der Besuch des Landgutes Lorenzo, einem guten Freund von Rosario Bellina. Hier inmitten der Berge hat Herr Lorenzo eine Attraktion aufgebaut: Wanderwege angelegt, Übernachtungs-Möglichkeiten im Heu sind in Vorbereitung und Schafs-Käsespezialitäten können probiert werden, außerdem kann bei der Herstellung zugeschaut werden.

Weiter ging es zum Tageshöhepunkt Agrigento im Tal der Tempel. Die antike Stadt Agrakas 581 Jahre vor unserer Zeitrechnung hatten die Griechen aus Rhodos die erste Siedlung auf einem Hochplateau gegründet. Der Ort wurde durch steil abfallende Hänge natürlich geschützt. Agrigento entwickelte sich zu einer blühenden Metropole mit 200.000 Einwohnern im Jahr 600 vor Christus. Diese Hinterlassenschaft der Griechen auf dem Tempelhügel mit den imposanten Monumenten der griechischen Architektur zeugen von der hoch stehenden Kultur der damaligen Zeit: Juno-Tempel,  Concordia-Tempel, Zeus-Tempel mit den Giganten, die Transport-Spuren der Steine und Säulen, die Katakomben und Gräber in den Mauern.

Doch leider geht die schönste Reise einmal zu Ende. Der Rückflug von Palermo aus stand an. Aber wer in Palermo ist, muss unbedingt den „Dom von Monreale“ besichtigen. Der Normannenkönig Wilhelm II. erteilte im Jahr 1174 den Auftrag zum Bau einer Kathedrale, die als Grablege vorgesehen war. In 25 Jahren  entstand das wohl hervorragenste Bauwerk der normannischen Epoche.  In prächtigen Mosaikzyklen sind die Szenen des Alten und Neuen Testaments dargestellt: eine vollständige Bilderbibel des Mittelalters auf 6000 Quadratmeter in Glas-Gold-Mosaik. Der originale Kreuzgang gehörte zum angrenzenden Benediktiner–Kloster und zählt zu den schönsten der Welt.

Glücklich wieder in der Heimat, bleibt nur noch zu sagen, ein riesengroßes Dankeschön dem Organisator Rosario Bellina, der mit Herzblut seine Heimat dargestellt hat. Ebenso herzlich sei das Dankeschön für Karl-Heinz Lautenschlager vom Schwäbischen Albverein als Organisator. Beiden ist ein großes Lob auszusprechen.

Kontakt: Rosario Bellina, Touristik Office, Fuchsweg 16, 73230 Kirchheim/Teck

Informationsveranstaltung: 6. September 2008, 19 Uhr, Italienisches Kulturamt, Kolbstr. 18, Stuttgart
 


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