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Wanderbericht OG Rutesheim
Thüringen
 

Wandern und Kultur, eine Verbindung, wie sie in dieser Intensität sonst nur selten in Deutschland anzutreffen ist, erlebten 33 Reiseteilnehmer der OG in Thüringen. Das abwechslungsreiche Programm war für uns von u.a. Thüringerwald-Verein kompetent ausgearbeitet worden.
Unser Basislager war in Schwarzburg. Schon dort konnten wir die historischen Spuren, auf denen wir uns bewegten, nicht übersehen. In diesem Hotel unterzeichnete der erste deutsche Reichspräsident, Friedrich Ebert, die Weimarer Verfassung. Dass die Weimarer Republik aber gut ein Jahrzehnt später wieder in Trümmer gefallen war, hatten wir täglich buchstäblich vor Augen. Die Nazis hinterließen die ehemals prächtige Schwarzburg als Trümmerhaufen, weil sie ausgerechnet dort ein Gästehaus einrichten wollten.

Unsere Wanderungen führten uns nach Sitzendorf in die dortige Porzellan-Manufaktur, auf dem Goetheweg nach Ilmenau und nach Oberweißbach ins Geburtshaus von Friedrich Fröbel, dem Begründer der Kindergärten. Die Fröbel-Mutter, Frau Heintze, brachte uns in äußerst kurzweiliger Weise den Lebensweg des Kinderpädagogen nahe. Manche von uns besorgten sich dort auch „Olitäten“, Naturheilmittel, mit denen früher in Thüringen eifrig Handel getrieben wurde.
Wohl kaum in einer anderen Stadt in Deutschland trifft man auf so viel geballte Kultur wie in Weimar. Goethe, Schiller, Wieland, Herder und die Bauhausarchitektur bestimmen dort das Stadtbild und das städtische Leben auf Schritt und Tritt. Den Besuch des Goethe-Museums ließen wir uns dort natürlich nicht nehmen.
Ein letzter Höhepunkt war schließlich der Besuch der Landeshauptstadt Erfurt. Wer diese Stadt kurz nach der Wende besucht hat, wird sie heute kaum wieder erkannt haben. Eine moderne, restaurierte Stadt, auch wenn hier und da nicht zu übersehen war, dass die Eigentumsfrage noch nicht geklärt werden konnte.

Vor unserer Rückfahrt besuchten wir noch den Kaisersaal, den einzigen, wieder hergestellten und damit besuchbaren Teil der Schwarzburg. Damit lag eine wunderbare, erlebnisreiche Woche hinter uns.

Karl-Heinz Ratz
 


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