Menüleiste  
Wander-
berichte
Übersicht
Auswahl
zurück zu den
Serviceseiten

Wanderbericht OG Ringschnait
Deutschland, Hamburg
 

Der Schwäbische Albverein, Ortsgruppe Ringschnait,
auf Hamburgfahrt !

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen …

Nach langer Vorbereitung startete am 02. Oktober 2008 die Ortsgruppe zu einer Städtefahrt nach Hamburg. Zuvor gab es schon die erste Überraschung: Es kam nicht der Doppeldeckerbus der Firma Bottenschein, sondern die Firma Dörfler aus Neumarkt/Oberpfalz übernahm die Fahrt im Auftrag, weil tags zuvor der Bus der Firma Bottenschein mit einem Frontscheibenschaden aus Spanien zurückkam und eine Auswechslung nicht mehr zu realisieren war. Dafür war überraschenderweise eine Reiseleiterin, Frau Martina Steck, von der Firma Bottenschein mit an Bord. Wir hatten Zustiege in Bergerhausen, Warthausen und eine größere Gruppe in Ulm/Neu-Ulm. Jetzt ging es mit einer auf 62 Personen aufgestockten Reisegruppe auf die A7, der wir dann bis Hamburg folgten. Hans Frick war für den Ablauf verantwortlich und Günther Segmiller unterhielt die Mannschaft durch nette Witze und schwäbische Gedichte. Zur Mittagsrast wählten wir Hann. Münden  aus. In dieser alten Stadt, mit den vielen Giebel- und Fachwerkhäusern und einem farbenfrohen Rathaus, beginnt das Leben der Weser. Geburtshelfer sind die Fulda und die Werra, die dort zusammenfließen und dadurch den größeren Fluss bilden. Auf einem Stein beim Zusammenfluss steht geschrieben:

Wo Werra sich und Fulda küssen

Sie ihre Namen büßen müssen.

Und hier entsteht durch diesen Kuss

Deutsch bis zum Meer der Weser Fluss.

 

Auf einem weiteren Stein wird bemängelt, dass im neuen Namen der kleinere Fluss Werra besser wegkäme und die Fulda dabei ganz untergegangen sei.

Zügig kamen wir voran, immer wieder von Regenschauern und Polizeikolonnen begleitet. Auf einem Parkplatz konnten wir erfahren, dass auch die Polizisten nach Hamburg fahren. Dort sei ja in diesem Jahr die offizielle Feier zur Deutschen Einheit. Noch ahnten wir  nichts von dem, was am anderen Tag auf uns zukommen sollte. Vor Hamburg stockte dann der Verkehr. Mit über einer Stunde Verspätung kamen wir an unserem vornehmen 4-Sterne-Hotel „Böttcherhof“, das etwas außerhalb des Zentrums lag, an. Dafür schmeckte das von uns bestellte Buffet umso mehr. Pünktlich fuhren wir anderntags zur Stadtrundfahrt ab und am Hauptbahnhof stieg unser Stadtführer noch zu. Er stellte sich gleich wortreich vor und erklärte auch, was er alles an Ausbildungen genossen habe und trotzdem nicht in seinem Beruf tätig sein könne. Er wusste bis dato auch noch nichts von dem, was auf uns zukommen wird. Seine ausgezeichneten Hamburg und Hamburger-Straßen-Kenntnisse halfen uns dann immer wieder weiter, denn wegen der offiziellen ‚Einheitsfeier‘ mit Bundespräsident Horst Köhler und Bundeskanzlerin Angela Merkel waren die Hafencity und der ‚Michel‘ (Michaeliskirche) weitläufig und vollständig abgeriegelt. Es gab kein Durchkommen.

Wir fuhren über die Stadtteile Altona, St. Pauli, Othmarschen und Gross Flottbeck nach Blankenese und über die Elbchaussee zurück. Unterwegs durften wir die noblen Willen der Neureichen und Millionäre bestaunen und das viele Grün, das diese Stadt prägt. Wir erfuhren über das Leben an der der Innen- und Außenalster, wer wann auf der Flaniermeile am Jungfernstieg sich zeigte und was es auf der Mönckebergstraße - die verkehrsberuhigte Einkaufsmeile zwischen Hauptbahnhof und dem Rathausmarkt -  alles  zu kaufen gibt. Diese Straße soll täglich bis zu 250 000 Passanten anlocken. Prachtvolle Kontorhäuser (der Name kommt vom Wort Konto) säumen die geschwungene Straße.

Weiter ging es zum Rathausplatz, der nach dem Vorbild  des Markusplatzes in Venedig konzipiert wurde. Ein Traum von einem Gebäude ist das Rathaus mit seinem strahlend grünen Kupferdach. Es ist Sitz des Hamburger Senats und Tagungsstätte der Hamburger Bürgerschaft. Der ganz in Granit und Sandstein gearbeitete Bau ist mir seiner 111 m breiten Fassade und einem 112 m hohen Mittelturm symmetrisch angelegt. Interessant ist an der Rathausfassade vor allem die Anordnung des Figurenschmucks: Über den 20 deutschen Kaisern thronen aber am Turm Darstellungen der bürgerlichen Tugenden wie Weisheit, Eintracht, Tapferkeit und Frömmigkeit. Hamburg war keine Kaiser-, sondern eine Hansestadt.  Als Höhepunkt durften wir unter fachlicher Führung das Rathaus besichtigen. Die Räumlichkeiten wie Festsaal, Diele, Treppenhäuser oder Repräsentationssäle sind zwar aufwendig gestaltet, doch keineswegs prunkvoll. Der 47 m lange, 18 m breite und 15 m hohe Festsaal ist mit großen Wandbildern geschmückt, die die Hamburger Geschichte zeigen.

Nach der Mittagspause war die Besichtigung und Besteigung des Wahrzeichens der Hansestadt der Hauptkirche St. Michaelis, von den Hamburgern nur der ‚Michel‘ genannt,  auf der Tagesordnung. Rückfragen ergaben jedoch, dass diese Gegend immer noch abgesperrt ist. Was nun? Unter dem Motto: Jeder kann auf eigene Faust etwas unternehmen zogen wir Gruppenweise durch die Stadt. Die einen besuchten den ‚Alten Botanischen Garten‘ und den Park ‚Planten und Blomen‘, andere blieben in der Innenstadt, weitere suchten doch noch den ‚Michel‘ auf und wieder andere zog es doch zum Hafen und an die Elbe. Der Abend stand jedem zur freien Verfügung. Die Mehrzahl traf man im Hotel bei einem gemütlichen aber teuren Glas Wein oder Bier.

Am Samstag fuhren wir nach einem reichhaltigen Frühstücksbuffet Richtung Norden. Vor  Brunsbüttel überquerten wir den Nord-Ostsee-Kanal über eine 44 m über das Wasser ansteigende Brücke. Am Anfang und Ende des rund 100 km langen Kanals hält jeweils eine Schleuse den Wasserstand des Kanals auf gleichem Niveau. Für uns Flachländler waren riesige Schiffe zu sehen. Für die Einheimischen waren es nur mittelgroße Schiffe, sie sind auf der Elbe größeres gewohnt. Das nächste Ziel war die Seehundestation in Friedrichskoog. Auf der Fahrt dorthin sahen wir eine von stehendem Wasser geprägte Landschaft, die das viele Regenwasser nicht mehr aufnehmen konnte. In Friedrichskoog besichtigten wir die einzige autorisierte Aufnahmestelle für verlassen oder erkrankt aufgefundene Robben in Schleswig Holstein. Von den kleinen „Heulern“ war keiner mehr da, denn sie waren schon längst wieder in der Nordsee ausgewildert worden. Wir konnten jedoch im Freien Kegelrobben und Seehunde in ihrem 800 m³ großen Beckensystem und auch durch ein Unterwasserfenster beobachten. Von einem Aussichtsturm aus sah man hinter dem Deich die Marsch und in der Ferne die Nordsee. Die vorgesehene Wattwanderung wurde schon vor Fahrtantritt abgesagt, weil zu dieser Zeit an der Nordsee Flut herrschte. Dafür sollte uns eine Grachtenfahrt, so heißen dort die niedrigen Boote, auf der Eider und Treene in Friedrichstadt – auch Holländerstadt genannt – entschädigen.  Aber wieder nichts! Das Stadtmarketing rief uns an und sagte die Grachtenfahrt ab, weil wegen Hochwasser die Grachten nicht mehr unter den Brücken durchkommen. Wieder mussten wir unseren Plan ändern. Die Zeit war schon weit vorangeschritten. Also es ging nur noch dass wir heimwärts fuhren. Über Glückstadt war die „Schiffsbegrüßungsanlage“ in Wedel unser nächstes Ziel. Dort wird jedes Schiff, das zum Hamburger Hafen fährt, mit der jeweiligen Nationalhymne und –Flagge begrüßt. Aber was ist auf einmal mit unserem Bus los?  Er stottert bedenklich und nach einem Halt kommt er nicht mehr in Fahrt! Erst wenn er abgeschaltet und neu gestartet war lief er wieder, aber immer holpriger. Die Elektronik schaltete die Gänge nicht mehr automatisch zurück! In Wedel angekommen, kam aber zu dieser Zeit kein Schiff und so können wir von der Schiffsbegrüßung nur theoretisch berichten. Oliver, unser Chauffeur,  brachte uns und unseren Bus noch mit Mühe nach Hamburg zu einem heimischen Fischlokal zurück und seinen Bus noch am Samstag-Abend in eine Werkstatt. Unsere Reisebegleiterin Martina war auch im Stress, denn sie musste nach dem Abendessen alle, die ins Hotel zurück wollten, mit der U-Bahn dorthin begleiten. Viele blieben in der Stadt und folgten dem Ruf des Nachtlebens in St. Pauli. Schon jetzt waren wir froh, eine erfahrene Reisebegleiterin dabei zu haben, die die Ruhe behielt und auch wusste, wen sie jeweils mit einschalten musste.

Am anderen Morgen war um 5.30 Uhr Abfahrt zum Hamburger Fischmarkt angesagt. Vor der Tür stand ein ganz anderer Bus von einer Firma Weissmüller, der auch Touristen nach Hamburg brachte und uns dann zum Hafen. Martina hatte dies noch am Abend organisiert. Es war erstaunlich, wie viele Händler  und Besucher zu dieser Zeit auf dem Markt am Hafen waren. Dort gab es alles was man sich nur denken kann zum Kaufen, sogar Fisch. Ein Dauerregen mit Sturm vermieste etwas den Marktbesuch. Dafür heizten zwei Bands in der riesigen Markthalle den Besuchern kräftig ein. Viele davon dürften  die Nacht durchgemacht haben. Nach dem Frühstück im Hotel ging es wieder zum Hafen, zu einer zweistündigen Hafenrundfahrt. Der Hamburger Hafen ist ein Tidehafen, der durch Ebbe und Flut geprägt ist und laufend ausgebaggert werden muss. Die Elbe hat inzwischen eine Fahrrinnentiefe von 14,5 m. Heute dominieren die riesigen Container-Terminals die Skyline des Hamburger Hafens, dem zweitgrößten Hafen neben Rotterdam. Insgesamt gibt es hier derzeit 200 teils computergesteuerte Containerbrücken und Kräne, 320 Liegeplätze sowie 41 km Kaimauern für Seeschiffe. Es werden auch immer weitere Liegeplätze für Großcontainerschiffe gebaut und Hafenbecken zugeschüttet, um zusätzliche Flächen zu errichten. Der Sturm rüttelte zwar an unserem Ausflugsschiff, aber Sturm und Regen konnten die informative Rundfahrt nicht beeinträchtigen. Der Nachmittag stand jedem wieder zur freien Verfügung. Viele besuchten in der Hafencity die für die ‚Einheitsfeier‘ aufgestellten Zelte der Bundesländer und das der Bundesrepublik zum einen um sich zu informieren, zum anderen um ein Dach über dem Kopf zu haben, das vor Regen und Sturm schützte. Am Abend hatte die Mehrzahl  der Teilnehmer Karten für das Musical „Der König der Löwen“ geordert. Wieder ein anderes Busunternehmen brachte uns dorthin und holte uns aber auch ab. Mit dem Schiff wurden wir von den Landungsbrücken zum Musicaltempel umgesetzt. Alle waren hellauf begeistert was wir dort zu sehen und zu hören bekamen. Die drei Stunden gingen wie im Fluge vorbei. Der allgemeine Tenor war: So was Schönes haben wir noch nie gesehen!

Zur Heimfahrt am andern Tage stand unser alter Bus wieder vor dem Hotel. Man konnte den Bus nicht reparieren, doch für die Fahrt auf der Autobahn ginge es schon, war die Auskunft der Reiseleitung. Also gut, die Heimfahrt konnte beginnen. Die Fahrt ging flott voran, doch schon vor Kassel ging es wieder los. Wir hatten das ebene Norddeutschland verlassen und kamen ins Hessische Bergland und in die Röhn. Der Bus stotterte an den Steigungen und kam von den Touren, denn das alte Elend hatte uns wieder eingeholt, die Elektronik schaltete wieder nicht mehr von den hohen Gängen herunter. Wir mussten auf den Standstreifen ausweichen. Die Lastzüge, die wir bergab stehen ließen, brausten nun an uns bergauf vorbei! Es wurde ruhig im Bus. Wie lange geht es noch? Was ist zu machen, wenn er ganz ausfällt? Bis wann kommt ein Ersatzbus? Nach einem technischen Halt auf einem Rastplatz muss Chauffeur Oliver doch etwas erreicht haben, denn dann ging es doch erheblich besser voran. Zwischenzeitlich mussten Günter Segmiller mit einem Eigengedicht und ein paar Teilnehmer die Kollegen mit Witzen munter halten. Wir erreichten sogar pünktlich um 19.00 Uhr die Raststätte in Seligweiler um zu Abend zu essen. Aber zuvor kam noch einmal Arbeit auf uns zu. Wir mussten die Koffer in den Doppelstockbus der Firma Bottenschein, der inzwischen mit einer neuen Frontscheibe angekommen war, umladen. Unser bisheriger Bus suchte in Ulm die Magiruswerkstatt auf.  Im Hotel wurden wir dann gut und flott bedient. Müde und mit viel neuer Erfahrung kamen wir gegen 22.00 Uhr zu Hause in Ringschnait an.

Wie stand es am Anfang des Berichts? Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen …
 

Bruno Albinger, Käsergasse 5/1, 88400 Biberach - Bergerhausen, Telefon: 07351 / 2 16 10

 


bottom
© 2011 Schwäbischer Albverein Stuttgart (Ust-IdNr.: 01/DE147849529)   Impressum