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Wanderwoche vom 21. – 27.08.2005 im Harz mit
Standquartier in „Müller´s Hotel" in Hohegeiß (Braunlage)
Am Sonntag erfolgte die Anreise über die Autobahn 7
bis Göttingen und weiter über Herzberg, Bad Lauterberg, St.
Andreasberg und Braunlage nach Hohegeiß, wo das Standquartier in
Müller´s Hotel für die Woche bezogen wurde.
Aufgrund des guten Wetters wurde gleich am ersten
Tag die höchste Erhebung des Harzes, der Brocken mit 1.142 m im
Nationalpark Harz/Hochharz gelegen, „bezwungen". Die Wanderung führte
vom Großparkplatz Torfhaus in drei Stunden auf dem Goetheweg entlang
dem Abbegraben, am Torfmoor vorbei, zum Kaiserweg und zum Eckersprung.
Jenseits der ehemaligen Grenze verläuft der Wanderweg als neuer
Goetheweg auch ein Stück an der Brockenbahnlinie entlang und an den
Hirschhörnern vorbei zur Brockenstraße, über die der Gipfel nach ca.
350 Höhenmetern erreicht wurde. Bei strahlendem Sonnenschein konnte
ein wunderschöner Ausblick genossen werden, der allerdings durch den
herrschenden Dunst in der Ebene etwas getrübt wurde. Der Brocken,
dessen Namensursprung ungeklärt ist, ist Norddeutschlands höchste und
berühmteste Erhebung. Seit Jahrhunderten zieht er Menschen von nah und
fern in seinen Bann. Schuld daran sind nicht zuletzt die berühmten
Hexen, die vornehmlich in der Walpurgisnacht auf Besen, Hunden,
Ziegenböcken und allerlei anderem Getier durch die Luft zum
„Blocksberg" reiten, um dort dem Leibhaftigen zu huldigen und
ausgelassen ihren Sabbat zu feiern. Unter den Besuchern waren u. a. so
berühmte Brockenwanderer wie Johann Wolfgang von Goethe, Heinrich
Heine, Hans Christian Andersen, Zar Peter der Große, Otto von Bismarck
und Hermann Löns. Kreisförmig um die Gipfelfelsgruppe geben
eingelassene Bronzetafeln, die sogenannte „Brockenuhr", Richtungen und
Entfernungen zu markanten Punkten zwischen Wurmberg und Madrid an.
Aus Zeitgründen und auch als „Muss" wurde für den
knapp zweistündigen Rückweg bis Wernigerode wurde die Brockenbahn
genutzt, wobei es noch einige andere Ein- und Ausstiegshaltestellen
entlang der Strecke gibt. Die Harzbahn wurde bereits 1886
(Selketalbahn) bzw. 1896 (Harzquer-/Brockenbahn) gebaut und ist seit
1892 (Selketalbahn auf ca. 52 km) bzw. 1899 (Harzquer-/Brockenbahn)
auf einer ca. 60 km langen Strecke von Wernigerode nach Nordhausen in
Betrieb. Beide Bahnen werden seit 1905 auf dem gemeinsamen
Streckennetz mit Ausnahme der DDR-Zeit (Deutsche Reichsbahn Betreiber)
privat (seit der Wende 1992 als GmbH durch 15 Anlieger-Gemeinden und
–Landkreise) betrieben.
Die fast 1000-jährige Stadt Wernigerode, von
Hermann Löns 1907 als die „bunte Stadt am Harz" bezeichnet, liegt am
Nordrand des Harzes und besitzt aufgrund ihres Vorzeigecharakters zu
DDR-Zeiten viele gut erhaltene Kunst- und Kulturdenkmäler. Dazu zählen
die vielen schönen Fachwerkhäuser aus vier Jahrhunderten und das
Schloss. Wernigerodes historische Altstadt bietet dem Fachwerkfreund
zwar keine Unmengen prächtiger Renaissance-Häuser, dafür aber einen
umfassenden Querschnitt durch alle Baustile und Epochen: vom gotischen
Ständerbau über die schlichte Barock-Fassade bis zum
Jugendstil-Aufsatz. Die wohl bekanntesten aller Gebäude sind das
Rathaus und das kleinste Haus von Wernigerode. Dieses barocke
Fachwerkhaus misst bis zur Dachtraufe nur 4,20 m, ist 2,95 m breit und
hat eine 1,70 m hohe Tür. Der einzige Raum des Hauses ist die 8 m²
große Fuhrmannsstube. Die einhellige Meinung der Gruppe war: hier
sollte man nochmals herkommen.
Nach dem Aufstieg am ersten Tag erfolgte am zweiten
der „Abstieg" ins Bodetal, dem „Grand Canyon" des Harzes. Das Tal
gehört zu den schönsten und abwechslungsreichsten des Harzes und steht
seit 1937 unter Naturschutz. Eine botanische Besonderheit des
Bodetales sind etwa 500 Eiben, die teilweise über 2500 Jahre alt sind
und als die ältesten Bäumen Europas gelten. Die Gruppe verließ in
Treseburg den Bus und folgte dem Wanderweg entlang der Bode durch
Buchenwald, am Ende des Dammbachtales an großen alten Fichten vorbei,
zum Felssporn des Langen Hals. Danach ging es hinab zum Bodekessel,
über die Teufelsbrücke zur Abzweigung des steilen Zickzackweges der
„Schurre" hinauf zum Rosstrappefelsen. Die Gruppe blieb allerdings auf
dem Wanderweg entlang der Bode mit Durchblicken zu den an den
Talhängen imposant aufragenden Felsszenerien (bis zu 280 m
Höhenunterschied) Richtung Thale. An der Gaststätte „Königsruh"
trennte sich die Gruppe. Die einen wanderten weiter talabwärts am
Goethefelsen vorbei zur Jungfernbrücke am Waldkater nach Thale,
während die anderen den beschwerlichen Anstieg mit ca. 250 Höhenmetern
zum Hexentanzplatz oberhalb von Thale meisterten. Für diese Mühe
wurden sie während des Aufstieges mit herrlichen Ausblicken auf den
Rosstrappefelsen, ins Bodetal und Richtung Thale belohnt. Die erste
Gruppe war zwischenzeitlich mit der Kabinenbahn auf dem Hexentanzplatz
eingetroffen. Der Hexentanzplatz ist ein Felsmassiv (454 m) am Eingang
des Bodentals mit Plateau, wo angeblich die Hexen, Teufel, Gnomen und
Feen tanzen, bevor sie zum Brocken fliegen. Der Sachsenwall, ein Erd-
und Steinwall aus frühgeschichtlicher Zeit sowie Funde verweisen
darauf, dass hier ebenso eine alte Kultstätte war wie auf der
Rosstrappe, die auch als Fluchtburg genutzt wurde. Hier befindet sich
der sagenhafte Hufabdruck von Brunhildes Riesenpferd; daher auch der
Name Rosstrappe. Die Walpurgishalle, ein Blockhaus, 1901 in Anlehnung
an frühgermanische Bauweise mit Symbolen der germanischen Sagenwelt
errichtet, zeigt in einer Ausstellung Funde früherer Besiedelung und
Wandgemälde mit Motiven aus Goethes „Faust" sowie anderen
Walpurgissagen. Im Vorraum steht ein münzenübersäter sächsischer
Opferstein, der in der Umgebung gefunden wurde. Über einen steilen
Abstieg, am Harzer Bergtheater vorbei, wurde das Tagesziel, Thale
erreicht, wo der Bus bereits wartete.
Das es nicht nur im Harz schön zu wandern ist,
zeigte der dritte Tag. Von Kelbra, das über Nordhausen erreicht wurde,
führte die Wanderung über den Rothenburger Steg zur Ruine Rothenburg,
den Sittendorfer Gemeindewald zur Burg Kyffhausen und zum
Kyffhäuser-Denkmal. Über den Barbarossaweg, am Mühlenmuseum vorbei und
über die Kaiserpfalz wurde Tilleda erreicht. Der Kyffhäuser gilt wegen
seiner geologischen Ausprägung als Miniaturausgabe des Harzes und ist
wegen seiner Aussichtspunkte berühmt. Das Wahrzeichen des Gebirgszuges
ist die ehemalige Reichsburg Kyffhausen als eine der größten
Höhenburgen des Hochmittelalters mit einer Ausdehnung von ca. 600 m
Länge und ca. 60 m Breite sowie dem mit 176 m tiefsten Burgbrunnen
Europas. 1896 fertig gestellt, war das Kyffhäuser-Denkmal Kaiser
Wilhelm I. gewidmet und ist das zweitgrößte Denkmal in Deutschland.
Die Gesamtlänge des kolossalen, einer Pyramide nachempfundenen
Monuments beträgt 130 m; der als Aussichtsplattform dienende Turm
misst bis zur Spitze, die in einer Kaiserkrone endet, 81 m. Zu sehen
sind das kupferne Reiterstandbild Kaiser Wilhelm I. und im Felsenhof
die Steinfigur des legendären Kaiser Barbarossa.
Der nächste Tag war geprägt durch die Besichtigung
von Stolberg, der einstigen Bergbau-, Handels- und Residenzstadt mit
ca. 1.500 Einwohnern unter Führung der „Kiepenfrau" (Frau mit
Rückentrage) Elke Franke. Dem mit seinem schönen mittelalterlichem
Stadtbild im Südharz gelegene Luftkurort wurde um 1300 das Stadtrecht
verliehen. Der Grundriss der Stadt entstand im 13. Jahrhundert und ist
bis heute ohne wesentliche Veränderungen erhalten geblieben. Im 15.
und 16. JH entstanden durch die Ansiedlung zahlreicher Handwerker und
Händler die prächtigen Fachwerkhäuser der Spätgotik und der
Renaissance, die heute noch zum größten Teil erhalten sind. Das
Rathaus von Stolberg ist ein architektonisches Kuriosum: die beiden
oberen Stockwerke sind nur über eine Außentreppe erreichbar. Die reich
gegliederte Fassade wies ursprünglich 12 Türen für die Anzahl der
Monate und
52 Fenster entsprechend der Anzahl der Wochen im Jahr auf; 365
Fensterscheiben standen für jeden Kalendertag. Durch spätere
Veränderungen sind es heute über 400 Scheiben. Als berühmte
Persönlichkeit wurde 1489 der evangelische Reformator,
Bauernkriegsanführer und Gegenspieler Martin Luthers, Thomas Münzer in
Stolberg geboren. Die Gruppe war von Stolberg sehr beeindruckt und
stimmte der Aussage zu, dass Stolberg eines der schönsten
Fachwerkensembles in Deutschland aufzuweisen hat. Nach dem
Stadtrundgang und der Mittagspause wurde das eiserne Josephskreuz auf
dem Großen Auerberg über den Moorberg und die Holzchaussee erwandert.
Das nach dem Grafen Joseph von Stolberg benannte 22 m hohe Doppelkreuz
war 1833/34 nach Entwürfen von Karl Friedrich Schinkel aus 365
Eichenbohlen errichtet und 1880 durch einen Blitzschlag vernichtet
worden. 1896 wurde ein neues, diesmal eisernes Kreuz aus ca. 125
Tonnen Stahl errichtet. Rund 200 Stufen führen auf die Plattform des
38 m hohen Aussichtsturmes, von der man bei guter Sicht einen
prächtigen Blick vom Kyffhäuser bis zum Brocken haben soll.
Der letzte Tag sollte ein Besichtigungstag werden,
ein Wandertag wurde daraus. Durch eine, für eine solche Wanderung
positive Wettervorhersage konnte die Teufelsmauer (nur für
Schwindelfreie), ein geologisches Naturdenkmal, bei Blankenburg „in
Angriff" genommen werden. Die sagenumwobene Teufelsmauer, ein schroff
gezackter, mit Strauchwerk und Bäumen bewachsener Sandsteinrücken,
erstreckt sich parallel zum Harz von Blankenburg nach Timmenrode. Gott
und Teufel wollten ihre Gebiete abgrenzen. Alles, was der Teufel in
einer Nacht ummauern konnte, sollte ihm gehören. Der Teufel beeilte
sich, die riesigen Steinblöcke aufeinander zu setzen. Noch vor
Tagesanbruch kam eine Bäuerin mit ihrem Hahn vorbei, der plötzlich
krähte. Der Teufel glaubte, die Nacht sei vorbei. In seiner Wut
darüber zerschlug er die fast fertige Mauer. Übrig blieben nur
bizarre, in die Landschaft ragende Felsformationen, die bereits 1852
unter Naturschutz gestellt wurden und die seit dem 19. JH zu den
beliebtesten Sehenswürdigkeiten im Harz gehören. Von Blankenburg,
aufgrund der wetterbegünstigen Lage auch „Blumenstadt am Harz"
genannt, wurde auf bequemen Weg durch den Heidelberg der Helsunger
Krug und der Nordrand von Timmenrode erreicht. Nach der Pause wurde
der Weg durch Kirschenplantagen zur Felsgruppe „Hamburger Wappen"
fortgesetzt, um anschließend auf dem Kamm der Teufelsmauer, am
Ludwigsfelsen vorbei, zum Sautrog zu gelangen. Abwechslungsreich und
teilweise anspruchsvoll führte der Kammweg weiter bis zum
Großvaterfelsen, der mit 331 m höchsten Erhebung der Teufelsmauer, mit
schöner Aussicht auf die Stadt und zurück zum Ausgangspunkt.
Am Samstag war die Woche leider wieder vorbei und
die Heimreise wurde angetreten.
Ansprechstelle und weitere Auskünfte:
Helmut Emrich
Ortsgruppe Riedlingen
Schwäbischer Albverein e.V.
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88499 Riedlingen
Tel: 0 73 71 25 41
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