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Vom 30.5. - 2.6.2002 führte die Ortsgruppe Obertürkheim - Uhlbach
des Schwäbischen Albvereins vier Rundwanderungen im Pfälzerwald
durch. Ausgangsort für die Wanderungen war der kleine Luftkurort
Eppenbrunn im südlichen Pfälzerwald; dort waren in einem Hotel für
die 20 Wanderfreunde Zimmer gebucht. Wie nicht anders zu erwarten,
hatten Wanderführerin Elfriede Drescher und Wanderwart Peter Baum
für die vier Tage ein umfangreiches Wanderprogramm zusammengestellt,
das den Wanderern anhand charakteristischer Merkmale den Natur- und
Kulturraum des Gebietes näherbringen sollte. Dass der Wettergott
zudem ein Einsehen hatte und strahlenden Sonnenschein schickte, nicht
zuletzt aber die sorgsame und umsichtige Vorbereitung sowie die
hervorragende Durchführung der Wanderausfahrt machten die vier Tage
zu einem unvergesslichen Erlebnis.
Am Donnerstag, den 30.5., führte uns die erste Wanderung von
Eppenbrunn über die „Eselsteige" zum Wanderheim „Hohe
List", das vom Pfälzerwaldverein in eigener, ehrenamtlicher
Regie unterhalten wird. Nach einer ausgiebigen Mittagsrast führte der
Weg weiter über Christkindl- und Krappenfelsen zur Wüstung
Erlenkopf, von dort zum „Zollstock" und über den Spießweiher
zurück nach Eppenbrunn. Nach der etwa 2 1/2 stündigen Anfahrt bot
diese Wanderung mit ihrer Weglänge von etwa 17 km einen idealen
Einstieg und vermittelte zugleich einen guten Überblick über das
Wandergebiet. So boten die Felsen herrliche Aussicht auf die
bewaldeten Hügel und Höhenzüge des Pfälzerwaldes, der gemeinsam
mit den Nordvogesen das größte zusammenhängende Waldgebiet
Mitteleuropas darstellt und als grüne Insel inmitten einer dicht
besiedelten Industrielandschaft heute ein wertvolles
Naherholungsgebiet ist. Ein sogenannter Ritterstein, ein Denkstein,
zeigte am Parkplatz „Eselsteige" die Wasserscheide zwischen
Rhein und Mosel an. Wie schwer es frühere Generationen hatten, im
Waldgebiet ihr Auskommen zu finden, beweist schon der steile Hohlweg
der Eselsteige, stärker aber noch die mehrfach auftretenden
Wüstungen, deren Hauptursache in der Unfruchtbarkeit des Waldgebietes
zu suchen ist. Da die mageren Böden des hier anstehenden
Buntsandsteines nur geringe Erträge abwarfen, bestand der Haupterwerb
weniger in Ackerbau als vielmehr in verschiedenartigen Waldgewerben
wie Köhlerei, Glasbläserei, Holzhandel, Fischfang und ähnlichem.
Als dann jedoch im Zuge von Industrialisierung und Technisierung auch
diesen Erwerbszweigen die Grundlagen entzogen wurden, gaben die
Bewohner ihre Höfe auf, zogen weg oder wanderten gar ins Ausland, vor
allem nach Amerika aus. An die ehemalige Hofstätte Erlenkopf erinnert
heute ein moderner Ritterstein: Eine große Lichtung im Wald lässt
ahnen, dass hier einst Wiesen und Felder den bescheidenen
Lebensunterhalt sicherten; der lichte Waldrand zeugt noch immer von
beständiger Beweidung durch das Vieh. Mauerreste und ein überdeckter
Brunnenschacht belegen für den aufmerksamen Betrachter die frühere
Ansiedlung. Allgegenwärtig auf dieser ersten Wanderung waren Hinweise
auf die nahe Grenze zu Frankreich. Dabei handelte es sich nicht nur um
gesprengte Wehrmachtsbunker des „Westwalls", sondern auch um
einfache Ortsnamen. So ersetzt der „Zollstock", heute eine
Wegkreuzung mit schmucker Unterstandshütte, die historische
Zollstation zwischen Frankreich und Deutschland und erinnert mit
seinem Namen noch unmittelbar an den Schlagbaum. Vom „Zollstock"
ging es entlang einer feuchten Bachaue mit Farnen, Ebereschen, Ulmen
und Birken über den Spießweiher zurück nach Eppenbrunn, wo im Hotel
die Zimmerbelegung vorgenommen wurde.
Am nächsten Tag sollte uns der 15 km lange Weg von Eppenbrunn aus,
vorbei an dem bereits vom Vortag bekannten Spießweiher, über die
Altschlossfelsen nach Frankreich ins lothringische Roppeviller
führen, von dort über das „Diana-Bild" und den „Teufelstisch"
wieder zurück nach Eppenbrunn. Der Höhepunkt der Wanderung war
bereits nach wenigen Kilometern erreicht: die beeindruckende
Felsszenerie der Altschlossfelsen mit ihren bizarren Felstürmen und
Pilzfelsen, Höhlen und Galerien. Die immer neuen Formen der
Verwitterung, die im bunten Sandstein zu entdecken waren, ließen die
Wandergruppe lange verweilen. Hier waren wir unserem Wanderfreund
Joachim Möller dankbar, dass er uns in einem gelungenen Vortrag die
Entstehung des Pfälzerwaldes mit seinen markanten Felsgestalten und
die Merkmale des Buntsandsteins verständlich vor Augen führte.
Danach fiel es keinem von uns mehr schwer, die mannigfaltigen
Färbungen des Gesteins auf unterschiedliche Mineralien, Flechten- und
Moosbewuchs oder chemische Prozesse zurückzuführen. Die wuchtigen
oder filigranen Felsgebilde hingegen sowie die deutlich
herauspräparierte Schichtung waren leicht mit der unterschiedlichen
Widerständigkeit des Gesteins oder mit Ablagerungsvorgängen zu
erklären. Fast widerwillig wurde der Weiterweg nach Roppeviller
angetreten. Wie bereits am Vortag am „Zollstock" wurden wir
immer wieder durch Grenzsteine auf die nahe Grenze zu Frankreich
hingewiesen. Dabei erinnerten die eingemeißelten Jahreszahlen
eindringlich an die lange währenden Auseinandersetzungen zwischen
Frankreich und Deutschland - und an das wechselvolle Schicksal
Lothringens. In diesem Zusammenhang ist die Einweihung des „Helmut-
Kohl-Wanderweges" zwischen Eppenbrunn und Roppeviller im Mai
dieses Jahres als ein Zeichen der Freundschaft und Verständigung zu
verstehen. Nach der Mittagsrast in Roppeviller brach unsere
Wandergruppe zum nächsten Etappenziel auf, dem „Diana-Bild".
Dabei handelt es sich um ein Felsrelief oberhalb einer alten
Römerstraße, auf dem trotz der starken Verwitterung neben der
Jagdgöttin Diana (mit Bogen, Pfeil und Jagdhund) auch Mars als
Kriegsgott und erstaunlich genug - Silvanus, der Begleiter des
Apostels Paulus auf seiner zweiten Missionsreise, vielleicht aber doch
eher der römische Waldgott mit Tanne in der rechten Hand abgebildet
ist. Der Weiterweg führte durch lichten aber artenreichen Mischwald
mit Kiefern, Buchen, Edelkastanien und Eichen, bis die Wandergruppe
nach einem kurzen Aufstieg schließlich den „Teufelstisch"
erreichte. Dieser „Teufelstisch" ist ein hoch emporragender
Sandsteinfelsen, der zwar nicht mit den Altschlossfelsen vom Vormittag
konkurrieren konnte, aber dennoch den Eindruck erweckte, als habe hier
tatsächlich eine Sagengestalt ihren imposanten Esstisch aufgetürmt.
Am Samstag, den 1.6., war mit 19 km die längste Wanderung
vorgesehen. Sie führte uns diesmal in nördlicher Richtung von
Eppenbrunn zum Ransbrunnerhof, über den Kettrichhof zum Wanderheim
„Drei Buchen"; dann über den Teufelsfelsen zum
Naturfreundehaus Niedersimten im Gersbachtal, steil bergan zum
Hochstellerhof, weiter zur Lourdesgrotte und nach Eppenbrunn zurück.
Diese Wanderung vermittelte wiederum ein neues Bild des
Pfälzerwaldes. Bereits kurz hinter dem Ortsausgang trat der sonst
rötliche Buntsandstein als hellgelbes Gestein zutage, eine Folge von
Ausbleichung und chemischen Lösungsprozessen. Ebenso fielen auf
dieser Wanderung die Gegensätze zwischen bewaldeten Tälern und
vermehrt ackerbaulich genutzter Hochfläche stärker ins Auge als an
den Tagen zuvor. Nicht weniger landschaftsbestimmend waren die
Fischteiche im Gersbachtal. Wie auch in anderen Tälern wurden sie
einst zur Fischzucht künstlich angelegt und bildeten meist ein
zusammenhängendes System. Heute jedoch werden sie nicht mehr
kommerziell genutzt, sondern dienen vorwiegend der Erholung. Da diese
Teiche sich selbst überlassen wurden, konnten sich wieder urtümliche
Uferzonen und Seebereiche entwickeln, die mit ihren Seerosen- und
Irisbeständen, Schachtelhalmen und Rohrkolben das Auge erfreuen und
für zahllose Lebewesen Raum bieten.
Zum Abschluss der Wandertage war am Sonntag, dem Tag der Abreise,
noch eine kleinere Wanderung (15 km) angesetzt. Nachdem das Gepäck
verladen worden war, fuhren wir ins nahegelegene Fischbach. Der Weg
sollte zunächst zur „Mückenspinne", zum „Mückenplätze"
und hinauf zum Naturdenkmal „Hohle Felsen" führen, von dort
über den Jugendzeltplatz und das Fischbachtal zum Ausgangspunkt
zurück. Doch anders als geplant, sparte unser Wanderführer die „Mückenspinne"
aus und wählte statt dessen den nur unmerklich ansteigenden, bequemen
Weg über den Dahner Hals und Hinterstell, um sich so von Osten dem
Naturdenkmal zu nähern. Insgesamt weniger eindrucksvoll gaben diese
Felsen dennoch eine gute Vorstellung von der Entstehung solch
ausgedehnter Felszüge wie die der Altschlossfelsen, waren diese doch
nur weiter freigelegt und durch Verwitterung besser herauspräpariert.
Wie bereits an den Tagen zuvor waren wieder duftende Heckenrosen am
Waldesrand, gelbblühende Ginsterbüsche und hohe Farne unsere
ständigen Begleiter. Und so rundete das Fischbachtal mit seinem
satten Grün, seiner reichen Pflanzen- und Tierwelt den rundum
begeisternden Gesamteindruck des Wandergebietes ab. Am Ende der
Wanderung schließlich nahmen wir Wanderer dankbar die
Einkehrmöglichkeit in Fischbach wahr, bevor wir gegen 16 Uhr die
Heimfahrt nach Stuttgart antraten.
Karin Fürst, Schlürfergasse 13, 70329 Stuttgart
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