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Wanderbericht OG Hayingen
Italien, Umbrien
 

Wanderfahrt vom 29. Mai bis 5. Juni 2004 nach Umbrien, das grüne Herz Italiens

Organisation und Führung: Daniela und Jürgen Haible

Tag 1:
Anfahrt: Im Bus mit 42 Erwachsenen und 2 Kindern ging es los um 4 Uhr morgens. Ein langer Tag, aber belohnt wurde man durch schönes Wetter und herrliche Landschaften: Bodensee, Rheintal, Lichtenstein, die Alpen, San Bernardino Pass, Tessin, tiefe Schluchten, Comer See, Luganer See, Lago di Maggore, Mailand und die Po-Ebene - belebt durch die Mohnfelder -, italientypische Bauernhäuser, Toskana (südländisch, Palmen, Oleander, Ginster, Reisfelder), über Ancona zum Ziel beim Städtchen Nocera Umbra. Ankunft 19:15 Uhr. Unterkunftverteilung: Eine Gruppe belegte die " Villa della Cupa " in Colle, einem kleinen Dorf in 1997 vom Erdbeben stark beschädigt, die andere Gruppe das " Le Francesche ".. in Loc. Poggio Parrano. Die erste Wanderung war gleich hier angesagt: vom Bus 200 m mit Gepäck zu Fuß bergauf. Nach den langen Stunden im Bus wurde das eigentlich begrüßt. Abendessen um urigen Kellergewölbe in der Villa della Cupa beim " Professore " Franco Rambotti, wunderbares, typisches mehrgängiges umbrisches Menü und dazu den guten roten Hauswein. Herr Professore Franco Rambotti war der Ansprechpartner für diese Reise. Er organisierte auch die Abendessen der folgenden Tage in verschiedenen Gasthäusern, so dass wir die Bandbreite der lokalen umbrischen wie italienischen Küche genießen konnten. Und an der Villa della Cupa sowie an jedem dieser Gasthäuser klebt das Schwäbische Albvereinszeichen ! Wir fühlten uns sofort daheim !

Tag 2:
Große Bergtour. Kurze Fahrt auf die Passhöhe Valsorda (1000 m). Wanderung hinauf zur Chiese die Serra Santa (1350 m), eine kleine Kirche mit einem wunderschönen Altar aus Porzellan. Nach dem „ Bussenlied" weiterwandern in einer Landschaft mit Blumen und Pflanzen wie vorher noch nie gesehen: baumlose Wiesen mit Teppichen von Bauernbüble, Doldenmilchstern, eine Vielfalt von Orchideenarten, Hummelragwurz, Fliegenragwurz, Holunderragwurz, Knabenkraut rot und gelb, geflecktes Knabenkraut, Affodill, wilde Alpenrosen, wilde Veilchen gelb und blau, Brandknabenkraut, wilde Narzissen, Kugelblume, weißes Labkraut, sowie sämtliche wildwachsende Gewürzpflanzen wie Salbei, Thymian, Rosmarin, Fenchel – eine Flora, die jedem Blumenfreund das Herz höher schlagen lässt ! Wilde Pferde, Albino Kühe. Man konnte sich nicht satt sehen oder sattfotografieren. Unsere 5 Botaniker im Element: ständig hockten sie auf dem Boden und diskutierten über die Namen der Blumen und Pflanzen. Bei 2 oder 3 war man sich wirklich nicht sicher, es waren seltene oder noch nie vorher gesehene Arten. Nach 7-stündiger Wanderung fanden sich dann auch alle "verlorenen Töchter und Söhne " wieder ein und bei köstlicher umbrischer Küche und Hauswein erholten sich alle schnell wieder.

Tag 3:
Ausflug nach Castelluccio, ein Dorf am Berg (1450 m). Die geplante große Wanderung in das Hochgebirge Monti Sibillini auf den Monte Vettore (2476 m) musste leider wegen Schnee abgebrochen werden. Eine kleinere Wanderung daher auf den Monte Veletta (1614 m). Gemütlicher Aufenthalt im Dorf mit Essen einer Linsensuppe (sehr gut), dort Spezialität, da es ein Anbaugebiet für Linsen und andere Hülsenfrüchte ist. Vier der Gruppe machten an diesem Tag eine andere Wanderung, nämlich den Dieter Klapschuweit Wanderweg. Dieter Klapschuweit war Hauptgeschäftsführer des Schwäbischen Albvereins von 1993 bis 2001. Er förderte den sanften Tourismus in den Erdbebengebieten Umbriens. Dieser Wanderweg, Länge 10 km, nördlich der Nocera Umbria, wurde im Frühjahr 2003 von Wanderfreunden des Schwäbischen Albvereins mit Unterstützung des regionalen Hotel- und Gaststättenvereins der Communita Monte Subasio und der Gemeinde Nocera Umbria markiert und eingeweiht und bietet einen vielfältigen Blick über das Caldognolatal und Naturpark Monte Subasio. Auch hier wieder die einmalige Flora dieser Region.

Tag 4:
Ziel heute: Perugia, die Etrusker- und Regionshauptstadt Umbriens, nordwestlich des Tiber-Oberlaufs. Hoch interessant der Besuch der Grabstätten der Etrusker (ein antiker Volkstamm , seit etwa 1000 v. Chr. in Italien nachweisbar), zufällig gefunden durch den Bau einer Autobahn. Bewundernswert auch die Steinbearbeitungen an den Urnen. Die Schriftzeichen der Etrusker hatten schon Ähnlichkeit mit unseren Buchstaben. Nach Kultur dann Schokolade pur: die "süße" Überraschung beim Stop in der Schokoladenfabrik " Nestle " . Mit Video-Vorführung der Produktion (da lief einem schon das Wasser im Mund zusammen...) und Probe-Naschen der Schokoladen-Bacis. Gelegenheit zum Einkaufen wurde natürlich auch genutzt. Stadtführung durch Daniela Haible, leider im Regen, was dem Zauber und der Schönheit dieser Stadt aber nichts anhaben konnte. Besonderheit Perugia’s auch die Rolltreppe, die Scala Mobile, die die unteren Stadteile mit der Altstadt auf dem Hügel verbindet. Das Perugia von heute ist Kulturstadt, besitzt 2 Universitäten und ungezählte Kunstdenkmäler, schöne Kirchen und Gebäude, Museen, herrliche Ausblicke von der Stadtmauer – eine historische mittelalterliche Schatzkammer !

Tag 5:
Ausflug nach Nocera Umbra, ein im Jahre 1997 in 40 Sekunden vom Erdbeben stark in Mitleidenschaft gezogenes Städtchen. Glück im Unglück, da niemand ums Leben kam. Die Klosteranlage, die Kirche St. Michaelo, die Schule und das Rathaus sind restauriert worden. Romantische enge Gassen, viele vom Einbruch gefährdete Häuser, eine teilweise gesperrte Stadt. Ein Rundgang mit gemischten Gefühlen und Bedauern mit den Einwohnern, die uns sagten, für öffentliche Bauten gab es Gelder, für uns nichts. Manche Einwohner leben heute noch in Containern am Fuße des Dorfes. Wanderung zurück zum Hotel auf dem Dieter Klapschuweit Wanderweg.

Tag 6:
Fahrt nach Gubbio. Vorher aber noch Einkaufsmöglichkeit auf dem Wochenmarkt in Gualdo Tadino. Die Stadt Gubbio, am Fuße des Monte Ingino gelegen, ist ein mittelalterliches Juwel. Stadtrundgang geführt von Daniela Haible. Besuch im Palazzo die Consoli, ein über 60 Meter hohes gotisches Gebäude mit Glockenturm und Aussichtsloggia. In den Sälen des Palazzos sind seit 1909 die Sammlungen des städtischen Museums, Lokalgeschichte und einheimische Kunst vom 6. Jahrhundert v. Chr. bis zum 19. Jahrhundert. Die Eugibinischen Tafeln, sieben Bronzeplatten, die einzig erhaltenen Gesetzestafeln der alten Umbrer. Diese Tafeln regelten das Zusammenleben im alten Gubbio und die stellen das Herz der reichsten archäologischen Sammlung Umbriens dar. Sehenswert auch die Keramiksammlung, die Pinakothek mit vielen Tafel- und Leinwandgemälden. Eine wahre Pracht, man kam aus dem Staunen nicht heraus. Dann eine Wanderung hinauf zur Basilica di Sant ’ Ubaldo (827 m). Ein wunderschöner Dom.

Jedes Jahr am 15. Mai beim berühmten Fest " La Festa dei Ceri " rennen Männer mit riesigen hölzernen Holzbauten durch den Ort und den Berg zum Dom hinauf, daher wird Gubbio auch die " Stadt der Verrückten " genannt. Abstieg durchs Tal nach Gubbio, inmitten unberührter Natur mit herrlichen Blumen und Pflanzen, unsere Botaniker wieder einmal voll entzückt !

Tag 7:
Highlight: Fahrt nach Assisi, eine mittelalterliche von Kirchenbauten geprägte Stadt und Geburts- und Sterbeort des heiligen Franziskus von Assisi, Gründer des Franziskaner Ordens. In der Kirche Santa Maria degli Angeli Nachbildung der Portiunkula-Kapelle des Heiligen, eines der größten Pilgerstätten Italiens. Ein Erlebnis. Eine Kirche in einer Kirche. In der Basilika di San Francesco sind die unzähligen wunderschönen gotischen Fresken die Vorbilder für die ganze italienische Kirchenkunst. Hier sind 3 Kirchen übereinander. In der unteren Kirche ist die Gruft von Franz von Assisi. Unser Führer erklärte alles mit sehr viel Gefühl und auch Humor.

3 Tüchtige machten dann während unserer Führung eine 4 ½ - stündige Bergtour mit kleinen Hindernissen wie eine Begegnung mit Wildschweinen und einem Erdrutsch. Diesem ereignisreichen letzten Tag folgte ein gemütliches Abschlußessen (vermischt mit etwas Wehmut) im " La Francesche. " Der " Professore " dankte uns für den Besuch und verabschiedete sich von uns mit den besten Wünschen und in der Hoffnung, dass die ersten Kontakte mit dem schwäbischen Albverein mehr Früchte tragen, was auch im Sinne von Dieter Klapschuweit war.

Tag 8:
Heimfahrt - Ciao bella Umbria ! Eine tolle Woche mit einer super Gruppe ! Perfekte Organisation bis ins kleinste i-Tüpfelchen, vom Info-Abend mit den Unterlagen, zum persönlichen Namensschild im Bus bis zum Albvereinsaufkleber am Bus, die Hotel- und Gasthaus-Reservierungen. Eine solche perfekte Organisation für 8 Tage Wanderfahrt mit Bus mit 44 Personen in eine anderes Land – das ist eine Leistung ! Daniela und Jürgen haben uns ein Land gezeigt, dessen Schönheit einmalig ist. Die Wanderungen, die Stadtführungen, die Erklärungen und Beschreibungen, alles super. Acht herrliche Tage, wir haben sie aufgesogen wie ein Schwamm. Wunderschöne Gegend, eine Flora so einmalig, wie in diesem Ausmaß noch nie vorher gesehen (sogar eine Bocksriemenzunge, eine sehr, sehr seltene Orchidee wurde entdeckt), die Gastfreundschaft der Leute, Olivenhaine, Weinberge, leuchtend gelbe Ginsterbüsche, die Nachtigall, nachts die Glühwürmchen in den Olivenbäumen, herrlich duftende Robinien – so viel geballte Schönheit ! Wir denken gerne an unser tägliches Gespräch mit dem stolzen Pfau an der Buswendestelle am Le Francesche. Auch der Vereinswimpel kam mehrmals zu Ehren, da es ja 6 Flaschen Freibier vom Vorstand für den Fahnenträger gab (Bemerkung: 6 Bier machen auch eine Fahne). Unser Dank geht auch an Ernst Knorr, der uns gut nach Italien brachte, uns eine Woche lang sicher herumchauffierte und wieder gut heimbrachte. Danke auch Jürgen Schultes für die Fahrt der letzten Etappe. Wir danken sehr herzlich dem Herrn Professore Rambotti für seine Bemühungen. Alles hat wunderbar geklappt, die Unterkünfte waren sehr gut und die verschiedenen Gasthäuser ebenfalls, das Essen und der Hauswein überall super. Wir waren begeistert von der Gastfreundschaft. Und nochmals ganz herzlichen Dank unseren Wanderführern Daniela und Jürgen Haible für dieses Erlebnis !

Ingrid Fischer

P.S.: ......und wenn ich etwas vergessen oder falsch geschrieben habe, dann war’s vielleicht doch der gute Vino Rosso ......

Adresse von unserem Organisator in Umbrien:
Professor Franco Rambotti
Villa della Cupa
Colle
I - 06025 Nocera Umbra (PG)
Tel.: 0039 / 0742 810329
E-mail: villadellacupa@libero.it

Der Professor spricht gut deutsch und freut sich auf Kontakt.

 


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