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Wanderbericht OG Großbettlingen
Schweiz, Engadin
 

Sinfonie im „Festsaal der Alpen“

Fantastische Bergpanoramen, herrliche Seenlandschaften, traumhafte Aussichten, alte Engadiner Kultur, Spuren des Schriftstellers Nietzsche und des Malers Giovanni Segantini, begleiteten vom 4.-11.Sept.2010 die drei Wandergruppen der Ortsgruppe Großbettlingen im Schwäbischen Albverein, auf ihren Wegen in dem einzigartigen Hochtal des Oberengadin. Es gehört zu den höchstgelegenen bewohnten Tälern Europas. Hier, oberhalb von Maloja, am Paß Lunghin, der einzigen 3-fachen Europäischen Wasserscheide, liegt die Quelle des Inn. Er soll dem Tal seinen Namen gegeben haben. Denn in der regional gepflegten Sprache Rätoromanisch bedeutet die Urform des Wortes Engiadina Garten des Inns. Dessen Wasser zuallererst den Silser See speisst. Von dessen Weite und Licht ließen sich bereits früher Musiker, Künstler und Schriftsteller wie Nietzsche, inspirieren. Auch die Wanderer der Albvereinsortsgruppe folgten dem Weg am See bis nach Maloja, das gleichzeitig See- und Talende markiert. Überragt vom Turm des Belvedere, mit herrlicher Sicht über den Silser See und nach Süden auf den Malojapaß und das Val Bregaglia (Bergell). Mit dem Besuch der Gletschermühlen wurde die Wanderung hinauf zur alten Almsiedlung Blaunca, zum Heididorf Grevasalvas und weiter nach Sils Maria, fortgesetzt. Die dritte Gruppe genoss die Rückfahrt mit dem Boot von Maloja über den Silser See in vollen Zügen.

Von der Bergstation der Standseilbahn Muottas Muragl auf zwei verschiedenen Wegen zur Paradieshütte, stand auf dem Programm. Im Anstieg zur Segantinihütte (2731m) auf dem oberen Schafberg (dorthin hatte sich auch Segantini zum Malen zurückgezogen), auf den schmalen Steinbockweg zur Paradieshütte und weiter zur Alp Languard war die Aufgabe für die sportlicheren Wanderer. Die Genusswanderer erreichten ihr Ziel auf dem Weg in der mittleren Panoramaetage. Beide Gruppen hatten traumhafte Aussichten auf die Seenwelt im Tal, die Eisberge der Berninagruppe und das Tal zum mächtigen Morteratschgletscher. Währenddessen fuhren die Kulturwanderer bequem mit dem Pferdeomnibus von Pontresina ins Val Rosegg und konnten sich fast nicht von der Ansicht der vergletscherten Bergwelt am Talschluss trennen. Mit der Auffahrt nach Muottas Muragl und der Traumsicht auf das fantastische Licht der Seenlandschaft beendeten sie Ihren Tag. Auf unterschiedlich langen Wegen erreichten alle Teilnehmer die Fuorcla Surlej, einen der schönsten Aussichtsplätze. Der Piz Bernina (4049m) mit Biancograt, Piz Scersen, Piz Roseg mit dem zerklüfteten Gletscher, waren zum Greifen nah. Der absolute Höhepunkt war der Besuch im „Festsaal der Alpen“. Vis-á-vis der Bergstation der Diavolezza-Bahn (2973m) überragt das Berninamassiv eindrucksvoll die Szenerie mit acht Gipfeln bis über die Viertausendermarke. Allen voran der Piz Palü (3905m) bis hin zur „Himmelsleiter“ Biancograt auf den Piz Bernina (4049m). Die sportlichen Wanderer krönten den Tag mit der Gipfeltour auf den 3.207m hohen Munt Pers. Mit der eindrucksvolle Talwanderung zur Gletscherzunge des Morteratschgletschers beschlossen alle drei Wandergruppen diesen unvergesslichen Traumtag. 

Das Kulturprogramm, mit dem Tag in Soglio, dem alten Bauerndorf im Bergell, der Besuch von St. Moritz mit dem Engadin- und Segantinimuseum, lockerten das Wandergeschehen auf. Das Engadinmuseum beherbergt eine bedeutende Sammlung von Möbeln und Objekten alpiner Wohnkultur. Von der gemütliche Prachtsstube aus dem Jahre 1691 mit Turmofen war die Gruppe ganz besonders angetan. Absolut genial ist das letzte Werk des Alpenmalers Giovanni Segantini, das monumentale Alpentriptychon La vita – la natura – la morte (Werden-Sein-Vergehen). Ausgestellt in 3 Teilen in der Kuppel des Segantinimuseums. Der Zwischenaufenthalt bei der Heimreise, in Guarda, dem schönsten Engadiner Dorf, war der kulturell krönende  Abschluss dieser gelungenen, traumhaften Wanderwoche.  

Sabine Weinmann, Fachwart Wandern
 


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