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7-Tage-Wanderreise „Comer See“
vom 19.10. bis 25.10.2009
Das Ziel der Wander- und Kulturreise, die der
Schwäbische Albverein Gemmrigheim für das Jahr 2009 angeboten hatte,
war der oberitalienische Comer See. Wie bei den letzten Reisen war
auch dieses Mal das Interesse groß, als Werner Häring das Programm
vorstellte, das er wieder zusammen mit Hatto Weber vom Reisebüro
Heideker ausgearbeitet hatte.
Obwohl das Aufstehen zu nachtschlafender Zeit
nicht jedermanns Sache ist, vor allem an einem regnerischen Morgen,
hatten sich alle Teilnehmer pünktlich eingefunden und nach kurzer
Inspektionsrunde, ob wirklich kein Koffer oder Rucksack mehr im
Nebel steht, konnte der vollbesetzte Bus in Richtung Italien
losfahren.
Bei Ulm war Fahrerwechsel und mit Hallo wurde
Hatto Weber begrüßt, kannten ihn doch die meisten von den früheren
Wanderreisen her. Seine sichere Fahrweise, sein Wissen um Land und
Leute, sein Improvisationstalent und nicht zuletzt sein
unerschöpflicher Vorrat an humorvollen Hinweisen zur
Anschnallpflicht machen ihn zu „dem“ Reiseleiter.
Das angestimmte Morgenlied konnte die Sonne nur
zögerlich hervorlocken, (vielleicht weil der Gesang noch etwas dünn
erklang?), aber beim nächsten Halt hatte sie den Nebel überwunden.
Rasch wurde ein kleiner Tisch aufgestellt, die mitgebrachten Brezeln
sollten mit Butter bestrichen werden– wo hatte man denn bloß die
Messer verstaut? – aber schließlich konnten sich alle mit Brezeln
und einem Fläschchen Wein für die nächsten Stunden stärken. Selbst
für den morgendlichen Vitaminstoß war gesorgt, der mitreisende
Fachmann für Obstbau hatte eine ganze Kiste leckerer Äpfel
gespendet.
Über Lindau, durch den Pfändertunnel und das
Fürstentum Liechtenstein – dachte da jemand laut an Schwarzgeld? –
vorbei an der alten Bischofsstadt Chur, wand sich die Straße hinauf
zum Julierpass. Vor kurzem musste es hier geschneit haben, an den
Straßenrändern hatten die Räumfahrzeuge kleine Schneehaufen
angeschoben. Die Hospiz-Gebäude auf der Passhöhe waren nicht
geöffnet, aber die alten Römer hatten genügend Stelen hinterlassen,
die manchem von Nutzen waren. Der frische Schnee lieferte nicht nur
genügend Material für Schneeballen, sondern sorgte auch für
Probleme, denen selbst ein Schweizer nicht gewachsen war. Dieser
hatte einen riesigen hölzernen Steinbock auf seinem Autodach
befestigt – was allein schon die Aufmerksamkeit auf sich zog – und
versuchte verzweifelt, aus dem verschneiten Parkplatz auf die
schneefreie Straße zu gelangen. Als alle Versuche fehlschlugen,
packten die Schwaben an und mit Hauruck hievten sie Auto samt
Steinbock aus dem Schnee.
Nach diesem kleinen Intermezzo fuhr der Bus dem
mondänen Kurort St. Moritz entgegen. Auf dem Bahnhofsvorplatz nutzte
man die Zeit bis zur Abfahrt der Bernina-Bahn zu einer Kaffeerunde.
Die Sonne strahlte vom wolkenlosen Himmel, als sich der Zug der
Passhöhe näherte. Den Fotografen, und allen anderen natürlich auch,
blieb fast die Luft weg vor Begeisterung über die grandiose
Landschaft. Sie hasteten von einem Fenster zum andern, wenn ein „ooh,
guck schnell“ ertönte. Sei es hier ein Wasserfall, der von einem
schroffen Felsen stürzt, dort ein riesiger Stausee oder der
Morteratsch-Gletscher, schneebedeckte Bergeshöhen oder Lerchenwälder
in ihren Herbstfarben, das Zugende oder eine entgegenkommende Bahn,
alles wurde auf Speicherchips gebannt. Der Heideker-Bus, der immer
wieder auftauchte, lieferte sich ein Wettrennen mit dem Zug, zum
großen Spaß der Passagiere. Nach fast 60 Kilometern hieß es in
Campocologno aussteigen zur Weiterfahrt mit dem Bus nach Colico am
Comer See, wo die Reisegesellschaft in einem Hotel direkt am See
Quartier bezog. Nach einem üppigen Abendessen wurde es bald ruhig im
Hause, denn morgens sollte man ja fit sein für die erste große
Wanderung.
Ein bisschen hektisch begannen die
Vorbereitungen für den langen Tag. Es musste eingekauft werden für
das Picknick, - reichen Wurst, Käse, Brötchen für alle? – dann
brach in den Arkaden des Hotels geschäftiges Treiben aus, es wurde
geschnitten, gestrichen, belegt und eingepackt. Am Bus, etwas
entfernt geparkt, versorgten sich die Wanderer noch mit Getränken
und gemeinsam – fast gemeinsam, denn besonders Eilige waren schon
vorausgegangen – ging es zum Bahnhof. Die Heizung im Pendelzug nach
Abbadia Lariana arbeitete nach einem undurchschaubaren Prinzip,
denn während im einen Waggon die Reisenden ins Schwitzen kamen,
entstiegen einem anderen durchgefrorene Passagiere. Leider war fast
überall die Sicht nach draußen verwehrt durch total zugeschmierte
Fenster, und bei den Zugfahrten in den nächsten Tagen war mancher
Kontrolleur verstört über die Vielzahl der Leute, die keine
Fahrkarte vorzeigen konnten und immer auf den „Capo“ verwiesen, der
irgendwo im nächsten Waggon saß.
Und dann ging's zur Sache: durch den alten
Ortskern in Abbadia Lariana, vorbei an der Kirchenruine San
Martino, führte der Weg, einem uralten Schmugglerpfad folgend,
steil bergauf. Bald stellte sich die bange Frage: geht's so steil
auch wieder bergab? In der Tat, so sollte es kommen, aber vorerst
durchwanderte man Wiesen, Obstgärten, Wälder und kleine Orte, die
einen geheimen Reiz ausüben. Ständig von aufgeregtem Hundegebell
begleitet, suchte man vergeblich nach vergessenen Feigen auf den
Bäumen am Wegesrand. Begehrliche Blicke richteten sich auf die
leuchtend orangefarbenen Kakifrüchte, die leider noch nicht richtig
reif waren, so dass man mit Bedauern an den brechend voll hängenden
Bäumen vorbeigehen musste. Aber die Naturfreunde wurden trotzdem
fündig: Unzählige Maronen lagen in den Wäldern auf den Wegen, und
einmal angefangen zu sammeln, gab es bei manchen kein Halten mehr!
Die alten Dörfer bergen oftmals überraschende
Kulturdenkmale, wie in Maggiana, wo der trutzige „Torre Federico“
einst Friedrich Barbarossa beherbergt haben soll. Hier in den Bergen
ging auch ein dunkles Kapitel der italienischen Geschichte zu Ende:
Mussolini wurde gefangen genommen und umgebracht.
Für alle, die nicht auf dem Land aufgewachsen
sind, waren die offenen Waschhäuser mit steinernen Trögen ein
seltsamer Anblick. Offensichtlich werden sie auch heute noch von den
Dorfbewohnerinnen benutzt. Es ist zu vermuten, dass diese
Einrichtungen auch weiterhin bestehen bleiben, kann man doch den
Waschtag mit ein bisschen Dorfklatsch aufpeppen. Die Wanderer müssen
jedoch mit einem ungelösten Rätsel weiterleben: Was bedeuten die
vollen Wasserflaschen in den Ecken der Hauseingänge? Die Vermutungen
gingen von Nachbarschaftshilfe über Blumengießwasser bis hin zu
Katzenvertreibungsmittel – aber wie gesagt, es bleibt das Geheimnis
der Dorfbewohner.
Kleine Kirchen, einem Heiligen geweiht, tauchen
unvermutet in der Landschaft auf, bei genauem Hinschauen kann man ab
und zu verblichene Fresken an der Außenwand entdecken wie bei dem
alten Kirchlein San Giorgio. Hier wurde eine kurze Pause eingelegt,
um das Flüssigkeitsdepot des Körpers nach dem anstrengenden Aufstieg
erneut aufzufüllen. Dabei konnte man die wunderbare Sicht auf den
See in Ruhe auf sich wirken lassen.
Beim Mittagsvesper auf dem Dorfplatz vor der
kleinen Kirche in Rongio wurden neue Kräfte mobilisiert. Eine Katze
interessierte sich mehr für die Gruppe als die Bewohner des Ortes,
wenngleich sie die Wurstzipfel, die ihr angeboten wurden,
verschmähte, schließlich hat man ja auch als Katze seinen Stolz!
Bis der Abstieg auf schmalen Pfaden in die
verwunschene Meria-Schlucht und auf der gegenüber liegenden Seite
der steile Aufstieg geschafft waren, flossen viele Schweißtropfen
und manche Knie nahmen das Auf und Ab ziemlich übel. An diesem Tag
war man dankbar dafür, dass die Sonne Pause gemacht hatte. Endlich
war man in Lierna wieder am See, einige unternahmen noch einen
Rundgang durch den Ortsteil Castello, der auf einer kleinen
Halbinsel liegt, während andere eine Kaffeepause einlegten. Dann
bestiegen die Wanderer den Zug nach Colico, wo sie nicht mehr ganz
so munter im Hotel ankamen, wie sie es verlassen hatten.
Die Picknick-Vorbereitungen am nächsten Morgen
liefen generalstabsmäßig ab, alle Wanderwilligen waren „an Bord“,
und los ging die Fahrt hinüber zum westlichen See-Ufer. Unterwegs
stiegen zwei „Anhalter“ zu, Werner und Lieselotte Dietz aus
Gemmrigheim, die sich am Comer See ein zweites Domizil geschaffen
haben. Obwohl schon seit Jahren mit den dortigen Örtlichkeiten
vertraut, ließen sie sich's nicht nehmen, mit Freunden und Bekannten
an den Wanderungen teilzunehmen.
In Rezzonico war der einzig mögliche
Busparkplatz von Baustellenfahrzeugen blockiert, so dass Hatto Weber
kurzerhand das Programm änderte und Cadenabbia, Adenauers geliebten
Ferienort, ansteuerte. Hier trennten sich die Geister – sprich
Wanderer. Bei leichtem Regen schlenderte eine Gruppe hinauf in den
alten Ortsteil, von dort aus zog es den „harten Kern“ noch höher
hinauf zur weithin sichtbaren St. Martins-Kirche. Der herrliche
Blick von dort oben war wetterbedingt allerdings leicht getrübt. Die
Kulturbeflissenen wandten sich der Villa Carlotta zu, spazierten
durch den dazugehörenden herbstlichen Park und konnten auf dem
Rückweg zum Bus den bocciaspielenden Adenauer in Bronze bewundern.
Nun wurde es aber Zeit zum Mittagsvesper.
Zurück in Rezzonico hatten die Bauarbeiter wohl ebenfalls Pause,
denn der Parkplatz war wieder frei. Unterhalb der mittelalterlichen
Scaliger-Burg fand sich direkt am See ein idealer Platz, wenn auch
ein paar Stühle nicht eigens für die Wanderer aufgestellt waren,
doch die Besitzerin überließ die Sitzgelegenheiten großmütig den
Fremden, die offensichtlich Größeres vorhatten.
Wie recht sie hatte! Denn es ging einmal mehr
bergauf, entlang der „Antica strada Regina“, die zum Teil noch
gepflasterte Pfade aus früheren Jahrhunderten aufweist, vorbei an
halb verfallenen Häusern, die jedoch zum Teil wieder bewohnbar
gemacht werden. Kapellen an exponierter Lage und schlichte
Gebetstellen weisen auf die Frömmigkeit der Bewohner in der
Bergregion hin. Oft wäre man noch gerne viel länger stehengeblieben,
um den überwältigenden Blick auf den See, hinunter nach Bellagio bis
hinüber ans andere Ufer auszukosten, jedoch der frühe Nachmittag
drängte zum Weitergehen. Nach dem steilen – wie könnte es anders
sein – Abstieg erreichte man Nobiallo, einen kleinen Ort, dessen
Kirchturm in bedenklicher Schieflage ist. Aber vielleicht wird er
von dem Heiligen, dem die Kirche geweiht ist, kräftig gestützt.
In Mengaggio reichte es immerhin noch zu einem
Kaffee, bevor sich wieder zwei Gruppen bildeten. Das
Tragflächenboot, mit Anlegestelle in Colico fast vor der Haustür,
verlockte einige zu der kurzen Überfahrt, aber damit der Bus nicht
ohne Fahrgäste unterwegs war, entschloss sich der verbliebene Rest
der Wanderer zum Mitfahren.
Nachdem es fast die ganze Nacht geregnet hatte,
war das Timing, einen Ausflug nach Bergamo zu unternehmen, perfekt.
Auf der Fahrt durch die Po-Ebene gaben Experten dem Fahrer wertvolle
Hinweise zur Verbesserung des Busses. Ob sie allerdings ernst
genommen werden, ist fraglich. Leider hatte der Himmel kein
Einsehen, als man sich zur Stadtführung aufmachte, sondern ließ es
weiterhin regnen. Aber was machte das schon aus -weiß man doch schon
lange, dass alles nur an der richtigen Kleidung liegt! Mit dem
Aufzug gelangte man in die sehenswerte Oberstadt, hörte zwar nicht
immer, was die Stadtführerin erzählte, aber in den alten Gassen gab
es auch so viel zu sehen. Der Dom mit seiner prächtigen Ausstattung
und den wertvollen Kunstschätzen war der Höhepunkt der
Stadtbesichtigung. Die Überraschung war gelungen, als man sich im
Terminal des Aufzugs versammelte und nicht wie erwartet in die
moderne untere Stadt zurückfuhr, sondern von den Organisatoren in
ein Lokal mit Blick über Bergamo eingeladen und mit typischen
Köstlichkeiten aus der Küche verwöhnt wurde. So gestärkt konnte
jeder noch einmal auf eigene Faust durch Bergamo flanieren.
Um der – nach eigener Einschätzung -
unkomplizierten Gruppe eine Freude zu machen, setzte Hatto Weber bei
der Heimfahrt noch ein Highlight drauf – statt durch die zahllosen
Tunnels der Schnellstraße zu fahren, nahm er die Uferstraße,
wohlwissend, dass es für ihn andersrum einfacher gewesen wäre. Die
Wanderer konnten natürlich die Fahrt durch malerische Dörfer mit
steter Sicht auf den See genießen, und als noch das Abendrot auf den
schneebedeckten Bergspitzen leuchtete, war das Wanderglück
vollkommen.
Ein besonderer Gag erwartete die Heimkehrer:
Das Essen an diesem Abend musste sich jeder erst verdienen, mit
einer kleinen Wanderung – bergauf, versteht sich. In dem Lokal, fast
über den Wolken, brannte ein gemütliches Feuer, der Duft von
Gebratenem lag verlockend in der Luft und bald hatte jeder einen
vollen Teller vor sich stehen. Da der Heimweg leicht zu finden war –
halt den Berg wieder hinunter – brauchte derjenige, der früher ins
Bett wollte, nur einen Begleiter mit Taschenlampe oder jemand, der
ihm festen Halt gab. Dass alle im Hotel irgendwann wohlbehalten
angekommen waren, zeigte sich am nächsten Morgen. Da brach die ganz
normale Hektik aus, denn im Gegensatz zum Bus wartet auch in Italien
der Zug nicht auf die Reisenden. Dieses Mal war im malerischen
Varenna Endstation.
Nicht alle Teilnehmer konnten von der
Uferpromende aus den Blick über den Lario, wie der Comer See von
Einheimischen genannt wird, genießen – zwei „Schatzsucher“
erkundeten hier mit GPS-Gerät mögliche Verstecke. Und ihr Eifer
wurde belohnt, der „Schatz“ wurde aufgespürt und mit Stolz in ein
Verzeichnis eingetragen. Nach diesem Erfolgserlebnis konnten sie
sich wieder getrost ihren eigentlichen Aufgaben als Mit-Wanderführer
zuwenden.
Einen Umweg zur Quelle des kürzesten Flusses in
Italien nahm man gerne in Kauf. Der Fiumelatte mit einer Länge von
nur 300 Metern entspringt in einer tiefen Grotte. Er macht seinem
Namen „Milchfluss“ alle Ehre, denn weißschäumend ergießt er sich in
den See.
Fast hätte man geglaubt, dass es auf ebenen
Wegen weitergeht, dass dem nicht so war, stellte sich bald heraus,
denn die Burg, die als Rastplatz für die Mittagspause ausgesucht
war, grüßte aus stolzer Höhe. Mit vielen Verschnaufpausen, die ja
auch immer Gelegenheit gaben, die Landschaft zu bewundern, die sich
nach jeder Biegung wieder anders präsentierte, erreichte man den
geräumigen Burghof. Hier hat sich eine Falknerei etabliert, Adler,
Falken und eine unbeweglich sitzende Schleiereule zeigten den
Besuchern durch Flugversuche und Gekrächze, wer hier der Herr ist.
Ein traumhafter Rundblick ließ die Anstrengung vergessen, und als
zum Aufbruch gemahnt wurde, wurde das „allerletzte“ Foto aufgenommen
oder man blieb „nur noch kurz“ stehen, um sich diese wunderschöne
Aussicht einzuprägen.
Nachdem auch die Schatzsucher nach längerem
Umherirren zum zweiten Mal fündig geworden waren, stieg man durch
den „Hexenwald“ ab nach Bellano, einige beendeten die Wanderung und
fuhren mit dem Boot hinüber nach Bellagio, bekannt als die „Perle am
Comer See“. Für die anderen ging es weiter bis nach Dervio, wo in
Bahnhofsnähe noch Zeit für ein Bierchen oder einen Kaffee war. Etwas
befremdlich war, dass in dem Café ausschließlich Männer saßen, was
zu der berechtigten Frage Anlass gab, ob hier Frauen unerwünscht
seien. Dies wurde vehement verneint und mit Maurizio am Nebentisch
wurde schnell Freundschaft geschlossen. Mit beiderseitigen guten
Wünschen verabschiedete man sich, um rechtzeitig am Bahnhof zu sein.
Wie schnell doch die Woche, übervoll mit
Erlebnissen, vergangen war - der letzte Tag war angebrochen.
Zugfahren und Kontrolleure überzeugen war schon Routine und so
verließ man gut gelaunt in Dervio die – an diesem Morgen überall
warmen – Abteile. Das mittelalterliche Corenno mit seinen engen
Gassen und steilen Treppen ließ schon ahnen, dass es demnächst noch
steiler ansteigen würde. Auf den alten Wanderwegen passierte man
verfallene Mühlen, welche einst von den Sturzbächen aus den Bergen
mit Wasser versorgt wurden. Die Wasserläufe sind immer noch da, von
den Mühlen zeugen oft nur noch die Mahlsteine. Die Wanderer
wunderten sich jedoch, dass in manchem alten Gemäuer offensichtlich
Vieh gehalten wird, was eindeutig an Geruch und Misten belegbar ist.
Eine Aussicht wie aus dem Bilderbuch präsentierte sich in Mandonico,
wo die verlassenen trutzigen Steinhäuser nach und nach wieder
renoviert werden.
Steil, steiler, am steilsten – so zog sich der
Weg hinauf zur Kirche San Rocco, wo ein großzügig angelegter
Picknickplatz zeigte, dass nicht nur Wanderer die Strapazen hier
herauf in Kauf nehmen. Auch von diesem Punkt aus bietet sich eine
Sicht an, die schöner nicht sein könnte.
Jetzt wurden aber die Rucksäcke aufgeschnürt
und das Vesper mit gutem Appetit verzehrt. So konnten die meisten
viel leichter weiterwandern, wenn sich auch der eine oder die andere
mit Taschen voller Maronen erneut Gewicht aufgeladen hatte.
Durch Wiesen und Wälder ging es zurück nach
Colico, wo man mit geheimnisvollen Andeutungen zur Eile aufgefordert
wurde. Umziehen? Aber was? Welche Schuhe, welches Outfit? Keiner
wusste so recht Bescheid, aber schließlich saßen alle wieder im Bus,
der zur Westseite des Sees fuhr und unterwegs Werner und Lieselotte
Dietz mitnahm. Dann hieß es „nur“ noch eine Viertelstunde zu Fuß,
ein bisschen bergauf, dann…. Die Viertelstunde war wohl mit dem Auto
berechnet, aber als alle etwas außer Atem auf der Höhe ankamen, war
die Überraschung wieder mal perfekt. Werner Dietz hatte seine guten
Verbindungen spielen lassen und den Besitzer eines Weingutes, hoch
über dem See gelegen, überzeugen können, dass sich lauter
Weinkenner unter seinen Landsleuten befanden.
Eine exzellente Weinprobe wurde geboten, die
zusammen mit leckeren Spezialitäten vergessen ließ, dass im Hotel
auch noch das Abendessen wartete. Eigentlich sollte man nicht…, aber
niemand konnte widerstehen. Nach Kellerbesichtigung, Weinkauf und
dem letzten Schluck sprach man dem Hausherrn und seiner Familie
einen herzlichen Dank aus, den Werner Dietz gerne übermittelte,
dieser Dank galt aber auch ihm, der diesen Event ermöglicht hatte.
Erstaunlich, dass man nach kurzer Zeit wieder
in der Lage war, sich das Abendessen „daheim“ schmecken zu lassen.
Der Tag voller Ereignisse neigte sich dem Ende zu, die Koffer
mussten gepackt werden, denn am frühen Morgen sollten sie verladen
werden. Dann hieß es endgültig Abschied nehmen vom Comer See. Etwas
wehmütig gestimmt, konnte man im Vorbeifahren noch zum letzten Mal
den Blick über den See in der Morgensonne schweifen lassen. Am Lago
Mezzola vorbei, in dem sich der Monte Legnone spiegelte, hinein ins
Bergell, durch Chiavenna, fuhr der Bus auf kurvenreichen Straßen dem
Majola-Paß entgegen. Auf der Paßhöhe gab es einen kurzen Stopp, um
den Fotografen Gelegenheit zu geben, die herrliche Gebirgswelt bei
strahlendem Sonnenschein für`s Album zu verewigen. Der Corvatsch,
Sils Maria, Silvaplana, St. Moritz, die Bernina-Gruppe, Davos,
lauter Namen, die schon beim Drandenken Kalenderbilder in den Kopf
zaubern.
Und zum letzten Mal gab es noch ein
Extrabonbon: Vier Geburtstags“kinder“, die während der Reise – fast
gleichzeitig – Geburtstag hatten, luden zu einem Ständerling mit
Sekt und Grappa ein, danach konnte die Zeit, bis im „Heidiland“ Halt
gemacht wurde, gut überbrückt werden.
Bis nach Gemmrigheim war es noch weit, in
Gedanken ließ man die vergangenen Tage Revue passieren – die alten
Dörfer am See, die Wanderwege, die so unwahrscheinlich schöne
Ausblicke boten, die Kirchlein hoch oben in den Bergen, Wiesen und
Wälder mit ihrer vielfältigen, mediterranen Vegetation – es war
einfach wunderschön.
Wie viel vorbereitende Arbeit hinter einer
solchen Reise steckt, kann man sich vorstellen, daher kam das
herzliche Dankeschön an die Verantwortlichen, allen voran Werner
Häring und Hatto Weber, aus vollem Herzen.
Eine Bilder-Show zu dieser Reise finden Sie unter:
http://www.ubhaering.de/Bilder/bilder2009//bilder-show_como
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