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Wandern und Kultur rund um den Böhmerwald
Text von Horst Messerschmidt
So lautete das Motto der fünftägigen
Wanderfahrt der Geislinger Ortsgruppe im Schwäbischen Albverein, die
mit 34 Teilnehmern mit dem Bus ins oberösterreichische Mühlviertel
fuhr. Im Standquartier, dem Hotel „Böhmerwaldhof“ in Ulrichsberg war
die Wandergruppe gut untergebracht und bestens verpflegt. Bei
strahlendem Sonnenschein wurde auf der Fahrt dorthin in der
3-Flüsse-Stadt Passau ein längerer Halt eingelegt und unter kundiger
Führung die romantische Altstadt mit ihren winkeligen Gässchen
besichtigt. Einen besonderen Eindruck hinterließ der Gang durch den
Dom mit seinen beeindruckenden Stuckornamenten, Fresken und der
größten Domorgel der Welt.
Am nächsten Morgen wurden die Wanderschuhe
geschnürt und vom Weiler Grünwald der 1.077 m hohe Bärenstein
erstiegen. Von dort hatte die Gruppe eine weite Sicht ins böhmische
Vorland mit dem Moldaustausee. Gegen Mittag wurde beim Holzschauhaus
Rast eingelegt. Von dem dort aufgestellten Aussichtsturm – ein
ehemaliger Ölbohrturm – bot sich ebenfalls ein weiter Blick ins
Böhmerland. Auch der Geburtsort des Heimat-schriftstellers Adalbert
Stifter, der 1805 in Oberplan geboren wurde, war gut zu erkennen.
Der absteigende Rückweg nach Ulrichsberg wurde durch einen kurzen
Nieselregen beeinträchtigt, aber ansonsten herrschte Sonnenschein
auf allen Wandertouren.
Kultur in ihrer allerschönsten Form war für
den nächsten Tag angesagt. Auf der Fahrt nach Böhmisch Krumau (Český
Krumlov), dessen mittelalterliche Kern nie zerstört wurde, erklang
Smetanas “die Moldau” zur Einstimmung. Dann übernahm am Busparkplatz
Frau Schoberova die Führung und geleitete die Schwaben zuerst durch
das Schloss, das sich auf einem ansteigenden Felsrücken befindet.
Die monumentale, prunkvolle Residenz wurde in der 2. Hälfte des 16.
Jh. durch den böhmischen Adeligen Wilhelm von Rosenberg im
Renaissancestil mit 40 Palästen und Gebäuden umgebaut. Auch die
Stadt bekam ein neues renaissanceartiges Gewand und bemalte oder
strukturierte Fassaden. Die Sicht von der oberen Burg auf das
Moldaustädtchen war beeindruckend. Weiter geleitete uns die
charmante Stadtführerin durch die historischen Gassen und
romantischen Winkel des von Besuchern aus aller Welt überquellenden
Stadtkerns zur gotischen St. Veits-Kirche und zum Marktplatz. Die
Zeit zur freien Verfügung nutzte die Wandergruppe zur Einkehr in den
zahlreichen Restaurants, die idyllisch an der Moldau lagen oder mit
einem Spaziergang durch den 1678 im französischen Stil angelegten
Schlosspark mit seinen blühenden Rosengärten.
Ein wunderschöner Morgen empfing die Wanderer
beim Start auf der Schwemm-kanalrunde. Der Kanal zur Flößung von
Scheiterholz wurde 1789 durch den Fürsten Schwarzenberg angelegt und
1824 vollendet. Zweck des wahrlich umweltschonenden Transports durch
die böhmische Wasserscheide in die große Mühl war die Versorgung
Wiens mit Brennholz. An der Igelbachschleuse, an der eine Rast
eingelegt wurde, konnte man die technischen Anlagen noch gut
besichtigen. Auf angenehmen Waldpfaden und über Brettlwegen
gelangten die Wanderer am Mittag zur bayerischen Au, ein
Hochmoorgebiet an einem Ausläufer des Moldaustausees gelegen. Über
die Schrollenbachschleuse wurde wieder die Höhe über Untergrünwald
erreicht und der erlebnisreiche Tag mit einer zünftigen Jause im
Haagerhof abgeschlossen.
Bevor die Heimfahrt angetreten wurde, luden
die Wanderführer Horst Messerschmidt und Klaus-Volker Walser noch zu
einer Besichtigung des hübsch angelegten Kräutergartens in Klaffer
ein.
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