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Wanderbericht OG Blaubeuren
Tunesien
 
Geschichte wächst aus jedem Acker
Im grünen Norden von Tunesien erleben Wanderer eine faszinierende Mischung aus Landschaft und Historie
Fast weht der Wind den Wandersmann vom geschichtsträchtigen Podest: 25 Meter lang und fünf Meter hoch ist die Steinmauer mitten im tunesischen Bergland - und alt, sehr alt: 46 vor Christus wurde hier ein Opferaltar zu Ehren einer von Julius Cäsar gewonnen Schlacht errichtet.
Doch der Blick von oben reicht noch weiter in die Geschichte zurück: Genau hier, beim früheren Zama Regina kam es 202 v. Chr. zur Entscheidungsschlacht der punischen Kriege zwischen Karthager-Führer Hannibal und dem römischen Feldherrn Scipio Africanus um die Vorherrschaft in der alten Welt. Rom gewann, Karthago ging unter und wurde später zerstört.
Beim Blick über die einsamen, welligen, von Bergen eingerahmten Felder, auf denen über 20000 Soldaten hingemetzelt wurden, meint man im pfeifenden Wind das Klirren der Schwerter und Ächzen von Pferd und Reiter zu hören.
Gänsehauterlebnisse dieser Art sind nicht selten bei der Wander-Tour quer durch den überraschend grünen Norden Tunesiens. 2500 Jahre Geschichte wachsen hier fast aus jedem Acker, kulminieren in einmalig erhaltenen römischen Ruinenstädten wie Dougga oder Sbeitla oder finden sich direkt am Straßenrand in einem auf hunderte von Metern prachtvoll erhaltenen römischen Aquaedukt.
Touristen aus den Badeorten bei Sousse und Hammamet verirren sich nur selten hierher. Dafür können Wanderer in einer geführten Rundreise eine Woche lang im steten Wechsel Geschichte zum Anfassen erleben und Streifzüge durch eine eindrucksvolle Berglandschaft unternehmen. Die insgesamt rund 1000 Kilometer lange Rundfahrt per Bus führt rasch aus der quirligen Hauptstadt Tunis heraus. Ruhig fließt die uralte Kulturlandschaft in weiten Wellen dahin. Bis zu den karstigen Bergen reichen die Weizenfelder, denn das fruchtbare Land ist seit mehr als 2500 Jahren die Kornkammer für wechselnde Herren.
Jetzt, Mitte April, regnet es immer wieder. Die Menschen haben die Kapuzen ihrer dunkelbraunen, aus dicker Wolle gewebten knöchellangen Kaftane hochgeschlagen. Sie begegnen den Besuchern meist offen und freundlich. Viele Frauen in engen Jeans, mit langen Haaren und selbstbewußtem Blick zeigen, dass Islam und Weltoffenheit in Tunesien durchaus miteinander vereinbar sind.
Die Wanderungen haben es in sich: Gut drei Stunden etwa dauert der Aufstieg zum Tafelberg Jogurtha, wo sich auf 1200 Metern Höhe der Karawanenräuber Senam einen uneinnehmbaren Schlupfwinkel schuf. Weit geht der Blick hinunter in die fruchtbaren Ebenen, aus denen unvermittelt einzelne Berge wachsen.
Zum Djebel (Berg) Serdj führt der Weg durch eine tiefe Felsenschlucht. Bei der Rast stöbern Schafe und Ziegen im Lunchpaket der Wanderer und fordern ihren Teil. Das Kläffen der Hirtenhunde begleitet sie über die karstigen Bergrücken, über löchrige, messerscharfe Steinplatten und auf schmalen Maultierpfaden, die sicheren Tritt verlangen. Im kleinen Berberdorf Kesra schauen die Wanderer beim Destillieren von Rosmarienöl zu, das aus rostigen Kesseln über offenem Feuer gewonnen wird. Eine weitere Wanderung führt auf den Djebel Zaghouan, ein 1344 Meter hohes Dolomitmassiv in der "Schweiz Tunesiens".
Zwischen den Wanderungen öffnet sich die faszinierende Welt des Orients: Markttreiben und Moscheen in der heiligen Stadt Kairouan, Alltag in Städtchen wie Teboursouk, El Kef oder Kasserine. Die Besuche der römischen Ausgrabungsstätten Dougga, Sbeitla oder Karthago machen Lust darauf, den Spuren Hannibals noch intensiver zu folgen, tiefer einzutauchen in die Ereignisse der Zeitenwende.
Mitzubringen ist eine gute Portion Abenteuerlust: Der landschaftlich und kulturell so reiche Norden Tunesiens ist touristisches Neuland. Nicht alles klappt wie geplant, Wandermarkierungen gibt es nicht, mancher Weg erweist sich als unpassierbar und zwingt zur Umkehr. Manchmal tröpfelt es nur aus dem Wasserhahn im Hotel und wer zum Frühstück keine Feigenmarmelade mag, hat es schwer. Aber: Das Land ist schön, die Menschen freundlich und nirgendwo ist die faszinierende arabische Welt Europa näher.

Informationen:

Anreise:
Mit Tunis Air ab Frankfurt in etwa zweieinhalb Stunden nach Tunis.

Unterkunft:
Einfache, aber überwiegend saubere Hotels, Zimmer mit WC, Bad/Dusche.

Gesundheit:
Keine Impfungen vorgeschrieben, empfohlen Hepatitis und Tetanus, Sonnenschutz mit hohem UV-Faktor.

Ernährung:
landestypische Kost, Trinkwasser nur aus Flaschen. Während der beschriebenen Tour keinerlei Probleme unter den Teilnehmern mit Darm- oder Magenbeschwerden.

Wanderungen:
bis zu sieben Stunden, Trittsicherheit und gute Kondition, feste Wanderschuhe, Kopfbedeckung.

Reisezeit:
Mai und Oktober.
Preis: 1180 Euro p. P. inklusive Flug, Unterkunft, Verpflegung (außer Getränke)

Auskünfte:
Trekkingreisen Rudolf Hoffmann,
Wilh.-Lehmbruck-Weg 10,
68163 Mannheim,
Tel.: 0621 / 400 64 10,
www.trh-reisen.de

 


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