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Wanderbericht OG Bietigheim
Deutschland/ Luxemburg, Südeifel
Die Vulkaneifel mit ihren Maaren ist jedem Naturfreund wohlbekannt. Die einzigartige Landschaft der Südeifel jedoch ist weitgehend unbekannt. Dieses Gebiet begeisterte dieser Tage eine Wandergruppe des Bietigheimer Albvereins. Bollendorf im Tal der Sauer war das Standquartier für die fünf Wandertage. Über die Autobahn, vorbei an Ludwigshafen, Kaiserslautern und Trier war rasch die Bundesstraße Richtung Bitburg erreicht, von der man ins Sauertal abbiegt. Die Sauer entspringt in den Ardennen, durchfließt Luxemburg und bildet auf den letzten 50 Kilometern den Grenzfluss zwischen Luxemburg und Deutschland, ehe sie bei Wasserbillig in die Mosel mündet. Das Sauertal zeigt sich dem Fremden als liebliches Tal mit schmaler Talaue und bewaldeten Talhängen. Die faszinierenden Landschaftsformen und einzigartigen geschichtlichen Zeugnisse entdeckt erst der Wanderer, der durch den Wald nach oben steigt.

Schon das Kennenlernen der nächsten Umgebung brachte der Gruppe am ersten Tag Einblicke in die Geschichte. Ein Rundgang durch das Städtchen Bollendorf zeigte noch Spuren der altfränkischen Siedlung aus dem 8. Jahrhundert, einer Zeit, in der die bäuerliche Bevölkerung und die fränkischen Edlen in getrennten Ortsteilen wohnten. Aus der fränkischen Ritterzeit stammt auch die Burg Bollendorf, die auf römischen Grundmauern steht und in späterer Zeit den Äbten von Echternach als Sommerresidenz diente. Gleich daneben zeigt das vom Eifelverein hervorragend restaurierte Herrenhaus eines römischen Gutshofs aus dem 3. Jahrhundert, mit welcher technischen Vollkommenheit die Römer zu bauen vermochten. Römische und altfränkische Zeugnisse standen am zweiten Wandertag neben noch viel älteren geschichtlichen Stätten. Die Wanderung führte hinauf auf das „Ferschweiler Plateau", eine nach allen Seiten 20 bis 50 Meter senkrecht abfallende Hochebene. Dieses Plateau, das mit tiefgründigem, feinem Sandboden bedeckt ist, bot den Menschen der Jungsteinzeit Schutz vor Feinden und Möglichkeit, mit einfachen Steinwerkzeugen Ackerbau zu betreiben. Aus dieser Zeitepoche ca. 3000 Jahre v. Chr. findet man zahlreiche ca. 3 m hohe Menhire, die der Götterverehrung und dem Totenkult dienten, darunter den berühmten „Druidenstein". Auch in der nun folgenden Bronzezeit lebte ein keltisch/ gallischer Volksstamm auf dem Plateau. Die Wandergruppe stand vor manchen Spuren aus dieser Zeit, wie auch aus der folgenden Zeit der römischen Besatzung: Weihealtäre wie das „Dianendenkmal" oder die beeindruckenden „Kiesgräber", eine gallo-römische Brandgräberstätte. Hier liegen mitten im Wald große Sandsteinplatten mit Vertiefungen für die Urnen und dem Verbrennungsplatz.

Der Höhepunkt der Wandertage war aber neben all diesen geschichtlichen Sehenswürdigkeiten die einzigartige Felsenlandschaft der Südeifel. Viele Kilometer weit zieht sich ein Kranz von 10 bis 50 m hohen Sandsteinfelsen an den oberen Talwänden entlang. Geologisch handelt es sich um den „Luxemburger Sandstein" aus der Liaszeit, eine für den Schwarzjura einzigartige Formation aus hellockerfarbigen Sandsteinen. In schier unendlicher Kette reihten sich die bizarren Formen aneinander. Da gab es glatte senkrechte Felstafeln, einzelstehende Felstürme und Felsnadeln, von denen die markanten treffende Namen trugen, alle mit der Endung „lay" (moselfränkisch = Fels): Sonnenlay, Falkenlay, Heidenlay, Muhmenlay, Kreuzlay. Dazwischen lagen nachtdunkle Schluchten (Schlüffe), manchmal nur handbreit oder so schmal, dass man vor dem Durchklettern den Rucksack ablegen musste. Wie auf einem Teppich wanderte man auf schmalen Sand- oder Laubwegen einmal am oberen Abbruch der Felsen, dann wieder an deren Fuß oder in Schluchten durch diese hindurch. Drei Wandertage verbrachte die Bietigheimer Albvereinsgruppe auf deutscher Seite in dieser einzigartigen Landschaft, ein Tag war für die luxemburgische Seite geplant, wo am Ende der Besuch der Stadt Echternach stand. Diese hübsche luxemburgische Stadt hat einen mittelalterlichen Stadtkern und ist eine der ältesten Christianisierungsstätten Europas. Hier gründete der hl. Willibrord im Jahr 698 eine Benediktinerabtei. Er liegt in der Krypta der großartigen romanischen Basilika begraben. Bekannt ist die einzigartige Springprozession, die am Pfingstdienstag zu Ehren des Heiligen in Echternach durchgeführt wird.

Der letzte Tag stand im Zeichen der Landeshauptstadt Luxemburg. Einst als uneinnehmbare Festung „Gibraltar des Nordens" genannt, ist Luxemburg heute nicht nur die Stadt der Banken, sondern ein Kleinod, das so viel Sehenswertes birgt, dass man sich an einem Tag nur einen Überblick verschaffen kann.

Es waren fünf Wandertage, in denen alles stimmte, die Landschaft, die gute Unterkunft und Verpflegung, das Wetter und die gemeinsame Harmonie. Die Teilnehmer werden sich gerne an die Zeit in der Eifel zurück erinnern.

Dieter Münzenmaier, Bietigheimerstr. 45, 74321 Bietigheim-Bissingen

 

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