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Wanderung durch die Gauchachschlucht
55 Wanderinnen und Wanderer aus Suppingen und Westerheim
fuhren am frühen Sonntagmorgen bei herrlichem Wanderwetter mit
dem Bus zu ihrer Tageswanderung in den Schwarzwald. Start zu
dieser Wanderung war das alte Posthaus (eine ehemalige
Poststation auf der vorderösterreichischen Postroute Brüssel –
Innsbruck) nahe der B31 unter der neuen Gauchachtalbrücke. Nach
einer halbstündigen Wanderzeit erreichten wir die Guggenmühle
wo uns schon der Besitzer Herr Wagner zu einer Führung
erwartete. Die Guggenmühle, romantisch im Gauchachtal zwischen
Döggingen und Unadingen gelegen, präsentiert sich seit der
Generalsanierung durch das Ehepaar Christa und Robert Wagner vor
einigen Jahren in voller Pracht. Das markante Gebäude ist nicht
nur Blickfang für Spaziergänger und Wanderer, die vielfältigen
geschichtlichen Verbindungen der Mühle zu den Nachbarorten
machen die Mühle geradezu zu einer Fundgrube für Heimat- und
Geschichtsforscher. Die erste schriftliche Erwähnung der
Guggenmühle findet sich unter dem Jahr 1414. Bis etwa 1850 war
die Mühle eine Lehensmühle der Donaueschinger Fürsten zu
Fürstenberg. Das jetzige Mühlengebäude wurde um 1660 neu
errichtet. Die im Mühlenraum erhaltene Maschinerie (Mahl- und
Gerbgang) ist mehr als 100 Jahre alt. Bei der umfangreichen und
sachkundigen Renovierung in den zurückliegenden beiden
Jahrzehnten wurden die Gerätschaften soweit hergestellt, dass
die Funktionen von Herrn Wagner anschaulich dargestellt und
vorgeführt wurde. Weiter ging es über zahlreiche Brücken, Stege
und wildromantische Pfade bis zur ehemaligen Lochmühle von der
nur noch ein paar Moosüberwachsene Grundmauern stehen. Etwas
oberhalb steht die Kapelle.Sie
ließ der Lochmüller Mathias Oschwald errichten, nachdem ein
Hochwasser im Jahr 1804 den Stall und die Scheune der Mühle
wegrissen, der erst siebenjährige Sohn Michael Oschwald, ein
Lehrjunge und ein Kuhhirt ertranken, die restliche Familie aber
verschont blieb.
Da die Leichen der drei Ertrunkenen nie gefunden wurden, ließ
der Lochmüller eine Gedenktafel anfertigen, um ihrer zu
Gedenken. Anno 1895 besiegelte ein weiteres starkes Hochwasser
das Ende der Lochmühle. Unser nächstes Ziel ist die Burgmühle,
ein jetziges Naturfreundehaus wo wir Mittagsrast machten.
Obwohl wahrscheinlich weitaus älter, wird die Burgmühle 1475
erstmals in einem Vertrag der Brüder von Almshoven erwähnt. Ihr
Vater, Freiherr Johann Franz Berthold von Schellenberg, machte
die Mühle zum Mannlehen, das nur an Söhne weitergegeben werden
konnte. Die Einwohner von Bachheim waren an die Mühle gebannt,
also verpflichtet, ihr Korn dort mahlen zu lassen. Sie durchlitt
im Laufe der Jahrhunderte mehrfach harte Schicksalsschläge und
materielle Not: Trockenheit minderte die Getreideernten,
Einquartierungen durch französische und österreichische Truppen,
Überschwemmungen und Eisstöße trafen die Müllersfamilien. Allein
im Jahr 1832 wurde das Wehr der Mühle dreimal bei
Überschwemmungen weggerissen. Der Mühlenbann wurde im April 1848
unter dem Zwang der Badischen Revolution aufgehoben. Damit hatte
man der schwer erreichbaren Burgmühle die wirtschaftliche
Grundlage genommen. Nur noch wenige Bauern kamen mit ihrem
Getreide an die Gauchach, viele wichen auf andere Mühlen aus.
Eine Gipsmühle sollte Abhilfe schaffen. Doch auch die
Verpachtung der Fischrechte, eine Hanfreibe und die Drechslerei
des neuen Müllers halfen nicht, die Schulden häuften sich
weiter. Das Ende der Mühle kam am 5. Juni 1895. Ein Hochwasser
hatte das zirka 140 Meter von der Mühle entfernte, etwa 18 bis
20 Meter hohe Holzstauwehr gänzlich weggespült. Das
Mühlengebäude erlitt großen Schaden durch die Trümmer. Die
Wasserräder, der Zuflusskanal und die Radstube waren zerstört
oder vom Schlamm verschüttet.
Eine neue Ära begann, als die Burgmühle 1928 von der Villinger
Ortsgruppe des Touristenvereins „Die Naturfreunde“ aufgekauft
wurde. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Verein verboten, doch 1946
übernahmen die Naturfreunde die Mühle erneut, renovierten sie
und belebten sie wieder. Seit 1955 steht die Burgmühle unter
Denkmalschutz. Weiter wanderten wir Flussabwärts auf einem
Teilstück eines Waldlehrpfades bis zum Kanadiersteg wo wir die
Wutach erreichten. Entlang der Wutach wanderten wir bis zur
Wutachmühle wo uns wieder unser Bus erwartete. Wanderführer
Hermann Großklaus erhielt von allen sehr viel Lob über seine
gelungene und gut geplante Tour und nachdem alle im Bus saßen
wurde die Wandergruppe mit herrlichen ausblicken auf die Berge
am Abendhimmel zusätzlich belohnt. Ganz nach dem Motto des
ehemaligen Westerheimer Seniorenwanderwarts Josef Kapfer: „Nicht
auf das Wetter fluchen, mit dem Albverein die Sonne buchen“,
hatten die Albvereinler nach dem äußerst kalten und regnerischen
Samstag wieder einmal tollstes Wander- und Ausflugswetter
gehabt.
Hermann Großklaus
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