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Freigabe Sonntag, den 17.5.09 , 12.00 Uhr
Es gilt das gesprochene Wort
Hauptversammlung 2009
Bericht des Präsidenten
Zu Beginn meines Berichtes darf ich Sie bitten,
sich zu Ehren unserer verstorbenen Mitglieder von Ihren Plätzen zu
erheben. Eine große Anzahl unserer Wanderfreundinnen und
Wanderfreunde haben seit der letzten Hauptversammlung in Tübingen
ihre letzte Wanderung angetreten. Wir danken unseren verstorbenen
Mitgliedern dafür, dass wir ihre Weggefährten sein durften. Den
Angehörigen sprechen wir unser Mitgefühl aus. Wir werden das
Andenken der Verstorbenen in Ehren bewahren, Ich danke Ihnen.
Heute gebe ich meinen 8. Bericht als Präsident
des SAV in der Hauptversammlung ab. Mit großem Erstaunen stelle ich
fest, dass zwei Amtszeiten so schnell vergangen sind. Einen
schriftlichen Bericht finden Sie in der 3. Ausgabe 2009 unsere
Albvereinsblätter.
Deshalb erlauben Sie mir, auf einige wenige Punkte gesondert ein zu
gehen.
Viele Aufgaben haben wir in den zurückliegenden 8 Jahren gemeinsam
gelöst. So wurden z. B. 3 Wanderheime an die öffentlichen
Wasserversorgungen und Abwasserentsorgungen unter sehr großem
finanziellem Aufwand angeschlossen. Die Wanderführerausbildung wurde
reformiert und ist jetzt Richtlinie für alle anderen Wandervereine
in Deutschland. Das Projekt „Wandertage – Heimat erleben“ wurde
flächendeckend etabliert. Die Wiesenblumenfeste sind beliebte
Treffpunkte geworden. Das Haus der Volkskunst in Frommern wurde zu
einer privaten Kunsthochschule erweitert. Eine neue zeitgemäße
Mitgliederverwaltung und ein Internetshop wurden eingerichtet.
Viele Aufgaben liegen aber auch noch vor uns. Unsere Wanderheime
müssen im Laufe der nächsten Jahre den zeitgemäßen Bedürfnissen der
heutigen Wanderer angepasst werden. Wir haben uns gewandelt. Die
Ansprüche haben sich verändert.
Die Hauptaufgabe wird sein, unsere Ortsgruppen für das nächste
Jahrzehnt stark zu machen. Die meisten haben sich rechtzeitig um
Nachwuchs gekümmert. Diese haben einen befriedigenden
Altersdurchschnitt ihrer Mitglieder und sind in der Lage, wichtige
Ämter in den nächsten Jahren besetzen zu können. Die Zahl der
Ortsgruppen, die sich erfolglos um neue Mitglieder und um
Nachfolger für wichtige Aufgaben bemühen wird ständig größer. Hier
ist akuter Handlungsbedarf erforderlich. Der allgemeine Zeitgeist,
sich nicht mehr binden und keine Verpflichtung eingehen zu wollen,
mag dies erklären. Aber wir müssen alles unternehmen, um hier
entgegen zu wirken. Alle Funktionsebenen werden in diese Aufgabe
eingebunden: vom Präsidenten über Vorstand, Hauptausschuss,
Gauvorsitzende bis hin zu den Ortsgruppen. Ziel muss es sein, dass
unsere Ortsgruppen wieder wachsen werden und für das nächste
Jahrzehnt gestärkt werden, dass sie überleben werden.
Wandern in der Gemeinschaft
Nach statischen Erhebungen wandern in Deutschland über 35 Millionen
Menschen in ihrer Freizeit. Unsere Wandervereine haben lediglich nur
600 000 Mitglieder. Demnach gibt es ein sehr großes Potential an
wanderfreudigen Menschen.
Die Wanderbegeisterung der Bevölkerung wird unterstützt durch unsere
gemeinnützigen Aktivitäten: Ausschildern und Betreuung von ca. 23
000 km Wanderwege in unserem Vereinsgebiet, Wanderheime und
Aussichtstürme, literarische Wanderführer, Wanderberatung über die
Hauptgeschäftsstelle oder im Internet. Aber das Wandern in einer
Gemeinschaft, in einer Ortsgruppe, bietet mehr als das sich
körperlich Bewegen in der Natur. Der soziale Kontakt bringt einen
nicht zu unterschätzenden Mehrwert. Gerade in der heutigen Zeit, in
der die Menschen zunehmend vereinsamen und sich immer mehr
zurückziehen, werden gemeinsame Wanderungen und Freizeitgestaltungen
immer wichtiger. Alle Ortsgruppen des SAV bieten geführte
Wanderungen an. Geschulte Wanderführer bringen die Wandergruppen
sicher ans Ziel. Sie zeigen unsere reizvolle Landschaft und erklären
die Besonderheiten, die am Wegesrand liegen. Gespräche während des
Wanderns gehören genauso zu einer schönen Wanderung wie ein
zünftiges Vesper. Geführte Wanderungen sind besondere Erlebnisse in
der Natur.
Nicht nur die Ausflüge am Sonntag, sondern auch die
Halbtageswanderungen unter der Woche sind in den Ortsgruppen sehr
beliebt. Großen Zulauf haben die so genannten Jedermann
–Wanderungen, Dienstagswanderungen oder Mittwochswanderungen. Hier
sind auch viele Nichtmitglieder an zu treffen.
Wir werden in unserer Mitgliederwerbung in nächster Zeit verstärkt
auf den sozialen Mehrwert des Wanderns in den Ortsgruppen hinweisen.
Allerdings setzt dies auch voraus, dass die angebotenen Wanderungen
ansprechend sein müssen.
Kulturlandschaft
Seit letztem Jahr beschäftigen wir uns verstärkt mit unserer
Kulturlandschaft. In der Hauptversammlung 2008 habe ich schon über
diesen Themenbereich berichtet. Für einen Wanderverein hat die
Landschaft eine große Bedeutung. Deshalb lautet unser Jahresthema
2009 / 2010 Kulturlandschaft – gestern, heute, morgen. Die
Kulturlandschaft ist Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Sie ist
unverzichtbarer Erholungsraum für uns Menschen. Leider ist der
Umgang mit ihr in unserer modernen Industriegesellschaft keineswegs
nachhaltig. Unsere Kulturlandschaft unterliegt einem ständigen
Wandel. Im Laufe der Zeit ändert sich das Landschaftsbild. Nicht
mehr genutzte Landschaftselemente wie z. B. Streuobstwiesen oder
Weidfelder verändern sich besonders auffällig. Aber auch im
besiedelten Raum, in Dörfern und Städten, bleibt die Entwicklung
nicht stehen. Der Trend zur Versiegelung des Bodens ist weiter
ungebremst. Die Landschaft wird immer mehr durch Straßen- und
Wegebau in kleinere Einheiten zerteilt. Der ökologische Wert des
Naturraumes wird ständig verringert.
Mit dem Jahresthema will der SAV die Entwicklung der
Kulturlandschaft in den letzten Jahrzehnten aufzeigen und sich
Gedanken machen, welche Elemente nachhaltig sind und welche
Entwicklungen überdacht werden müssen. Wir werden Vorschläge
erarbeiten, wie unsere Landschaft natur schonend und natur fördernd
weiterentwickelt werden kann.
Die bisherigen Veränderungen können wir oft erst erkennen, wenn wir
alte Fotos betrachten und mit dem Ist Zustand vergleichen. Aus
diesem Grund haben wir zu einem Fotowettbewerb aufgerufen.
Die Aufnahmen sollen Veränderungen in der Landschaft dokumentieren.
Dazu bieten sich an: Bildvergleiche gestern – heute, Einzelbilder
mit markanter Darstellung eines besonderen landschaftlichen Aspekts,
historische Gemälde, Bilderbeispiele für positive oder für negative
Entwicklungen. Sie sind alle aufgefordert, an dieser Fotosammlung
teilzunehmen.
An dieser Stelle möchte ich an 2 Forderungen an
die Landesregierung erinnern - Forderungen, die wir in unserem
Naturschutzkongress 2008 aufgestellt haben:
1. Forderung:
Der Flächenverbrauch ist unverzüglich drastisch einzudämmen. Die
Grundsätze der Nachhaltigkeitsstrategie sind alsbald umzusetzen; die
am 3. März 2007 proklamierten Versprechungen sind einzulösen.
2. Forderung:
Die Land- und Forstwirtschaft ist in die Lage zu versetzen, unsere
traditionelle Kulturlandschaft in allen Bestandteilen durch Schaffen
neuer Möglichkeiten der Wertschöpfung nachhaltig zu bewirtschaften
und zu pflegen. Dies muss trotz EU-Vorgaben möglich sein. Eigenart,
Vielfalt und Schönheit unserer Landschaft dürfen nicht noch mehr
Verluste erfahren.
Schulwandern
Leider werden in den Schulen immer weniger Schulwandertage
durchgeführt. Die natürlichen Lebensräume werden kaum noch in den
schulischen Bereich einbezogen. Die zunehmenden gärtnerisch
gestalteten Pausenhöfe sind hierfür kein Ausgleich. Eine Verdrängung
aus nahezu jeglichen Naturräumen mit gleichzeitig stärkerer Bindung
an die Wohnung als Spiel- und Aufenthaltsbereich zieht sich durch
den Alltag von Kindern und Jugendlichen. Aufgrund dieser Entwicklung
kann sich eine normale Beziehung zu Bewegung, Spiel und Natur nur
sehr beschränkt entwickeln. Die Folgen einer solchen Entwicklung
wirken sich sowohl für Kinder und Jugendliche selbst als auch für
die Gesellschaft und die Umwelt negativ aus.
Immer mehr Studien, wie z. B. die „Nationale Verzehrsstudie“ des
Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und
Verbraucherschutz im Januar 2008 belegen, dass Fehlernährung,
Bewegungsmangel zu einer bedenklichen Gesundheitssituation von
Kindern und Jugendlichen führen. Sie beeinträchtigt die
Lebensqualität sowie das Sozialverhalten und das Lernvermögen von
Kindern und Jugendlichen.
Aber nicht nur auf die Gesundheit wirkt sich der Rückzug aus
natürlichen Lebensräumen aus. Durch eine derart naturentfremdete
Lebensgestaltung wächst eine Generation von Menschen heran, denen
jeglicher Sinn für Natur- und Umweltschutz fehlen muss. Eine solche
Entwicklung steht im Widerspruch zu den Zielen der UN-Weltdekade
„Bildung für nachhaltige Entwicklung“ , die von der KMK unterstützt
wird. Die deutsche UNESCO – Kommission und die KMK empfehlen,
Bildung für nachhaltige Entwicklung in der Schule weiter zu stärken
und verankern.
Bei Lehrerinnen und Lehrern wächst trotz des theoretischen Wissens
um Natur und Bewegung zunehmend die Sorge um das richtige rechtliche
Verhalten in der Natur. Das zunehmende Klageverhalten der Eltern
lässt viele Lehrerinnen und Lehrer lieber den bequemeren Weg ins
Kino anstatt in den Wald wählen. Hierzu müssen in allen Bereichen
Allianzen gebildet werden.
Der Schwäbische Albverein bietet sich hier als verlässlicher und
kompetenter Partner an. Derzeit werden bundesweit Konzepte
erarbeitet, die teilweise bereits in anderen Bundesländern zu einer
positiven Entwicklung geführt haben. Voraussichtlich wird dieses
Projekt finanziell von der Deutschen Bundesumweltstiftung
unterstützt.
Unsere Heimat- und Wanderakademie Baden Württemberg wird Seminare
für Lehrerinnen und Lehrer anbieten. Auch für Unterrichtsbegleiter
bezüglich der Ganztagesschulen werden wir Konzepte erarbeiten.
Das erste Seminar findet am 28. / 29. September in Weil der Stadt
statt. Interessierte sind hierzu herzlich eingeladen. Information
erhalten Sie von der Heimat- und Wanderakademie.
Gestern hat der Hauptausschuss den bisherigen Gesamtvorstand in
seinen Ämtern bestätigt. Wir danken den Mitgliedern des HA für das
uns entgegengebrachte Vertrauen und versprechen, uns in voller
Verantwortung für das Wohl unseres SAV weiterhin ein zu setzen.
Zum Abschluss meines Berichtes danke ich
allen, die mich bei meiner Aufgabe unterstütz haben und die sich
für unseren Verein eingesetzt haben. Ich sage ausdrücklich bei
allen, und meine alle ehrenamtlichen und hauptamtlichen
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gemeinsam mit ihren
Familienangehörigen, Partnerinnen und Partnern.
Ein weiterer besonderer Dank gilt meinen beiden
Stellvertretern Reinhard Wolf und Hansjörg Schönherr.
Für die vor uns liegende Zeit bitte ich Sie
alle um Ihre Unterstützung und bitte Sie, sich weiterhin zum Wohle
des SAV und damit auch zum Wohle unserer Heimat einzusetzen.
Gemeinsam können wir die Zukunft meistern.
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und
schließe meinen Bericht mit einem herzlichen Frisch Auf.
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