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Das Paradies liegt am
Essigberg in Roigheim
Gerade in unserer schnelllebigen Zeit, die
immer mehr von Technik und Hektik geprägt ist, wünscht man sich
einen Ort der Stille, der Besinnung und Harmonie. Diesen Ort gibt
es. Es ist das Naturschutzgebiet Hörnle am Roigheimer Essigberg.
Will man sich auf die Schönheit der
Natur mit Flora und Fauna einlassen, beginnt der Naturfreund mit dem
Rundgang am besten beim Ortsausgang Richtung Billigheim. Geht man
dann entlang der immer tiefer werdenden Schlucht in den Wald hinein,
wird man von aufgeregtem Vogelgezwitscher begrüßt.
Zwischen den Fichten und Linden des Mischwaldes
erstreckt sich ein Blütenteppich von Anemonen. Hält man sich links, kommt man zum höchsten Punkt von Roigheim. Sinnigerweise trägt
dieser den Flurnamen „Himmel“. Durch die tiefe Kalksteinschlucht
geht es hinauf. Dort, am lichtdurchfluteten Waldrand, sieht man auch
den Zaunkönig. Er ist Vogel des Jahres 2004 und fühlt sich in
diesem Paradies offensichtlich sehr wohl.
In der Mittagszeit, wenn die Sonne die
Kalksteinmauern aufheizt, kann der vorsichtige Wanderer
Blindschleichen, Kreuzottern, Ringelnattern und Feuersalamander
entdecken. Auf dem mageren Boden sieht man schon die ersten
Orchideen hervorsprießen. Der betörende Duft von Sträuchern und
Blumen lässt den Naturfreund immer wieder inne halten.

Und das Schöne an diesem Spaziergang, man kann
alles vom Weg aus beobachten. Zumal das Verlassen des Weges im
Naturschutzgebiet ohnehin streng verboten ist.
Bald kommt der Wanderer an den
historischen Kalkofen von Roigheim. Dort sitzt auch Hans Zweig. Ein
wirklicher Eiferer, wenn es um die Belange diese einmaligen
Naturschutzgebietes geht.
Während Wildbienen und Erdhummeln herumsummen,
erzählt er, dass hier am Essigberg sogar schon Linsen und
Kartoffeln angebaut wurden. Überwiegend wurde der Essigberg aber
als Schafweide und Kleewiese genutzt.
Der Weg führt den Wanderer, sanft ansteigend,
wieder an den Ortskern heran. Zwischen den blühenden Apfelbäumen
kommt der Roigheimer Kirchturm ins Blickfeld. Und wenig später
befindet man sich auf der Hauptstraße.
Jetzt hat der Wanderer die Wahl: Geht er
wieder hinauf über das Wohngebiet Wolfshaus, kann er noch einen schönen
Spaziergang in den Eldengrund anhängen oder macht er lieber eine
Rast in einer der drei vorzüglichen Gaststätten in der
Seckachtalgemeinde.
Doch Vorsicht. Der Weg am Essigberg ist
kein Fernwanderweg für den strammen Marschierer oder ein
Picknickplatz für die Großfamilie mit Hund.
Der Weg durch das Landschaftsschutzgebiet über
den Dächern von Roigheim ist viel eher für den behutsamen
Naturfreund geeignet. Es ist ein kleines Türchen aus dem Laufrad
des Alltags.
Text und Fotos: Bernhard Götz.
Erschienen in Heilbronner Stimme 29.5.2004
und in Roigheimer Rundschau Ausgabe 20. vom 13.5.2004
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