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Gestaltung:
Dieter Medinger

 
 
 

Chronik der Ortsgruppe Oberesslingen    (1903 bis 2003)

Oberesslingen im Jahre 1686

Nur wer weiß, woher er kommt,
weiß auch, wohin er geht"


Unter diesem Motto des für den Schwäbischen Albverein doppelsinnigen Spruches soll ein kurzer Abriss unserer 100-jährigen Vereinsgeschichte erfolgen.

Nach Gründung des Schwäbischen Albvereins im Jahre 1888 auf Initiative von Dr. med. Valentin Salzmann aus Esslingen hat es immerhin noch fünfzehn Jahre gedauert bis am 30. Dezember 1903 vom damaligen Schultheiß Georg Deuschle die Oberesslinger Ortsgruppe im „Gasthaus zum Lamm" ins Leben gerufen wurde.

Damals zeigte Oberesslingen noch einen dörflichen Charakter mit dem Hainbach quer durch den Ortskern fließend und einer Einwohnerzahl von etwa 1700. In dieses Jahr fallen noch weitere Gründungen, nämlich der „Radfahrerclub Oberesslingen" durch Jakob Beuttler und Eugen Spieth und das „Oberesslinger Kinderschüle" in der Lessingstraße durch Pfarrer Lang. Indessen hatte der Hauptverein zu jener Zeit schon nahezu 25 000 Mitglieder und Julius Wais gab bereits seinen ersten „Albführer" heraus.



1904 begann dann in der Ortsgruppe Oberesslingen die Wandertätigkeit, und die etwa 40 Mitglieder führten in den folgenden Jahren jeweils zwei Tages- und zwei Halbtageswanderungen im Jahr durch, wie aus den handgeschriebenen Wanderplänen zu entnehmen ist. Dabei war die Wanderbeteiligung mit 35 Damen und Herren – „Männlein und Weiblein" – wie der Chronist verzeichnet, erfreulich hoch.

1913 erfolgte die Eingemeindung von Oberesslingen und Oberhof in das Stadtgebiet Esslingen – ein Ereignis, welches heute noch Nachwirkungen zeigt in fehlenden Versammlungs- und Gemeinschaftsräumen der bürgerlichen Gesellschaft. Im Hauptverein wurde 1913 aus Anlass des 25-jährigen Jubiläums der Roßbergturm bei Gönningen erbaut.

Kurz vor Ausbruch des ersten Weltkrieges hatte der Hauptverein 40 000 Mitglieder, während die Ortsgruppe Oberesslingen bereits 109 Mitglieder zählte. Doch der unheilvolle Krieg unterbrach jäh das Vereinsleben der noch jungen Ortsgruppe und die Mitgliederzahl sank nach Kriegsende auf 87 ab.

Ab 1919 erfolgte dann der Wiederaufbau unter erschwerten Bedingungen, so dass wenigstens eine Tageswanderung auf den Roßberg durchgeführt werden konnte.

Der erste Familienabend der Ortsgruppe Oberesslingen fand 1921 statt. Die anschließende Inflationszeit brachte jedoch magere Jahre für die Ortsgruppe. Dennoch stieg die Mitgliederzahl langsam auf 103 an und auch die Zahl der Tageswanderungen erhöhte sich wieder.

Im 25. Jubiläumsjahr führte 1928 die Ortsgruppe Oberesslingen ihre erste 1½ - Tageswanderung ins Donautal durch. Weiterhin wurde eine Jugendgruppe unter Leitung von Julius Spieth gegründet. Am Jubiläumsabend hatten sich sogar der Vorsitzende des Hauptvereins Prof. Eugen Nägele und der Leiter des AV-Jugendringes Wilhelm Walter eingefunden, um die Wimpelweihe der Jugendgruppe vorzunehmen. Im gleichen Jahr erfolgte vom Hauptverein der Bau des Nägelehauses auf dem Raichberg bei Onstmettingen.

Auch auf Oberesslinger Gebiet wurde kräftig gebaut:
– 1929 entstanden die Neckar-Staustufe und das Kraftwerk Oberesslingen
– 1930 wurde das neue Krankenhaus errichtet.

Nun betreuten in der Ortsgruppe Oberesslingen Elise Schumacher und Margarethe Käfer die weiblichen Jugendgruppenmitglieder, während sich Karl Käfer und Friedrich Luik die Führungen der Jugendgruppen-Wanderungen teilten. Ab 1931 wurden dann unter Leitung von Karl und Margarethe Käfer auch mehrtägige Wanderungen der Jugendgruppe in die Pfalz (1931), in den Schwarzwald (1932), an den Rhein (1933) und ins Land der Franken (1934) durchgeführt. Leider musste im Jahr 1937 diese Jugendgruppe aufgelöst werden, weil die Voraussetzungen für ihr weiteres Bestehen nicht mehr gegeben waren.

Der zweite Weltkrieg unterbrach nun wieder die Wandertätigkeit. Zwar weisen die Wanderpläne noch Halbtages- und Tageswanderungen auf, jedoch liegen keine Berichte mehr über Mitgliederversammlungen vor. Nach dem Krieg fand 1946 die erste Mitgliederversammlung statt, nachdem das Kultusministerium die Zulassung der Ortsgruppe Oberesslingen genehmigt hatte. Der Mitgliederstand betrug damals 128 und die Wandertätigkeit entfaltete sich in den folgenden Jahren stetig. So bereicherten auch Omnibuswanderfahrten den Wanderplan und eine erneut gegründete Jugendgruppe trat im Jahre 1950 in der Ortsgruppe auf. Unter Leitung von Dr. Siegfried Deuschle, Kurt Spieth als Stellvertreter und Lisa Schumacher als Betreuerin der Mädchen wurden Ferienwanderungen in den Hegau (1950), in den Südschwarzwald (1951) und ins Lauter- und Donautal (1952) durchgeführt.

Im 50. Jubiläumsjahr der Ortsgruppe Oberesslingen betrug 1953 die Mitgliederzahl 149 Vollmitglieder und 37 Jugendmitglieder. Bei der Jubiläumsveranstaltung im Städtischen Saalbau in Esslingen war der Vorsitzende des Schwäbischen Albvereins Georg Fahrbach anwesend, um dem Vertrauensmann der Ortsgruppe Oberesslingen Georg Deuschle zum Doppeljubiläum – 50 Jahre Ortsgruppe Oberesslingen und 50 Jahre Vertrauensmann der Ortsgruppe – zu gratulieren. In der Mitgliederversamm-lung des folgenden Jahres 1954 übergab Vertrauensmann Georg Deuschle sein Amt an Kurt Spieth, der bisher Schriftführer, Wanderwart und stellvertretender Jugendgruppenleiter war. In Würdigung seiner Verdienste um die Ortsgruppe Oberesslingen wurde Georg Deuschle zum Ehrenvertrauensmann ernannt.

In den folgenden fünfundzwanzig Jahren steigerten sich die Wandertätigkeit und die Mitglieder-zahlen. Es wurden der 14-tägliche Wanderturnus eingeführt und zusätzliche Ferienwanderungen im Hochgebirge, Wanderwochen in den Mittelgebirgen und Skiwanderwochen in den Wanderplan aufgenommen. Ziele waren in den Jahren 1960 bis 1970: die Sarntaler Alpen, das Grödner Tal, die Sextener Dolomiten, die Stubaier Alpen, die Ötztaler Alpen, Matrei in Osttirol, das Karwendel, das Dachsteingebiet, das Rätikon, der Bregenzer Wald und die Allgäuer Alpen. Aber auch in die Mittelgebirge führten Ferienwanderungen: in die Vogesen, den Bayerischen Wald, die Eifel, den Harz, den Pfälzer Wald, das Fichtelgebirge, den Spessart und die Rhön, den Hegau und den Randen. Außerdem wurden mehrtägige Ausflüge auf die Schwäbische Alb, in die Wutachschlucht, an den Bodensee, zur Nagelfluhkette, in die Tannheimer Gruppe und in das Altmühltal unternommen. Die Jugendgruppe – seit 1954 unter der Leitung von Alfred Bauch und anschließend kurz unter Theo Schneider – löste sich leider Ende der 50er Jahre wegen mangelnden Nachwuchses wieder auf. Innerhalb unserer Ortsgruppe stellte das nun umfassende Wanderangebot insbesondere an die jeweiligen Wanderwarte hohe Anforderungen. Erfreulicherweise stießen die gesteigerten Aktivitäten auch bei den Wanderfreunden auf eine sehr große Resonanz, so dass 1977 erstmals die Mitgliederzahl von 300 überschritten werden konnte.

In diesen Zeitraum fallen aber auch Ereignisse, welche das Gesicht Oberesslingens stark veränderten, wie beispielsweise die Erschließung der Industrieinsel (1955), die Fertigstellung der Sirnauer Brücke (1956), der erste Spatenstich in den Lerchenäckern (1959) und die Bebauung des Weihergebietes (1972).

Das Jahr 1978 mit dem 75-jährigen Jubiläum der Ortsgruppe Oberesslingen startete mit einem Besuch des Planetariums, in dem sich 77 Teilnehmer einfanden. Beim Jubiläumsabend im Zentrum Zell wirkten der „Vetter von der Alb" – Alfred Vöhringer, der Gesangverein Frohsinn Oberesslingen und die Volkstanzgruppe Deizisau des Schwäbischen Albvereins mit. Weiterhin ist der Adventsnachmittag im Sängerheim St. Bernhardt zu erwähnen, den damals die Kinder unserer Ortsgruppe gestalteten und an dem 64 Wanderfreunde teilnahmen. Somit stellte auch die „Esslinger Zeitung" in ihrem Bericht fest: „Das Wanderleben ist lebhafter geworden".

Nach 25-jähriger Tätigkeit als Vertrauensmann gab Kurt Spieth sein Amt in jüngere Hände. 1979 wurde Dr. Siegfried Reiniger als sein Nachfolger gewählt. Für seine außerordentlichen Verdienste um den Schwäbischen Albverein erhielt Kurt Spieth die Goldene Ehrennadel und wurde gleichzeitig zum Ehrenvertrauensmann der Ortsgruppe Oberesslingen ernannt.

Die nun folgenden Jahre waren geprägt durch die Bereitstellung und den Ausbau eines vielfältigen Wanderangebotes mit Halbtages- und Tageswanderungen, Jubilarfahrten, Omnibuswanderfahrten, Radwanderungen, mehrtägigen Wanderaufenthalten und Familienfreizeiten im Sarntal und im Hochsauerland. Aber auch kulturelle und heimatkundliche Veranstaltungen, wie Sonnwendfeiern, Adventswanderungen, Kurzwanderungen mit Besichtigungen sowie Dia- und Bilderabende bereicherten das Vereinsleben. Die Resonanz der Mitglieder war erfreulich hoch, indem sich in den vergangenen Jahren durchschnittlich 28 Teilnehmer an den 29 Wanderangeboten beteiligten. Anfang der 80er Jahre wurde außerdem eine Kegelgruppe gegründet, welche sich seither monatlich zu einem Kegelabend trifft.

Eine rege Beteiligung mit durchschnittlich 26 Teilnehmern verzeichneten auch die mehrtägigen Wanderaufenthalte: Isny - Schwarzer Grat (1980), Ruhpolding - Chiemgau (1981), Tschagguns - Montafon (1982), Eschenlohe - Ammergau (1983), Scheffau - Wilder Kaiser (1984), Andelsbuch - Bregenzer Wald (1985), Buching - Ostallgäu (1986), Übersaxen - Vorarlberger Oberland (1987), Thierseetal (1988), Insel Kreta (1989), Wenns - Pitztal/Tirol (1990), Achensee (1991), Insel Korsika (1992), Zinkenbachmühle - Salzkammergut (1993), Insel Mallorca (1994), Leutaschtal/Tirol (1995), Toskana (1996), Unterjoch - Allgäuer Alpen (1997), Insel Zypern (1998), Sächsische Schweiz - Elbsandsteingebirge mit Dresden (1999), Cinque Terre und Insel Elba (2000), Insel Rügen und Mecklenburgische Seenplatte (2001), Waldviertel - Wachau (2002) und Ligurien - Blumenriviera (2003).

Die Ortsgruppe Oberesslingen führten als Vertrauensmann: Georg Deuschle (1903 bis 1953), Kurt Spieth (1954 bis 1978) und Dr. Siegfried Reiniger (seit 1979). — Die Arbeit der Ortsgruppenvorsitzenden wurde aufgrund wachsender Aufgaben durch Stellvertreter unterstützt. Es waren dies: Gustav Albrecht (1937 bis 1971), Dr. Siegfried Deuschle (1951 bis 1964), Walter Seitz (seit 1965), Alfred Bauch (1972 bis 1977), Dr. Siegfried Reiniger (1978), Hedwig Köpf (1979 bis 1997) und Gerlinde Medinger (seit 1998). — Als Rechner waren tätig: Georg Deuschle (bis 1952), Wilhelm Vogel (1953 bis 1960), Alfred Weber (1961 bis 1978) und Peter Sembach (seit 1979). — Das Amt des Schriftführers übten aus: Hermann Müller (1903 bis 1912), Gustav Albrecht (1912 bis 1947), Kurt Spieth (1948 bis 1953), Eugen Bäßler (1954 bis 1960) und Rudi Popig (seit 1961). — Die Aufgaben des Wanderwartes wurden wahrgenommen von Kurt Spieth (1948 bis 1953), Eugen Bäßler (1954 bis 1960), Alfred Bauch (1961 bis 1971) und Walter Seitz (seit 1972). — Die Arbeiten des Wegwartes übernahmen: Karl Käfer (1949 bis 1969), Friedrich Strähle (1970 bis 1972) und Alfred Bauch (seit 1973). — Es wirkten als Naturschutzwart: Eugen Bäßler (1950 bis 1960), Karl Käfer (1961 bis 1972), Friedrich Strähle (1973 bis 1979), Klaus Olesch (1980 bis 1997) und Alfred Wachter (1999 bis 2000).

Im Jubiläumsjahr 2003 verzeichnete die Ortsgruppe Oberesslingen 247 Mitglieder. Zu würdigen ist die Mitarbeit der zahlreichen Wanderführerinnen und Wanderführer, welche in den vielen Jahren die Wanderungen planten und durchführten. Auch allen Helferinnen und Helfern ist zu danken, die sich für die vielfältigen Veranstaltungen zur Verfügung stellten.

Es ist zu wünschen, dass sich auch zukünftig in einer sich verändernden Gesellschaft interessierte Wanderfreunde finden, welche sich in der Ortsgruppe Oberesslingen engagieren, um die Ziele des Schwäbischen Albvereins „Natur – Heimat – Wandern" weiter zu verfolgen und mit den Ideen auch wieder junge Menschen zu begeistern.

 
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