1904
begann dann in der Ortsgruppe Oberesslingen die Wandertätigkeit,
und die etwa 40 Mitglieder führten in den folgenden Jahren
jeweils zwei Tages- und zwei Halbtageswanderungen im Jahr durch,
wie aus den handgeschriebenen Wanderplänen zu entnehmen
ist. Dabei war die Wanderbeteiligung mit 35 Damen und Herren
Männlein und Weiblein" wie der
Chronist verzeichnet, erfreulich hoch.
1913 erfolgte die Eingemeindung
von Oberesslingen und Oberhof in das Stadtgebiet Esslingen
ein Ereignis, welches heute noch Nachwirkungen zeigt in fehlenden
Versammlungs- und Gemeinschaftsräumen der bürgerlichen
Gesellschaft. Im Hauptverein wurde 1913 aus Anlass des 25-jährigen
Jubiläums der Roßbergturm bei Gönningen erbaut.
Kurz vor Ausbruch des ersten Weltkrieges
hatte der Hauptverein 40 000 Mitglieder, während die
Ortsgruppe Oberesslingen bereits 109 Mitglieder zählte.
Doch der unheilvolle Krieg unterbrach jäh das Vereinsleben
der noch jungen Ortsgruppe und die Mitgliederzahl sank nach
Kriegsende auf 87 ab.
Ab 1919 erfolgte
dann der Wiederaufbau unter erschwerten Bedingungen, so dass
wenigstens eine Tageswanderung auf den Roßberg durchgeführt
werden konnte.
Der erste Familienabend der Ortsgruppe Oberesslingen
fand 1921 statt. Die anschließende Inflationszeit brachte
jedoch magere Jahre für die Ortsgruppe. Dennoch stieg
die Mitgliederzahl langsam auf 103 an und auch die Zahl der
Tageswanderungen erhöhte sich wieder.
Im 25. Jubiläumsjahr
führte 1928 die Ortsgruppe
Oberesslingen ihre erste 1½ - Tageswanderung ins Donautal
durch. Weiterhin wurde eine Jugendgruppe unter Leitung von
Julius Spieth gegründet. Am Jubiläumsabend hatten
sich sogar der Vorsitzende des Hauptvereins Prof. Eugen Nägele
und der Leiter des AV-Jugendringes Wilhelm Walter eingefunden,
um die Wimpelweihe der Jugendgruppe vorzunehmen. Im gleichen
Jahr erfolgte vom Hauptverein der Bau des Nägelehauses
auf dem Raichberg bei Onstmettingen.
Auch auf Oberesslinger Gebiet wurde kräftig
gebaut:
1929 entstanden die Neckar-Staustufe und das Kraftwerk
Oberesslingen
1930 wurde das neue Krankenhaus errichtet.
Nun betreuten in der Ortsgruppe Oberesslingen
Elise Schumacher und Margarethe Käfer die weiblichen
Jugendgruppenmitglieder, während sich Karl Käfer
und Friedrich Luik die Führungen der Jugendgruppen-Wanderungen
teilten. Ab 1931 wurden dann unter Leitung von Karl und Margarethe
Käfer auch mehrtägige Wanderungen der Jugendgruppe
in die Pfalz (1931), in den Schwarzwald (1932), an den Rhein
(1933) und ins Land der Franken (1934) durchgeführt.
Leider musste im Jahr 1937 diese Jugendgruppe aufgelöst
werden, weil die Voraussetzungen für ihr weiteres Bestehen
nicht mehr gegeben waren.
Der zweite Weltkrieg unterbrach nun wieder
die Wandertätigkeit. Zwar weisen die Wanderpläne
noch Halbtages- und Tageswanderungen auf, jedoch liegen keine
Berichte mehr über Mitgliederversammlungen vor. Nach
dem Krieg fand 1946 die erste Mitgliederversammlung statt,
nachdem das Kultusministerium die Zulassung der Ortsgruppe
Oberesslingen genehmigt hatte. Der Mitgliederstand betrug
damals 128 und die Wandertätigkeit entfaltete sich in
den folgenden Jahren stetig. So bereicherten auch Omnibuswanderfahrten
den Wanderplan und eine erneut gegründete Jugendgruppe
trat im Jahre 1950 in der Ortsgruppe auf. Unter Leitung von
Dr. Siegfried Deuschle, Kurt Spieth als Stellvertreter und
Lisa Schumacher als Betreuerin der Mädchen wurden Ferienwanderungen
in den Hegau (1950), in den Südschwarzwald (1951) und
ins Lauter- und Donautal (1952) durchgeführt.
Im 50. Jubiläumsjahr
der Ortsgruppe Oberesslingen betrug 1953
die Mitgliederzahl 149 Vollmitglieder und 37 Jugendmitglieder.
Bei der Jubiläumsveranstaltung im Städtischen Saalbau
in Esslingen war der Vorsitzende des Schwäbischen Albvereins
Georg Fahrbach anwesend, um dem Vertrauensmann der Ortsgruppe
Oberesslingen Georg Deuschle zum Doppeljubiläum
50 Jahre Ortsgruppe Oberesslingen und 50 Jahre Vertrauensmann
der Ortsgruppe zu gratulieren. In der Mitgliederversamm-lung
des folgenden Jahres 1954 übergab Vertrauensmann Georg
Deuschle sein Amt an Kurt Spieth, der bisher Schriftführer,
Wanderwart und stellvertretender Jugendgruppenleiter war.
In Würdigung seiner Verdienste um die Ortsgruppe Oberesslingen
wurde Georg Deuschle zum Ehrenvertrauensmann ernannt.
In den folgenden fünfundzwanzig Jahren
steigerten sich die Wandertätigkeit und die Mitglieder-zahlen.
Es wurden der 14-tägliche Wanderturnus eingeführt
und zusätzliche Ferienwanderungen im Hochgebirge, Wanderwochen
in den Mittelgebirgen und Skiwanderwochen in den Wanderplan
aufgenommen. Ziele waren in den Jahren 1960 bis 1970: die
Sarntaler Alpen, das Grödner Tal, die Sextener Dolomiten,
die Stubaier Alpen, die Ötztaler Alpen, Matrei in Osttirol,
das Karwendel, das Dachsteingebiet, das Rätikon, der
Bregenzer Wald und die Allgäuer Alpen. Aber auch in die
Mittelgebirge führten Ferienwanderungen: in die Vogesen,
den Bayerischen Wald, die Eifel, den Harz, den Pfälzer
Wald, das Fichtelgebirge, den Spessart und die Rhön,
den Hegau und den Randen. Außerdem wurden mehrtägige
Ausflüge auf die Schwäbische Alb, in die Wutachschlucht,
an den Bodensee, zur Nagelfluhkette, in die Tannheimer Gruppe
und in das Altmühltal unternommen. Die Jugendgruppe
seit 1954 unter der Leitung von Alfred Bauch und anschließend
kurz unter Theo Schneider löste sich leider Ende
der 50er Jahre wegen mangelnden Nachwuchses wieder auf. Innerhalb
unserer Ortsgruppe stellte das nun umfassende Wanderangebot
insbesondere an die jeweiligen Wanderwarte hohe Anforderungen.
Erfreulicherweise stießen die gesteigerten Aktivitäten
auch bei den Wanderfreunden auf eine sehr große Resonanz,
so dass 1977 erstmals die Mitgliederzahl von 300 überschritten
werden konnte.
In diesen Zeitraum fallen aber auch Ereignisse,
welche das Gesicht Oberesslingens stark veränderten,
wie beispielsweise die Erschließung der Industrieinsel
(1955), die Fertigstellung der Sirnauer Brücke (1956),
der erste Spatenstich in den Lerchenäckern (1959) und
die Bebauung des Weihergebietes (1972).
Das Jahr 1978
mit dem 75-jährigen Jubiläum
der Ortsgruppe Oberesslingen startete mit einem Besuch des
Planetariums, in dem sich 77 Teilnehmer einfanden. Beim Jubiläumsabend
im Zentrum Zell wirkten der Vetter von der Alb"
Alfred Vöhringer, der Gesangverein Frohsinn Oberesslingen
und die Volkstanzgruppe Deizisau des Schwäbischen Albvereins
mit. Weiterhin ist der Adventsnachmittag im Sängerheim
St. Bernhardt zu erwähnen, den damals die Kinder unserer
Ortsgruppe gestalteten und an dem 64 Wanderfreunde teilnahmen.
Somit stellte auch die Esslinger Zeitung" in ihrem
Bericht fest: Das Wanderleben ist lebhafter geworden".
Nach 25-jähriger Tätigkeit als
Vertrauensmann gab Kurt Spieth sein Amt in jüngere Hände.
1979 wurde Dr. Siegfried Reiniger als sein Nachfolger gewählt.
Für seine außerordentlichen Verdienste um den Schwäbischen
Albverein erhielt Kurt Spieth die Goldene Ehrennadel und wurde
gleichzeitig zum Ehrenvertrauensmann der Ortsgruppe Oberesslingen
ernannt.
Die nun folgenden Jahre waren geprägt
durch die Bereitstellung und den Ausbau eines vielfältigen
Wanderangebotes mit Halbtages- und Tageswanderungen, Jubilarfahrten,
Omnibuswanderfahrten, Radwanderungen, mehrtägigen Wanderaufenthalten
und Familienfreizeiten im Sarntal und im Hochsauerland. Aber
auch kulturelle und heimatkundliche Veranstaltungen, wie Sonnwendfeiern,
Adventswanderungen, Kurzwanderungen mit Besichtigungen sowie
Dia- und Bilderabende bereicherten das Vereinsleben. Die Resonanz
der Mitglieder war erfreulich hoch, indem sich in den vergangenen
Jahren durchschnittlich 28 Teilnehmer an den 29 Wanderangeboten
beteiligten. Anfang der 80er Jahre wurde außerdem eine
Kegelgruppe gegründet, welche sich seither monatlich
zu einem Kegelabend trifft.
Eine rege Beteiligung mit durchschnittlich
26 Teilnehmern verzeichneten auch die mehrtägigen Wanderaufenthalte:
Isny - Schwarzer Grat (1980), Ruhpolding - Chiemgau (1981),
Tschagguns - Montafon (1982), Eschenlohe - Ammergau (1983),
Scheffau - Wilder Kaiser (1984), Andelsbuch - Bregenzer Wald
(1985), Buching - Ostallgäu (1986), Übersaxen -
Vorarlberger Oberland (1987), Thierseetal (1988), Insel Kreta
(1989), Wenns - Pitztal/Tirol (1990), Achensee (1991), Insel
Korsika (1992), Zinkenbachmühle - Salzkammergut (1993),
Insel Mallorca (1994), Leutaschtal/Tirol (1995), Toskana (1996),
Unterjoch - Allgäuer Alpen (1997), Insel Zypern (1998),
Sächsische Schweiz - Elbsandsteingebirge mit Dresden
(1999), Cinque Terre und Insel Elba (2000), Insel Rügen
und Mecklenburgische Seenplatte (2001), Waldviertel - Wachau
(2002) und Ligurien - Blumenriviera (2003).
Die Ortsgruppe Oberesslingen führten
als Vertrauensmann: Georg Deuschle (1903 bis 1953), Kurt Spieth
(1954 bis 1978) und Dr. Siegfried Reiniger (seit 1979).
Die Arbeit der Ortsgruppenvorsitzenden wurde aufgrund wachsender
Aufgaben durch Stellvertreter unterstützt. Es waren dies:
Gustav Albrecht (1937 bis 1971), Dr. Siegfried Deuschle (1951
bis 1964), Walter Seitz (seit 1965), Alfred Bauch (1972 bis
1977), Dr. Siegfried Reiniger (1978), Hedwig Köpf (1979
bis 1997) und Gerlinde Medinger (seit 1998). Als Rechner
waren tätig: Georg Deuschle (bis 1952), Wilhelm Vogel
(1953 bis 1960), Alfred Weber (1961 bis 1978) und Peter Sembach
(seit 1979). Das Amt des Schriftführers übten
aus: Hermann Müller (1903 bis 1912), Gustav Albrecht
(1912 bis 1947), Kurt Spieth (1948 bis 1953), Eugen Bäßler
(1954 bis 1960) und Rudi Popig (seit 1961). Die Aufgaben
des Wanderwartes wurden wahrgenommen von Kurt Spieth (1948
bis 1953), Eugen Bäßler (1954 bis 1960), Alfred
Bauch (1961 bis 1971) und Walter Seitz (seit 1972).
Die Arbeiten des Wegwartes übernahmen: Karl Käfer
(1949 bis 1969), Friedrich Strähle (1970 bis 1972) und
Alfred Bauch (seit 1973). Es wirkten als Naturschutzwart:
Eugen Bäßler (1950 bis 1960), Karl Käfer (1961
bis 1972), Friedrich Strähle (1973 bis 1979), Klaus Olesch
(1980 bis 1997) und Alfred Wachter (1999 bis 2000).
Im Jubiläumsjahr 2003
verzeichnete die Ortsgruppe Oberesslingen 247 Mitglieder.
Zu würdigen ist die Mitarbeit der zahlreichen Wanderführerinnen
und Wanderführer, welche in den vielen Jahren die Wanderungen
planten und durchführten. Auch allen Helferinnen und
Helfern ist zu danken, die sich für die vielfältigen
Veranstaltungen zur Verfügung stellten.
Es
ist zu wünschen, dass sich auch zukünftig in einer
sich verändernden Gesellschaft interessierte Wanderfreunde
finden, welche sich in der Ortsgruppe Oberesslingen engagieren,
um die Ziele des Schwäbischen Albvereins Natur
Heimat Wandern" weiter zu verfolgen und
mit den Ideen auch wieder junge Menschen zu begeistern.
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