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Sonntag,
20.Juni 2010
„Bitte
früh aus den Federn
steigen“, hieß die Devise an diesem
eingetrübten Sonntagmorgen. Fast pünktlich
um 6.30 Uhr startete der Bus der Fa. Müller Heilbronn mit 46
Teilnehmern des
Albvereins Markgröningen inklusive Gästen unter der
bewährten Regie von
Sieglinde und Hermann Neerpasch am Festplatz in Markgröningen.
Unser
Busfahrer, Herr Zoran,
chauffierte uns zügig und sicher auf der noch leeren Autobahn
über Würzburg
nach Kassel. Dort gab es eine erste Pause, bei der wir von unserer
Reiseleitung
ausgiebig mit Brötchen, Leberkäse, Hefezopf,
Schokolade, Kaffee und
Markgröninger Wein bewirtet wurden. Das Vesper tat uns allen
sichtlich wohl,
denn kaum jemand hatte Muße oder Appetit gehabt, ein
ausgiebiges Frühstück zu
ungewohnt früher Stunde zu genießen.
Nach
der Pause ging es weiter auf
der A 7 nach Goslar. Dort kamen wir so frühzeitig an, dass wir
vor der
Kaiserpfalz noch eine halbe Stunde auf dem Parkplatz
„herumstanden“ um auf
unsere beiden Stadtführer zu warten. Zwischenzeitlich hatten
wir auch „unsere“
beiden Düsseldorfer beim Einparken entdeckt. Christl und Fritz
Lunkmohs
begrüßten uns mit großem Hallo.
Mit
der Kaiserpfalz begann die
zweistündige Stadtführung. Wir erfuhren, dass Goslar
schon im Jahre 922 als
Stadt gegründet wurde, dass die Stadt durch den Bergbau im
nahen Rammelsberg zu
Geld gekommen war, was
vor allem bei den
Braunschweigern Begehrlichkeiten wegen Einkünfte aus den
verschiedenen Erzvorkommen
geweckt hatte. „Alles Übel kommt von
Braunschweig“, ist noch heute eine
Redewendung in Goslar, die auf die Ausbeute der Erzvorkommen durch die
Braunschweiger zurück zu führen ist, die als Besitzer
der Gruben den Profit
daraus zogen.
Heute,
nach über 1000 Jahren, ist
das Erzvorkommen im Rammelsberg erschöpft. 1992 wurde das
Bergwerk zum
Weltkulturerbe erhoben und steht seither als Museum den Besuchern aus
aller
Welt offen.
Doch
ausgebeutet wurden die
Goslarer bereits schon von den ottonischen Kaisern. Ohne
„festen Wohnsitz“
reisten diese zur damaligen Zeit durch die deutschen Lande von einer
Stadt zur
nächsten und nahmen Quartier in den von ihnen erbauten
Pfalzen. Meldete der
Kaiser in einer Stadt seinen Aufenthalt an, so begann eine
große logistische
Tätigkeit der zuständigen Pfalzgrafen, die
dafür sorgen mussten, dass der
Kaiser mit seinem riesigen Tross auf beste verköstigt und
bewirtet wurde. Zog
er nach etwa 14 Tagen wieder ab, machten die Menschen sicher mehr als
drei
Kreuze, denn nur wenn der Kaiser nicht auf einem Feldzug war, bezahlte
er seine
Zeche. Doch wann war er schon im Frieden unterwegs?
Wie
schwer die Goslarer ihren
zeitweiligen Reichtum durch den Erzabbau erarbeiten mussten,
erzählte uns unser
Stadtführer auch. In gebückter
Haltung,
bis zu den Oberschenkeln im Sickerwasser stehend, arbeiteten die
Bergleute bei
8 ° C sommers wie winters zwölf und mehr Stunden im
Stollen. Dass die
Lebenserwartung der Bergleute unter solchen Bedingungen nicht hoch war,
versteht sich von selbst.
Beim
Gang durch die Stadt
erfuhren wir, dass Goslar im Mittelalter eine sehr christlich
geprägte Stadt
war und einstmals 14 Kirchen, 47 Klöster und 10 Hospize
besessen hatte. Eines
dieser Häuser, das ehemalige Heilig Kreuz Hospiz, in dem bis
vor rund 20 Jahren
noch Wohnungen für bedürftige Witwen eingerichtet
waren, besuchten wir. Heute
ist die große Halle leer und in den ehemaligen
Witwenwohnungen finden sich
kleine Kunsthandwerkergeschäfte. Am Marktplatz bewunderten wir
das Gildehaus
mit dem Dukatenscheißer und wir durften im Rathaus auch einen
Blick in den
Empfangssaal werfen, der mit seinem aufgemalten Sternenhimmel vorzeiten
als
Gerichtsaal diente. Um dem Gebot zu genügen, nur unter freiem
Himmel zu
richten, ließen sich die Menschen schon einiges einfallen!
Leider
reichte unsere Zeit nach
der zweistündigen Führung nicht mehr, noch einen
Kaffee im urigen Gasthaus
Butterhanne zu genießen. Im Vorbeigehen konnten wir uns an
den riesengroßen
Windbeuteln erfreuen, von denen manch einer nachts noch immer
träumen mag. Doch
für uns hieß es, auf schnellstem Wege
zurück zum Parkplatz vor der Kaiserpfalz
und von da aus ging es mit dem Bus weiter bis zum Ziel, dem Berghotel
in
Wolfshagen.
Wir
waren alle froh, gut am Ziel
angekommen zu sein und uns vor dem Abendessen um 19.00 Uhr noch etwas
von der
Reise und von der bei den meisten kurzen Nacht erholen zu
können.
Nach
einem wohlschmeckenden
Abendessen dauerte es nicht mehr lange, bis sich alle zur
wohlverdienten Ruhe
begaben.
Montag,
21. Juni 2010
Bereits
um 7.00 Uhr morgens war
der größte Teil unserer Gruppe schon beim
Frühstück, wenig später kamen auch
die Nachzügler und um 8.30 Uhr startete unser Bus in Richtung
Brocken.
Unterwegs stieg unser Wanderführer Herr Runge zu uns in den
Bus und begleitete
uns bis zum Parkplatz am Fuße des Ilsetales. An der
Ilsequelle begann unter
seiner Leitung die Wanderung auf den Brocken. Unsere Bahnfahrer fuhren
unterdessen weiter nach Wernigerode, um von dort aus mit der
Brockenbahn (und
damit auf wesentlich bequemere aber nicht wesentlich schnellere Art und
Weise)
auf den Gipfel zu kommen.
Für
all jene, die zwar nicht mit
der Brockenbahn gefahren sind, sich jedoch für die weltweit
bekannte Bahn
interessieren, hier einige Daten:
Die
Brockenbahn wurde am 27. März
1899 eröffnet.
Von
Wernigerode dauert die Fahrt
für die 19 km lange Strecke bis zum Gipfel mit der Dampflok
etwa 1:40 Stunden.
Bei der Harzer Schmalspurbahn werden im normalen Betrieb nur Dampfloks
eingesetzt; sie hat übrigens eine Spurweite von 1000 mm.
Auf
ihrem Weg zum Brockenbahnhof
hält die Bahn unter anderem in Steinerne Renne, 3 Annen Hohne
und Schierke. Mit
1125 m ü. NN ist der Brockenbahnhof einer der
höchstgelegenen Bahnhöfe
Deutschlands. Nach der Wende gab es Überlegungen, die Bahn auf
den Brocken
stillzulegen, aber glücklicherweise kam man von diesem
Ansinnen wieder ab.
Heute
ist die Bahn fast nur noch
eine Touristenattraktion und wird von einem privaten Unternehmen, den
HSB
(Harzer Schmalspurbahnen) betrieben. Das erklärt auch den
relativ stolzen
Fahrpreis von regulär 31 €. So viel für
Eisenbahnfans.
Wir
Wanderer begannen unsere Tour
zunächst entlang der im Talgrund noch ziemlich brav dahin
plätschernden Ilse,
eben jenem Weg, den Heinrich Heine einst auf seinem Weg zum Gipfel
gegangen
ist. Immer wieder erzählte uns der (aus der Ortsgruppe
Wernigerode des
Harzklubs stammende) Wanderführer Interessantes über
den Harz und unsere
Wanderroute. So erfuhren wir, dass der Harz ursprünglich mit
Tannen bewaldet
war, die aber wegen des großen Bedarfs an Holz (vor allem
durch die Erzgewinnung
in der Gegend) gegen weniger widerstandsfähige aber schneller
wachsende Fichten
ausgetauscht worden waren. Er berichtete von der
Borkenkäferplage, die bereits
großen Schaden in den Waldgebieten angerichtet hat und der
viele Bäume zum
Opfer fielen und erklärte, wodurch die Bäume dabei
abstarben Er erzählte von
den besonders rauen und wechselhaften klimatischen Bedingungen auf dem
Brocken,
den über 300 Nebeltagen, starken Winden und hohen
Niederschlägen, von der
besonderen Vegetation in der Höhe und auch von Heinrich Heine.
Den
Spruch, den Heine bei seinem
Aufstieg im Nebel im Jahr 1824 ins Gipfelbuch geschrieben haben soll,
zitierte
er auch: „Viele Steine, müde Beine, Aussicht keine,
Heinrich Heine“. Grund
genug, an ihn zu erinnern, gab es - denn immer wieder kamen wir an
markierten
Wegpunkten an, die mit einem Heine-Spruch versehen
waren.
Doch
am meisten hat uns alle wohl
die wildromantische Ilse beeindruckt, die sich durch ein felsenreiches,
baumbestandenes, vermoostes und enges Bachbett zwängt. Die
Sage von Prinzessin
Ilse gab es dann auch noch zu hören.
Nachdem
wir das Ilsetal hinter
uns gelassen hatten, kamen wir auf freies Gelände und von da
an war es nicht
mehr weit zur Panzerstrasse, auf der vor der Wende die DDR-Panzer
fuhren. Unser
Wanderführer erzählte uns
von der Grenze, die hier entlang lief und Ost
und West voneinander trennte. Er berichtete davon, dass der Harz die
wasserreichste Gegend Deutschland sei, und dass selbst weiter entfernte
Großstädte wie z. B. Leipzig mit Wasser aus den
Harzer Talsperren versorgt
werden. Ziemlich
steil ging es auf den
Betonplatten der Panzerstrasse nach oben und das Gehen auf dem harten
Beton war
ermüdend, doch als wir die 1000 m Marke hinter uns hatten,
wussten wir, dass es
nicht mehr weit sein konnte, weil wir nun den Brocken mit seinem Turm
und den
Gebäuden vor uns sahen. Auch die herauf dampfende Bahn sahen
wir, ehe wir die
Schienen überquerten zum Endspurt und zur Mittagsrast im
Brockengasthaus. Nach
einem gemeinsamen Foto am Brockenfelsen entschlossen sich einige von
uns
Wanderern zur Rückfahrt mit der Bahn, die anderen wanderten
weiter am Bahnhof
vorbei auf bequemem Weg (auf dem auch Goethe vorzeiten gewandert sein
soll) bis
nach Schierke. Große Felsblöcke und
Torfmoorgelände begleiteten uns auf dieser
Strecke. Einer unserer Wanderer lahmte unterwegs, kam aber dann doch
noch gut
ins Ziel. In Schierke stiegen wir in den Bus nach 3 Annen-Hohne, holten
die
Bahnfahrer ab und weiter ging es nach Wernigerode. Ein kurzer Bummel
mit
Führung durch die Stadt, mit einem Glockenspiel
„Muss i denn“ und Fotoshooting
auf der Rathaustreppe beendete das Tagesprogramm und zurück
ging es von da aus
ins Hotel.
Nach
einem später angesetzten
aber reichlichen und guten Abendessen gab es im Hotel noch eine
Überraschung!
Wir bekamen unerwarteten Besuch und erlebten: Ja, der Brocken hat es in
sich!
Hierzu
folgende Sondermeldung:
Wer
auf den Brocken wandert, sollte auf der Hut sein! Wir waren auf unserer
Reise
wohl nicht vorsichtig genug gewesen, sonst hätten wir am Abend
des 21. Juni
nach der Tour auf den mythenumwobenen Brocken nicht noch Besuch
bekommen. Nach
dem Abendessen wirbelte mir nichts dir nichts ein kleines, zierliches
Hexlein
mit Besen, mobilem Herd samt Kessel und ebenso flotten Fingern wie
Sprüchen ins
Restaurant. Im Nu spannte sie alle anwesenden Männer ein ihr
zu dienen. Dem
einen setzte sie Hörner auf, ein anderer bekam im wahrsten
Sinne des Wortes
sein Fett ab, einem anderen befahl sie, ihr Hexengebräu zu
rühren, das dann
doch zu nichts nutze war (Rolf hätte ihr besser in die Suppe
gespuckt) ein
anderer wurde auf ihr Geheiß rücklings gemeuchelt
und einen Liebhaber von vor
250 Jahren fand sie auch unter unseren Männern. Mit dem
Besenritt klappte es
dann auch nicht, und so schnell, wie der Spuk begann, war er vorbei.
Sie müsse
zu ihrem Kinde, teilte die Hexe mit, und weg war sie. Bedenklich war
nur die
Reaktion einer unserer Damen, die am nächsten Tag noch von den
flinken Fingern
schwärmte. Also doch verhext?
Dienstag,
22. Juni 2010
Nach
einem ausgezeichnetem Frühstück fuhren wir um 8.30
Uhr vom Hotel aus nach
Thale. Dort – so hatte uns die Hexe am Vortag
erzählt – würden wir sie am
Hexentanzplatz treffen. Doch
weder auf
dem Weg zum Hexentanzplatz noch am wenige Meter entfernt liegenden
Aussichtspunkt war etwas von ihr zu sehen.
Dafür
bekamen wir eine hässliche alte Oberhexe zu Gesicht, die einen
riesigen Stein
in den Steinkreis zu schieben versuchte und einen Teufel, der
diabolisch
grinsend dabei zusah. Übrigens weiß ich endlich, wie
ein Schweinehund aussieht,
denn im Hexenkreis war auch er dargestellt! Unser
Wanderführer, Herr Watzek,
erklärte uns zunächst die Bedeutung dieses mythischen
Platzes, auf dem in der
Walpurgisnacht so einiges los ist. Dann geleitete er uns einige Meter
weiter
zum Aussichtspunkt, um uns einen Blick ins Bodetal werfen zu lassen.
Eine
atemberaubende, wilde Aussicht erwartete uns dort und auch die Sage von
der
Rosstrappe wurde uns gekonnt erzählt.
Geht
man von der Größe der Hufspur an der Rosstrappe aus,
muss das sagenhafte Pferd
des Ritters Bodo eine Länge von 20 Metern gehabt haben, also
wirklich
unglaublich groß gewesen sein!
Während
eine sehr kleine Gruppe am Aussichtspunkt zurückblieb,
wanderten die übrigen
los in Richtung Treseburg. Wieder erfuhren wir einiges über
den Harz. Wir kamen
an einer ehemaligen Köhlerhütte, einer Kotte, vorbei
und hörten etwas über die
Köhlerei, die zu Zeiten des Erzabbaus im Harz in
großem Ausmaß betrieben wurde.
Weil Holzkohle sehr viel ergiebiger als Holz in der Heizleistung ist,
entstanden hier zahlreiche Köhlerhütten, um die
benötigten großen Mengen an
Holzkohle für den Erzabbau liefern zu können.
Während einerseits Unmengen an
Holz aus dem Wald geholt wurden, mussten sich die Forstleute
andererseits
Gedanken darüber machen, wie sie den Wald im Harz trotz des
Raubbaus erhalten
konnten. Die langsamer wachsenden Tannen durch die schneller wachsenden
Fichten
zu ersetzen, war eine dieser Entscheidungen, die sich zu unserer Zeit
infolge
starker Stürme als ungünstig erweist, denn die
Fichten sind als Flachwurzler
wesentlich anfälliger gegen Stürme. Wir
hörten auch von Zapfensuchertrupps, die
die Tannen/ Fichtenzapfen für die Nachzucht von den
Bäumen holen. Am
Pfeildenkmal, das dem aus dem Harz stammenden, sehr verdienten Direktor
der
Universität für Forstwesen in Berlin gewidmet ist,
gab es eine kleine Rast. Ein
kleiner Teil unserer Gruppe ging zum Hexentanzplatz zurück und
die übrigen
wanderten weiter nach Treseburg. Vom Aussichtspunkt
„Weißer Hirsch“ konnten wir
einen herrlichen Blick auf Treseburg werfen, ehe wir auf einem Pfad,
der in
seiner Beschaffenheit an die Abstiege auf der Schwäbischen Alb
erinnert, in den
Ort kamen.
Dort
wählten die meisten von uns „frische
Forelle“ als Mittagsmahlzeit im Gasthaus
Nach
der Mittagspause ging es auf dem Harzer Hexenstieg weiter ins schattige
Bodetal.
Der
Harzer Hexenstieg ist ein knapp 100 km langer Wanderweg, der von
Osterode über
den Brocken nach Thale führt. Eine Variante dieses Weges
umgeht den Brocken und
führt an Einrichtungen des Oberharzer Wasserregales vorbei, zu
denen der
Oderteich und der Rehberger Graben gehören. Die Hauptroute des
Hexenstiegs
führt auf dem Goetheweg auf den Brocken.
Auf
schattigen Wegen begleitete uns eine friedliche Bode einen
großen Teil der
Strecke. Leider stolperte unsere Inge auf diesen Wegen über
einen
herausstehenden Stein und fiel ziemlich unglücklich. Erst
später sollte sich
herausstellen, dass dieser Sturz Folgen hatte!
Wegen
eines Felssturzes im Bodetal musste unser Wanderführer die
ursprünglich
geplante Route abändern und anstatt den Weg durchs Tal
fortzusetzen stiegen wir
wieder bergan, begleitet von einer Schulklasse, die auch ein
Stück auf diesem
Weg wanderte.
Nach
geraumer Zeit gelangten wir wieder zum Pfeildenkmal und weiter ging es
in
Richtung Hexentanzplatz. Kurz davor teilte sich unsere Gruppe erneut.
Während
ein Teil der Gruppe beschloss, den Abstieg auf einem Pfad ins Bodetal
zu wagen,
strebten die meisten zurück zur Bergstation der Seilbahn, um
von da an
schwebend ins wilde Tal hinab zu gelangen. An der Talstation der
Seilbahn
trafen wir wieder zusammen um zurück zum Thaler Busparkplatz
zu gehen und von
dort aus gemeinsam zurück zum Hotel.
Mittwoch,
23. Juni 2010
Wie üblich ging es auch am
Mittwoch um
8.30 Uhr nach ausgiebigem Frühstück mit dem Bus zum
Zielort des Tages, dem an
der Bode gelegenen einstigen Bergbauort Rübeland.
Der ungewöhnliche Name des
Ortes leitet
sich von Roveland (raues Land) ab. Seit dem Mittelalter wurde in
Rübeland
Eisenerz abgebaut. Zwischen 1880 und 1886 wurde die
Rübelandbahn extra für den
Transport des hier abgebauten Kalkgesteins erbaut. Sie ist die
älteste der
Harzer Bahnen und erst durch ihren Bau wurde der Kalkabbau
wirtschaftlich
attraktiv. Heute hat die Bahn an Bedeutung verloren, dafür
sind die beiden
Tropfsteinhöhlen die größte touristische
Attraktion Rübelands.
In der Nähe der
Höhlen stiegen wir alle
aus, und die Wanderer starteten unter Begleitung zweier hiesiger
Wanderführer,
einer davon war Dr. Unger, ihre Tour direkt oberhalb des Ortes. An den
Resten
eines Kamins für die Kalkgewinnung vorbei ging es
über blühende Wiesen, die von
Büschen und Bäumen durchsetzt waren bis zum Wald.
Bereits während des Aufstiegs
auf die Anhöhe entdeckten wir den Türkenbund, mit
erst halboffenen Blüten.
Mitten im Wald zeigte uns Dr. Unger das Grab eines im 2. Weltkrieg
gefallenen
Soldaten, das nach dem Krieg in Vergessenheit geraten war. Ziel unserer
Wanderung war der Blaue See, eines der Naturwunder des Harzes, wie uns
unsere
Wanderführer erklärten. An der B 27 zwischen
Hüttenrode und Rübeland
gelegen, ist er sowohl mit dem Auto wie auch zu Fuß
sehr gut zu erreichen. Der kleine See, der inmitten einer
Karstlandschaft
liegt, besticht durch seine azurblaue Farbe. Früher wurde dort
industriell Kalk
abgebaut, wovon noch die Ruinen zweier Kalkbrennöfen zeugen.
Der Kalkabbau
wurde aber aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt und der
Steinbruch
aufgelassen. Nach der Schließung des Steinbruchs
füllte sich die Sohle der Abbaugrube
mit Karst- und Oberflächenwasser, weshalb das Seewasser einen
sehr hohen
Kalkgehalt hat.
Diese Bedingungen bewirken, dass
das
Licht und insbesondere das Sonnenlicht vom Kalk gefiltert wird und bis
auf die
blauen, werden alle Farbanteile absorbiert. Zusätzlich wird
das blaue Licht vom
Kalkstein des Seebodens reflektiert. So wird der Eindruck von
azurblauem und
glasklarem Wasser erweckt. Darum erzielt der See auch seine
größte
Besucherwirkung bei Sonnenschein.
Wir hatten das Glück,
Sonnenschein zu
haben und daher die besondere Farbe des Sees sehen zu können
und wir haben
diesen Anblick sehr genossen!
Unsere Begleiter erzählten
uns auch
noch, dass der See, der im Sommer von vielen Badegästen
„heimgesucht“ wird, in
den Wochen während der großen Ferien stark belastet
wird und dann auch seine
schöne Farbe verliert.
Vom See aus war es nicht weit nach
Neuwerk, wo wir einen Abstecher an die Bode machten. Dr. Unger stellte
uns dort
sein kleines Kraftwerk vor, ein Wasserrad aus Lerchenholz, das mit
Wasser aus
der Bode angetrieben wird und eine Leistung von 11 KW liefert. Stolz
zeigte er
uns das Gelände, das er vor Jahren günstig gekauft
hatte, um darauf diese
Anlage zu erbauen.
Dann ging es weiter nach Hüttenrode. Am
Eingang zum Ort sahen wir das
Krockstein-Viadukt der Rübelandbahn und nachdem wir die
Straße überquert
hatten, stiegen wieder aufwärts, um zurück nach
Rübeland zu wandern. Dort
erwartete uns die andere Hälfte unserer Gruppe, denn es war
eine
gemeinschaftliche Höhlenbesichtigung geplant. Zur Auswahl gab
es zwei Höhlen,
die Baumanns- und die Hermannshöhle. In welche der beiden
Höhlen wir gehen
würden, wurde kurzfristig entschieden, wobei es wohl eine
Rolle spielte, dass
in der Hermannshöhle Grottenolme leben, die vor vielen Jahren
aus Serbien
exportiert worden waren.
Ergänzend noch einige
Informationen zur
Hermanns- und Baumannshöhle:
Zu den Sehenswürdigkeiten
des Harzes
gehören die beiden Tropfsteinhöhlen
Hermannshöhle und Baumannshöhle.
Im Jahre 1536 fand der Bergmann
Friedrich Baumann auf der Suche nach Erz die später nach ihm
benannte Höhle.
Nach dem Ende des 30jährigen Krieges begannen
regelmäßige Führungen durch diese
Höhle. Sie wurde schnell zu einer der ganz großen
Attraktionen im Harz und
lockte seit dieser Zeit viele Besucher in den Bergbauort. Einer der
bekanntesten von ihnen war Johann Wolfgang von Goethe, welcher die
Baumannshöhle dreimal aufsuchte. Die Entdeckung weiterer
Tropfsteinhöhlen
machte Rübeland in der Folgezeit noch bekannter.
Nachdem wir unsere Eintrittskarten
hatten, wurden wir eine Stunde lang von der
Höhlenführerin treppauf und treppab
durch lange Gänge und hohe Hallen, durch enge Stollen und auch
an dem
unterirdischen Teich vorbei geschleust, in dem die gänzlich
farblosen
Grottenolme leben
(die übrigens blind
sind – aber was würde es ihnen schon
nützen, wenn sie sehen könnten! Sie leben
ja immer im Dunkeln!) Wir
sahen
Stalagtiten und Stalagmiten, ( wobei die ersteren von oben nach unten
wachsen)
Knochen von Tieren, die die Höhle früher bewohnt
haben und das Skelett eines
ausgewachsenen 3 m großen Höhlenbären, aber
keine einzige der zahlreichen
Fledermäuse, die hier noch immer hausen und wovon es bis zu 25
Arten geben
soll.
Wer es sich nicht vorstellen kann,
möge
es ausprobieren: Eine
Stunde bei 8°C
unter der Erde ist Zeit genug, gründlich abgekühlt zu
werden und so waren wir
alle herzlich froh, nicht nur die Sonne wieder zu sehen, sondern auch
deren
Wärme zu spüren.
Zügig ging es mit dem Bus
nach der
Höhlentour mit einer Gesamtstrecke von 1750 m ins Hotel
zurück, denn es stand das
Fußballspiel Deutschland gegen Ghana auf dem Programm, das
viele von uns sehen
wollten.
Nach dem Abendessen und noch vor
dem
Spiel vermittelte uns Gerd noch einen kurzen Rückblick auf die
Harzer Tage mit
einem herzlichen Dank an unsere Organisatoren und Reiseleiter,
Sieglinde und
Hermann Neerpasch.
Danach wurde es Zeit, sich im
Clubzimmer einen Platz für das Fußballmatch zu
erobern. Besonders aufdringlich
ist mir dabei der Tabakgeruch in Erinnerung geblieben, der sich hier
schon in
der ganzen Ausstattung eingenistet hatte. Als das Spiel begann,
spürte man auch
die Aufregung über die deutsche Mannschaft an etlichen
Kommentaren. Zwar ließ
nicht nur der Spielausgang, sondern auch dieses eine Spiel zu
wünschen übrig,
aber zum Glück müssen wir ja nicht selbst spielen und
dürfen uns aufs Meckern
beschränken, wenn es nicht so sonderlich gut läuft.
Am Ende des Fußballspiels
lief auch bei
uns nicht mehr viel. Der Abreisetag stand bevor und warf seine Schatten
voraus;
es war Zeit, zu packen.
Donnerstag,
24.06. 2010
Der Abtransport des
Gepäcks über den
einzigen Aufzug im Hotel verlief wesentlich weniger hektisch als bei
unserer
Ankunft und so gab es vor der Abreise auch nochmals ein entspanntes
Frühstück.
Nur wenig später als
üblich, also kurz
nach 8,30 Uhr waren alle Teilnehmer an Bord des Reisebusses samt allem
Gepäck.
Ein vermisster Zimmerschlüssel fand sich recht schnell wieder,
liegen geblieben
war auch nichts und so konnten wir starten.
Unser Fahrer, der uns die ganzen
Tage
ruhig und sicher gefahren hatte, ließ uns wissen, dass er die
Autobahn wegen
eines Staus zunächst meiden würde. Er schlug uns vor,
stattdessen durch den
Harz in Richtung Erfurt zu fahren und so konnten wir die
schöne, waldreiche
Harzlandschaft zum letzten Mal genießen, ehe wir in die Ebene
in Richtung
Erfurt kamen.
Kurz vor Mittag erreichten wir
diese
große Stadt, die schon immer als wirtschaftliches, geistiges,
kulturelles und
politisches Zentrum Thüringens große
Persönlichkeiten, wie Luther, Goethe,
Schiller, Bach und Napoleon angezogen hat. Auch Gutenberg, der Erfinder
der
Buchdruckerkunst hat hier gelebt und erhielt hier die einzige Ehrung
seines
ganzen Lebens durch den Kurmainzer Fürstbischof. Gutenbergs
Erfindung trug
übrigens maßgeblich zur raschen Verbreitung der
Reformation und ihrer Gedanken
bei.
In Erfurt, wo Martin Luther ab 1501
studierte und 1505 in das Augustinerkloster eintrat, liegen wichtige
Wurzeln
seiner Theologie und der Reformation. Am 2. Juli 1505 ereignete sich
über der
Flur des Ortes Stotternheim nahe Erfurt jenes legendäre
Gewitter, welches
Martin Luthers Leben mit seinen Worten ‚Hilf du, heilige
Anna, ich will ein
Mönch werden!’ eine entscheidende Wende geben sollte.
Nach einer Mittagspause zur freien
Verfügung gab es um 14.00 Uhr eine
Führung durch Herrn Dietmar, einem ehemaligen Studienrat aus
Erfurt, der uns
mit seinem profunden Wissen und seiner Art, dieses Wissen anzubieten,
wohl
einen ganzen Tag lang hätte ergötzen können.
Wir erfuhren, dass Erfurt
ehrenhalber Hansestadt gewesen war, dass einst auf dem Petersberg ein
Kloster
gestanden hatte aber die Kurmainzer, die etwa 1000 Jahre über
die Stadt
geherrscht hatten, an dessen Stelle eine Zitadelle hatten errichten
lassen.
Er sprach vom Dom und der Severikirche
mit ihren drei spitzen
Türmen auf dem Domplatz und der Gloriosa, der
ältesten Glocke des Mittelalters
(mit 11 Tonnen Gewicht), die an hohen Festtagen noch immer
geläutet wird. Dann
führte er uns durch die Stadt, an schmalen hohen
Häusern vorbei (man beachte,
dass die Grundsteuer früher nach der Breite des Hauses
errechnet wurde), er
erzählte davon, dass Erfurt vor der Einführung des
Indigo durch den Färberwaid
reich geworden war; er führte uns in die Allerheiligenkirche
und zeigte uns das
Kolumbarium, eine Urnenwand im Seitenschiff der Kirche ( die 630
Urnenplätze
sind derzeit alle belegt).
Schließlich kamen wir an den Resten
der ehemaligen berühmten Erfurter Universität vorbei
ins Viertel, in dem früher
Juden gelebt haben und gingen über die 120 m lange,
berühmte Krämerbrücke, die
mit 32 Häusern bebaut ist und schon 1117 erstmals
erwähnt wurde.
So nebenbei hörten wir auch die
Geschichte von Till Eulenspiegel, seinen Eseln und den Erfurter
Bürgern aber
das war längst nicht alles, was wir erfuhren. Herr Dietmar
erzählte so plastisch und gekonnt, dass auch ein und
der andere Ausspruch zu hören war: Solch einen Lehrer
hätte ich haben wollen,
dann hätte mir Geschichte auch Spaß gemacht!
Doch nach zwei Stunden gespannten
Zuhörens war die Aufnahmekapazität der meisten von
uns erschöpft und vielleicht
war es auch unserem Stadtführer recht, noch etwas trinken
gehen zu können (es
war ja ziemlich warm und das Reden macht durstig). Mit einem herzlichen
Dankeschön verabschiedeten wir ihn und fuhren weiter gen
Heimat. Nach den
Tunneln am Rennsteig gab es nochmals eine Pause, mit Rosinenstuten und
Hefezopf, Kaffee und Wein.
Nach dieser letzten Unterbrechung
ging es schließlich zügig nach
Markgröningen zurück, wo wir wohlbehalten gegen
20.15 Uhr am Festplatz ankamen.
Nun ist es noch Zeit, einen Dank
auszusprechen, an alle, die unseren Harzaufenthalt so gut für
uns gestaltet
haben:
Danken möchten wir der Chefin und
dem Personal des Berghotels in Wolfshagen für die
ausgezeichnete Verköstigung
und die gute Unterkunft, allen Wanderführern, die uns auf
unseren Touren
begleitet haben und auch unserem Fahrer für sein ruhiges und
sicheres Fahren.
Nachdem mir beim Schreiben dieses
Wandertagebuches bewusst wurde, welche Fülle an
Eindrücken an diesen fünf Tagen
auf uns eingestürmt sind, möchte ich
abschließend einen ganz besonders herzlichen
Dank an unsere Organisatoren und Reiseleitung richten:
Solch eine Reise zu einem
erschwinglichen Preis vorzubereiten, und dabei ein Programm
für drei
verschiedene Gruppen zu planen, bedeutet einen ungeheuren logistischen
Aufwand.
Wer einmal etwas Ähnliches durchgeführt hat,
weiß, wie viel Vorüberlegung und –
planung damit verbunden ist. Dabei alle Eventualitäten zu
berücksichtigen, ist
fast nicht möglich. Das erklärt auch, dass
professionelle Anbieter nur ein
Programm für die Teilnehmer einer Reise anbieten, vermutlich
weil sonst die
Reisekosten zu hoch würden. Unsere Wanderfreunde, die immer
wieder bereit sind,
solche Unternehmen zu planen und vorzubereiten, opfern viel Zeit und
Energie,
und nicht allen Teilnehmern ist das richtig bewusst,
sonst würde manche Kritik ausbleiben.
Wir, Helmut und ich, sind sehr
dankbar
für die schöne Zeit im Harz. Als kleines
Dankeschön möchten wir daher unseren
beiden Wanderfreunden Sieglinde und Hermann Neerpasch dieses
Wander-Tagebuch
widmen.
Liebe Sieglinde, lieber Hermann,
wir
beide würden jederzeit wieder gerne mit Euch reisen und
wandern!
Nochmals herzlichen Dank!
|
Sagen
und Mythen um den Brocken
|
Es gibt in Deutschland kein Gebirge,
das in der Vorstellung der Menschen so stark mit Mythen und Sagen
verbunden ist
wie der Harz. Sicherlich sind die natürlichen Gegebenheiten
dieses nördlichsten
deutschen Mittelgebirges mit dafür ausschlaggebend:
Der
Brocken und die Hexen
Der Harz
steigt ganz abrupt aus der norddeutschen Tiefebene empor und hat
demzufolge
schroffe klimatische Bedingungen, die andere vergleichbare
Mittelgebirge nicht
haben. Flora und Fauna sind dementsprechend. Der 1142 m hohe Brocken
mit seiner ausgeprägten
Baumgrenze - der „höchsten im Norden“ -
weist alpinen Charakter aus und bietet
dem Besucher nur an rund 60 Tagen im Jahr eine gute Aussicht in das
weite
Vorland.
Die beiden Orte, der Brocken und
der Hexentanzplatz bei Thale -
symbolisieren das vielzitierte Image der besenreitenden Hexen und
Teufel des
Harzes. Aber auch die anderen Orte des Harzes fühlen sich den
Mythen und Sagen
ihrer Region verpflichtet.
Walpurgis:
Als
Goethe in seinem „Faust“ die Hexensagen aufgriff
und damit die
Walpurgisnachtszene gestaltete, hat er dem Harz für alle
Zeiten ein Denkmal
gesetzt. Der Brocken -
auch als Blocksberg berühmt - und die Gegend um Schierke und Elend sind
Handlungsorte im „Faust“.
Seit
1990 gibt es wieder
einen ungeteilten
Harz, in dem fast
jeder Ort in der Nacht vom
30. April zum 1.
Mai eine Walpurgisfeier
mit Hexen- und Teufelsspuk veranstaltet. Dazu kommen unzählige
Besucher, oft
von weither angereist, um sich von der bekannten Mythen- und Sagenwelt
ein Bild
machen zu können. Seit
dem 3. Oktober
2003 hat der Harz folgerichtig auch einen
„Hexenstieg“. Es ist ein rund 100 km
langer Fernwanderweg - vergleichbar mit dem Rennsteig im
Thüringer Wald - der
in 5 Etappen die Harzstädte Osterode im
westlichen Teil mit Thale im östlichen Teil des Harzes
miteinander verbindet (er
ist natürlich auch in umgekehrter Richtung von Ost nach West
zu bewandern) -
und dieser Wanderweg führt direkt über den
sagenumwobenen Brockengipfel!
Ritter Bodo
Der Besucher
des imposanten Bodetals bei Thale - des
gewaltigsten Felsentales nördlich der Alpen - erfährt
von folgender Begebenheit
aus der Welt der Mythen und Sagen:
Der hässliche und gewalttätige Riese Bodo hatte ein
holdes Edelfräulein, Emma
mit Namen, geraubt und wollte ihre Liebe erzwingen. Die holde Emma,
nach ihr
ist die Holtemme benannt, widerstand seinem Drängen, denn sie
war mit dem
jungen Edeling Hatebold verlobt. Sie wusste, dass ihr Verlobter sie
suchen und
nicht rasten würde, bis er sie gefunden und befreit habe. Wie
sie gedacht
hatte, geschah es. Eines Tages, als Bodo unter einem Baum schlief, trat
Hatebold aus dem Gebüsch.
Schon wollte
er mit seinem Schwert den Riesen erschlagen, da hielt ihn Emma
zurück. Sie wusste,
dass der Riese eine Hornhaut hatte und für Schwerter
unverwundbar war. Nun
blieb ihnen zur Flucht nur des Riesen Pferd, das er an einen Ast des
Baumes
gebunden hatte.
So sehr sie
sich mühten, sie konnten den Knoten nicht lösen. Da
stieg Hatebold in den
Sattel, nahm Emma vor sich und hieb den Strick mit dem Schwerte durch.
Von dem
Schlag erwachte der Riese, sprang auf und lief wutheulend hinter den
Davonsprengenden her. Die Fliehenden wandten sich dem Harze zu. Auch wenn Bodo sie nicht
einholte, hörten sie
doch sein Keuchen und Schimpfen ganz deutlich hinter sich. So ging es
über
Berge und Täler, bis sie plötzlich auf dem
Hexentanzplatz nicht weiterkonnten;
vor ihnen lag die breite Schlucht mit dem rauschenden Strom in der
Tiefe,
hinter sich hörten sie das Wüten des Verfolgers.
Schon sahen sie ihn
hohnlachend näherkommen, da trieb Hatebold das Ross des Riesen
mit
verzweifelten Sporenhieben an. Das Tier wagte den Sprung und erreichte
den
gegenüberliegenden Felsen. Den Huf hatte es dabei
fußtief in die Klippe
gedrückt. Diese Stelle nennt man heute die Rosstrappe. Bodo
versuchte, sinnlos
vor Wut, einen gleichen Sprung zu tun, aber er stürzte in den
Fluss, der
seitdem Bode genannt wird. Und so sitzt er als schwarzer Hund in dem
Wasser und
bewacht die Krone, die Emma bei dem gewaltigen Satz vom Haupte fiel.
Schon
mancher hat versucht, die Krone heraufzuholen, doch es ist noch keinem
gelungen. Nachts kann man manchmal Bodo in der Schlucht heulen
hören.
Prinzessin Ilse
Heinrich
Heine hat in seiner 1826 erschienenen „Harzreise“
die Prinzessin Ilse verewigt.
Der Wanderer, der den Weg von Ilsenburg
zum Brocken wählt, begleitet den kleinen Fluss eine ganze
Zeit. Er geht auch an
dem zu seiner linken Hand liegenden Ilsestein vorbei. Hier lebte einst
auf
einer Burg die schöne Prinzessin Ilse, die einen Prinzen aus
der Nachbarschaft
heiraten sollte. Auf dem Weg zu seiner Braut verirrte sich der Prinz
und wurde von
einer Hexe verzaubert, so dass er deren hässliche Tochter
heiratete und sich an
seine Braut nicht mehr erinnerte. Erst als er sich in einem Bache
wusch, wirkte
der Zauber nicht mehr. Er ging zu seiner richtigen Braut und heiratete
sie. Die
Hexen rächten sich, indem sie durch ein
fürchterliches Unwetter die Burg
zerstörten und diese samt ihren Gästen in die Tiefe
stürzten. Seit diesem Tag
heißt der kleine Fluss Ilse und der Berg, auf dem die Burg
stand, Ilsestein.
Hänsel und Gretel:
Die Wälder um den
Ilsestein sind auch der Handlungsort der am meisten
aufgeführten deutschen Märchenoper
„Hänsel und Gretel“ von Engelbert
Humperdinck. Hier haben die bösen Stiefeltern auch ihre beiden
Kinder
ausgesetzt.
Kyffhäuser
Südlich des
Harzes, nur durch ein fruchtbares breites Tal - die Goldene Aue -
getrennt,
liegt das Kyffhäusergebirge mit dem weithin sichtbaren
Kyffhäuserdenkmal auf
dem Kulpenberg. Über eine markante Straße ist es von
Berga oder Kelbra, aber
auch im Süden von Bad
Frankenhausen aus, sehr gut erreichbar. Der Bau
zu Ehren von Kaiser
Wilhelm I. wurde 1896 eingeweiht. Er steht auf der Ruine der ehemaligen
Burg
Kyffhausen. Der Denkmalsturm der monumentalen Anlage ist 57 m - die
Gesamtanlage
81m hoch. Das einprägsamste für den Betrachter sind
die „schlafende
Barbarossafigur“ und das
„Reiterstandbild“.
Keine Region
in Deutschland wurde aufgrund dieser Sage so bekannt wie der
Kyffhäuser.
Kaiser Friedrich I. Barbarossa (1123-1190) aus dem Geschlecht der
Staufer war
im fernen Italien gestorben. Es gab Zweifel an seinem Tod.
Die Sage
berichtet zunächst, dass er
„überall“ als „wiederkehrender
Kaiser“ oder
„Pilger“ umherwandere. Schließlich
konzentrierte sich sein „Umherwandern“ auf
den Kyffhäuser. Motiv für die Sage war die Sehnsucht
der Menschen nach einem
geordneten und friedvollen Leben. Zu dieser Zeit mangelte es der Gegend
um den
Kyffhäuser daran besonders. Es wird erzählt, dass
Kaiser Barbarossa in seinem
unterirdischen Schloss an einem steinernen Tisch sitzt - er
hält den Kopf in
der Hand und ruht oder schläft, genau wie sein Hofstaat.
Sein roter
Bart ist durch den Tisch bis auf die Erde gewachsen, und sein treuer
Zwerg
Alberich muss nach einem Zublinzeln nachschauen, ob die Raben noch um
den Berg
fliegen. Fliegen sie noch, muss er weitere hundert Jahre schlafen. Wenn
sie
aber aufhören, den Berg zu umfliegen, wird der Kaiser erwachen
und sein
verlassenes Kaisertum neu in Besitz nehmen.
Es gibt
viele Dichtungen und Gemälde über das Mittelalter,
die diese Thematik
beinhalten. Das Barbarossalied von Friedrich Rückert ist eines
der populärsten
dieser Art.
1. Der alte Barbarossa,
Der
Kaiser Friederich,
Im
unterird'schen Schlosse
Hält
er verzaubert sich.5. Sein Bart ist nicht von Flachse,
Er
ist von Feuersglut,
Ist
durch den Tisch gewachsen,
Worauf
sein Kinn ausruht.2. Er ist niemals gestorben,
Er
lebt darin noch jetzt;
Er
hat, im Schloß verborgen,
Zum
Schlaf sich hingesetzt.6. Er nickt als wie im Traume,
Sein
Aug' halb offen zwinkt,
Und
je nach langem Raume
Er
einem Knaben winkt.3. Er hat hinabgenommen
Des
Reiches Herrlichkeit
Und
wird einst wiederkommen
Mit
ihr zu seiner Zeit.7. Er spricht im Schlaf zum Knaben:
"Geh
hin vors Schloß, o Zwerg,
Und
sieh, ob noch die Raben
Herfliegen
um den Berg!4. Der Stuhl ist elfenbeinern,
Darauf
der Kaiser sitzt;
Der
Tisch ist marmelsteinern,
Worauf
sein Haupt er stützt.8. Und wenn die alten Raben
Noch
fliegen immerdar,
So
muß ich auch noch schlafen
Verzaubert hundert Jahr"
Die Jungfrau von Osterode
Die schöne
Tochter des letzten Burgherren von Osterode
soll von einem abgewiesenen Freier aus Rache mit Hilfe
morgenländischer Kunst
verzaubert worden sein und noch heute als gräulicher Hund in
den Ruinen der
Osteroder Burg hausen. Nur einmal im Jahr darf sie sich, am ersten Ostertage, in
ihrer natürlichen
Gestalt und Schönheit den Menschen zeigen. Viele haben sie
schon gesehen,
mancher hat von ihr Geschenke bekommen, aber noch keiner konnte ihr
durch die
eiserne Tür in den Berg folgen.
Folgendes
soll sich zugetragen haben:
Ein armer
Leinenweber aus Osterode hatte nach Clausthal ein Stück Leinen
abgeliefert und
gedacht, mit dem Lohn zu Hause das Osterfest zu feiern. Da es
spät geworden
war, blieb er die Nacht über in Clausthal, machte sich aber in
aller
Herrgottsfrühe auf den Heimweg und langte im Morgengrauen
oberhalb der Freiheit
an. Da sah er eine schneeweiß gekleidete Jungfrau mit einem
Schlüsselbund am Gürtel
nach der Söse hinuntergehen und sich in dem klaren Bergflusse
waschen. Er
grüßte sie ehrerbietig, und sie kamen in ein
Gespräch.
Er sah auch,
dass sie eine große Lilie an der Brust trug, und wunderte
sich sehr, denn wo
blühen hierzulande zur Osterzeit schon Lilien? Auf seine
verwunderte Frage
führte ihn die Jungfrau in den Hof des alten Schlosses vor
eine eiserne Tür,
die er sonst noch nie bemerkt hatte. Daneben standen die
blühenden Lilien. Die
Jungfrau pflückte eine davon und verehrte sie ihm als
Geschenk. Als er wieder
aufsah, waren Jungfrau und eiserne Tür verschwunden. Ganz
verwundert eilte er nach Haus und
erzählte alles seiner Frau.
Die sagte:" Das ist die Osterjungfrau gewesen!"
Die Lilie
aber war keine gemeine Blume sondern aus Gold und Silber. Schließlich bekam
der Herzog diese kostbare
Lilie, und der Leinenweber wurde dafür fürstlich
belohnt. Zur Erinnerung an die
Lilien von Osterode sieht man noch heute drei Lilien im herzoglichen
Wappen.
Die Baumannshöhle
In einer
Mondscheinnacht wollte ein Bergknappe namens Baumann auf dem Heimweg
vom
Schacht unterwegs auf seinem Stückchen Land nach den
Rüben sehen, die er gesät
hatte. Da hörte er in den Büschen an der Bode
sprechen, und als er leise
herangekommen war, sah er im Wasser eine Elfe stehen, die einen Zwerg
am Ufer
flehentlich bat, ihr das geraubte Gewand zurückzugeben, das
sie während des
Bades abgelegt hatte. Der Zwerg aber verlangte, die Elfe solle ihm als
seine
Frau in den Berg folgen, und kein Wehklagen konnte sein Herz erweichen.
Der Bergmann,
der alles mit anhörte, wurde vom Zorn gepackt und rief: "
Willst du wohl
machen dass du in dein Loch kommst!" Erschreckt ließ der
Zwerg das Gewand
fallen und lief fort.
Voller
Dankbarkeit sprach die Elfe zu Baumann: "Komm mit, ich will dir den
Festsaal
des Zwerges zeigen!" Sie führte ihn an eine Felsenspalte,
ließ ihn
hineinsehen und verschwand. Der Bergmann sah in der Tiefe ein Glitzern
und
Leuchten und meinte, eine Silberader gefunden zu haben. Er erweiterte
mit
seinem Gezäh den Spalt und kroch hinein. Da kam er in eine
weite Höhle, deren
Wände und Decke im Lichte seiner Grubenlampe von seltsamen
Tropfsteingebilden
glitzerten. Nach den Seiten führten sich verzweigende
Gänge tiefer in den Berg hinein,
denen Baumann neugierig folgte. Er war schon weit vorgedrungen, als er
plötzlich den Zwerg neben sich sah, der ihm mit
hässlichem Lachen die Lampe aus
der Hand schlug, so dass er im Finstern stand. Danach hagelte es von
allen
Seiten auf ihn ein, denn der Zwerg warf mit Steinen. Vergeblich suchte
Baumann
den Ausgang zu gewinnen, verirrte sich aber immer mehr in den dunklen
Gängen. Endlich
ließ ihn der Zwerg allein, wobei er höhnisch sagte:
"So, nun wirst du
keinen Zwerg mehr erschrecken!"
Drei Tage
lang musste Baumann
unter der Erde
bleiben, da erst sah er einen hellen Schein. Es war die Elfe, die ihm
vom
Eingang her ein Licht entgegenhielt.
Zerschlagen
und müde kam Baumann zu Hause an und starb nach wenigen Tagen.
Die entdeckte
Höhle wurde ihm zu Ehren "Baumannshöhle" genannt, und
der Ort erhielt
nach seinem Rübenfelde den Namen "Rübeland".
Die Freikugel des Venezianers
Wie man weiß
und erzählt, kamen als gute Kenner der Erze und als
geübte Bergbauer weit her vom
Süden viel Venezianer, oder Venediger (wie man sie auch
nannte) nach dem Harz.
Wo immer Bergleute wohnen, erzählt man sich viele seltsame und
anmutige
Geschichten von solcherlei Leuten. Gar oft haben sie durch ihre
Überlegenheit
dem gutartigen, leichtgläubigen Harzer manchen Streich
gespielt und nicht
selten hört man davon, wie die Venediger mit reichen
Schätzen beladen den Harz
wieder verlassen haben.
Solches wird
auch in der folgenden Geschichte erzählt:
Ein Schlosser, der einmal am Brocken
spazierte, begegnete zwei Fremden,
die ihn damit verhöhnten, wie wenig er und seine Landsleute
von den Schätzen der
Harzer Heimat wüssten. Sie fragten ihn auch, ob er nicht nach
Venedig auswandern
wolle. Alsbald schickten
sie ihn, Schnaps zu
holen, den sie zu dritt tranken.
Als der Schlosser aus dem Rausch erwachte, waren
sie schon in Venedig. Dem
Harzer Schlosser aber gefiel es bald nicht
mehr im fremden Land und er zog nach Norden und gelangte nach vielen
Jahren
müde und arm, aber doch erlöst und glücklich
in sein Heimatdorf Schierke.
Bei seiner
Ankunft fand er im Wirtshaus eine laute, frohe Gesellschaft, zu der er
sich
niedersetzte. Doch
alsbald kam ihm etwas
in Erinnerung, das vorher aus seinem Gedächtnis verschwunden
war: Er sprang verstört vom
Schemel auf und murmelte
Unverständliches von einer Viertelstunde, die ihm noch bliebe
zum Sterben, wenn
keine Rettung möglich sei. Hastig verlangte er ein luftdicht
abzuschließendes
Fass, kroch hinein und ließ es zunageln. Sobald das geschehen
war, pfiff eine
Kugel hinein in die Stube, die um das
Fass herumjagte, bis sie sich müde gelaufen hatte.
Danach kroch
der Schlosser eilends heraus, lud die
Kugel in des Wirts Gewehr, schoss sie wieder nach Venedig
zurück und rief:
"Du sollst mich nicht töten, du bist schon selbst in einer
Viertelstunde
tot."
Es muss wohl
eine Teufelei im Spiele gewesen sein, in die er sich seinerzeit mit den
Fremden
eingelassen hatte. Und
dies sei eine
Warnung für manchen, der besser die Heimat wieder sollte
suchen geh'n, deren
Schätze verteufelte Fremde hinweg schleppen.
Und die
Moral von der Geschicht: Auch der gutartige, leichtgläubige
Tor, der wieder zur
Besinnung kommt, wird die böse Freikugel leicht auf den
Schützen zurücksenden
können.
Der Teufel vom Blocksberg
Mit großer
Sorge sah der Teufel vom Blocksberg (Brocken)
aus, wie in seinem Reiche Kirchen und Klöster errichtet
wurden. Da er
befürchtete, hierdurch würde seine Macht gebrochen
werden und die heidnischen
Opferstätten veröden, beschloss er, eine riesige
Mauer um den Harz zu bauen.
Sein teuflisches Werk konnte jedoch nur im Schutz der Nacht gelingen
und musste
bis zum ersten Hahnenschrei vollendet sein.
Eines Tages
soll sich folgendes zugetragen haben:
Eine
Bäuerin ging in aller Herrgottsfrühe mit einem Hahn
im Tragekorb zum Markt nach Quedlinburg.
Sie war verwundert, als sie auf ihrem gewohnten Wege eine gewaltige
Mauer
erblickte, erschrak
und stürzte, als
sie den Teufel sah. Ebenso erschrocken war
der Hahn im Korb und darum krähte er, so laut er konnte. Der
Teufel hörte den
Hahnenschrei, glaubte deshalb, dass
die
Nacht zu Ende sei und zerstörte vor Wut die Mauer und so
entstand deren
ungewöhnliche Form.
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2.
Jahresausflug der Ortsgruppe am 18. Sept. 2010
zur Insel Mainau am Bodensee
An
diesem leicht herbstlichen Morgen starteten um 7.00 Uhr 31
Albvereinsmitglieder und Gäste mit dem Reiseunternehmen
Müller in Richtung
Bodensee. Auf der Singener Autobahn kam unser Fahrer Christoph
zügig voran, so
dass genug Zeit blieb für eine ausgiebige Vesperpause an der
Raststätte Hegau.
Wohlgestärkt fuhren wir weiter bis zum Ziel, der Blumeninsel
Mainau. Bei der
Blumi, unserem Treffpunkt, begann die fast zweistündige
Führung. Unterteilt in
zwei Gruppen folgten wir Herrn und Frau Schneider, die uns sehr viel
Wissenswertes über die Insel, die Familie Bernadotte und vor
allem über die
Flora und Fauna der Insel erzählen konnten. Die 45 ha
große Insel beherbergt nicht
nur zahlreiche Blumen, sondern auch viele seltene Pflanzen und
Bäume, die von
den Vorfahren der Familie Bernadotte auf die Insel gebracht und hier
gehegt und
gepflegt wurden. Das milde Inselklima ist für tropische
Gewächse bestens
geeignet. Während die Insel früher reiner
Privatbesitz und zeitweise sogar
„schwedisch“ war, ist sie heute Eigentum der
Lennart-Bernadotte-Stiftung. Ziel
dieser Stiftung ist es, die Insel in ihrer jetzigenForm zu bewahren. Obwohl
es viel zu sehen gab, wie z.B. den italienischen
Rosengarten, den Kräuter- und Staudengarten, die
italienische Blumen-Wassertreppe und das
Schmetterlingshaus, hinterließ die großartige
Dahlienschau mit ihrem Feuerwerk
an Formen und Farben den tiefsten Eindruck bei den meisten von uns.
Natürlich
gab es nicht nur viel zu sehen, zu hören, zu
fühlen und zu riechen, sondern auch etwas
zu schmecken (außer Kapuzinerkresse). Und als wir uns gegen
16.00 Uhr wieder
beim Bus zur Heimfahrt einfanden, waren wir uns einig: Wir hatten einen
wundervollen Ausflug dank der guten Organisation unseres
bewährten
Ausflugsteams Neerpasch und Müller. Ihnen ein herzliches
Dankeschön für ihre
Mühe! Und zu guter Letzt: Es war schade um jeden Platz im Bus,
der leer war!
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