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Ortsgruppe Markgröningen im Stromberg Gau
 

1.   Wandern und Kultur im Harz

Vom 20. – 24. Juni 2010

veranstaltete die Ortsgruppe Markgröningen

des Schwäbischen Albvereins

eine Mehrtageswanderreise in den Harz

unter der Leitung von Hermann und Sieglinde Neerpasch

 

Sonntag, 20.Juni 2010

„Bitte früh aus den Federn steigen“, hieß die Devise an diesem eingetrübten Sonntagmorgen. Fast pünktlich um 6.30 Uhr startete der Bus der Fa. Müller Heilbronn mit 46 Teilnehmern des Albvereins Markgröningen inklusive Gästen unter der bewährten Regie von Sieglinde und Hermann Neerpasch am Festplatz in Markgröningen.

Unser Busfahrer, Herr Zoran, chauffierte uns zügig und sicher auf der noch leeren Autobahn über Würzburg nach Kassel. Dort gab es eine erste Pause, bei der wir von unserer Reiseleitung ausgiebig mit Brötchen, Leberkäse, Hefezopf, Schokolade, Kaffee und Markgröninger Wein bewirtet wurden. Das Vesper tat uns allen sichtlich wohl, denn kaum jemand hatte Muße oder Appetit gehabt, ein ausgiebiges Frühstück zu ungewohnt früher Stunde zu genießen.

Nach der Pause ging es weiter auf der A 7 nach Goslar. Dort kamen wir so frühzeitig an, dass wir vor der Kaiserpfalz noch eine halbe Stunde auf dem Parkplatz „herumstanden“ um auf unsere beiden Stadtführer zu warten. Zwischenzeitlich hatten wir auch „unsere“ beiden Düsseldorfer beim Einparken entdeckt. Christl und Fritz Lunkmohs begrüßten uns mit großem Hallo.

Mit der Kaiserpfalz begann die zweistündige Stadtführung. Wir erfuhren, dass Goslar schon im Jahre 922 als Stadt gegründet wurde, dass die Stadt durch den Bergbau im nahen Rammelsberg zu Geld gekommen war,  was vor allem bei den Braunschweigern Begehrlichkeiten wegen Einkünfte aus den verschiedenen Erzvorkommen geweckt hatte. „Alles Übel kommt von Braunschweig“, ist noch heute eine Redewendung in Goslar, die auf die Ausbeute der Erzvorkommen durch die Braunschweiger zurück zu führen ist, die als Besitzer der Gruben den Profit daraus zogen.

Heute, nach über 1000 Jahren, ist das Erzvorkommen im Rammelsberg erschöpft. 1992 wurde das Bergwerk zum Weltkulturerbe erhoben und steht seither als Museum den Besuchern aus aller Welt offen.

Doch ausgebeutet wurden die Goslarer bereits schon von den ottonischen Kaisern. Ohne „festen Wohnsitz“ reisten diese zur damaligen Zeit durch die deutschen Lande von einer Stadt zur nächsten und nahmen Quartier in den von ihnen erbauten Pfalzen. Meldete der Kaiser in einer Stadt seinen Aufenthalt an, so begann eine große logistische Tätigkeit der zuständigen Pfalzgrafen, die dafür sorgen mussten, dass der Kaiser mit seinem riesigen Tross auf beste verköstigt und bewirtet wurde. Zog er nach etwa 14 Tagen wieder ab, machten die Menschen sicher mehr als drei Kreuze, denn nur wenn der Kaiser nicht auf einem Feldzug war, bezahlte er seine Zeche. Doch wann war er schon im Frieden unterwegs?

Wie schwer die Goslarer ihren zeitweiligen Reichtum durch den Erzabbau erarbeiten mussten, erzählte uns unser Stadtführer auch. In gebückter  Haltung, bis zu den Oberschenkeln im Sickerwasser stehend, arbeiteten die Bergleute bei 8 ° C sommers wie winters zwölf und mehr Stunden im Stollen. Dass die Lebenserwartung der Bergleute unter solchen Bedingungen nicht hoch war, versteht sich von selbst.

Beim Gang durch die Stadt erfuhren wir, dass Goslar im Mittelalter eine sehr christlich geprägte Stadt war und einstmals 14 Kirchen, 47 Klöster und 10 Hospize besessen hatte. Eines dieser Häuser, das ehemalige Heilig Kreuz Hospiz, in dem bis vor rund 20 Jahren noch Wohnungen für bedürftige Witwen eingerichtet waren, besuchten wir. Heute ist die große Halle leer und in den ehemaligen Witwenwohnungen finden sich kleine Kunsthandwerkergeschäfte. Am Marktplatz bewunderten wir das Gildehaus mit dem Dukatenscheißer und wir durften im Rathaus auch einen Blick in den Empfangssaal werfen, der mit seinem aufgemalten Sternenhimmel vorzeiten als Gerichtsaal diente. Um dem Gebot zu genügen, nur unter freiem Himmel zu richten, ließen sich die Menschen schon einiges einfallen!

Leider reichte unsere Zeit nach der zweistündigen Führung nicht mehr, noch einen Kaffee im urigen Gasthaus Butterhanne zu genießen. Im Vorbeigehen konnten wir uns an den riesengroßen Windbeuteln erfreuen, von denen manch einer nachts noch immer träumen mag. Doch für uns hieß es, auf schnellstem Wege zurück zum Parkplatz vor der Kaiserpfalz und von da aus ging es mit dem Bus weiter bis zum Ziel, dem Berghotel in Wolfshagen.

Wir waren alle froh, gut am Ziel angekommen zu sein und uns vor dem Abendessen um 19.00 Uhr noch etwas von der Reise und von der bei den meisten kurzen Nacht erholen zu können.

Nach einem wohlschmeckenden Abendessen dauerte es nicht mehr lange, bis sich alle zur wohlverdienten Ruhe begaben.

Montag, 21. Juni 2010

Bereits um 7.00 Uhr morgens war der größte Teil unserer Gruppe schon beim Frühstück, wenig später kamen auch die Nachzügler und um 8.30 Uhr startete unser Bus in Richtung Brocken. Unterwegs stieg unser Wanderführer Herr Runge zu uns in den Bus und begleitete uns bis zum Parkplatz am Fuße des Ilsetales. An der Ilsequelle begann unter seiner Leitung die Wanderung auf den Brocken. Unsere Bahnfahrer fuhren unterdessen weiter nach Wernigerode, um von dort aus mit der Brockenbahn (und damit auf wesentlich bequemere aber nicht wesentlich schnellere Art und Weise) auf den Gipfel zu kommen.

Für all jene, die zwar nicht mit der Brockenbahn gefahren sind, sich jedoch für die weltweit bekannte Bahn interessieren, hier einige Daten:

Die Brockenbahn wurde am 27. März 1899 eröffnet.

Von Wernigerode dauert die Fahrt für die 19 km lange Strecke bis zum Gipfel mit der Dampflok etwa 1:40 Stunden. Bei der Harzer Schmalspurbahn werden im normalen Betrieb nur Dampfloks eingesetzt; sie hat übrigens eine Spurweite von 1000 mm.

Auf ihrem Weg zum Brockenbahnhof hält die Bahn unter anderem in Steinerne Renne, 3 Annen Hohne und Schierke. Mit 1125 m ü. NN ist der Brockenbahnhof einer der höchstgelegenen Bahnhöfe Deutschlands. Nach der Wende gab es Überlegungen, die Bahn auf den Brocken stillzulegen, aber glücklicherweise kam man von diesem Ansinnen wieder ab.

Heute ist die Bahn fast nur noch eine Touristenattraktion und wird von einem privaten Unternehmen, den HSB (Harzer Schmalspurbahnen) betrieben. Das erklärt auch den relativ stolzen Fahrpreis von regulär 31 €. So viel für Eisenbahnfans.

Wir Wanderer begannen unsere Tour zunächst entlang der im Talgrund noch ziemlich brav dahin plätschernden Ilse, eben jenem Weg, den Heinrich Heine einst auf seinem Weg zum Gipfel gegangen ist. Immer wieder erzählte uns der (aus der Ortsgruppe Wernigerode des Harzklubs stammende) Wanderführer Interessantes über den Harz und unsere Wanderroute. So erfuhren wir, dass der Harz ursprünglich mit Tannen bewaldet war, die aber wegen des großen Bedarfs an Holz (vor allem durch die Erzgewinnung in der Gegend) gegen weniger widerstandsfähige aber schneller wachsende Fichten ausgetauscht worden waren. Er berichtete von der Borkenkäferplage, die bereits großen Schaden in den Waldgebieten angerichtet hat und der viele Bäume zum Opfer fielen und erklärte, wodurch die Bäume dabei abstarben Er erzählte von den besonders rauen und wechselhaften klimatischen Bedingungen auf dem Brocken, den über 300 Nebeltagen, starken Winden und hohen Niederschlägen, von der besonderen Vegetation in der Höhe und auch von Heinrich Heine.

Den Spruch, den Heine bei seinem Aufstieg im Nebel im Jahr 1824 ins Gipfelbuch geschrieben haben soll, zitierte er auch: „Viele Steine, müde Beine, Aussicht keine, Heinrich Heine“. Grund genug, an ihn zu erinnern, gab es - denn immer wieder kamen wir an markierten Wegpunkten an, die mit einem Heine-Spruch versehen  waren.

Doch am meisten hat uns alle wohl die wildromantische Ilse beeindruckt, die sich durch ein felsenreiches, baumbestandenes, vermoostes und enges Bachbett zwängt. Die Sage von Prinzessin Ilse gab es dann auch noch zu hören.

Nachdem wir das Ilsetal hinter uns gelassen hatten, kamen wir auf freies Gelände und von da an war es nicht mehr weit zur Panzerstrasse, auf der vor der Wende die DDR-Panzer fuhren.  Unser Wanderführer erzählte uns  von der Grenze, die hier entlang lief und Ost und West voneinander trennte. Er berichtete davon, dass der Harz die wasserreichste Gegend Deutschland sei, und dass selbst weiter entfernte Großstädte wie z. B. Leipzig mit Wasser aus den Harzer Talsperren versorgt werden.  Ziemlich steil ging es auf den Betonplatten der Panzerstrasse nach oben und das Gehen auf dem harten Beton war ermüdend, doch als wir die 1000 m Marke hinter uns hatten, wussten wir, dass es nicht mehr weit sein konnte, weil wir nun den Brocken mit seinem Turm und den Gebäuden vor uns sahen. Auch die herauf dampfende Bahn sahen wir, ehe wir die Schienen überquerten zum Endspurt und zur Mittagsrast im Brockengasthaus. Nach einem gemeinsamen Foto am Brockenfelsen entschlossen sich einige von uns Wanderern zur Rückfahrt mit der Bahn, die anderen wanderten weiter am Bahnhof vorbei auf bequemem Weg (auf dem auch Goethe vorzeiten gewandert sein soll) bis nach Schierke. Große Felsblöcke und Torfmoorgelände begleiteten uns auf dieser Strecke. Einer unserer Wanderer lahmte unterwegs, kam aber dann doch noch gut ins Ziel. In Schierke stiegen wir in den Bus nach 3 Annen-Hohne, holten die Bahnfahrer ab und weiter ging es nach Wernigerode. Ein kurzer Bummel mit Führung durch die Stadt, mit einem Glockenspiel „Muss i denn“ und Fotoshooting auf der Rathaustreppe beendete das Tagesprogramm und zurück ging es von da aus ins Hotel.

Nach einem später angesetzten aber reichlichen und guten Abendessen gab es im Hotel noch eine Überraschung! Wir bekamen unerwarteten Besuch und erlebten: Ja, der Brocken hat es in sich!

Hierzu folgende Sondermeldung:

Wer auf den Brocken wandert, sollte auf der Hut sein! Wir waren auf unserer Reise wohl nicht vorsichtig genug gewesen, sonst hätten wir am Abend des 21. Juni nach der Tour auf den mythenumwobenen Brocken nicht noch Besuch bekommen. Nach dem Abendessen wirbelte mir nichts dir nichts ein kleines, zierliches Hexlein mit Besen, mobilem Herd samt Kessel und ebenso flotten Fingern wie Sprüchen ins Restaurant. Im Nu spannte sie alle anwesenden Männer ein ihr zu dienen. Dem einen setzte sie Hörner auf, ein anderer bekam im wahrsten Sinne des Wortes sein Fett ab, einem anderen befahl sie, ihr Hexengebräu zu rühren, das dann doch zu nichts nutze war (Rolf hätte ihr besser in die Suppe gespuckt) ein anderer wurde auf ihr Geheiß rücklings gemeuchelt und einen Liebhaber von vor 250 Jahren fand sie auch unter unseren Männern. Mit dem Besenritt klappte es dann auch nicht, und so schnell, wie der Spuk begann, war er vorbei. Sie müsse zu ihrem Kinde, teilte die Hexe mit, und weg war sie. Bedenklich war nur die Reaktion einer unserer Damen, die am nächsten Tag noch von den flinken Fingern schwärmte. Also doch verhext?

 

Dienstag, 22. Juni 2010

Nach einem ausgezeichnetem Frühstück fuhren wir um 8.30 Uhr vom Hotel aus nach Thale. Dort – so hatte uns die Hexe am Vortag erzählt – würden wir sie am Hexentanzplatz treffen.  Doch weder auf dem Weg zum Hexentanzplatz noch am wenige Meter entfernt liegenden Aussichtspunkt war etwas von ihr zu sehen.

Dafür bekamen wir eine hässliche alte Oberhexe zu Gesicht, die einen riesigen Stein in den Steinkreis zu schieben versuchte und einen Teufel, der diabolisch grinsend dabei zusah. Übrigens weiß ich endlich, wie ein Schweinehund aussieht, denn im Hexenkreis war auch er dargestellt! Unser Wanderführer, Herr Watzek, erklärte uns zunächst die Bedeutung dieses mythischen Platzes, auf dem in der Walpurgisnacht so einiges los ist. Dann geleitete er uns einige Meter weiter zum Aussichtspunkt, um uns einen Blick ins Bodetal werfen zu lassen. Eine atemberaubende, wilde Aussicht erwartete uns dort und auch die Sage von der Rosstrappe wurde uns gekonnt erzählt.

Geht man von der Größe der Hufspur an der Rosstrappe aus, muss das sagenhafte Pferd des Ritters Bodo eine Länge von 20 Metern gehabt haben, also wirklich unglaublich groß gewesen sein!

Während eine sehr kleine Gruppe am Aussichtspunkt zurückblieb, wanderten die übrigen los in Richtung Treseburg. Wieder erfuhren wir einiges über den Harz. Wir kamen an einer ehemaligen Köhlerhütte, einer Kotte, vorbei und hörten etwas über die Köhlerei, die zu Zeiten des Erzabbaus im Harz in großem Ausmaß betrieben wurde. Weil Holzkohle sehr viel ergiebiger als Holz in der Heizleistung ist, entstanden hier zahlreiche Köhlerhütten, um die benötigten großen Mengen an Holzkohle für den Erzabbau liefern zu können. Während einerseits Unmengen an Holz aus dem Wald geholt wurden, mussten sich die Forstleute andererseits Gedanken darüber machen, wie sie den Wald im Harz trotz des Raubbaus erhalten konnten. Die langsamer wachsenden Tannen durch die schneller wachsenden Fichten zu ersetzen, war eine dieser Entscheidungen, die sich zu unserer Zeit infolge starker Stürme als ungünstig erweist, denn die Fichten sind als Flachwurzler wesentlich anfälliger gegen Stürme. Wir hörten auch von Zapfensuchertrupps, die die Tannen/ Fichtenzapfen für die Nachzucht von den Bäumen holen. Am Pfeildenkmal, das dem aus dem Harz stammenden, sehr verdienten Direktor der Universität für Forstwesen in Berlin gewidmet ist, gab es eine kleine Rast. Ein kleiner Teil unserer Gruppe ging zum Hexentanzplatz zurück und die übrigen wanderten weiter nach Treseburg. Vom Aussichtspunkt „Weißer Hirsch“ konnten wir einen herrlichen Blick auf Treseburg werfen, ehe wir auf einem Pfad, der in seiner Beschaffenheit an die Abstiege auf der Schwäbischen Alb erinnert, in den Ort kamen.

Dort wählten die meisten von uns „frische Forelle“ als Mittagsmahlzeit im Gasthaus

Nach der Mittagspause ging es auf dem Harzer Hexenstieg weiter ins schattige Bodetal.

Der Harzer Hexenstieg ist ein knapp 100 km langer Wanderweg, der von Osterode über den Brocken nach Thale führt. Eine Variante dieses Weges umgeht den Brocken und führt an Einrichtungen des Oberharzer Wasserregales vorbei, zu denen der Oderteich und der Rehberger Graben gehören. Die Hauptroute des Hexenstiegs führt auf dem Goetheweg auf den Brocken.

Auf schattigen Wegen begleitete uns eine friedliche Bode einen großen Teil der Strecke. Leider stolperte unsere Inge auf diesen Wegen über einen herausstehenden Stein und fiel ziemlich unglücklich. Erst später sollte sich herausstellen, dass dieser Sturz Folgen hatte!

Wegen eines Felssturzes im Bodetal musste unser Wanderführer die ursprünglich geplante Route abändern und anstatt den Weg durchs Tal fortzusetzen stiegen wir wieder bergan, begleitet von einer Schulklasse, die auch ein Stück auf diesem Weg wanderte.

Nach geraumer Zeit gelangten wir wieder zum Pfeildenkmal und weiter ging es in Richtung Hexentanzplatz. Kurz davor teilte sich unsere Gruppe erneut. Während ein Teil der Gruppe beschloss, den Abstieg auf einem Pfad ins Bodetal zu wagen, strebten die meisten zurück zur Bergstation der Seilbahn, um von da an schwebend ins wilde Tal hinab zu gelangen. An der Talstation der Seilbahn trafen wir wieder zusammen um zurück zum Thaler Busparkplatz zu gehen und von dort aus gemeinsam zurück zum Hotel.

 

Mittwoch, 23. Juni 2010

Wie üblich ging es auch am Mittwoch um 8.30 Uhr nach ausgiebigem Frühstück mit dem Bus zum Zielort des Tages, dem an der Bode gelegenen einstigen Bergbauort Rübeland.

Der ungewöhnliche Name des Ortes leitet sich von Roveland (raues Land) ab. Seit dem Mittelalter wurde in Rübeland Eisenerz abgebaut. Zwischen 1880 und 1886 wurde die Rübelandbahn extra für den Transport des hier abgebauten Kalkgesteins erbaut. Sie ist die älteste der Harzer Bahnen und erst durch ihren Bau wurde der Kalkabbau wirtschaftlich attraktiv. Heute hat die Bahn an Bedeutung verloren, dafür sind die beiden Tropfsteinhöhlen die größte touristische Attraktion Rübelands.

In der Nähe der Höhlen stiegen wir alle aus, und die Wanderer starteten unter Begleitung zweier hiesiger Wanderführer, einer davon war Dr. Unger, ihre Tour direkt oberhalb des Ortes. An den Resten eines Kamins für die Kalkgewinnung vorbei ging es über blühende Wiesen, die von Büschen und Bäumen durchsetzt waren bis zum Wald. Bereits während des Aufstiegs auf die Anhöhe entdeckten wir den Türkenbund, mit erst halboffenen Blüten. Mitten im Wald zeigte uns Dr. Unger das Grab eines im 2. Weltkrieg gefallenen Soldaten, das nach dem Krieg in Vergessenheit geraten war. Ziel unserer Wanderung war der Blaue See, eines der Naturwunder des Harzes, wie uns unsere Wanderführer erklärten. An der B 27 zwischen Hüttenrode und Rübeland gelegen, ist er sowohl mit dem Auto wie auch zu Fuß sehr gut zu erreichen. Der kleine See, der inmitten einer Karstlandschaft liegt, besticht durch seine azurblaue Farbe. Früher wurde dort industriell Kalk abgebaut, wovon noch die Ruinen zweier Kalkbrennöfen zeugen. Der Kalkabbau wurde aber aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt und der Steinbruch aufgelassen. Nach der Schließung des Steinbruchs füllte sich die Sohle der Abbaugrube mit Karst- und Oberflächenwasser, weshalb das Seewasser einen sehr hohen Kalkgehalt hat.

Diese Bedingungen bewirken, dass das Licht und insbesondere das Sonnenlicht vom Kalk gefiltert wird und bis auf die blauen, werden alle Farbanteile absorbiert. Zusätzlich wird das blaue Licht vom Kalkstein des Seebodens reflektiert. So wird der Eindruck von azurblauem und glasklarem Wasser erweckt. Darum erzielt der See auch seine größte Besucherwirkung bei Sonnenschein.

Wir hatten das Glück, Sonnenschein zu haben und daher die besondere Farbe des Sees sehen zu können und wir haben diesen Anblick sehr genossen!

Unsere Begleiter erzählten uns auch noch, dass der See, der im Sommer von vielen Badegästen „heimgesucht“ wird, in den Wochen während der großen Ferien stark belastet wird und dann auch seine schöne Farbe verliert.

Vom See aus war es nicht weit nach Neuwerk, wo wir einen Abstecher an die Bode machten. Dr. Unger stellte uns dort sein kleines Kraftwerk vor, ein Wasserrad aus Lerchenholz, das mit Wasser aus der Bode angetrieben wird und eine Leistung von 11 KW liefert. Stolz zeigte er uns das Gelände, das er vor Jahren günstig gekauft hatte, um darauf diese Anlage zu erbauen.

Dann ging es weiter nach  Hüttenrode. Am Eingang zum Ort sahen wir das Krockstein-Viadukt der Rübelandbahn und nachdem wir die Straße überquert hatten, stiegen wieder aufwärts, um zurück nach Rübeland zu wandern. Dort erwartete uns die andere Hälfte unserer Gruppe, denn es war eine gemeinschaftliche Höhlenbesichtigung geplant. Zur Auswahl gab es zwei Höhlen, die Baumanns- und die Hermannshöhle. In welche der beiden Höhlen wir gehen würden, wurde kurzfristig entschieden, wobei es wohl eine Rolle spielte, dass in der Hermannshöhle Grottenolme leben, die vor vielen Jahren aus Serbien exportiert worden waren.

Ergänzend noch einige Informationen zur Hermanns- und Baumannshöhle:

Zu den Sehenswürdigkeiten des Harzes gehören die beiden Tropfsteinhöhlen Hermannshöhle und Baumannshöhle.

Im Jahre 1536 fand der Bergmann Friedrich Baumann auf der Suche nach Erz die später nach ihm benannte Höhle. Nach dem Ende des 30jährigen Krieges begannen regelmäßige Führungen durch diese Höhle. Sie wurde schnell zu einer der ganz großen Attraktionen im Harz und lockte seit dieser Zeit viele Besucher in den Bergbauort. Einer der bekanntesten von ihnen war Johann Wolfgang von Goethe, welcher die Baumannshöhle dreimal aufsuchte. Die Entdeckung weiterer Tropfsteinhöhlen machte Rübeland in der Folgezeit noch bekannter.

Nachdem wir unsere Eintrittskarten hatten, wurden wir eine Stunde lang von der Höhlenführerin treppauf und treppab durch lange Gänge und hohe Hallen, durch enge Stollen und auch an dem unterirdischen Teich vorbei geschleust, in dem die gänzlich farblosen Grottenolme  leben (die übrigens blind sind – aber was würde es ihnen schon nützen, wenn sie sehen könnten! Sie leben ja immer im Dunkeln!)  Wir sahen Stalagtiten und Stalagmiten, ( wobei die ersteren von oben nach unten wachsen) Knochen von Tieren, die die Höhle früher bewohnt haben und das Skelett eines ausgewachsenen 3 m großen Höhlenbären, aber keine einzige der zahlreichen Fledermäuse, die hier noch immer hausen und wovon es bis zu 25 Arten geben soll.

Wer es sich nicht vorstellen kann, möge es ausprobieren:  Eine Stunde bei 8°C unter der Erde ist Zeit genug, gründlich abgekühlt zu werden und so waren wir alle herzlich froh, nicht nur die Sonne wieder zu sehen, sondern auch deren Wärme zu spüren.

Zügig ging es mit dem Bus nach der Höhlentour mit einer Gesamtstrecke von 1750 m ins Hotel zurück, denn es stand das Fußballspiel Deutschland gegen Ghana auf dem Programm, das viele von uns sehen wollten.

Nach dem Abendessen und noch vor dem Spiel vermittelte uns Gerd noch einen kurzen Rückblick auf die Harzer Tage mit einem herzlichen Dank an unsere Organisatoren und Reiseleiter, Sieglinde und Hermann Neerpasch.

Danach wurde es Zeit, sich im Clubzimmer einen Platz für das Fußballmatch zu erobern. Besonders aufdringlich ist mir dabei der Tabakgeruch in Erinnerung geblieben, der sich hier schon in der ganzen Ausstattung eingenistet hatte. Als das Spiel begann, spürte man auch die Aufregung über die deutsche Mannschaft an etlichen Kommentaren. Zwar ließ nicht nur der Spielausgang, sondern auch dieses eine Spiel zu wünschen übrig, aber zum Glück müssen wir ja nicht selbst spielen und dürfen uns aufs Meckern beschränken, wenn es nicht so sonderlich gut läuft.

Am Ende des Fußballspiels lief auch bei uns nicht mehr viel. Der Abreisetag stand bevor und warf seine Schatten voraus; es war Zeit, zu packen.

Donnerstag, 24.06. 2010

Der Abtransport des Gepäcks über den einzigen Aufzug im Hotel verlief wesentlich weniger hektisch als bei unserer Ankunft und so gab es vor der Abreise auch nochmals ein entspanntes Frühstück.

Nur wenig später als üblich, also kurz nach 8,30 Uhr waren alle Teilnehmer an Bord des Reisebusses samt allem Gepäck. Ein vermisster Zimmerschlüssel fand sich recht schnell wieder, liegen geblieben war auch nichts und so konnten wir starten.

Unser Fahrer, der uns die ganzen Tage ruhig und sicher gefahren hatte, ließ uns wissen, dass er die Autobahn wegen eines Staus zunächst meiden würde. Er schlug uns vor, stattdessen durch den Harz in Richtung Erfurt zu fahren und so konnten wir die schöne, waldreiche Harzlandschaft zum letzten Mal genießen, ehe wir in die Ebene in Richtung Erfurt kamen.

Kurz vor Mittag erreichten wir diese große Stadt, die schon immer als wirtschaftliches, geistiges, kulturelles und politisches Zentrum Thüringens große Persönlichkeiten, wie Luther, Goethe, Schiller, Bach und Napoleon angezogen hat. Auch Gutenberg, der Erfinder der Buchdruckerkunst hat hier gelebt und erhielt hier die einzige Ehrung seines ganzen Lebens durch den Kurmainzer Fürstbischof. Gutenbergs Erfindung trug übrigens maßgeblich zur raschen Verbreitung der Reformation und ihrer Gedanken bei.

In Erfurt, wo Martin Luther ab 1501 studierte und 1505 in das Augustinerkloster eintrat, liegen wichtige Wurzeln seiner Theologie und der Reformation. Am 2. Juli 1505 ereignete sich über der Flur des Ortes Stotternheim nahe Erfurt jenes legendäre Gewitter, welches Martin Luthers Leben mit seinen Worten ‚Hilf du, heilige Anna, ich will ein Mönch werden!’ eine entscheidende Wende geben sollte.

Nach einer Mittagspause zur freien Verfügung  gab es um 14.00 Uhr eine Führung durch Herrn Dietmar, einem ehemaligen Studienrat aus Erfurt, der uns mit seinem profunden Wissen und seiner Art, dieses Wissen anzubieten, wohl einen ganzen Tag lang hätte ergötzen können.

Wir erfuhren, dass Erfurt ehrenhalber Hansestadt gewesen war, dass einst auf dem Petersberg ein Kloster gestanden hatte aber die Kurmainzer, die etwa 1000 Jahre über die Stadt geherrscht hatten, an dessen Stelle eine Zitadelle hatten errichten lassen.

Er sprach vom Dom  und der Severikirche mit ihren drei spitzen Türmen auf dem Domplatz und der Gloriosa, der ältesten Glocke des Mittelalters (mit 11 Tonnen Gewicht), die an hohen Festtagen noch immer geläutet wird. Dann führte er uns durch die Stadt, an schmalen hohen Häusern vorbei (man beachte, dass die Grundsteuer früher nach der Breite des Hauses errechnet wurde), er erzählte davon, dass Erfurt vor der Einführung des Indigo durch den Färberwaid reich geworden war; er führte uns in die Allerheiligenkirche und zeigte uns das Kolumbarium, eine Urnenwand im Seitenschiff der Kirche ( die 630 Urnenplätze sind derzeit alle belegt).

Schließlich kamen wir an den Resten der ehemaligen berühmten Erfurter Universität vorbei ins Viertel, in dem früher Juden gelebt haben und gingen über die 120 m lange, berühmte Krämerbrücke, die mit 32 Häusern bebaut ist und schon 1117 erstmals erwähnt wurde.

So nebenbei hörten wir auch die Geschichte von Till Eulenspiegel, seinen Eseln und den Erfurter Bürgern aber das war längst nicht alles, was wir erfuhren. Herr Dietmar erzählte  so plastisch und gekonnt, dass auch ein und der andere Ausspruch zu hören war: Solch einen Lehrer hätte ich haben wollen, dann hätte mir Geschichte auch Spaß gemacht!

Doch nach zwei Stunden gespannten Zuhörens war die Aufnahmekapazität der meisten von uns erschöpft und vielleicht war es auch unserem Stadtführer recht, noch etwas trinken gehen zu können (es war ja ziemlich warm und das Reden macht durstig). Mit einem herzlichen Dankeschön verabschiedeten wir ihn und fuhren weiter gen Heimat. Nach den Tunneln am Rennsteig gab es nochmals eine Pause, mit Rosinenstuten und Hefezopf, Kaffee und Wein.

Nach dieser letzten Unterbrechung ging es schließlich zügig nach Markgröningen zurück, wo wir wohlbehalten gegen 20.15 Uhr am Festplatz ankamen.

Nun ist es noch Zeit, einen Dank auszusprechen, an alle, die unseren Harzaufenthalt so gut für uns gestaltet haben:

Danken möchten wir der Chefin und dem Personal des Berghotels in Wolfshagen für die ausgezeichnete Verköstigung und die gute Unterkunft, allen Wanderführern, die uns auf unseren Touren begleitet haben und auch unserem Fahrer für sein ruhiges und sicheres Fahren.

Nachdem mir beim Schreiben dieses Wandertagebuches bewusst wurde, welche Fülle an Eindrücken an diesen fünf Tagen auf uns eingestürmt sind, möchte ich abschließend einen ganz besonders herzlichen Dank an unsere Organisatoren und Reiseleitung richten:

Solch eine Reise zu einem erschwinglichen Preis vorzubereiten, und dabei ein Programm für drei verschiedene Gruppen zu planen, bedeutet einen ungeheuren logistischen Aufwand. Wer einmal etwas Ähnliches durchgeführt hat, weiß, wie viel Vorüberlegung und – planung damit verbunden ist. Dabei alle Eventualitäten zu berücksichtigen, ist fast nicht möglich. Das erklärt auch, dass professionelle Anbieter nur ein Programm für die Teilnehmer einer Reise anbieten, vermutlich weil sonst die Reisekosten zu hoch würden. Unsere Wanderfreunde, die immer wieder bereit sind, solche Unternehmen zu planen und vorzubereiten, opfern viel Zeit und Energie, und nicht allen Teilnehmern ist das richtig bewusst,  sonst würde manche Kritik ausbleiben.

Wir, Helmut und ich, sind sehr dankbar für die schöne Zeit im Harz. Als kleines Dankeschön möchten wir daher unseren beiden Wanderfreunden Sieglinde und Hermann Neerpasch dieses Wander-Tagebuch widmen.

Liebe Sieglinde, lieber Hermann, wir beide würden jederzeit wieder gerne mit Euch reisen und wandern!

Nochmals herzlichen Dank!


Sagen und Mythen um den Brocken

Es gibt in Deutschland kein Gebirge, das in der Vorstellung der Menschen so stark mit Mythen und Sagen verbunden ist wie der Harz. Sicherlich sind die natürlichen Gegebenheiten dieses nördlichsten deutschen Mittelgebirges mit dafür ausschlaggebend:

Der Brocken und die Hexen

Der Harz steigt ganz abrupt aus der norddeutschen Tiefebene empor und hat demzufolge schroffe klimatische Bedingungen, die andere vergleichbare Mittelgebirge nicht haben. Flora und Fauna sind dementsprechend. Der 1142 m hohe Brocken mit seiner ausgeprägten Baumgrenze - der „höchsten im Norden“ - weist alpinen Charakter aus und bietet dem Besucher nur an rund 60 Tagen im Jahr eine gute Aussicht in das weite Vorland.
Die beiden Orte, der Brocken und der Hexentanzplatz bei Thale - symbolisieren das vielzitierte Image der besenreitenden Hexen und Teufel des Harzes. Aber auch die anderen Orte des Harzes fühlen sich den Mythen und Sagen ihrer Region verpflichtet.

Walpurgis:

 Als Goethe in seinem „Faust“ die Hexensagen aufgriff und damit die Walpurgisnachtszene gestaltete, hat er dem Harz für alle Zeiten ein Denkmal gesetzt.  Der Brocken - auch als Blocksberg berühmt - und die Gegend um Schierke und Elend sind Handlungsorte im „Faust“.

 Seit 1990 gibt  es  wieder  einen  ungeteilten Harz,  in dem fast jeder Ort in der Nacht vom 30.  April zum 1. Mai eine Walpurgisfeier mit Hexen- und Teufelsspuk veranstaltet. Dazu kommen unzählige Besucher, oft von weither angereist, um sich von der bekannten Mythen- und Sagenwelt ein Bild machen zu können.  Seit dem 3. Oktober 2003 hat der Harz folgerichtig auch einen „Hexenstieg“. Es ist ein rund 100 km langer Fernwanderweg - vergleichbar mit dem Rennsteig im Thüringer Wald - der in 5 Etappen die Harzstädte Osterode im westlichen Teil mit Thale im östlichen Teil des Harzes miteinander verbindet (er ist natürlich auch in umgekehrter Richtung von Ost nach West zu bewandern) - und dieser Wanderweg führt direkt über den sagenumwobenen Brockengipfel!

Ritter Bodo

Der Besucher des imposanten Bodetals bei Thale - des gewaltigsten Felsentales nördlich der Alpen - erfährt von folgender Begebenheit aus der Welt der Mythen und Sagen:
Der hässliche und gewalttätige Riese Bodo hatte ein holdes Edelfräulein, Emma mit Namen, geraubt und wollte ihre Liebe erzwingen. Die holde Emma, nach ihr ist die Holtemme benannt, widerstand seinem Drängen, denn sie war mit dem jungen Edeling Hatebold verlobt. Sie wusste, dass ihr Verlobter sie suchen und nicht rasten würde, bis er sie gefunden und befreit habe. Wie sie gedacht hatte, geschah es. Eines Tages, als Bodo unter einem Baum schlief, trat Hatebold aus dem Gebüsch.

Schon wollte er mit seinem Schwert den Riesen erschlagen, da hielt ihn Emma zurück. Sie wusste, dass der Riese eine Hornhaut hatte und für Schwerter unverwundbar war. Nun blieb ihnen zur Flucht nur des Riesen Pferd, das er an einen Ast des Baumes gebunden hatte.

So sehr sie sich mühten, sie konnten den Knoten nicht lösen. Da stieg Hatebold in den Sattel, nahm Emma vor sich und hieb den Strick mit dem Schwerte durch. Von dem Schlag erwachte der Riese, sprang auf und lief wutheulend hinter den Davonsprengenden her. Die Fliehenden wandten sich dem Harze zu.  Auch wenn Bodo sie nicht einholte, hörten sie doch sein Keuchen und Schimpfen ganz deutlich hinter sich. So ging es über Berge und Täler, bis sie plötzlich auf dem Hexentanzplatz nicht weiterkonnten; vor ihnen lag die breite Schlucht mit dem rauschenden Strom in der Tiefe, hinter sich hörten sie das Wüten des Verfolgers. Schon sahen sie ihn hohnlachend näherkommen, da trieb Hatebold das Ross des Riesen mit verzweifelten Sporenhieben an. Das Tier wagte den Sprung und erreichte den gegenüberliegenden Felsen. Den Huf hatte es dabei fußtief in die Klippe gedrückt. Diese Stelle nennt man heute die Rosstrappe. Bodo versuchte, sinnlos vor Wut, einen gleichen Sprung zu tun, aber er stürzte in den Fluss, der seitdem Bode genannt wird. Und so sitzt er als schwarzer Hund in dem Wasser und bewacht die Krone, die Emma bei dem gewaltigen Satz vom Haupte fiel. Schon mancher hat versucht, die Krone heraufzuholen, doch es ist noch keinem gelungen. Nachts kann man manchmal Bodo in der Schlucht heulen hören.

Prinzessin Ilse

Heinrich Heine hat in seiner 1826 erschienenen „Harzreise“ die Prinzessin Ilse verewigt. Der Wanderer, der den Weg von Ilsenburg zum Brocken wählt, begleitet den kleinen Fluss eine ganze Zeit. Er geht auch an dem zu seiner linken Hand liegenden Ilsestein vorbei. Hier lebte einst auf einer Burg die schöne Prinzessin Ilse, die einen Prinzen aus der Nachbarschaft heiraten sollte. Auf dem Weg zu seiner Braut verirrte sich der Prinz und wurde von einer Hexe verzaubert, so dass er deren hässliche Tochter heiratete und sich an seine Braut nicht mehr erinnerte. Erst als er sich in einem Bache wusch, wirkte der Zauber nicht mehr. Er ging zu seiner richtigen Braut und heiratete sie. Die Hexen rächten sich, indem sie durch ein fürchterliches Unwetter die Burg zerstörten und diese samt ihren Gästen in die Tiefe stürzten. Seit diesem Tag heißt der kleine Fluss Ilse und der Berg, auf dem die Burg stand, Ilsestein.

Hänsel und Gretel:

Die Wälder um den Ilsestein sind auch der Handlungsort der am meisten aufgeführten deutschen Märchenoper „Hänsel und Gretel“ von Engelbert Humperdinck. Hier haben die bösen Stiefeltern auch ihre beiden Kinder ausgesetzt.

Kyffhäuser

Südlich des Harzes, nur durch ein fruchtbares breites Tal - die Goldene Aue - getrennt, liegt das Kyffhäusergebirge mit dem weithin sichtbaren Kyffhäuserdenkmal auf dem Kulpenberg. Über eine markante Straße ist es von Berga oder Kelbra, aber auch im Süden von Bad Frankenhausen aus, sehr gut erreichbar. Der Bau zu Ehren von Kaiser Wilhelm I. wurde 1896 eingeweiht. Er steht auf der Ruine der ehemaligen Burg Kyffhausen. Der Denkmalsturm der monumentalen Anlage ist 57 m - die Gesamtanlage 81m hoch. Das einprägsamste für den Betrachter sind die „schlafende Barbarossafigur“ und das „Reiterstandbild“.

Keine Region in Deutschland wurde aufgrund dieser Sage so bekannt wie der Kyffhäuser.
Kaiser Friedrich I. Barbarossa (1123-1190) aus dem Geschlecht der Staufer war im fernen Italien gestorben. Es gab Zweifel an seinem Tod.

Die Sage berichtet zunächst, dass er „überall“ als „wiederkehrender Kaiser“ oder „Pilger“ umherwandere. Schließlich konzentrierte sich sein „Umherwandern“ auf den Kyffhäuser. Motiv für die Sage war die Sehnsucht der Menschen nach einem geordneten und friedvollen Leben. Zu dieser Zeit mangelte es der Gegend um den Kyffhäuser daran besonders. Es wird erzählt, dass Kaiser Barbarossa in seinem unterirdischen Schloss an einem steinernen Tisch sitzt - er hält den Kopf in der Hand und ruht oder schläft, genau wie sein Hofstaat.

Sein roter Bart ist durch den Tisch bis auf die Erde gewachsen, und sein treuer Zwerg Alberich muss nach einem Zublinzeln nachschauen, ob die Raben noch um den Berg fliegen. Fliegen sie noch, muss er weitere hundert Jahre schlafen. Wenn sie aber aufhören, den Berg zu umfliegen, wird der Kaiser erwachen und sein verlassenes Kaisertum neu in Besitz nehmen.

Es gibt viele Dichtungen und Gemälde über das Mittelalter, die diese Thematik beinhalten. Das Barbarossalied von Friedrich Rückert ist eines der populärsten dieser Art.


1. Der alte Barbarossa,
Der Kaiser Friederich,
Im unterird'schen Schlosse
Hält er verzaubert sich.5. Sein Bart ist nicht von Flachse,
Er ist von Feuersglut,
Ist durch den Tisch gewachsen,
Worauf sein Kinn ausruht.2. Er ist niemals gestorben,
Er lebt darin noch jetzt;
Er hat, im Schloß verborgen,
Zum Schlaf sich hingesetzt.6. Er nickt als wie im Traume,
Sein Aug' halb offen zwinkt,
Und je nach langem Raume
Er einem Knaben winkt.3. Er hat hinabgenommen
Des Reiches Herrlichkeit
Und wird einst wiederkommen
Mit ihr zu seiner Zeit.7. Er spricht im Schlaf zum Knaben:
"Geh hin vors Schloß, o Zwerg,
Und sieh, ob noch die Raben
Herfliegen um den Berg!4. Der Stuhl ist elfenbeinern,
Darauf der Kaiser sitzt;
Der Tisch ist marmelsteinern,
Worauf sein Haupt er stützt.8. Und wenn die alten Raben
Noch fliegen immerdar,
So muß ich auch noch schlafen
Verzaubert hundert Jahr"


Die Jungfrau von Osterode

Die schöne Tochter des letzten Burgherren von Osterode soll von einem abgewiesenen Freier aus Rache mit Hilfe morgenländischer Kunst verzaubert worden sein und noch heute als gräulicher Hund in den Ruinen der Osteroder Burg hausen. Nur einmal im Jahr darf sie sich,  am ersten Ostertage, in ihrer natürlichen Gestalt und Schönheit den Menschen zeigen. Viele haben sie schon gesehen, mancher hat von ihr Geschenke bekommen, aber noch keiner konnte ihr durch die eiserne Tür in den Berg folgen.

Folgendes soll sich zugetragen haben:

Ein armer Leinenweber aus Osterode hatte nach Clausthal ein Stück Leinen abgeliefert und gedacht, mit dem Lohn zu Hause das Osterfest zu feiern. Da es spät geworden war, blieb er die Nacht über in Clausthal, machte sich aber in aller Herrgottsfrühe auf den Heimweg und langte im Morgengrauen oberhalb der Freiheit an. Da sah er eine schneeweiß gekleidete Jungfrau mit einem Schlüsselbund am Gürtel nach der Söse hinuntergehen und sich in dem klaren Bergflusse waschen. Er grüßte sie ehrerbietig, und sie kamen in ein Gespräch.

Er sah auch, dass sie eine große Lilie an der Brust trug, und wunderte sich sehr, denn wo blühen hierzulande zur Osterzeit schon Lilien? Auf seine verwunderte Frage führte ihn die Jungfrau in den Hof des alten Schlosses vor eine eiserne Tür, die er sonst noch nie bemerkt hatte. Daneben standen die blühenden Lilien. Die Jungfrau pflückte eine davon und verehrte sie ihm als Geschenk. Als er wieder aufsah, waren Jungfrau und eiserne Tür verschwunden. Ganz verwundert  eilte  er nach Haus und erzählte alles seiner Frau. Die sagte:" Das ist die Osterjungfrau gewesen!"

Die Lilie aber war keine gemeine Blume sondern aus Gold und Silber.  Schließlich bekam der Herzog diese kostbare Lilie, und der Leinenweber wurde dafür fürstlich belohnt. Zur Erinnerung an die Lilien von Osterode sieht man noch heute drei Lilien im herzoglichen Wappen.

Die Baumannshöhle

In einer Mondscheinnacht wollte ein Bergknappe namens Baumann auf dem Heimweg vom Schacht unterwegs auf seinem Stückchen Land nach den Rüben sehen, die er gesät hatte. Da hörte er in den Büschen an der Bode sprechen, und als er leise herangekommen war, sah er im Wasser eine Elfe stehen, die einen Zwerg am Ufer flehentlich bat, ihr das geraubte Gewand zurückzugeben, das sie während des Bades abgelegt hatte. Der Zwerg aber verlangte, die Elfe solle ihm als seine Frau in den Berg folgen, und kein Wehklagen konnte sein Herz erweichen. Der Bergmann, der alles mit anhörte, wurde vom Zorn gepackt und rief: " Willst du wohl machen dass du in dein Loch kommst!" Erschreckt ließ der Zwerg das Gewand fallen und lief fort.

Voller Dankbarkeit sprach die Elfe zu Baumann: "Komm mit, ich will dir den Festsaal des Zwerges zeigen!" Sie führte ihn an eine Felsenspalte, ließ ihn hineinsehen und verschwand. Der Bergmann sah in der Tiefe ein Glitzern und Leuchten und meinte, eine Silberader gefunden zu haben. Er erweiterte mit seinem Gezäh den Spalt und kroch hinein. Da kam er in eine weite Höhle, deren Wände und Decke im Lichte seiner Grubenlampe von seltsamen Tropfsteingebilden glitzerten. Nach den Seiten führten sich verzweigende Gänge tiefer in den Berg hinein, denen Baumann neugierig folgte. Er war schon weit vorgedrungen, als er plötzlich den Zwerg neben sich sah, der ihm mit hässlichem Lachen die Lampe aus der Hand schlug, so dass er im Finstern stand. Danach hagelte es von allen Seiten auf ihn ein, denn der Zwerg warf mit Steinen. Vergeblich suchte Baumann den Ausgang zu gewinnen, verirrte sich aber immer mehr in den dunklen Gängen. Endlich ließ ihn der Zwerg allein, wobei er höhnisch sagte: "So, nun wirst du keinen Zwerg mehr erschrecken!"

Drei Tage lang  musste Baumann unter der Erde bleiben, da erst sah er einen hellen Schein. Es war die Elfe, die ihm vom Eingang her ein Licht entgegenhielt.

Zerschlagen und müde kam Baumann zu Hause an und starb nach wenigen Tagen. Die entdeckte Höhle wurde ihm zu Ehren "Baumannshöhle" genannt, und der Ort erhielt nach seinem Rübenfelde den Namen "Rübeland".

Die Freikugel des Venezianers

Wie man weiß und erzählt, kamen als gute Kenner der Erze und als geübte Bergbauer weit her vom Süden viel Venezianer, oder Venediger (wie man sie auch nannte) nach dem Harz. Wo immer Bergleute wohnen, erzählt man sich viele seltsame und anmutige Geschichten von solcherlei Leuten. Gar oft haben sie durch ihre Überlegenheit dem gutartigen, leichtgläubigen Harzer manchen Streich gespielt und nicht selten hört man davon, wie die Venediger mit reichen Schätzen beladen den Harz wieder verlassen haben.

Solches wird auch in der folgenden Geschichte erzählt:  Ein Schlosser, der einmal am Brocken spazierte, begegnete zwei Fremden, die ihn damit verhöhnten, wie wenig er und seine Landsleute von den Schätzen der Harzer Heimat wüssten. Sie fragten ihn auch, ob er nicht nach Venedig auswandern wolle. Alsbald  schickten sie  ihn, Schnaps zu holen, den sie zu dritt tranken. Als der Schlosser aus dem Rausch erwachte,  waren sie schon in Venedig.  Dem Harzer Schlosser aber gefiel es bald nicht mehr im fremden Land und er zog nach Norden und gelangte nach vielen Jahren müde und arm, aber doch erlöst und glücklich in sein Heimatdorf Schierke.

Bei seiner Ankunft fand er im Wirtshaus eine laute, frohe Gesellschaft, zu der er sich niedersetzte.  Doch alsbald kam ihm etwas in Erinnerung, das vorher aus seinem Gedächtnis verschwunden war:  Er sprang  verstört vom Schemel auf und murmelte Unverständliches von einer Viertelstunde, die ihm noch bliebe zum Sterben, wenn keine Rettung möglich sei. Hastig verlangte er ein luftdicht abzuschließendes Fass, kroch hinein und ließ es zunageln. Sobald das geschehen war, pfiff  eine Kugel hinein in die Stube, die um das Fass herumjagte, bis sie sich müde gelaufen hatte.

Danach kroch der Schlosser eilends heraus, lud  die Kugel in des Wirts Gewehr, schoss sie wieder nach Venedig zurück und rief: "Du sollst mich nicht töten, du bist schon selbst in einer Viertelstunde tot."

Es muss wohl eine Teufelei im Spiele gewesen sein, in die er sich seinerzeit mit den Fremden eingelassen hatte.  Und dies sei eine Warnung für manchen, der besser die Heimat wieder sollte suchen geh'n, deren Schätze verteufelte Fremde hinweg schleppen.

Und die Moral von der Geschicht: Auch der gutartige, leichtgläubige Tor, der wieder zur Besinnung kommt, wird die böse Freikugel leicht auf den Schützen zurücksenden können.

Der Teufel vom Blocksberg

Mit großer Sorge sah der Teufel vom Blocksberg (Brocken) aus, wie in seinem Reiche Kirchen und Klöster errichtet wurden. Da er befürchtete, hierdurch würde seine Macht gebrochen werden und die heidnischen Opferstätten veröden, beschloss er, eine riesige Mauer um den Harz zu bauen. Sein teuflisches Werk konnte jedoch nur im Schutz der Nacht gelingen und musste bis zum ersten Hahnenschrei vollendet sein.

Eines Tages soll sich folgendes zugetragen haben:   Eine Bäuerin ging in aller Herrgottsfrühe mit einem Hahn im Tragekorb zum Markt nach Quedlinburg. Sie war verwundert, als sie auf ihrem gewohnten Wege eine gewaltige Mauer erblickte,  erschrak und stürzte,  als sie den Teufel sah. Ebenso erschrocken war der Hahn im Korb und darum krähte er, so laut er konnte. Der Teufel hörte den Hahnenschrei, glaubte deshalb,  dass die Nacht zu Ende sei und zerstörte vor Wut die Mauer und so entstand deren ungewöhnliche Form.

 

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2.    Jahresausflug der Ortsgruppe am 18. Sept. 2010

      zur Insel Mainau am Bodensee

An diesem leicht herbstlichen Morgen starteten um 7.00 Uhr 31 Albvereinsmitglieder und Gäste mit dem Reiseunternehmen Müller in Richtung Bodensee. Auf der Singener Autobahn kam unser Fahrer Christoph zügig voran, so dass genug Zeit blieb für eine ausgiebige Vesperpause an der Raststätte Hegau. Wohlgestärkt fuhren wir weiter bis zum Ziel, der Blumeninsel Mainau. Bei der Blumi, unserem Treffpunkt, begann die fast zweistündige Führung. Unterteilt in zwei Gruppen folgten wir Herrn und Frau Schneider, die uns sehr viel Wissenswertes über die Insel, die Familie Bernadotte und vor allem über die Flora und Fauna der Insel erzählen konnten. Die 45 ha große Insel beherbergt nicht nur zahlreiche Blumen, sondern auch viele seltene Pflanzen und Bäume, die von den Vorfahren der Familie Bernadotte auf die Insel gebracht und hier gehegt und gepflegt wurden. Das milde Inselklima ist für tropische Gewächse bestens geeignet. Während die Insel früher reiner Privatbesitz und zeitweise sogar „schwedisch“ war, ist sie heute Eigentum der Lennart-Bernadotte-Stiftung. Ziel dieser Stiftung ist es, die Insel in ihrer jetzigenForm zu bewahren. Obwohl es viel zu sehen gab, wie z.B. den italienischen Rosengarten, den Kräuter- und Staudengarten,  die italienische Blumen-Wassertreppe und das Schmetterlingshaus, hinterließ die großartige Dahlienschau mit ihrem Feuerwerk an Formen und Farben den tiefsten Eindruck bei den meisten von uns. Natürlich gab es nicht nur viel zu sehen, zu hören,  zu fühlen und zu riechen, sondern auch etwas zu schmecken (außer Kapuzinerkresse). Und als wir uns gegen 16.00 Uhr wieder beim Bus zur Heimfahrt einfanden, waren wir uns einig: Wir hatten einen wundervollen Ausflug dank der guten Organisation unseres bewährten Ausflugsteams Neerpasch und Müller. Ihnen ein herzliches Dankeschön für ihre Mühe! Und zu guter Letzt: Es war schade um jeden Platz im Bus, der leer war!

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