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Landesfest 2010
 

 
 

„Diejenigen Schaf, welchen der Hirt öfters aufspielt, werden fetter und schöner“

 

Ausstellungseröffnung am 28. Mai
in Bad Urach

Mit dem Signalruf dreier Hirtenhörner von der Galerie des Kreissparkassenfoyers in Bad Urach wurde die Ausstellung „Hirtenhörner in Schwaben“ am 28. Mai vor zahlreichen Gästen sozusagen „freigegeben“. Manfred Stingel, Kulturrat des Schwäbischen Albvereins, zitierte einen Uracher Vogt aus dem Jahre 1723, der aus Anlass des ersten Uracher Schäferlaufes forderte:

„Die Schäfer sollen ihre eigene Musik haben, dass wenn einer ein vollkommener Schäfer sein will, er notwendig auf der Sackpfeifen oder Schalmei soll spielen können, denn die Alten davon gehalten, dass diejenigen Schaf, welchen der Hirt öfters aufspielt, viel fetter und schöner werden als die anderen, die dergleichen geschickten Schäfer nicht haben“.

Musik sei damals selten gewesen, so ganz ohne Radio oder CD’s, meinte Manfred Stingel, und doch habe man gewusst, das Tiere empfänglich für Musik seien. „Das muss man bedenken, wenn man die früher üblichen Musikinstrumente und die Musik des Volkes verstehen will“. Manfred Stingel erwähnte zunächst die schwäbische Sackpfeifentradition, die – wie Hirtenhörner auch – in Vergessenheit geraten sei. „Noch vor 10 Jahren glaubte man bei uns, dass der Dudelsack ein schottisches Musikinstrument sei“. Im „Haus der Volkskunst“ Balingen-Dürrwangen habe der Schwäbische Albverein dieses Bild korrigiert und die schwäbische Sackpfeifentradition wieder belebt. Nun seien die ebenfalls vergessenen Hirtenhörner in den Focus gerückt: „Mit dem Aussterben der früher in jedem Dorf vorhandenen Berufe der Ziegen-, Kuh-, Schaft-, Schweine- oder Pferdehirten verschwanden auch die Hirtenhörner“, so Manfred Stingel.

Dabei habe man in Süddeutschland nicht nur beim Viehhüten Hirtenhornsignale gehört, sondern auch in der Weihnachtsmusik, bei Hochzeiten und Festumzügen. Auf der Spurensuche nach alten Instrumenten sei er zusammen mit dem Musikwissenschaftler Eckhard Böhringer von der Universität Augsburg fündig geworden. „Wir konnten die Besitzer überzeugen, uns Originalinstrumente für diese Ausstellung zur Verfügung zu stellen“.  Manfred Stingel präsentierte an einer großen Stellwand zahlreiche alte Hirtenhörner aus Holz – zur Abdichtung der Holzhalbschalen mit Weidengerten fest umwickelt – Hörner aus Tierhorn, ja sogar aus Glas (Glasbläsertradition in Zwiesel/Bayern).

Manfred Stingel selbst suchte nach Bildquellen aus dem gesamten schwäbischen Raum und präsentiert in der Kreissparkasse Bad Urach stolz eine üppige Bildergalerie, u.a. mit Hirtenhornabbildungen aus allen vier Schäferlaufstädten: Markgröningen, Heidenheim, Wildberg und Bad Urach. Die Bildquellen mit Engeldarstellungen und den biblischen „Hirten auf dem Felde“ wechseln sich ab mit Kirchenszenen des „Jüngsten Gerichts“, bei dem die Hirtenhörner vermutlich nicht melodisch sondern aufrüttelnd und schrill ertönten.

Manfred Stingel, der in der Tracht eines wohlhabenden Schäfers von der Alb auftrat (Altes Volksliedle: „Der mit dr Zipflkapp’, der hot koi Geld em Sack – der mit em broita Huat, der hot Geld g’nuag!“), schlug schwäbisch-knitz einen Bogen zur Neuzeit. Er  blickte auf die bevorstehende Fußballweltmeisterschaft in Südafrika, wo die Fans mit der „Vouvuzela“ in den Stadien „tröten“, laut Manfred Stingel eine moderne Hirtenhornversion aus Plastik – und er ließ sie auch gleich so heftig erklingen, dass die Vernissage-Besucher sichtlich erschrocken zusammenzuckten.

Filialdirektor Eckart Schweizer hatte die Ausstellung in der Kreissparkasse eröffnet. Zur Freude des Bad Uracher Ortsgruppenvorsitzenden vom Schwäbischen Albverein, Eugen Kramer, überreichte er diesem einen Sponsoringscheck über 1 500 € zur Deckung eines Teils der Unkosten, die das große Landesfest des Albvereins am 12. und 13. Juni in der Organisation verursachen wird. Eugen Kramer informierte die Ausstellungsbesucher über die vielen Programmpunkte und Highlights des Festwochenendes und wies auf das von ihm kreierte Festabzeichen aus altem Leinen hin.

In die Ausstellung hinein klangen immer wieder von der Galerie die Hirtenhörner, Sackpfeifen, Schalmeien und sogar ein Gesangsolo von Jürgen Schempp („Herr deiner Wunder..“). Musikwissenschaftler Eckard Böhringer erklärte die Instrumente und die alten Weisen. Die drei Hirtenhornspieler Michael Roos, Rüdiger Backes und Eugen Kromer wechselten sich ab mit Hanna Seiz (Schalmei) und Ingmar Seiwert (Sackpfeife).

Die Ausstellung ist bis zum 18. Juni 2010 während der Geschäftszeiten der Kreissparkasse Bad Urach, Bismarckstraße 15, geöffnet:
montags bis freitags von 8.30 – 12.30 und von 14 – 17 Uhr.

Am Landesfestwochenende gibt es Sonderöffnungen:
Samstag, 12. Juni von 14 – 17 Uhr                 Sonntag, 13. Juni von 11 – 16 Uhr

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