|
Mit dem Signalruf dreier Hirtenhörner von der Galerie
des Kreissparkassenfoyers in Bad Urach wurde die Ausstellung
„Hirtenhörner in Schwaben“ am 28. Mai vor zahlreichen Gästen
sozusagen „freigegeben“. Manfred Stingel, Kulturrat des
Schwäbischen Albvereins, zitierte einen Uracher Vogt aus dem
Jahre 1723, der aus Anlass des ersten Uracher Schäferlaufes
forderte:
„Die Schäfer sollen ihre eigene Musik
haben, dass wenn einer ein vollkommener Schäfer sein will, er
notwendig auf der Sackpfeifen oder Schalmei soll spielen können,
denn die Alten davon gehalten, dass diejenigen Schaf, welchen
der Hirt öfters aufspielt, viel fetter und schöner werden als
die anderen, die dergleichen geschickten Schäfer nicht haben“.
Musik sei damals selten gewesen, so ganz ohne Radio oder
CD’s, meinte Manfred Stingel, und doch habe man gewusst, das
Tiere empfänglich für Musik seien. „Das muss man bedenken, wenn
man die früher üblichen Musikinstrumente und die Musik des
Volkes verstehen will“. Manfred Stingel erwähnte zunächst die
schwäbische Sackpfeifentradition, die – wie Hirtenhörner auch –
in Vergessenheit geraten sei. „Noch vor 10 Jahren glaubte man
bei uns, dass der Dudelsack ein schottisches Musikinstrument
sei“. Im „Haus der Volkskunst“ Balingen-Dürrwangen habe der
Schwäbische Albverein dieses Bild korrigiert und die schwäbische
Sackpfeifentradition wieder belebt. Nun seien die ebenfalls
vergessenen Hirtenhörner in den Focus gerückt: „Mit dem
Aussterben der früher in jedem Dorf vorhandenen Berufe der
Ziegen-, Kuh-, Schaft-, Schweine- oder Pferdehirten verschwanden
auch die Hirtenhörner“, so Manfred Stingel.
Dabei habe man in Süddeutschland nicht nur beim
Viehhüten Hirtenhornsignale gehört, sondern auch in der
Weihnachtsmusik, bei Hochzeiten und Festumzügen. Auf der
Spurensuche nach alten Instrumenten sei er zusammen mit dem
Musikwissenschaftler Eckhard Böhringer von der Universität
Augsburg fündig geworden. „Wir konnten die Besitzer überzeugen,
uns Originalinstrumente für diese Ausstellung zur Verfügung zu
stellen“. Manfred Stingel präsentierte an einer großen
Stellwand zahlreiche alte Hirtenhörner aus Holz – zur Abdichtung
der Holzhalbschalen mit Weidengerten fest umwickelt – Hörner aus
Tierhorn, ja sogar aus Glas (Glasbläsertradition in
Zwiesel/Bayern).
Manfred Stingel selbst suchte nach Bildquellen aus dem
gesamten schwäbischen Raum und präsentiert in der Kreissparkasse
Bad Urach stolz eine üppige Bildergalerie, u.a. mit
Hirtenhornabbildungen aus allen vier Schäferlaufstädten:
Markgröningen, Heidenheim, Wildberg und Bad Urach. Die
Bildquellen mit Engeldarstellungen und den biblischen „Hirten
auf dem Felde“ wechseln sich ab mit Kirchenszenen des „Jüngsten
Gerichts“, bei dem die Hirtenhörner vermutlich nicht melodisch
sondern aufrüttelnd und schrill ertönten.
Manfred Stingel, der in der Tracht eines wohlhabenden
Schäfers von der Alb auftrat (Altes Volksliedle: „Der mit dr
Zipflkapp’, der hot koi Geld em Sack – der mit em broita Huat,
der hot Geld g’nuag!“), schlug schwäbisch-knitz einen Bogen zur
Neuzeit. Er blickte auf die bevorstehende
Fußballweltmeisterschaft in Südafrika, wo die Fans mit der „Vouvuzela“
in den Stadien „tröten“, laut Manfred Stingel eine moderne
Hirtenhornversion aus Plastik – und er ließ sie auch gleich so
heftig erklingen, dass die Vernissage-Besucher sichtlich
erschrocken zusammenzuckten.
Filialdirektor Eckart Schweizer hatte die Ausstellung in
der Kreissparkasse eröffnet. Zur Freude des Bad Uracher
Ortsgruppenvorsitzenden vom Schwäbischen Albverein, Eugen
Kramer, überreichte er diesem einen Sponsoringscheck über 1 500
€ zur Deckung eines Teils der Unkosten, die das große Landesfest
des Albvereins am 12. und 13. Juni in der Organisation
verursachen wird. Eugen Kramer informierte die
Ausstellungsbesucher über die vielen Programmpunkte und
Highlights des Festwochenendes und wies auf das von ihm kreierte
Festabzeichen aus altem Leinen hin.
In die Ausstellung hinein klangen immer wieder von der
Galerie die Hirtenhörner, Sackpfeifen, Schalmeien und sogar ein
Gesangsolo von Jürgen Schempp („Herr deiner Wunder..“).
Musikwissenschaftler Eckard Böhringer erklärte die Instrumente
und die alten Weisen. Die drei Hirtenhornspieler Michael Roos,
Rüdiger Backes und Eugen Kromer wechselten sich ab mit Hanna
Seiz (Schalmei) und Ingmar Seiwert (Sackpfeife).
Die Ausstellung ist bis zum 18. Juni 2010 während der
Geschäftszeiten der Kreissparkasse Bad Urach,
Bismarckstraße 15, geöffnet:
montags bis freitags von 8.30 – 12.30 und
von 14 – 17 Uhr.
Am Landesfestwochenende gibt es Sonderöffnungen:
Samstag, 12. Juni von 14 – 17 Uhr
Sonntag, 13. Juni von 11 – 16 Uhr |
Hier geht's zur Bildergalerie
zurück zum Anfang der Seite
zurück zur Übersicht
|