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Kleindenkmale in Zusammenhang mit Religion und Glaube
 

Heiligenfiguren: Christus-, Marien- und Heiligendarstellungen

Unter Plastik versteht die Bildhauerkunst oder Bildschnitzerkunst ein Standbild, eine Figurengruppe, aber auch nichtfigürliche Werke. Eine andere Bezeichnung für Plastik ist Skulptur. Eine Skulptur kann auch eine plastische Arbeit der Bildhauer- oder Bildschnitzerkunst aus unterschiedlichen Materialien sein. Eine Statue bezeichnet eine vollplastisch gestaltete Einzelfigur. Ein Torso ist eine unvollendete oder unvollständig erhaltene Statue, ein Rumpf, zum Beispiel der Corpus eines Kreuzes, der beschädigt wurde. 

Christusdarstellungen
Neben der Darstellung von Christus am Kreuz finden sich verschiedene häufig dargestellte Motive aus der Leidengeschichte. 

Die Darstellung des so genannten Schmerzensmannes heißt in der Fachwelt Ecce homo . Ecce homo (lateinisch) „Sehet, welch ein Mensch“ – mit diesen Worten stellt der römische Präfekt Pontius Pilatus Jesus vor die Menschenmenge, um sie über Leben oder Tod Jesu entscheiden zu lassen.[31] Das Ecce-homo-Motiv zeigt den geschundenen, dornenbekrönten Jesus, der vor den Menschen steht. 


Beispiel "Bildstock Zoll Rielasingen/Ramsen"

Eine weitere Schmerzensmanndarstellung zeigt Christus in der Rast (auch Erbämdechristus genannt) oder Christus an der Geißelsäule. Christus wird mit Dornenkrone, Wundmalen, oft mit gefesselten Händen und Mantel dargestellt. 

Das Vesperbild ist ein Andachtsbild, auf dem die trauernde Mutter Maria ihren toten, vom Kreuz abgenommenen Sohn auf dem Schoß in ihren Armen hält. Diese Darstellung wird auch als Pietà oder Marienklage bezeichnet. 

Mariendarstellungen 

Neben dem Motiv der um ihren toten Sohn trauernden Mutter Maria unter dem Kreuz sind Mariendarstellungen zahlreich unter den Kleindenkmale zu finden. Einige häufiger vorkommende Mariendarstellungen sollen hier kurz vorgestellt werden. 

Maria Immaculata (die Unbefleckte), wird in der Bibel Offenbarung 12,1 beschrieben: „Und es erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet, und der Mond unter ihren Füßen und auf ihrem Haupt eine Krone von zwölf Sternen.“[32] Im Barock wurde die Darstellung der Maria Immaculata auf Wolken oder der Erdkugel stehend, eine Schlange unter sich, gerne aufgegriffen. 

Maria als Mater Dolorosa (die schmerzensreiche Mutter Gottes) oder Schmerzensmutter bezeichnet die leidende Mutter Jesu. Diese Form des Andachtsbildes, die im 15. Jahrhundert aufkam, setzt das Leiden der Gottesmutter zum zentralen Gegenstand der Meditation. Maria hat dabei ein Schwert oder auch sieben Schwerter in ihrer Brust. Sie sind Symbol für die sieben Schmerzen Mariens, die in Zusammenhang mit den sieben roten Rosen des Schmerzensreichen Rosenkranzes stehen. 

Die Schutzmantelmaria oder -madonna bietet den Hilfesuchenden Zuflucht und Schutz. Unter dem von Engeln gehaltenen Mantel der Maria finden die eng nebeneinander gereihten Schutzsuchenden Platz. 

Bei der Darstellung der Heiligen Familie hilft Jesus seinem Ziehvater Josef bei der Arbeit, während Maria an einer Spindel sitzt. Josef, der Arbeiter- und Sterbepatron, wird hier zum Hausvater. Solche Darstellungen dienten als Vorbild für die Familie. 

Der so genannte Heilige Wandel stellt die himmlische Dreifaltigkeit - Gottvater, Heiliger Geist (Taube) und Christus – sowie die irdische Dreifaltigkeit mit Maria, Joseph und Jesus zwischen seinen irdischen Eltern dar. Diese Darstellung ist in Bildstöcken oder Kapellen zu finden und war bereits im 17. Jahrhundert ein äußerst beliebtes Motiv.  

Gnadenstuhl heißt in der bildenden Kunst eine seit dem 12. Jahrhundert bekannte Darstellungsform der Dreieinigkeit, bei der Gottvater das Kreuz mit Christus im Schoß hält, darüber schwebt der hl. Geist in Form einer Taube. 

Viele Bildstöcke enthalten das Gnadenbild von Wallfahrten, in deren Einzugsbereich sie stehen oder die aufgrund von Wallfahrten gestiftet und errichtet wurden. Ein Beispiel für die Gegend des Madonnenländchens ist die Wallfahrt „Zum Heiligen Blut“ in Walldürn. Viele Bildstöcke zeigen elf Tücher mit dem Abbild Christi.

Der Wallfahrt in Walldürn liegt ein Geschehen aus dem Jahre 1330 zugrunde: Damals stieß ein Priester während der heiligen Messe aus Versehen den Altarkelch um und der konsekrierte Wein floss auf das darunter liegende Korporale. Es zeichnete sich das Bild des Gekreuzigten ab, umgeben von elf „Veronicae“ (Schweißtuch der Veronika), also Abbildungen des Antlitz’ Christi auf einem Tuch. Der erschrockene Priester versteckte das Tuch unter der Altarplatte. Erst auf dem Sterbebett gestand er das Geheimnis des blutigen Korporale. Man fand das Tuch an der angegebenen Stelle. Als dies öffentlich bekannt wurde, kamen die ersten Pilger zur Verehrung des kostbaren Blutes nach Walldürn. 

Heiligenfiguren kann man an ihren Attributen (Beifügungen) erkennen und identifizieren. Ein Attribut ist ein aussagestarker erklärender Gegenstand – in manchen Fällen auch ein Tier –, der einer Heiligenfigur beigegeben ist und bezieht sich auf das Leben oder das Martyrium des Heiligen. Der hl. Florian ist aufgrund der Legenden, die sich um sein Leben ranken, als Patron der Feuerwehr und gegen Feuergefahren beispielsweise an einer Kanne oder einem Kübel zu erkennen. Noch deutlicher kann er als hl. Florian identifiziert werden, wenn er dabei ist, ein in Flammen stehendes Haus zu löschen. 


Beispiel "Brückenheiliger Nepomuk"

Seit dem 18. Jahrhundert ist der hl. Johannes von Nepomuk der Wasser- und Brückenheilige an oder in der Nähe einer Brücke oder eines Wasserlaufs zu finden. In früheren Zeiten war der hl. Nikolaus für dieses Gebiet zuständig. Der Domherr und Generalvikar der Diözese Prag, Johannes aus Pomuk, war der Beichtvater der Königin. Er bewahrte das Beichtgeheimnis gegenüber ihrem Mann, dem König Wenzel, und musste dafür sein Leben lassen. Er wurde 1393 von der Moldaubrücke in den Fluss gestoßen. 1693 wurde ihm ein Denkmal auf der Prager Brücke errichtet. Der hl. Nepomuk trägt den Talar eines Geistlichen und hält ein Kruzifix oder die Märtyrerpalme im Arm, manchmal legt er den Finger an seinen Mund. Um seinen Kopf hat er einen Sternenkranz mit fünf Sternen. Die Legende schreibt dem Heiligen einen Heiligenschein aus fünf Sternen zu, als er aufgefunden wird. Die Sterne stehen für die fünf Buchstaben des lateinischen Worts „tacui“ = „ich habe geschwiegen“, somit für die Wahrung des Beichtgeheimnisses. 

Die beiden Viehheiligen Wendelin und Leonhard sind bei Kleindenkmalen im bäuerlichen Umfeld zu finden.
Der Königssohn Wendelin schlug den Thron aus, um in der Einsamkeit ein Gott geweihtes Leben zu führen. Auf seiner Suche nach einem stillen Ort übernahm er Hirtendienste für einen Edelmann. Seine Demut beschämte den Herrn und er baute für Wendelin eine Mönchszelle in der Nähe eines Klosters, in dem er Abt wird.
Am Tag nach seinem Begräbnis lag Wendelins Leichnam neben dem Grab, ein Zeichen dafür, dass er an anderer Stelle begraben sein wollte. Der Leichnam wurde auf einem Ochsenkarren gelegt, die Tiere sollten den Weg suchen. Der hl. Wendelin fand seine Ruhe an der Stelle, an der er gerne gebetet hat.
Der hl. Wendelin ist Schutzpatron der Hirten, Viehherden, Bauern, Tagelöhner und Landarbeiter. Er wird als Hirte dargestellt mit Hirtenstab oder -schippe, begleitet von Tieren.  

Leonhard von Limoges ist Schutzheiliger des Viehs und der Patron der Pferde. Er wird zu den 14 Nothelfern gezählt. Leonhard kam aus einer fränkischen Adelsfamilie, war gebildet und zog sich als Erwachsener in die Einsamkeit des Waldes von Limoges zurück. Er predigte, heilte Kranke und setzte sich bei König Chlodwig I. für die Freilassung von Gefangenen ein, weshalb er vor allem in früherer Zeit mit zerbrochenen Ketten dargestellt wurde. Als Belohnung dafür, dass er das Leben der Frau des Königs und ihres Kindes bei der Geburt rettete, bekam er auf eigenen Wunsch so viel Land, wie er mit einem Esel in einer Nacht umreiten konnte. Er gründete darauf das Kloster Noblac. Noch heute gibt es Leonhardi-Wallfahrten. Er ist als Benediktiner-Abt gekleidet mit Buch und Stab, manchmal mit Kette oder einem kleinen gefesselten Menschen zu seinen Füßen. 

In Weingegenden begegnet man dem hl. Urban, einem Heiligen in Bischofsgewand, der eine Rebe mit Trauben in Händen hält. Er hatte sich vor seinen Verfolgern hinter einem Weinstock versteckt. Er ist der Patron der Weingärtner. 

Als Hausfiguren sind die beiden Pestheiligen Sebastian und Rochus zu finden, die in Pest- und Seuchenzeiten als Fürbitter angerufen werden. Seuchen und allen voran der „Schwarze Tod“, die Pest, brachten unter dem Eindruck des massenhaften Sterbens gravierende Einschnitte für eine Gesellschaft. Die beiden Heiligen erleben in der Gegenwart wieder neue Beachtung vor dem Hintergrund moderner Seuchen, wie zum Beispiel Aids oder Hautallergien und -krankheiten.  

Weil Sebastian seinen christlichen Glaubensgenossen in Rom beigestanden war, wurde er zum Tod durch Erschießen mit Pfeilen verurteilt. Meist wird der hl. Sebastian als jugendlicher Mann an einen Baumstamm gebunden und von Pfeilen durchbohrt dargestellt, manchmal hält er die Pfeile auch in der Hand. Er war in früheren Zeiten der Patron der Schützen, entwickelte sich aber immer mehr zum Nothelfer gegen die Pest oder andere Hautkrankheiten. Dahinter steht die Vorstellung, dass die Krankheiten oder Seuchen von Gottvater mit Pestpfeilen übertragen werden. 

Der hl. Rochus stammt aus adeliger Familie, verschenkte aber seine Habe an die Armen und half vor allem Pestkranken. Als er selbst an der Seuche erkrankte, zog er sich in den Wald zurück. Dort wurde er von einem Engel gepflegt, und der Hund eines Edelmanns versorgt ihn mit Brot. Wieder gesund, wurde er als Spion ins Gefängnis geworfen, erst nach seinem Tod wurde seine Heiligmäßigkeit erkannt. Er wird in Pilgertracht mit Hut dargestellt, zu seinen Attributen gehören Stab, Flasche und Tasche. Am Oberschenkel macht der zurückgeschlagene Mantel eine Pestwunde sichtbar, Engel und/oder Hund sind oft bei ihm.
 


[31] Johannes 19,5
[32] Die Bibel, Übersetzung nach Luther 1984
 

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