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Bildstock

Beispiel 1 "Bildstock"
Der Bildstock ist eine Andachtsstätte aus Holz oder Stein, an der
Bilder der Gottesmutter oder von Heiligen oder Kreuze aufgestellt
werden. Bildstöcke fordern zum Innehalten und Nachdenken auf. Sie
werden wie Kreuze aus Dankbarkeit, zum Lob Gottes, aufgrund eines
Gelöbnisses oder eines Gelübdes oder mit der Bitte um Segen oder um
Schutz vor Bösem aufgestellt. Sie finden sich an markanten Stellen in
der Landschaft, an Prozessions- und Wallfahrtswegen, in Form von
Kreuzweg- oder Kapellenwegstationen oder stehen einfach auf einem
privaten Grundstück und entlang eines alltäglichen Weges. Ein Autor
bezeichnet sie als „Meilensteine der Frömmigkeit“[26].
„Die Bildstocksetzung lässt sich am erhaltenen Bestand [und an
bildlichen Zeugnissen] bis ins 14. Jahrhundert zurückverfolgen. Vom
Protestantismus aufgegeben, erfolgte die größte Blüte in der
Barockzeit. Der Bildstock ist primär religiöses Mal mit religiösen
Darstellungen oder in Form von religiösen Zeichen wie dem Kreuz und
bedient sich verschiedenster, vom Zeitstil mehr oder weniger
beeinflusster Formen und unterschiedlicher Materialien. Sie ist
geschichtlicher Bewegungen unterworfen.“[27]
So beschreibt ein Volkskundler und Kunsthistoriker den Bildstock. Der
älteste bekannte urkundliche Beleg für das Wort ‚Bildstock’ ist ein
Hinweis Fürstenberger Urkundenbuch aus dem Jahr 1490: „Bi ainem Felsen
an ainem Bildstock“[28]
Erhalten aus diesen Zeiten haben sich die Bildstöcke aus Stein. Die
wohl ursprünglichen Bildstöcke aus Holz sind längst vergangen. Es ist
davon auszugehen, dass die ersten Bildstöcke aus einem lebenden Baum
gehauen oder geschnitzt worden sind. Der Baumstamm war der
„natürliche“ Schaft des Bildstocks, in den eine Nische geschnitzt oder
an dem ein Bild angebracht wurde. Noch heute finden sich neben den
Bildstöcken aus Holz oder Stein (modernere auch aus Metall) so
genannte Baumbildstöcke[29].
Der Bildstock ist ein freistehendes säulen- oder pfeilerförmiges
Mal (Säulenbildstock, Pfeilerbildstock) mit Basis und einem
akzentuierten Kopfteil. Seiner Gestaltung liegt in der Regel eine
dreiteilige Form zugrunde: Auf einem Sockel steht der Schaft mit dem
Aufsatz. Der Aufsatz hat eine oder mehrere Bildnischen oder
Bildgehäuse in dem sich das Andachtsbild als gemaltes Bild, als Relief
oder als Figur oder Figurengruppe befindet. In vielen Fällen ist der
Aufsatz mit einem Kreuz bekrönt. Zahlreiche Bildstöcke tragen
Inschriften. Vielerorts werden der Bildstock und auch andere ähnliche
Formen mit „Bildstöckle“ bezeichnet.

Beispiel 2 "Bildstock"
Bildstock und Wegkreuz bilden im weichen Übergang Zwischenformen,
die nicht eindeutig zuzuordnen sind. Oft ist die Bildnische eines
Bildstocks mit einem kleinen Kreuz bekrönt. Bei einem Kreuzbildstock
ist auf der Nische eines Bildstockes ein Kreuz aufgesetzt. Die Größe
des Kreuzes im Verhältnis zum Bildstock ist der Beurteilungsfaktor, ob
es sich um einen Bildstock oder ein Kreuzbildstock handelt.
Ob es sich um einen Bildstock oder ein Wegkreuz handelt ist nicht
immer eindeutig zu klären. So zum Beispiel, wenn ein gusseisernes
Kreuz auf einem Felsbrocken oder einem Findling angebracht ist. In
manchen Fällen hat der Stein (also eigentlich der Sockel) noch eine
Nische oder grottenartige Höhlung, in denen eine Heiligenfigur
steht.

Beispiel 3 "Bildstock"
Fließend sich auch die Übergänge vom Bildstock zum Bildhäuschen
oder Kapellenbildstock. Der Schaft eines Bildstocks besteht oft aus
einer Säule oder einem Pfeiler, der Bildstock kann aber auch gemauert
sein, mit Nische und Dach, allerdings ist der Innenraum nicht
begehbar. Von dieser Form ist die kleine Wegkapelle mit betretbarem
Vor- oder Innenraum nicht weit entfernt. Die Entwicklung kann wie
folgend beschrieben werden: „Der Schaft verkümmerte zum Sockel, die
aufgesetzte Bildnische wuchs sich allmählich zum Bethäuschen und zur
offenen Feldkapelle aus – die Bildnische wurde ein betretbarer Raum.“[30]
Der Kapellenbildstock ist also ein Bildstock mit breitem Sockel aus
Mauerwerk, in der Regel hat er ein Satteldach, manchmal auch Pultdach.
Wenn die Bildnische bis zum Boden reicht sind die Übergänge zur
betretbaren Kapelle fließend. Eine Feldkapelle ist nach vorne hin
offen (offene Apsis), allerdings ist die Bild- oder Altarnische häufig
mit einem Gitter gesichert.
Kleine Kapellen (von mittellateinisch cappella, „kleiner Umhang“)
dienten ursprünglich als einfache Umkleidung dem Schutz von
Heiligenfiguren oder eines Kreuzes.
Zu den eigentlichen Kleindenkmalen zählen die Kapellen nur, wenn
sie nicht begehbar sind. Von der Form her gehen sie aus dem Bildstock
hervor, man könnte sie als größere Bildstöcke bezeichnen. Sie prägen
die Landschaft vor allem in katholischen Gebieten als Hofkapellen auf
im freien Gelände liegenden Gehöften oder als Feld- und Wegkapellen im
Bereich des Ortsetters und in der freien Flur. In vielen Fällen dienen
sie der privaten Andacht.
Die in der freien Flur errichteten Kapellen erinnern manchmal an
ehemalige Ansiedlungen, die bei einem Unglück ausgelöscht oder
aufgegeben und verlassen worden sind. Manche stehen in Zusammenhang
mit einer früheren Wallfahrt.
Meist aber wurden die kleinen Andachtsinseln auf Grund eines
Gelübdes, aus Dankbarkeit errichtet. Die Gestaltungs- und Bauformen
sind an einen Kirchenbau angelehnt, die Materialien sind Stein,
manchmal Holz. Ihre Form ist vielfältig und reicht vom traditionellen
bis zum individuellen zeitgenössischen Bauen. Im Mittelpunkt steht ein
Betraum mit wenigen Sitz- oder Stehplätzen. Oft ist ein kleiner
Glockenturm oder Dachreiter vorhanden.
Bei der Bildsäule handelt es sich um eine hohe Säule, auf der eine
Heiligenfigur steht. Mariensäulen sind von Maria, der Gottesmutter
bekrönt, doch kommen auch andere Heiligenfiguren vor wie zum Beispiel
der hl. Michael. (s. Heiligenfiguren)
[26] Werner/Werner 1991, S. 33
[27] Gottschalk/Schemmel 1972 S.1
[28] Werner/Werner 1991, S. 35, Zitiert nach Hermann
Fischer: Schwäbisches Wrterbuch. Tübingen 1904, Band I, Spalte
1112ff
[29] Gottschalk/Schemmel 1972
[30] Werner/Werner 1991, S. 38
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