|
Wegkreuz

Beispiel "Wegkreuz Briem"
Kreuze sind markante und häufige Kleindenkmale in der Landschaft.
Die Anordnung Papst Leos III. (Regierungszeit von 795 bis 816), an
Wegstellen, an denen man sich zu begegnen pflegt, Kreuze zu errichten,
stieß auf offene Ohren. Kreuze am Wegesrand (Wegkreuz, auch Flur- oder
Feldkreuz), Kreuze innerhalb der Ortschaft und auf dem Friedhof
(Friedhofskreuz) oder Hauskreuze vor oder an der Hauswand findet man
nicht nur in Deutschland. Sie sind weit verbreitete christliche
Zeichen für den Kreuzestod Christi. Sie erinnern an überstandene
Gefahr und Not, bringen Dankbarkeit zum Ausdruck und mahnen die
Vorübergehenden. Das Aufstellen von Kreuzen am Wegesrand dient dazu,
den Beistand und Segen Gottes und den Schutz vor Bösem für Mensch,
Tier und die Fluren zu erbitten. Kreuze dienen zudem als Stationen bei
Prozessionen und Umgängen, wie der Öschprozession oder der Prozession
an Himmelfahrt.
Ein neuer, eher ein wieder aufgegriffener Brauch stellt das
Aufstellen von Kreuzen oder auch bearbeiteten Steinen am Straßenrand
[15]
dar. Sie können in der Nachfolge des Aufstellens von Wegkreuzen,
Kreuzsteinen und „Marterln“ gesehen werden. Die direkt am Straßenrand
oder an einer Kreuzung stehenden Kreuze sind Ausdruck des Gedenken,
sie mahnen und erinnern.[16] An gefährlichen
Streckenabschnitten sind ganze Ansammlungen von Kreuzen zu sehen.
Anders als beim Grab auf dem Friedhof gibt es keine
Gestaltungsvorschriften. Von den Behörden werden sie geduldet und bei
Straßenbaumaßnahmen respektiert.

Beispiel "Unfallkreuz"
Am Ort eines Unfalls mit tödlichem Ausgang werden mehr oder weniger
kleine Kreuze mit Beiwerk aufgestellt. Errichtet und gepflegt werden
die Kreuze von Privatpersonen, wie Freunden und Verwandten des
Verstorbenen. Es ist eine Gedenkstelle am Ort des Todes. Meist sind es
kleine, einfache Kreuze aus Holz, aber auch solche aus Stein oder
Schmiedeeisen. Oft sind es Steine mit Datum und Namen versehen, in
manchen Fällen mit einem Foto, mit Blumen und anderen Andenken an die
hier Verunglückten (Teile des Fahrzeugs, Plüschtiere....) die
geschmückt werden. Gespenstisch mutet es an, wenn abends Grablichter
an den Unglücksstellen brennen. Sie sind Ausdruck tiefer Trauer, von
Fassungslosigkeit und gleichzeitig Mahnung an die (schnell)
Vorbeifahrenden zum Innehalten und Langsamtun – „Sta viator!“
Wegkreuze sind in der Regel Hochkreuze, die sich vom niederen
Stein- oder Sühnekreuz unterscheiden. Die Formen sind vielfältig, das
Material Holz, Stein oder Metall, in neuerer Zeit auch Kunststoff. Es
gibt das einfache Kreuz mit der INRI-Tafel, mit oder ohne Corpus
(Christusfigur, lateinisch: Körper, Leib). Das Kreuz mit Corpus wird
auch als Kruzifix bezeichnet. Fehlen Teile des Corpus zum Beispiel
durch Beschädigungen bleibt ein Figurenfragment; dieses Rumpfstück
wird Torso genannt. Das lateinische Kreuz mit langem Kreuzstamm und
kürzerem Querbalken im rechten Winkel im oberen Drittel des Stammes)
ist die übliche Kreuzform in unserem Kulturkreis.
Weitere bekannte Kreuzformen sind das Andreas-Kreuz (X-förmiges
Kreuz), das Burgundische Kreuz (Schrägbalkenkreuz) oder das Lothringer
Kreuz (hat zwei Querbalken, von denen der untere länger ist als der
obere).

Beispiel "Schächerkreuz"
Beim Schächerkreuz (oft Gabelkreuz, d.h. Kreuz in Y-Form) wird
Christus am Kreuz von den beiden mit ihm gekreuzigten Schächern
(Räuber und Mörder) flankiert.
Besteht das Kreuz aus Stämmen oder Ästen verweist es auf den Baum des
Lebens („arbor vitae“) und damit auf das Paradies und das ewige Leben.
Mit Reben-Christus bezeichnet man ein Kruzifix, bei dem ein Weinstock
das Kreuz darstellt.
Da die Holzkreuze durch die Witterung besonders gefährdet sind,
wird vor allem der Corpus durch Wetterschutzverkleidungen geschützt .
Diese reichen vom flachen trapezförmigen Wetterschirm aus Brettern bis
zur vollständigen Umkleidung mit Dach und Kasten.
Der Kreuzstamm kann direkt in der Erde befestigt sein, häufig hat das
Kreuz einen ein- oder mehrstufigen, manchmal sehr hohen oder
tischartigen Sockel.

Beispiel "gusseisernes Kreuz"
Neben Blechschnittkreuzen oder auch Blechschnittfigurenkreuzen
kamen im 19. Jahrhundert die gusseisernen Kreuze in Mode.[17]
Die starke Verbreitung der „industriell gefertigten Massenartikel
religiöser Reproduktionskunst“[18],
wie Gusseisenkreuze, gusseiserne Kruzifixus- und Marienfiguren, ging
mit der Entwicklung des Eisenkunstgusses einher. Seit 1813 waren
zerlegbare Gussmodelle technisch machbar, dadurch wurden Hohlgüsse und
somit die Massenproduktion möglich. Viele gusseiserne Kreuze taten
zunächst auf dem Friedhof als Grabkreuz ihren Dienst. Sie hatten ihre
schmiedeeisernen Vorgänger abgelöst. Nachdem sie als Grabzeichen
überflüssig geworden waren, wurden sie in der Flur aufgestellt –
wahrscheinlich oft als Ersatz für ein verwitterten Holzkreuz. Sie
traten vor allem in der Zeit von 1870 bis 1930 sehr häufig auf,[19]
der Zweiten Weltkrieg beendete ihre Produktion, da die Gussformen
zerstört wurden. Die neuen Gussformen waren preiswerter und leicht zu
beschaffen. Die Objekte wurden auf Messen und Ausstellungen sowie in
bebilderten Katalogen angeboten, zusammen mit Beratung zur Gestaltung
und zu Wetterschutzmaßnahmen.
Der Kreuzbalken und der Stamm der Wegkreuze können mit
Schmuckformen und Symbolen verziert sein, zum Beispiel mit
Kleeblattenden, wenn die Balken in Form eines dreiblättrigen
Kleeblattes auslaufen; ebenso finden sich Schnitzereien oder
Steinmetzarbeiten.
Die Inschriften sprechen den Vorbeikommenden direkt an. Es werden
Bibelzitate, der Aufstellungsanlass (Erinnerung, Dankbarkeit, aufgrund
eines Gelübdes) oder auch Gebete und Verse zitiert.[20]
Die Inschrift in lateinischer Sprache kann ein Chronogramm enthalten,
dabei sind im Text Buchstaben gesetzt, die die zugleich römische
Ziffern sind (I, V, X, L, C, D, M). Zählt man die Zahlen der römischen
Ziffern zusammen, ergibt es eine Jahreszahl.

Beispiel "Kreuzigungsgruppe"
Bei einer Kreuzigungsgruppe wird Christus am Kreuz von so genannten
Assistenzfiguren, der trauernden Mutter Gottes (Mater dolorosa) und
dem Jünger Johannes begleitet. Viele Kreuze haben eine Figurennische
am Stamm, in der vielfach Heiligenfiguren oder Madonnen stehen.
Totenschädel und Gebeine – zwei gekreuzte Knochen – am Kreuzstamm
werden als „Adamsschädel“ bezeichnet[21];
Nach der Kreuzigung auf Golgatha (Schädelstätte) sollen bei einem
Erdbeben die Gebeine Adams am Kreuzstamm zum Vorschein gekommen sein.
Seit der Barockzeit dienen Totenschädel auch als Memento mori-Motiv,
das daran mahnt, an den Tod zu denken.
Das Friedhofskreuz ist das zentrale Hochkreuz auf einem Friedhof.
Es wurde im 17. und 18. Jahrhundert eingeführt als Zeichen der
Überwindung des Todes.[22]
Im 20. Jahrhundert verändert sich das Kreuz von der Bedeutung als
Heilszeichen hin zum Zeichen für den Tod und das Sterben.
Wetterkreuze, auch Hagelkreuze genannt, wurden in der freien Flur
aufgestellt und finden bereits im 13. Jahrhundert Erwähnung.[23]
Es handelt sich um meist doppelbalkige Kreuze in Form der
Caravacakreuze (in Anlehnung an das Reliquienkreuz mit Kreuzpartikel),
in seltenen Fällen ist das Kreuz dreibalkig. Sie wurden – neben
schwarzen Gewitterkerzen – als Schutzmittel zur Abwehr von Unwettern,
Gewittern mit Hagel und Blitz bei einer Prozession geweiht und waren
und sind zum Teil noch Station bei Bittprozessionen.

Beispiel "Kreuzweg"
Der Kreuzweg, also der Leidensweg, den Jesus von Nazareth von der
Verurteilung zum Tod im Palast des Pilatus bis zur Kreuzigung auf dem
Berg Golgatha nach der Passionsgeschichte in den Evangelien gehen
musste, heißt in Jerusalem „Via dolorosa“. Dieser Weg wurde bald von
Pilgern betend nachgegangen. Da eine Pilgerfahrt in das Heilige Land
gefahrvoll und aufwändig war, wurden in Europa stellvertretend für
diesen Leidensweg Christi die Kreuzwege geschaffen, die den Weg von
der Verurteilung Jesu bis zu seinem Begräbnis nachstellen. Kreuzwege
bestanden zunächst aus sieben Stationen, heute sind es in der Regel 14
Kreuzwegstationen, die einzelne Begebenheiten der Leidensgeschichte
Christi darstellen.
1. Jesus vor
Pilatus.
2. Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern.
3. Jesus fällt das erste Mal unter dem Kreuz.
4. Jesus begegnet seiner Mutter Maria.
5. Simon von Cyrene hilft Jesus das Kreuz tragen.
6. Veronika reicht Jesus das Schweißtuch.
7. Jesus fällt das zweite Mal unter dem Kreuz.
8. Jesus tröstet die weinenden Frauen.
9. Jesus fällt das dritte Mal unter dem Kreuz.
10. Jesus wird seiner Kleider beraubt.
11. Jesus wird ans Kreuz genagelt
12. Jesus stirbt am Kreuz.
13. Jesus wird vom Kreuz genommen.
14. Jesus wird ins Grab gelegt.
Gläubige gehen auf dem Weg von Station zu Station und beten den
Kreuzweg, um den Leidensweg symbolisch nachzuvollziehen. Seit dem
Mittelalter ist „Der Kreuzweg als körperlich erfahrbares Medium der
Meditation“[24]
eine populäre ausgeübte Andachtsform. Jede Kreuzwegstation – oft in in
Form eines Bildstocks oder einer Wegkapelle – enthält ein Bild oder
Skulpturen, die das Leiden Christi anschaulich machen. Häufig führt
der Kreuzweg zu einer (Wallfahrts-) Kirche oder Kapelle.
Als anschauliche Erinnerungsstätte an die Passion werden diese
Stationen auch manchmal außerhalb der Kirche auf einem natürlichen
oder auch eigens dafür angelegten Hügel plastisch dargestellt, dem so
genannten Kalvarienberg (lateinisch calvaria, „Schädelstätte“,
hebräischer Name Golgatha, Hügel außerhalb von Jerusalem, Ort der
Kreuzigung).

Beispiel "Ölberg"
Meist in der Nähe von Kirchen und Kapellen (oft auch in einer
Nische an deren Außenwand) oder auf dem Friedhof wird mit einer
Figurengruppe die Szene am „Ölberg“ dargestellt.[25]
Nach dem Abendmahl mit den Jüngern, nahm Jesus drei Jünger mit zum
Garten Gethsemane, am Fuße des Ölbergs, um zu beten. Während Jesus in
Todesangst betet, schlafen die Jünger ein. Die Szene wird meist auf
felsigem Untergrund ausgeführt, die häufig lebensgroßen Figuren der
drei Jünger schlafen in unterschiedlichen Sitzhaltungen, während Jesus
etwas abseits von seinen Begleitern die Hände in ringenden Gebet zum
Himmel erhoben hat. In etlichen Gruppen reicht ein Engel oder eine
Hand aus den Wolken Jesus einen Kelch.
Das Gipfelkreuz markiert den höchsten Punkt, den Gipfel eines
Berges und kann auch Ziel einer Wallfahrt oder einer Gipfelmesse sein.
In einigen Fällen erinnert das Kreuz an hier tödlich Verunglückte oder
an im Krieg Gefallene.
Neben der Figur des hl. Nepomuk (s. dort) findet sich auf den
Brücken auch das Brückenkreuz.
Im Jahr 1353 führte Papst Innozenz VI. das Fest „De armis Christi“
ein. In allen vier Evangelien werden die Werkzeuge genannt, die bei
einem Arma-Christi-Kreuz dargestellt sind.
Arma (Waffen), die so genannten Leidenswerkzeuge, Gegenstände, die in
der Passionsgeschichte Christi auf dem Weg zum und am Kreuz erwähnt
werden: Dornenkrone, Hammer, Zange und Nägel, die Würfel, mit denen
die Soldaten unter dem Kreuz um das Gewand Christ gewürfelt haben,
Geißel, Essigschwamm. Eine besondere Rolle spielt die „Longinuslanze“.
Sie weist auf den Hauptmann Longinus hin, der Jesus nach der
Kreuzigung beaufsichtigte und ihm mit seiner Lanze die Seite öffnet.
Der christlichen Legende nach war Longinus blind und wurde durch einen
Blutstropfen aus der Seitenwunde Christi wieder sehend. Manche dieser
Kreuze sind mit einem Hahn bekrönt, Zeichen für den Verrat Christi
durch Petrus. Das Schweißtuch der Veronika mit dem Abdruck des ‚wahren
Bildnis Christi’, gehört auch zum Motivkreis der Arma Christi. Die
eindrucksvoll dargestellten Marterwerkzeuge sind eine Aufforderung zum
Nacherleben und Mitleiden.

Beispiel "Pestkreuze"
Pestkreuze gehen auf die großen Pestepidemien zurück. Nach der
ersten Pestepidemie 1347 fiel die Pest immer wieder in Wellen in
Europa ein. Die gesellschaftliche Ordnung geriet in Pestzeiten aus den
Fugen. Die Pest forderte unzählige Todesopfer; gegen die eiternden
Beulen, Geschwüre und schwarzen Flecken gab es keine Medizin. Die
Seuche wurde als Strafe Gottes gedeutet, der im Zorn seine
todbringenden Pfeile auf die Erde schleuderte; man sprach bis in die
Neuzeit vom „Schwarzen Tod“. Manche der Pestkreuze haben sich bis
heute erhalten – zum ewigen Gedenken an die Schrecken der Pest. Sie
wurden außerhalb der Ortschaft errichtet, wohl um die vorbeikommenden
Menschen zu warnen und sich selbst zu schützen und auch aus
Dankbarkeit, von der todbringenden Seuche verschont geblieben zu sein.
(Siehe auch Pestpatrone hl. Sebastian, hl. Rochus)
[15] Sörries 2002
[16] Süddeutsche Zeitung, 31. Oktober,/1./2. November
2005; Köstlin 1992, Aka 2007
[17] Laun 1981
[18] Werner/Werner 1991, S. 132
[19] Laun 1981, S. 174
[20] Vgl. z.B. Meier 1989, S. 34f
[21] Meier 1989, S. 69f
[22] Sörries 2002, S. 182
[23] Werner/Werner 1991, S. 170
[24] Werner/Werner 1991, S. 332
[25] Matth. 26, 36-46; Mk. 14, 32-42; Lk. 22, 39-46
zurück zur
Kategorie-Auswahl
|