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Kleindenkmale im Zusammenhang mit Transport
und Verkehr

Beispiel "Ruhebank"
Die Ruhebank[6]
hat je nach Region in Baden-Württemberg viele Namen: Gruhbank, Gruhe,
Grugstatt oder Krugstatt. Es handelt sich um eine steinerne Bank mit
bis zu 120 cm Höhe, die zum Abstellen und Aufnehmen von schweren Kopf-
oder Rückenlasten ohne fremde Hilfe dient. Oft befindet sich an der
Seite eine niedere Sitzbank (einseitig oder zweiseitig gestufte
Ruhebank). Die Bänke aus Stein haben sich erhalten, die Sitzbänke
meist aus Holz sind abgewittert. Die Ruhebänke wurden direkt am
Straßenrand aufgestellt, an Stellen, die einen guten Überblick über
die zurück und voraus liegende Wegstrecke bieten. Die meisten
Ruhebänke wurden in der Zeit zwischen 1750 und 1850 aufgestellt. Mit
dem verstärkten Autoverkehrsaufkommen müssen die Ruhebänke in
neuerer Zeit häufig vor den Autos oder einer Straßenverbreiterung in
Sicherheit gebracht werden und von ihrem ursprünglichen Standort
weichen.

Beispiel "Ruhebank"
Vor dem Antritt einer Wanderung oder einer Reise, kann sich heute
jeder anhand der Karte oder per Routenplaner im Internet informieren,
wie viele Meter oder Kilometer zurückgelegt werden müssen. Die
Vorgänger der heutigen einheitlichen und genormten Maße in Metern und
Kilometern – in Deutschland übrigens ab 1872 – sind Größen, die als
Bezugspunkt den menschlichen Körper haben. Die „Naturmaße“ wie Fuß,
Schuh, Elle oder die Spannen der Hand oder beim Klafter zwischen den
ausgebreiteten Armen waren trotz etlicher Festsetzungen naturgemäß
nicht sehr präzise. Große Entfernungen wurden in Schritten und Meilen,
„1000 Schritte“, angegeben. Heute stehen noch alte Meilensteine
an den Straßen.

Beispiel "Gradmessungspfeiler"
Entfernungssteine sind an alten Verkehrswegen zu finden, sie machen
Angaben über die Entfernung zu den nächsten Orten, allerdings noch
nicht in Kilometern, sondern in Ruten – eine württembergische Rute maß
ungefähr 2,90 m. Die späteren Kilometersteine geben die Entfernung in
Kilometern an.
Stundensteine zeigen den Weg an und geben gleichzeitig darüber
Auskunft, wie viele Stunden es noch bis zur nächsten Ortschaft
zurückzulegen galt. Die Entfernung wird in Reisestunden angeben. 1
Stunde Gehzeit entspricht ca. 4,6 km. Auf Poststraßen, auf denen eine
Postkutsche verkehrte, wurde eine Stunde mit 3,7 km kalkuliert.
Der Flusskilometerstein steht am Ufer eines Flusses und macht
Angaben dazu, wie groß die Entfernung zur Einmündung des Flusses in
einen größeren Fluss ist.
Das Aufstellen von Ortstafeln und Wegweisern entstand in einem
militärischen Zusammenhang. Um Truppen und Soldaten an Wegkreuzungen
Orientierungssicherheit zu geben, war es zur Pflicht geworden,
Wegweiser aufzustellen.

Beispiel "Wegweiser"
Wegweiser sind für uns heute eine Selbstverständlichkeit, wir
können uns unsere Umgebung ohne Wegweiser und Leitsysteme gar nicht
mehr vorstellen. Selbst im Wald und im freien Gelände werden wir nicht
alleine gelassen. Die Wanderwege quer durch Baden-Württemberg sind
sorgfältig markiert – dafür tragen die Wegwarte des Schwäbischen
Albvereins und des Schwarzwaldvereins Sorge. Ein Verlaufen ist so gut
wie ausgeschlossen.
Neben Einheimischen, die Fremde durch ein unbekanntes Gebiet
geleiten, sind Wegweiser, manchmal in Kombination mit Kompass und
Karte die besten Orientierungsmöglichkeiten auf fremdem Terrain.
Wegweiser stehen am Straßen- oder Wegesrand an den Stellen, an denen
es mehrere Möglichkeiten zur Fortsetzung des Weges gibt. Die Inschrift
beinhaltet Ortsangaben, häufig mit Pfeilen versehen und mit Nennung
der Entfernung. Wegweisersteine sind in früheren Zeiten zuverlässige,
nicht so leicht verrückbare Verkehrszeichen gewesen.

Beispiel "Wegweiser Tiefenbachtal"
In späterer Zeit
kamen die Wegweisertafeln an einem Metallpfahl auf. Der gusseiserne
Stock trug die Tafeln mit den Ortsnamen. Häufig war der gusseiserne
Stock reich ornamentiert und sorgfältig ausgearbeitet.
Die Funktion der Wegweiser wird heute von Navigationsgeräten
übernommen, die als ortskundige Führer jeden Autofahrer per Satellit
an jeden beliebigen Ort der Welt dirigieren.
Im militärischen Zusammenhang stehen Militärbezirksschilder, wie
Truppenteiltafeln. Die „Gemeindetafeln mit Landwehr-, Bataillons- und Kompagniebezeichnungen“ wurden zwischen 1876 und 1879 in allen
Ortschaften Württembergs eingeführt. Auf Hinwirken des
württembergischen Kriegsministeriums wies das Ministerium des Innern
1876 in einem Erlass die Oberämter an, dass in nächster Zeit in allen
Gemeinden die Ortstafeln mit den Hinweisen auf die Landwehr-,
Bataillons- und Kompaniebezirke versehen werden sollen.[7]
Die Tafeln wurden entweder an einem öffentlichen Gebäude, wie zum
Beispiel dem Rathaus, oder an einem Ortsstock, einem Pfosten aus
Gusseisen, angebracht. Zu den Tafeln am freistehenden Ortsstock
konnten auch Wegweiserarme befestigt werden. Die Inschrift folgte dem
selben Muster: In der ersten Zeile wurde das Oberamt genannt, dann der
Ortsname, dann die Kategorie des Ortes, wie Oberamtsstadt, Stadt,
Gemeinde, Pfarrdorf, Dorf, Pfarrweiler, Weiler. Danach wurden die
militärische Zuordnung, wie Bataillon, Landwehrregiment und Kompanie
genannt. Diese Vorschrift wurde allerdings nicht unmittelbar, sondern
mit zeitlicher Verzögerung umgesetzt.
Unseren heutigen gelben Ortstafeln entsprechend waren die
Ortstafeln gusseiserne Tafeln auf gusseisernem Stock und nannten den
Namen der Gemeinde und ihre jeweilige Kategorie wie zum Beispiel
Stadt, Pfarrdorf oder Weiler.
Die Oberamtstafeln waren aus Gusseisen auf einem gusseisernen Stock
und bezeichneten die Grenze zwischen den Oberamtsbezirken und damit
auch zwischen den Gemeinden.

Beispiel "Panoramatafel"
Panoramastein oder Panoramatafel in exponierter Lage an
Aussichtspunkten werden von etlichen Ortsgruppen des Schwäbischen
Albvereins für die Ortsunkundigen aufgestellt. Auf einem Unterbau ist
ein Stein oder eine Tafel angebracht, die mit Zeichen und Inschriften
das Panorama erklärt und beschreibt: die nahen und fernen Berge, die
Ortschaften und Besonderheiten der Landschaft.

Beispiel "Steinerne Bogenbrücke"
Brücken können gleichzeitig zu den Kleindenkmalen der Bereiche
„Wasser“ und „Verkehr“ gerechnet werden. Sie dienen dazu, ein
Hindernis, wie einen Wasserlauf oder ein Tal, zu überspannen. Zu den
Kleindenkmalen gehören die kleinen Brücken, die großen werden zu den
technischen Denkmalen gezählt. Brücken waren in ihren Ursprüngen
hölzerne Gerüste oder Gebilde aus Balken, später wurden Brücken aus
Stein und noch später unter Verwendung von Materialien wie Metall und
Beton gebaut.
Bei Bogenbrücken oder auch Gewölbebrücken drückt die Auflast mit
Horizontal- und Vertikalkräften auf die Widerlager. Sie sind früher
häufig in Trockenbauweise erstellt worden. Die Bogen sind mittels
Bogensteinen, auch Keilsteinen, gewölbte oder gekrümmte
Überspannungen; Bogensteine sind keilförmige oder rechteckige Steine.
Der erste Stein, mit dem der Bogen beginnt, wird Anfänger oder auch
Kämpfer genannt, der Stein im Scheitel heißt Schlussstein. Die
Vorderseite eines Bogens ist die Stirnseite, die Innenseite bzw.
Unterseite wird als Laibung bezeichnet.
Die Brückenbrüstung ist die Begrenzung einer Brücke gegen das
tiefer liegende zu überquerende Hindernis. Im Gegensatz zum
Brückengeländer ist die Brüstung massiv aus Stein oder Mauerwerk
aufgeführt. Das Brückengeländer ist in der Regel – im Gegensatz zur
Brückenbrüstung – aus Metall oder auch Holz; angebracht an Metall-,
Holz- oder Steinpfosten.[8]
Stege sind kleine, einfache Brücken als Fortführung von Fußwegen,
die Hindernisse mit Bohlen, Stein- oder Betonplatten oder ähnlichem
eben überqueren.
Wasserdurchlässe sind gemauerte oder mit Rohren verdohlte Wasserläufe,
die den Wasserlauf unter einer Straße oder einem Weg hindurchführen.
Prellsteine, auch Radabweiser oder Radstößer genannt, dirigieren
die Räder von Fuhrwerken und Fahrzeugen in die richtigen Bahnen und
verhindern die Beschädigung von Gebäuden. Die massigen harten
Steinblöcke an Hausecken, Toreinfahrten oder Brüstungen, meist schräg
aufgestellt, dienen dem Schutz der Mauerecken und Mauern vor den
Rädern der Fahrzeuge oder vor Beschädigung vorspringender Bauteile
durch hohe Fahrzeuge.[9]
Begrenzungssteine sind auf beiden Seiten an Verkehrswegen
angebracht. Sie haben die Funktion der heutigen Leitplanken, sie
machen den Straßenverlauf deutlich und verhindern das Abkommen von der
Straße.
Zu den älteren Verkehrszeichen gehören der Radschuhstein und die
Radschuhtafel. Beide stehen an abschüssigen Straßen, um die Lenker von
Fuhrwerken daran zu erinnern, Maßnahmen zum Bremsen zu ergreifen, wie
zum Beispiel das Anlegen von Radschuhen an dem Fahrzeug.
Hohlwege sind alte Verkehrswege und Teil des historischen
Wegenetzes. Sie finden sich meist in Hanglagen. Sowohl die Nutzung
mit Vieh, als auch das Befahren mit schweren Fahrzeugen haben
zusammen mit immer neuen Abschwemmungen durch Regenwasser den Weg in
das Gelände eingeschnitten. Die Hohlwege haben hohe Böschungen links
und rechts und sind meist gesäumt von Büschen und Bäumen. Sie sind
heute nicht mehr so leicht zu erkennen, da sie häufig verfüllt
worden sind.
Neben den Hohlwegen können in diesem Zusammenhang die Treidelpfade
genannt werden. Dabei handelt es sich um Wege für Zugtiere und
Menschen entlang des Flussufers, um Schiffe an Tauen flussaufwärts zu
ziehen (treideln).
Alle alten Wege und Straßen sowie deren noch sichtbare Überbleibsel,
wie altes Wege- oder Straßenpflaster oder Radgeleise im Fels, können
im weitesten Sinne
als Kleindenkmal angesehen werden.
[6] Wolf 1984, 1997
[7] Wannenwetsch 1988
[8] Vgl. Wolf, Kleindenkmale im Landkreis
Ludwigsburg, unveröffentlichtes Manuskript, Anhang
[9] Vgl. Wolf, Kleindenkmale im Landkreis
Ludwigsburg, unveröffentlichtes Manuskript, Anhang
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