Volkstanzgruppe und Fahnenschwinger genossen schönen historischen Vorsitz in Untersteinbach
Fröhlich feiern und lustig tanzen wie anno 1812
Von Regina Koppenhöfer, Hohenloher Zeitung, 19.8.2000

Auf dem bäuerlichen Anwesen am Rainweg 2 in Untersteinbach ist was los: Frauen, Männer und Kinder in Trachten lachen und tanzen auf der Wiese, über dem Bauerngarten liegen Flötenklänge und sanftes Trommeln - die Menschen halten einen Hohenloher Vorsitz ab, gerade so, wie er bereits 1812 in Chroniken beschrieben wurde.
Es begann ein anderes Leben, wenn die Ernte eingebracht war und die Bauersleut' wieder die ruhigere Zeit vor sich hatten. Die Hohenloher kamen auf ihren Höfen zusammen, die Mädchen und Frauen setzten sich ans Spinnrad, die Burschen saßen beieinander und erzählten sich die von den Ahnen überlieferten Geschichten.
Diese Hohenloher Tradition des 18. und 19. Jahrhunderts ließen die Volkstanzgruppe und die Fahnenschwinger des Schwäbischen Albvereins im Hohenloher Gau Ortsgruppe Öhringen wieder lebendig werden. Bereits zum zweiten Mal waren sie mit ihrem Vorsitz zu Gast auf dem wunderschön renovierten Hof von Karin und Erich Hoferer in Untersteinbach. Schon 1993 feierten sie auf dem kleinen Bauernhof aus dem Jahr 1796 stilecht, und weil's gar so schön war, wiederholte man das fröhliche Fest - nur zur eigenen Freude und nicht für ein Publikum.
Karl-Heinz Ellsässer, Volkstanzleiter der Gruppe, und Manfred Goldbaum, Kulturwart des Schwäbischen Albvereins, dankten der Familie Hoferer für die Gastfreundschaft im schönen bäuerlichen Ambiente, bevor es dann so richtig losging. Auf der sonnigen Wiese drehten sich die Tänzer zur handgemachten "Bärbeles Schnäpperles Musik" aus Niedemhall. Einen Hohenloher Galopp und auch eine Sternpolka legten sie bei strahlendem Sonnenschein hin. Dabei flogen die weiten Röcke und seidenen Schürzen der Frauen, dabei wippten die Dreispitze der Männer und ihre silbernen Halstuchschnallen glänzten in der Sonne. Und wem's zu heiß wurde, der streifte Schnallenschuhe und grobe Socken ab und schwofte barfuß weiter.
Im Schatten der Nußbäume verweilten jene der rund 40 Gäste, die den bunten historischen Anblick genießen wollten - auch die Gastgeber, die Hoferers. Karin Hoferer erzählte zu den Vorbereitungen für den Vorsitz: "Des isch voller Vorfreude gewesen, des isch nämlich so schön". Und so hatte sie auch diesmal wieder reichlich Blootz" gebacken und den übergroßen Tisch im Schlittenunterstand - wo gefeiert wurde - mit blaukariertem Stoff und bunten Gartenblumen gemütlich geschmückt.
Wem von draußen ein Blick in den Garten gelang, der mochte sich in die Historie zurückversetzt fühlen: Mädchen und Buben sprangen barfuß in ihren brombeerfarbenen Trachten über die Wiese, einige Frauen saßen auf dem Bänklein und klöppelten und drehten das Spinnrad und die acht Fahnenschwinger warfen in beeindruckenden Schwingfolgen ihre reichlich verzierten Fahnen hoch in die Luft. Am Abend entfachte man beim schönen Hohenloher Vorsitz ein großes Holzfeuer, über dem gegrillt wurde. Kräftiges Bauernbrot und deftiges Schmalz gab es noch dazu, und dann wurde unter dem Sternenhimmel bis in die Nacht hinein gefeiert.

Doch standen bei dem schönen Fest auch Verabschiedungen an: Horst und Linde Killgus beendeten ihre aktive Laufbahn als Musikanten der Volkstanzgruppe und die Tanzfreunde bedankten sich bei ihnen mit einem Hohenloher Lied für das Akkordeon-, Drehleier- und Dudelsackspiel in der Vergangenheit.
Wer nun selbst Lust bekommen hat, bei der Volkstanzgruppe mitzumachen, ist herzlich eingeladen. Gesucht werden auch wieder Musikanten, die die Tänzer bei ihren Auftritten mit dem Akkordeon begleiten können. Interessenten können sich bei Manfred Goldbaum melden.
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