Schwaebischer-Albverein Ortsgruppe Gemmrigheim
  

Rückblicke 1028                                                                                           Bericht: Gerda Pfeiffer 

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         Der Schwäbische Albverein Gemmrigheim wandert in den Schluchten des Tarn

Die Überraschung war gelungen: Als die Reisenden am späten Nachmittag von ihrer erlebnisreichen Wanderreise in Südfrankreich wieder in Gemmrigheim eintrafen,  wurden sie von einigen Daheimgebliebenen mit einem Glas Sekt empfangen. Koffer und Rucksäcke wurden noch rasch umgeladen, und in fröhlicher Runde feierte man das Wiedersehen. Jeder wusste etwas zu erzählen und so schwirrten die Worte über den Platz wie freigelassene Vögel.

Zehn Tage lang waren unternehmungslustige Mitglieder und Freunde des Schwäbischen Albvereins unterwegs, wie schon bei früheren Reisen gut betreut durch Hatto Weber vom Reisebüro Heideker. Zum großen Bedauern aller fehlte sein erfahrener Mitorganisator und  „Co-Pilot“ Werner Häring aus gesundheitlichen Gründen. „Jammerschade, dass er nicht dabei ist, das hätte ihn auch begeistert“, hörte man im Laufe der Tage immer wieder.

Es war aber auch wirklich eine Reise voller Höhepunkte. Zunächst war der Wettergott während der Fahrt über Schaffhausen, Zürich und Bern nicht gerade wohlwollend gesinnt, so dass das   obligatorische Brezelfrühstück beim Blick aus dem Fenster auf später verschoben wurde, aber beim ersten längeren Aufenthalt in Murten, dem Rothenburg  der Schweiz, war „der liebe Gott wieder beim Albverein“. Hätte nicht immer wieder irgendwo die Schweizer Flagge geweht, hätte man sich durchaus im Allgäu wähnen können, bis Lausanne am Genfer See mit der weithin sichtbaren Fontäne ins Blickfeld kam. Im Dunst konnte man den Mont Blanc erahnen, Namen wie Chambery, Albertville und Grenoble erinnerten an  vergangene Winterspiele. Wie eine Vulkanlandschaft mutete dagegen die Umgebung  von St. Etienne und Clermont-Ferrand an, geprägt durch den jahrelangen Abbau von Eisenerz.

Von weitem schon grüßte eine riesige Marienstatue,  aus Kanonenblech gefertigt,  die Reisenden, als sie sich der Pilgerstadt Le Puy näherten. Hier war die erste Übernachtung eingeplant, und wer nach dem Abendessen Lust hatte, unternahm einen Spaziergang durch die Stadt. Am Morgen besuchte man gemeinsam die Kathedrale, verweilte vor Bildern, Altären, der schwarzen Madonna und dem sogenannten „Fieberstein“, wagte den Aufstieg zur Marienstatue hoch über der Stadt und schlenderte dann durch die engen buckligen Gassen zurück zum Hotel.

Bei der Weiterfahrt bot die Landschaft immer wieder ein anderes Bild, kleine Dörfer,  abgeerntete Felder, auf denen Linsen angebaut werden, säumten die Straße, die sich kilometerweit bis auf 1200 Meter Höhe hinaufzog zu einem  Causse, wie die kargen Hochflächen genannt werden. In Millionen von Jahren haben sich die Wasser durch das Gestein ihren Weg gesucht und dabei die tiefen Schluchten gebildet.

 Von weit oben hatte man einen wunderbaren Blick auf das mittelalterliche Städtchen St. Enimie, dessen Häuser unterhalb der Felsen fast im Halbkreis um eine große Tarnschleife errichtet wurden. Dort ging`s dann zur Sache – nach dem ausgiebigen Picknick am Flußufer wurde die Wanderausrüstung zusammen gesucht, noch schnell aus der „Spender-Apfelkiste“ eine knackige Frucht eingepackt und die erste Wanderung konnte beginnen. Nicht ganz bei der Sache war allerdings ein „Schatzsucher“, der jedoch nicht das erhoffte  Erfolgserlebnis des Tages vermelden konnte.  Auf dem steilem Pfad hinauf zur Kapelle der heiligen Enimie wurden Französisch-Kenntnisse ausgekramt, so dass oben angekommen auch der Unterschied zwischen mon ami, mon chéri, ma chérie und mon amie geklärt war.

Nach kurzer Rast  stieg man wieder ab, wanderte  flußaufwärts dem Tarn entlang und wurde zur abgemachten Zeit von Hatto Weber wieder erwartet, der den Bus auf engen Straßen sicher nach Meyrueis steuerte. Mehr als einmal hielten die Passagiere die Luft an, wenn überhängende Felswände fast das Fahrzeug streiften, bei Gegenverkehr fehlende Leitplanken das Aneinander-Vorbeikommen zur Meisterleistung machten und in den Kehren die Front des Busses scheinbar über den Abgrund ragte.

War das Kofferschleppen ins Hotel zu anstrengend oder war die Lobby zu klein? Wie dem auch sei –ein kleiner Stolperer und wie Dominosteine fielen Männlein und Weiblein samt Gepäck  übereinander. Unter allgemeinem Gelächter rappelten sie sich wieder auf und konnten die Zimmerschlüssel in Empfang nehmen.

Die Bilder der eindrucksvollen Landschaft noch im Kopf, nahmen die Angekommenen anschließend den  Begrüßungsdrink von „Madame“ gerne entgegen.  Rundum zufriedene Gesichter waren auch zu sehen, als das Menu von freundlichem Personal aufgetragen wurde.

Obwohl Hatto Weber schon „vorgewarnt“ hatte, warf man sich am Morgen belustigte Blicke zu,  als Madame in Morgenmantel und Hausschuhen mit den Kellnern das Frühstück servierte. Aber schon am nächsten Tag hatte man sich an den Anblick gewöhnt, selbst wenn sie in diesem Outfit  über die Straße huschte. Dem guten Appetit tat das allerdings keinen Abbruch – auch ein französisches Frühstück ist nicht zu verachten.

Die helle Morgensonne beschien die schroffen Felsen auf dem Weg über St. Enimie nach St. Chély, die Fotografen waren ständig in Bereitschaft und wer schwindelfrei war, blickte in die abgrundtiefen Schluchten, durch die sich der Tarn seinen Weg sucht. Beinahe harmlos sah er aus – aber wehe, wenn Regen fällt, dann kann er zum reißenden Strom werden, da auch unzählige Karstquellen plötzlich aus dem Boden brechen und ihre Wasser dem Fluss zuführen.

Der kleine Ort St. Chély, nur über eine schmale Brücke zu erreichen, hat schon bittere Erfahrungen mit dem Hochwasser gemacht. Hier verließen die Wanderer den Bus und machten sich auf den Weg nach La Malène,  immer am Fluß entlang. Es war warm geworden und der Weg doch etwas weiter als gedacht. An einer kleine Bucht traute man seinen Augen nicht: da kam doch tatsächlich jemand mit hochgekrempelten Hosen, eine große Schachtel balancierend, vom gegenüberliegenden Flußufer durch das Wasser gestapft – wer anders als Hatto! Seiner Überlegung nach waren die Wanderer noch einige Zeit unterwegs  und jetzt kurz vor dem Schlappmachen, deshalb belegte er in aller Eile Brötchen, packte sie in besagte Schachtel und überquerte kurzerhand den Fluss. Huch, jetzt rutscht er aus, hat er trockene Klamotten dabei? Aber alles ging gut und mit Hallo wurde er am Ufer begrüßt.

So überraschend gestärkt, freute man sich auf die Fahrt mit dem Stocherkahn, der bei Bedarf auch einen Motor einsetzen konnte. Entspannt zurückgelehnt, lauschte man den Erklärungen des Bootsführers – sofern man ihn verstand -, erfreute sich an der herrlichen Umgebung, beobachtete die flinken Fische oder hing den eigenen Gedanken nach. In Cirque des Baumes war die Fahrt zu Ende, auf dem Weg zum Bus entlang der Straße suchten alle an den überhängenden Felsen nach dem „Christuskopf“ und tatsächlich, aus einem bestimmten Blickwinkel ließ sich ein steingewordenes großes Gesicht entdecken.

Der nächste Halt war beim Aussichtsfelsen Pas de Souci, der sich aus dem Tarn erhebt und über eiserne Treppen zu erreichen ist. Der Phantasie konnte man hier freien Lauf lassen, wenn  man unter sich den rauschenden Tarn sah, der gigantische Felsbrocken umspült und wenn gegenüber von hoher Warte aus eine Teufelsfratze den steinernen Blick auf das Tal heftet. Der Legende nach vertrieb hier die heilige Enimie den Bösen, der sie verfolgte.

Über Le Rozier fuhr man zurück nach Meyrueis, wo es beim Abendessen eine kleine Sensation gab: Madame, immer kühl und zurückhaltend, bedankte sich mit Küsschen bei einem Helfer, der sich nach heruntergefallenem Besteck bückte. Der Beifall war beiden gewiss!

Der übliche Einkauf fürs Picknick verzögerte sich am Morgen etwas – von einem Fuß auf den andern tretend warteten die „Einkäufer“ auf die Öffnung des Lebensmittelmarktes, die laut Zeittafel  um acht Uhr sein sollte, aber erst kurz vor neun kramte eine Verkäuferin den Schlüssel aus der Tasche. Dieser Tag war „bus-frei“, also wurden mit vielen helfenden Händen rasch Brötchen belegt und verteilt, so dass die Versorgung unterwegs auf jeden Fall gesichert war.

Man wollte jetzt die Umgebung von Meyrueis bei einer Rundwanderung kennenlernen. Winklige Gassen und Trampelpfade – Achtung, auch hier waren Hunde unterwegs! – führten hinauf zur Marienkapelle. Nach kurzer  Verschnaufpause ging es wieder hinab ins Dorf. Jetzt war Kräftesammeln angesagt, denn nach den letzten Häusern zog sich der Weg scheinbar endlos in die Höhe. Das wohlverdiente Vesper wurde dann auf der Hochebene mit Blick in die Weite – oder Tiefe – verzehrt. Ganz Mutige erklommen die Felsen nahe am Abgrund, begleitet von warnenden Rufen. Ein paar Geier kreisten schwerelos über dem Tal, unberührt von dem Gerede über ihre Absichten. Zum Abmarsch bereit, stolperte man beinahe über einen bäuchlings auf dem Boden Liegenden, aber keine Aufregung, er hatte eine kaum sichtbare Mini-Orchidee entdeckt, die fotografiert werden musste.

Über das Plateau, das an die Schwäbische Alb erinnerte, wanderte die Gruppe dann auf steinigem Weg hinunter ins Tal. Ein zotteliger Esel auf eingezäunter Wiese stieß ein lautes  „I-aa“ aus, was der Fachmann für Obstbau als Aufforderung zur Fütterung verstand. Großzügig teilte er seinen Apfel mit dem Grautier, das den Weiterziehenden noch ein „I-aa“ nachsandte. Einige sehnten sich nun nach einer Tasse Kaffee, ein paar Nimmermüde drehten mit ihrem Begleiter Hatto noch eine weitere Runde um den Ort.

Die Brücke von Millau – alle waren gespannt auf das technische Meisterstück, das Weltgeschichte im Brückenbau schrieb. Der Bus wurde vollgepackt mit „Süßstückle“ jeder Art, das übliche Picknick würde dieses Mal ausfallen, denn in Millau war Markttag! Und da gab es ein überreiches Angebot an Leckereien. Doch zuerst besuchte man unterhalb der Brücke den Besucherpavillon, wo eine Bilderschau einen Einblick in Vorbereitungen, Schwierigkeiten, Bauzeiten und Fertigstellung gab.

Die Fahrt über die Brücke, die an gigantischen Pylonen aufgehängt ist,  war natürlich ein absolutes Muss. Von der Anhöhe bei der Brückenraststätte konnte das berühmte Bauwerk, das aus der Ferne beinahe filigran wirkt,  noch einmal betrachtet werden. Unterdessen wurde am Bus das „Kaffeehaus“ eröffnet, damit die Fahrt nach der Felsenstadt Le Vieux Montpellier nicht zu schläfrig machte. „Nehmen wir sie mit?“  - die Frage war schnell beantwortet und dankbar stiegen zwei verschwitzte Wanderer in den Bus, die beim Aussteigen einen leichten Mief hinterließen.

Die Wanderfreunde waren überwältigt von dem „Felsenchaos“ auf dem Causse Noir hoch über der Dourbie-Schlucht. Was konnte man in bizarren Felsen nicht alles erkennen – Bärenkopf, Kamel, Krokodil – der Phantasie waren keine Grenzen gesetzt. Der natürliche Felsbogen, das „Tor von Mykene“, war der ideale Ort für ein Gruppenfoto, von einer Aussichtsplattform war ein wunderbarer Rundumblick gegeben, und als sich die Fotografen losreißen konnten, spazierte man zurück zum Bus und ließ sich „heim“ chauffieren.

Der letzte Schön-Wetter-Tag war angebrochen. Bei der Fahrt nach Le Rozier zeigte sich das Jonte-Tal  in herbstlicher Pracht. Aus bunten Wäldern stiegen steile Felsen auf, in den kleinen Dörfern blühten Herbstblumen in Gärten und an Fenstern. Die Ansage von Hatto riss seine Mitfahrer aus dem Schwelgen: Genau da oben an der „Vase“, seht ihr sie? machen wir Mittagspause. Kopfschüttelnd fragte man sich, wo denn, da hinauf, man sieht ja gar keinen Weg?  In Le Rozier gab es eine kleine Verzögerung, denn eine kleine schwarze Katze saß auf der Straße. Wie war das? Bedeutete ihr Kommen von rechts nach links Glück oder von links nach rechts? Dem Kätzchen war es egal, es blieb einfach sitzen, ließ sich auch nicht durch Hupen stören, bis ein Katzenfreund ausstieg und es am Straßenrand absetzte.

Beim Aussteigen auf dem Parkplatz das Übliche: „Hast du die Stöcke, brauchst du noch was zum Trinken, gibt`s noch einen Apfel, wo ist deine Mütze?“ Schließlich waren alle soweit, dass sie dem Wanderführer folgen konnten, der wie gewohnt ein flottes Tempo anschlug. Es konnte nicht anders sein – es ging stetig bergauf. Bald umkreisten einzelne Geier die freistehenden Felsen, nur war langes nach oben Schauen riskant, der Weg verlangte die ganze Aufmerksamkeit. Über Stock und Stein, unter überhängenden Felsen, immer nahe am Abgrund überwand man die Höhe und stand   auf einmal vor einer der riesigen „Vasen“, gebildet von den Launen der Natur. Hier also sollte  in einsamer Höhe Rast gemacht werden. Aber von wegen einsam – du liebe Zeit, da schiebt sich ja ein Kopf über die Felswand und noch einer. Tatsächlich, drahtige Kletterer kamen katzenartig nach oben. Beide Seiten waren gleichermaßen erstaunt über die unverhoffte Begegnung.

Plötzlich war das Tal voller Geier, die sich vom Wind treiben ließen. Vor Jahren waren sie hier fast ausgestorben, sie wurden in Aufzuchtstationen wieder angesiedelt und sind nun eine der Attraktionen des Tales.

Dann packte auch den „Schatzsucher“ wieder das Cache-Fieber. Bei der „Vase“ sollte es ein Versteck geben und diesmal hatte er das „Aha“-Erlebnis. Während die anderen ihre Siebensachen zusammengepackten,  hatte er  sich schnell in das winzige Logbuch eingetragen und konnte nun unbeschwert weiterwandern. Nur wer wirklich ganz schwindelfrei sei, könne ihn auf einem besonderen Umweg begleiten, meinte Hatto Weber, die anderen sollten den gleichen Weg nach Le Rozier zurückgehen, der auch nicht zu verfehlen sei. Am Bus trafen denn auch alle unversehrt wieder ein und die Rückfahrt nach Meyrueis war noch einmal ein Genuß, denn die Felsen leuchteten beim Schein der Abendsonne in vielen Farben um die Wette mit dem Bunt der Wälder.

Ein trüber Tag ist zu verkraften, daher bot sich der Besuch der riesigen Tropfsteinhöhe Aven Armand auf dem Causse Méjean geradezu an. Als die Drahtseilbahn in die Höhle einfuhr, waren die Besucher von der Größe und Schönheit dieses Naturwunders überwältigt. Stalagmiten bis zu 30 Meter hoch, fantastische Gebilde, die Bäumen, Palmen oder überdimensionalen Tellerstapeln ähneln, Vorhänge aus fast durchsichtigem Gestein, man konnte sich nicht sattsehen an dieser Pracht. Noch bei der Fahrt nach St. Enimie drehte sich das lebhafte Gespräch um dieses Erlebnis.

In der Kleinstadt war gerade Flohmarkt, so hielt man die Vesperpause etwas außerhalb ab. Im Eiltempo konnte man den mittelalterlichen Stadtkern erkunden, was bei den  vorherigen Fahrten aus zeitlichen Gründen nicht möglich war. Ein leichter Nieselregen setzte ein, als die Reise nach Florac fortgesetzt wurde. Dort sollte die große Karstquelle besichtigt werden. Infolge der langen Trockenperiode floss aber nicht einmal ein kleines Rinnsal zwischen den Felsbrocken hindurch, daran änderte auch der kurze Regenguss nichts. 

Ein Bild für Götter bot sich den Betrachtern, als der Cache-Fan eine bemooste Mauer nach einem Schatz absuchte. Entgegen allen Regeln achtete er nicht auf die vielen Helfer, die sich eingefunden hatten und hilfreich jeden losen Stein aus der Mauer zogen. Wer keinen Platz mehr an der Mauer hatte, betrachtete erheitert die Kehrseiten seiner Mitwanderer oder gab gute Ratschläge. Es ist zu hoffen, dass die Mauer dem nächsten Regen standhält, da ihr so viele Hände eventuell den Halt raubten. Der Spaß war groß, wenn auch kein „Schatz“ zutage kam.

Gemeinsam unternahm ein Teil der Gruppe noch eine Wanderung durch den Wald rund um Florac, während andere eine Kaffeepause im Städtchen vorzogen.

In der Nacht und am Morgen goss es in Strömen, wandern war so einfach nicht möglich. Aber Hatto Weber wäre nicht er, wenn er nicht eine andere Möglichkeit für den Tagesablauf in petto hätte. Er startete zu einer Fahrt in die Cevennen, wo an einer  engen Klamm der zum Teil unterirdisch verlaufende Fluss Bonheur  als „Bramabiau“ wieder aus den Felsen tritt. Das Wort soll Ochsengebrüll bedeuten, denn wenn das Wasser bei der Schneeschmelze oder starkem Regen aus der Klamm schießt, ist das tosende Brausen durchaus mit einem Gebrüll vergleichbar. Leider wurde der Regen so heftig, dass an eine Begehung des unterirdischen Höhlenlabyrinths wegen Überschwemmung nicht zu denken war. Was also tun? Am besten aus der Not eine Tugend machen, das hieß in diesem Fall das mitgebrachte Vesper in der Imbißstube am Höhleneingang auszupacken. Die Wirtsleute brachten schnell die Heizung in Gang, boten auch kleine Mahlzeiten an, waren jedoch nicht auf den Durst der Albvereinler eingestellt, aber der kurzfristige Engpass beim Wein konnte bald behoben werden.  Ein plötzlicher Blitzeinschlag legte die Elektrizität lahm, doch nach kurzer Zeit lieferte die Kaffeemaschine  wieder das begehrte Getränk.

Endlich kam die Sonne wieder zum Vorschein, die nassen Sachen wurden verstaut, die Überreste vom Vesper durfte man freundlicherweise zurück lassen und fort ging`s auf regennassen Straßen, über das Plateau des Causse Noir zum Tarn. Der wieder einsetzende Regen war nicht so heftig, als dass man nicht die Wanderung hinauf zu den Höhlendörfern machen konnte. Was bewegte einst wohl die Menschen, sich in diese unwirtlichen Höhen zurück zu ziehen? Und wenn auch selten, so fanden sich immer wieder Spuren, dass auch heute noch die Behausungen nicht ganz verlassen sind.

Der letzte Abend im Hotel Mont Aigual war angebrochen. Man bedankte sich mit einem Geldgeschenk  bei den Bediensteten und gerührt lauschte Madame dem französischen Chanson, das ein geübter Sänger aus dem Verein vortrug. Der Bitte des polnisch-stämmigen Kellners kam man allerdings nicht nach: Er wünschte sich ein deutsches Lied, aber dass es ausgerechnet „Oh Tannenbaum“ war, hatte niemand  erwartet. Zum letzten Mal gingen die Kellner mit Schüsseln von Tisch zu Tisch, servierten Suppe, Vorspeise und Hauptgericht, Käse und Dessert wie an allen Abenden zuvor.

Au revoir hieß es am Morgen von allen Seiten, und wie immer bei einem Abschied blieb ein bisschen Wehmut zurück. Was hatte man in diesen Tagen nicht alles erlebt, aber noch war die Reise nicht zu Ende. Die Fahrt über die Panoramastraße der Cevennen  bei klarer Sicht war einfach nur schön. 

Markt – ein Zauberwort, das viele Herzen höher schlagen lässt. Ein solcher fand in St. Jean du Gard statt – es gab wie überall alles was man brauchen konnte oder auch nicht. Eines gibt es allerdings nicht mehr so häufig -  richtige Scherenschleifer, nicht als Schimpfwort gemeint, sondern wirklich solche, die das Schleifrad drehend ihre Dienste anbieten  und offensichtlich wurden diese rege in Anspruch genommen. Wer nach einem Mitbringsel suchte, fand bei der großen Auswahl bestimmt das Richtige – sei  es Käse oder Wurst, Seife oder Tücher, Knoblauch oder Kastanien- die Händler hielten das und noch viel mehr feil.

Alles wurde sorgfältig verstaut, nur ein dicker Knoblauchzopf baumelte an der Frontscheibe, sollte er vielleicht die durstigen Mitreisenden vertreiben, die sich während der Fahrt  an der „Bus-Bar“ Nachschub holen wollten?

Nachdem nun die Schluchten des Tarn und der Jonte teils erwandert, teils befahren worden waren, wartete noch eine weithin bekannte auf Entdeckung: die Ardèche-Schlucht. Man konnte sich nicht satt sehen an der herrlichen Landschaft, als man auf der Höhenstraße entlang fuhr. An den markantesten Punkten legte der Fahrer einen Stop ein, damit die Erinnerungen auch mit Kamera und Fotoapparat festgehalten werden konnten. Am letzten Haltepunkt  war ein großes Aufgebot an Polizei, Feuerwehr, Radio- und Fernsehsendern, die neugierige Nachfrage ergab, dass ein Höhlenforscher vermisst wurde. In der Heimatzeitung stand einige Tage später, dass er nur tot geborgen werden konnte.

Am tausendfach fotografierten Torbogen der Ardèche schmeckten heiße Würstchen, Käse- und Schinkenbrötchen, bevor man die wunderschöne  Gegend endgültig verließ. In Lyon, der Seidenstadt, wurde noch einmal übernachtet. Da die Rush-hour noch nicht vorbei war, musste Hatto Weber viel Geduld aufbringen, bis das Hotel erreicht war. Die Reisenden konnten  dagegen gelassen das pulsierende Leben während der Stadtrundfahrt beobachten. Beim Abendessen bedankte sich Gerhard Reisinger im Namen der Reisegruppe mit herzlichen Worten und einem Geschenk  bei Hatto Weber und seinen Helfern.

Bei der Heimfahrt ließ Hatto Weber die vergangenen Tage Revue passieren. Hierbei wurde er von einem Mitreisenden unterstützt, der während der Fahrt ein passendes Gedicht aus dem Ärmel zauberte.

So wird jedem sicher noch mehr einfallen, als hier im Bericht zu lesen ist;  was jedoch allen bleiben wird, ist die Erinnerung an eine herrliche, wilde Landschaft in bunten Farben, mit tiefen Schluchten und bizarren, hoch aufragenden Felsen, mit mittelalterlichen Dörfern und Kirchen und nicht zuletzt an eine gute Gemeinschaft während dieser Reise.

 

 

 

                               

                                         

                                                       

 

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