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Es wäre nicht sinnvoll, dauernd in Stadtbahnen oder S-Bahnen, auf
Rolltreppen oder in Aufzügen herumzufahren, um etwas zu erleben,
dachten sich dieses Mal insgesamt 171 Teilnehmerinnen und Teilnehmer
aus den beiden Nachbargauen Stuttgart und Esslingen. Ein Drittel
mehr als 2007 im Remstal bei Lorch und Waldhausen.
Aber das Anfahren zu den vier Ausgangspunkten ES-Wäldenbronn,
Baltmannsweiler, Haltepunkt Stetten-Beinstein und Endersbach hat
sich besten Wetterkonditionen für alle ausgezahlt. Mir scheint es,
als hätten manchen in den Jahren des Wanderns und des Herumfahrens
nebenbei zu wenig Heimatkunde betrieben oder vermittelt bekommen.
Doch meine drei Wanderführerkollegen und ich haben schnell gemerkt,
dass die Wanderfreunde aus dem Viereck zwischen Waldenbuch,
Gerlingen, Aichwald und Wernau starkes Interesse an der Umgebung des
westlichen Schurwaldes und unteren Remstals haben und die
Wirtschaftskrise nicht mehr alles überrollt.
Wenn einer meint, wir seien eine
Bananenrepublik, dann in Punkto Rucksackbefüllung und
Kuchenarragements. So Gelb wie die Muschel im Jakobswegzeichen oder
das T-Shirt meinerseits trugen wir immer wieder historische
Besonderheiten oder allgemeine zur Umgebung passende Besonderheiten
vor. Von der Banditenzeit der Bauernkriege bis zu dem neuen
Kreisverkehr im für alle gleichen Zielort Schanbach, den uns
Hildegard Belge, Vertrauensfrau von Aichwald, im vergangenen Jahr
schmackhaft machte. Grußworte vom Weinstädter Oberbürgermeister, die
Vorstellungen der biblischen Wunder eines mittelalterlichen
Pilgerwegs oder die Geldanlagen Barbarossas auf dem Kaisersträßle
sich ausdenkend: Kaum war ein kleiner Anstieg geschafft, schwimmen
die Gefühle in Richtung Durst.
Beim Herumhören fiel mir auf, dass sich die
Landschaft in jedem Kopf anders spiegelt, wenn sich über zwanzig
Ortsgruppen treffen, manche davon mit mehr als zehn
Teilnehmer(inne)n und die Wege nicht mehr allein ihnen gehören.
Manche freuen sich an den gesund aussehenden Trauben, die anderen an
der Ausstrahlung der Fachwerkkunst, andere sind erleichtert, wenn es
rasend schnell durch den Festpark auf einem Weingut hinab ins Tal
geht. Kaffee ?
Es ist Mittag, um mich herum raschelt Papier,
und ich kenne dieses Geräusch: Es ist der Soundtrack der Pause, die
nahe der Alten Kelter auf einem Wiesengrundstück mit Stämmen, Bank
und im Schatten einer Hütte sich abspielte. Vierzig Minuten wie im
Kamphus einer Universität.
In den Zeiten zwischen 12.30 Uhr und 14.10 Uhr
trafen die Gruppen auf dem Sommerfest des Liederkranzes Schanbachs
und dessen Wiesengrundstück am Ortsrand ein. Es gibt vielseitiges
Essen, dicke auch schlanke Kuchen, Wanderfreunde, die dicke Rote
essen, andere, die die letzten Teile aus dem Wanderbeutel zogen.
Besten Dank an Bernd Wiedmann, dem ersten
Vorsitzenden und seinem Team, das immer aufmerksam war. Da konnte
ich in meinem Herumgeherjob auch keinen eindeutigen Trend zu anderen
Festen dieser Art feststellen.
Ab Nachmittag 15.00 Uhr und am Abend fahren die
letzten Wanderfreunde mit dem Bus zum Bahnhof Esslingen, zum
Hauptbahnhof um dann wieder für sich mit der Stadtbahn nach Heslach,
Gerlingen oder Heumaden zu gelangen. Auf den Strecken blieb nichts
liegen:
Seh´ ich weg von dem Fleck, ist der Überzieher
weg.
Ich schätze, Kollege Gauwanderwart Müller vom
Stuttgarter Gau denkt schon ans kommende Jahr, wenn es am
Himmelfahrtstag zur sechsten Auflage des gemeinschaftlichen
Wandertags mit Zielort Echterdingen kommen wird ?
Wir Wanderführer meinen, ein Jahr ohne diese
nicht alltägliche Form des Wandererlebnisses nicht vorstellen zu
können. Müsste ich in Gummischuhen herumwandern, verlöre ich das
Gefühl für den Grund.
Raschelndes Papier, Bestätigungsurkunden für
die Ortsgruppen an der Teilnahme dieser Unternehmungen oder das
Drücken leerer Flaschen erzählen, wenn der Rucksack wieder zu Hause
platziert ist, dass die Tour erfolgreich verlief. Und die
Liederkranzhelfer haben sich zu erzählen, wer wann was ausgefressen
hat und wem wir die letzten Portionen überreichen. Damit sind die
Ortsgruppen des Schwäbischen Albvereins durch die Wahl des Zielortes
harmonisch mit dem Männergesangsverein bereits zum zweiten Mal, nach
2006, zum Abschluss des Gemeinschaftswandertages verschlungen
gewesen . „Sind wir von der Arbeit müde, ist noch Kraft zu einem
Liede.“
Das sollten Sie, solltet ihr wissen, wenn mal
wieder eine Wandertour auf den Schurwald ansteht.
Jürgen Gruß (Gaukulturwart)
Gruppe Wäldenbronn: 9 Personen
Gruppe Baltmannsweiler 69 Personen
Gruppe Endersbach 65 Personen
und
Gruppe Stetten 28 Personen = 171 Teilnehmerinnen
und Teilnehmer
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