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29. Oktober 2010
Am Samstag, 9. Oktober 2010 fand der bereits
27. Arbeitseinsatz am Schafbuckel / Randecker Maar der Ortsgruppen
im Schwäbischen Albverein e.V. Esslinger Gau statt. Die Dinge ändern
sich. Nach dem Großeinsatz mit 35 Naturschutzkolleginnen und –kollegen
sowie Mitarbeitern der Unteren Naturschutzbehörde zeichnen die
Ansichten der Natur wieder ein neues Bild vom Gebiet „Tannenäckerle“.
Fast schon so sauber wie bei Kehrwochen. Vorurteile über die
Langweilerlandschaft verschwinden. Während der meisten Zeit war
Nebel über dem Landstrich beim Einsatz, unsere Arbeitsklamotten und
manches Handtuch war dann feucht - da fiel mir diese schöne Satz
ein: "Wanderer der Welt, schaut auf diese Heide“. Und wer zur Zeit
vorwiegend Bahnhof versteht, hat nichts verstanden. Hier oben
erhalten wir, etwas abseits der Proteste, schon über ein Viertel
Jahrhundert unseren Naturraum.
Die Teilnehmer(innen) mancher Ortsgruppe waren
schon zum Sieben-Uhr-Treffen bei sich vorgedrungen, zählen zu den
unbeugsamen Frühaufstehern, die man sicher ab und zu bei Frühsport
erwischt. In den letzten Blättern des Schwäbischen Albvereins
erfährt man noch mehr über den naturverbundenen Einsatz an
verschiedenen Punkten im Vereinsgebiet meiner Kolleginnen und
Kollegen, über die Rebellen von den Wacholderheiden und unsere allzu
lange Geduld mit einer durch natürliche Rückholaktionen sonst
verlorenen Landschaft. Dass "unheidliche Chaoten" wie Eschen,
Rosengewächse nach Wacholderbüschen schlingen und die Pflanzen in
ihren Griff nehmen macht die schöne praktische Pflegearbeit wie
einen bürgerlichen Protest eben gerade nicht überflüssig.
Manchmal ist ein altes Notizbuch von Vorteil.
Ich finde Eintragungen, wie bei einem Einsatz in den Neunziger
Jahren mal nur zwölf Leute dabei waren. Vorwiegend "Rentner" ziehen
und zogen damals wie heute in den Kampf.
Minutenlang belichteten die Nebelschwaden noch
nach Ende unseres Einsatzes nach vier Stunden die Landschaft und mit
Staunen schauten wir von der Abschlussstation in Ochsenwang hinüber:
Ausgerechnet am "beschaulichen Randecker Maar" wieder Grau in Grau.
Kein Wort über die traditionell mit uns an anderer Stelle im Gebiet
schaffende Ortsgruppe Hedelfingen. Albvereinsdemokratische
Zurückhaltung. Doch dann um 14 Uhr: die sonnenbekrönte Lebendigkeit
am Randecker Maar erschien wortwörtlich. Herbst zeitlos. Hier, wo
Dutzende Wacholderbüsche von uns befreit waren und wie seit Jahren
auf potenziellem Albboden leben und erhalten bleiben. Wie ein
weggezogener Vorhang nach den Vorbereitungen der Bühnen eines
Opernhauses.
Solche Pflegeinsätze begeisterten oft die
Wanderer und das Publikum, sind aber auch Inszenierungen für die
Schäfer mit ihren Herden.
Mir ist wenig über das Milieu von den ersten
Einsätzen um 1983 unter Kollege Schmidbauer bekannt, aber wir sehen
die Landschaft, was für ein Abenteuer es vor einem
Vierteljahrhundert war, die Schafbuckellandschaft gegen alle
provinziellen Anordnungen nach entsprechenden Richtlinien zu
gestalten.
Stattdessen hier und da der misstrauische,
ungläubige Blick auf die Umweltsünden: Damit unsere Landschaft auch
sauber ist nahmen wir die Dosen und Papierle gleich mit. Dass hier
und da gesichtete „Schafbollen“ als Beweis für "ein klein wenig
Anarchie" zu sehen sind dienen uns als Zeichen der "Bestätigung für
die genutzte Landschaft", ansonsten wären es ja hier wie bei
sortierten Kleingärten oder auf stadtfernen Naherholungspfaden.
Jetzt, kurz vor Winterbeginn, nach diesem
Beweis schwäbischem, alternativem Teamgeist, versuchen wir hier und
da uns noch einmal einzubringen, ehe sich manch einer um andere
Projekte sorgt. Wir haben es verdient im wahrsten Sinn des Wortes,
Gewachsenes zu vermitteln, in den Vordergrund zu stellen: Die
wunderbare Hügellandschaft, das Wacholderle, die hochkarätige
Geoparklandschaft und die einmaligen Heiden.
Jürgen Gruß
Gaunaturschutzwart
Esslinger Gau
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