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Naturschutzarbeit 2011
Arbeitstagung aller Gaunaturschutzwarte in Stuttgart
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Arbeitstagung
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am 11.03.2012
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Naturdenkmals-
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am 14.08.2011
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Arbeitstagung
Gaunaturschutzwarte
am 9.4.2011
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schutzwarte 2010
Treffen der Naturschutz-
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Esslinger Gau

Arbeitstagung der Gaunaturschutzwarte 2011

 

12. April 2011

Zum Gaunaturschutzwartetreffen des Schwäbischen Albvereins 2011

Verlorene Natur

Liebe Natur- und Wanderfreunde,

am Samstag 9. April 2011 trafen sich wir 24 Naturschutzkolleginnen und –kollegen aus den Gauen des Schwäbischen Albvereins zur diesjährigen Fachtagung im Wanderheim „Rauher Stein“. Wenige Meter vom Steilrand des Oberen Donautals, unweit des Aussichtsfelsens Rauher Stein, bei Irndorf, Kreis Tuttlingen, gelegen. Das Thema Natura 2000 - Gebiete war das beherrschende Thema des Vormittags.

Wenn ich die Europäisierung unserer Naturschutzgebiete und Lebensräume so erlebe, wird mir einerseits schwindelig, andererseits finden sie dadurch mehr Beachtung: FFH-Gebiete wie das Obere Donautal, Vogelschutzgebiete wie im Albvorland im südlichen Kreis Esslingen und hoffentlich bald ein deutlicherer Schutz der Linienbiotope. Das bedeutet beobachten und Vorschläge machen. Natürlich fördere ich das nach Kräften. Für die Albvereinler der Globalisierung ist internationale Erfahrung mit der Natur und ihren Reservoiren schließlich das A und O. Aber sie ist mir befremdend.

Cornwall ist nicht die Filder. Meine früheste Globalisierungserfahrung war die Gemeindereform. Sie machte aus Kemnat, dem Ort meiner Kindheit, Ostfildern. Nahezu alle in Kemnat waren dagegen. Nichts verband die heutigen vier Orte, nicht einmal eine Buslinie oder gar der Naturschutz. Inzwischen ein Gewinn.

Seit 25 Jahren bin ich der Kartiergruppe Naturkundebuch für Ostfildern. In diesem Kreis habe ich vor zehn Jahren erstmals etwas von Natura 2000 und später von ihren Differenzierungen erfahren. Dort heißt die neue Globalisierung: Lebensraum Filder. Dieser Titel fühlt sich für die Menschen in Plochingen, Baltmannsweiler oder Neuffen kalt an, unförmig groß, anonym. Wer ortsnahe Feldschützarbeit oder Kontrollgänge leistet ist noch lange keiner, der einen Teil der neuen europäischen Richtlinien versteht oder kennt. Verlieren wir a) zum einen unsere Naturräume an Brüsseler Behörden b) verlieren wir Ansprech- und Solidaritätspartner in den Naturschutzbehörden der Nähe?

Traktorenbesitzer oder Autofahrer hielten deshalb gern an ihren alten Rostlauben fest, nur um das gewohnte NT im Kennzeichen behalten zu können. Diese Sehnsucht nach dem Heimat- und Lebensraumgefühl am Pkw ist bis heute ungestillt - auch in den untergegangenen LEO; VAI und EHI. Und diese Sehnsucht ist so stark, dass jetzt sogar die Landesverkehrsminister ihr nachgegeben haben und die alten Kennzeichen wieder freigeben wollen.

Warum man gegenüber drei Buchstaben im Autokennzeichen fremdeln oder mit ihnen kuscheln kann, ist sicher mancher / manchem unverständlich. Unsere bekannten Abkürzungen NSG, LSG oder ND werden überlagert von EU-Bezeichnungen wie FFH oder SAC.

Jetzt geht es verstärkt darum, wie wir auf der Tagung erfuhren, die in den Natura 2000-Gebieten vorkommenden Lebensräume und Arten dauerhaft zu schützen. Grundlage hierfür sind in Baden-Württemberg die Managementpläne (MaP), in denen die vorkommenden Lebensräume, Tier- und Pflanzenarten erhoben und Erhaltungs- und Entwicklungsziele und -maßnahmenvorschläge erarbeitet werden. Die Umsetzung auf der Fläche erfolgt insbesondere über Agrarumweltprogramme. Instrumente hierfür sind: Landschaftspflegerichtlinie (LPR), Marktentlastungs- und Kulturlandschaftsausgleich (MEKA) oder Artenschutzprogramme (ASP).

Mit dem Marktentlastungs- und Kulturlandschaftsausgleich (MEKA), der Ausgleichszulage für Landwirtschaft in benachteiligten Gebieten und Berggebieten (AZL) und der Landschaftspflegerichtlinie (LPR) werden z.B. Leistungen zur Pflege und Erhaltung der Kulturlandschaft honoriert, Ausgleichsleistungen für die Bewirtschaftung von„Grenzertragsstandorten“, also Flächen mit bescheidenem Ertrag, bezahlt oder Projekte des „Vertragsnaturschutzes“ unterstützt. Zu den „drei Klassikern“  kommen weitere Initiativen wie die Gründung von Landschaftserhaltungsverbänden, z.B. im Ostalbkreis, die PLENUM-Konzeption, Heckengäu, die Naturparkförderung oder verschiedene Modellprojekte zur Offenhaltung der Kulturlandschaft.

Am Nachmittag fuhren wir mit akuten Problemen auf. Was Bahnhofsbaustellen, Autobahntunneln oder Atommeilern nur zeitweise zugemutet wird, erleiden wir Naturschutzwarte permanent: Das moderne Leben ist ein dauerhafter Stresstest. Unsere Abwässer sind fast schon geleast, E 10 kostet wertvolle Nutzfläche und unser Verein sucht sich im Naturschutz ein moderneres, inhaltsbetonteres Erscheinungsbild. Würde es da nicht die schwäbische Seele streicheln, wenn die Brezel endlich Weltkulturerbe wäre, geadelt und geschützt vor der Flut von Pseudo-Ciabattas, Donuts und Muffins? Und es stärkt die Bedeutung der Rohstoffe auf unseren Feldern.

Und während er sein seine? Brezel verzehrt, schauen wir die Landesschau, die - der SWR hat es früh erkannt - ein erfreulicheres Weltbild vermittelt als die Tagesthemen. Deshalb kommen die wahren Helden aus Neuenweg im kleinen Wiesental, dem einzigen Ort des Landes, der 2010 Gold gewonnen hat bei "Unser Dorf hat Zukunft." Dabei ist Neuenweg gar kein Ort, sondern nur noch ein Ortsteil von Kleines Wiesental. Kein-Ort heißt altgriechisch Utopia. Die Natur darf für uns nicht nur wahre Utopie werden.

Nicht nur im kleinen Wiesental sind die Wiesen ein wertvolles Refugium. Von den„Wiesen“ hat jeder eine Vorstellung. Wenn wir aber erklären sollen , was eine Wiese ist, dann tun sich viele doch schwer. Bei den Wiesen handelt es sich im Gegensatz zu den meist kurzrasigen Weiden um von mehr oder weniger hochwüchsigen Süßgräsern und Kräutern beherrschte geschlossene Grasfluren der gemäßigten Klimazone auf mäßig trockenen bis feuchten (mäßig nassen) Standorten, die mindestens einmal im Jahr gemäht werden.

Entsprechende Kräuter-Gras-Fluren anderer Klimagebiete sind die Steppen (durch Winterkälte und Sommertrockenheit geprägtes Grasland), die Prärie (Grasland im Innern Nordamerikas), die Pampa (Grasland in Südamerika) und die Savanne (tropisches Grasland, teilweise mit eingesprengten, meist niederwüchsigen, locker stehenden Gehölzen).

Ein letztes. “Solar" bedeutet "Zur Sonne gehörend, von ihr ausgehend". Wir haben einige Freiflächen, die Nichtertragsflächen sind, wie zum Beispiel Autobahnböschungen oder Gleisbegleitflächen. Wir schlagen vor, diese in den Planungen von Standorten für Sonnenkollektoren stärker einzubinden.

 

Jürgen Gruß
Gaunaturschutzwart Esslinger Gau
 

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