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Esslinger Gau

Wanderführerfortbildung am 28. Juni 2008
 
An
die Freunde und Interessierten
des Esslinger Gaues

OSTFILDERN; den 3. Juli 2008

Längst ist sie zum beständigen Programmpunkt  geworden, die Wanderführerfortbildung im Esslinger Gau. Zu Recht, denn die Wanderfreundinnen und -freunde, die das wahrnehmen, geben manches tatsächlich auf ihren Unternehmungen weiter. Es geht seit Jahren darum, dass wir unsere Aufmerksamkeit auf das richten, was uns kulturhistorisch umgibt und dem es gelungen ist, hier und da seine Spuren hinterlassen hat.

Wie ich das mache ? Einmal im Jahr besteht die Möglichkeit in einem mehrstündigen Seminar sich über ein bestimmtes Thema, das ich mir in unzähligen Ratgebern zusammenstelle, fortzubilden, Hinweise auf Bezüge zu unseren Landschaftsraum zu bekommen oder die Sinne zu wecken. Hier und da habe ich auch versucht, das Gedankengut von früheren Wanderarten zu üben. Nicht nur schnell von einem Ziel zum nächsten und Kilometer passieren lassen.

Nach Eduard Mörike, 2004, war dieses Mal wieder ein lokaler Dichter an der Reihe: Ludwig Uhland. Man spürte es bei den Teilnehmer(inne)n, sie kannten einiges von ihm, aber sie erkannten ihn sonst nicht. Den Abgeordneten, den Briefe schreibenden Lenker, den Sportsmann. Irgendwann hatte ich das Gefühl, Uhland wäre heutzutage ein Albvereinsmitglied. Und wir bemerkten, dass er uns zahlreiche Landschaftseindrücke vermittelte. Nicht die unangenehmen Gefühle von Traurigkeit oder Ohnmacht über das, was nicht in Ordnung ist, darauf kann wohl jeder gern verzichten. Uhland beschreibt die Landschaft aus der Sicht des eigentlichen, der Schöpfung wie sie uns erfreut, der Hirtenknab an der Wurmlinger Kapelle, die einstige Ulmenkrone, die aus dem Jagdschlossrest in Hirsau stieß oder das vormals so hehre Hohenheimer Schloss in des Sängers Fluch. Seine Werke erreichten bis 1875 stattliche 60 Auflagen, das entsprach 200 000 Exemplaren. Zusammen mit Heinrich Heine gehörte er zu den populärsten Dichtern seiner Zeit.

Doch sein Energieverbrauch reichte auch zu maßgeblichen Beteiligungen am liberalen Freigeist des 19. Jahrhunderts: Landtage in Württemberg, Teil der Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche.

Nach drei Stunden hatten die Teilnehmer(innen) im Vereinsraum der Ortsgruppe Wernau am Neckar, wo das Seminar stattfand, auch ein Mittagessen zu bekommen. Und danach eine Möglichkeit gefunden, mit mir  sich aufs Positive Uhlands zu konzentrieren.

Seine Alternative war Emma ( Emilie geb. Vischer),  seine Frau, die viel aus seinem Fundus zusammenfasste und uns seine Wesenszüge vermittelt hat. Es ist sozusagen die Schriftführerin und Festwirtin zum Thema Ludwig Uhland. Wenn wir so wieder durch die Lande Wanderungen anbieten, darf es ruhig in das Repertoire des Wanderführers gehören, an geeigneter Stelle Mörike, Uhland oder andere wieder zu zitieren: Ich kann ihn nicht wirklich schützen, aber uns anvertrauen, aber ich muss mich nicht zwingen wegzuschauen.

Für 2009 ist dann wieder ein Wanderführerfortbildung vorgesehen. Die bisherigen Themen umfassten neben Literaten, die Baustile, die Waldenser und das Fachwerk.

Dank an das Team der Ortsgruppe Wernau für die diesjährige Unterstützung am Samstag, den 28. Juni.

Mit freundlichen Wandergrüßen / Wandergüssen

Jürgen Gruß
Fachwart für Heimatkunde und Brauchtum im Gau Esslingen

 

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