An
die Freunde und Interessierten
des Esslinger Gaues |
OSTFILDERN; den 3. Juli 2008 |
Längst ist sie zum beständigen Programmpunkt
geworden, die Wanderführerfortbildung im Esslinger Gau. Zu Recht,
denn die Wanderfreundinnen und -freunde, die das wahrnehmen, geben
manches tatsächlich auf ihren Unternehmungen weiter. Es geht seit
Jahren darum, dass wir unsere Aufmerksamkeit auf das richten, was
uns kulturhistorisch umgibt und dem es gelungen ist, hier und da
seine Spuren hinterlassen hat.
Wie ich das mache ? Einmal im Jahr besteht die
Möglichkeit in einem mehrstündigen Seminar sich über ein bestimmtes
Thema, das ich mir in unzähligen Ratgebern zusammenstelle,
fortzubilden, Hinweise auf Bezüge zu unseren Landschaftsraum zu
bekommen oder die Sinne zu wecken. Hier und da habe ich auch
versucht, das Gedankengut von früheren Wanderarten zu üben. Nicht
nur schnell von einem Ziel zum nächsten und Kilometer passieren
lassen.
Nach Eduard Mörike, 2004, war dieses Mal wieder
ein lokaler Dichter an der Reihe: Ludwig Uhland. Man spürte es bei
den Teilnehmer(inne)n, sie kannten einiges von ihm, aber sie
erkannten ihn sonst nicht. Den Abgeordneten, den Briefe schreibenden
Lenker, den Sportsmann. Irgendwann hatte ich das Gefühl, Uhland wäre
heutzutage ein Albvereinsmitglied. Und wir bemerkten, dass er uns
zahlreiche Landschaftseindrücke vermittelte. Nicht die unangenehmen
Gefühle von Traurigkeit oder Ohnmacht über das, was nicht in Ordnung
ist, darauf kann wohl jeder gern verzichten. Uhland beschreibt die
Landschaft aus der Sicht des eigentlichen, der Schöpfung wie sie uns
erfreut, der Hirtenknab an der Wurmlinger Kapelle, die einstige
Ulmenkrone, die aus dem Jagdschlossrest in Hirsau stieß oder das
vormals so hehre Hohenheimer Schloss in des Sängers Fluch. Seine
Werke erreichten bis 1875 stattliche 60 Auflagen, das entsprach 200
000 Exemplaren. Zusammen mit Heinrich Heine gehörte er zu den
populärsten Dichtern seiner Zeit.
Doch sein Energieverbrauch reichte auch zu
maßgeblichen Beteiligungen am liberalen Freigeist des 19.
Jahrhunderts: Landtage in Württemberg, Teil der Nationalversammlung
in der Frankfurter Paulskirche.
Nach drei Stunden hatten die Teilnehmer(innen)
im Vereinsraum der Ortsgruppe Wernau am Neckar, wo das Seminar
stattfand, auch ein Mittagessen zu bekommen. Und danach eine
Möglichkeit gefunden, mit mir sich aufs Positive Uhlands zu
konzentrieren.
Seine Alternative war Emma ( Emilie geb.
Vischer), seine Frau, die viel aus seinem Fundus zusammenfasste und
uns seine Wesenszüge vermittelt hat. Es ist sozusagen die
Schriftführerin und Festwirtin zum Thema Ludwig Uhland. Wenn wir so
wieder durch die Lande Wanderungen anbieten, darf es ruhig in das
Repertoire des Wanderführers gehören, an geeigneter Stelle Mörike,
Uhland oder andere wieder zu zitieren: Ich kann ihn nicht wirklich
schützen, aber uns anvertrauen, aber ich muss mich nicht zwingen
wegzuschauen.
Für 2009 ist dann wieder ein
Wanderführerfortbildung vorgesehen. Die bisherigen Themen umfassten
neben Literaten, die Baustile, die Waldenser und das Fachwerk.
Dank an das Team der Ortsgruppe Wernau für die
diesjährige Unterstützung am Samstag, den 28. Juni.
Mit freundlichen
Wandergrüßen / Wandergüssen
Jürgen Gruß
Fachwart für Heimatkunde und Brauchtum im Gau Esslingen
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