An
die Kulturwarte
des Esslinger Gaues |
OSTFILDERN; den 23.01.2008 |
Grüß Euch,
Wanderfreundinnen und Wanderfreunde in der Kultur- und Heimatarbeit,
werden Albvereinler
gefragt, was sie unter Heimat verstehen, geben sie ganz
unterschiedliche Antworten. Die einen nennen das Land, die anderen
die Stadt oder das Dorf, die Sprache auch und die Kultur. Menschen,
mit denen man zusammen lebt, die einen kennen und mögen, machen für
viele aus, was sie unter Heimat verstehen. Wie man das auch deuten
und erklären mag, keiner kann daran vorbei, dass er Heimat braucht.
Irgendwo und irgendwie muss er das Gefühl der Geborgenheit haben. Er
will sich auskennen und zurechtfinden. Wenn er das nicht hat, fühlt
er sich einsam, verlassen und fremd. Auf die Dauer ist es schwer,
ein Fremder zu sein. Das Schicksal der Vertriebenen bleibt eine
schwere Last, unter der unzählige Menschen gelitten haben und
weiterhin leiden.
Dass der Mensch ein
Recht auf Heimat hat, kommt wohl erst langsam ins allgemeine
Bewusstsein.
Ohne den Himmel verlieren wir die
Weite, die wir brauchen, um leben zu können. Wir tragen in uns das
Verlangen nach Unendlichkeit und Ewigkeit. Und in der Tiefe unserer
Seele wissen wir, dass uns dies die Erde nicht geben kann. Auf der
Erde haben wir keine letzte Heimat. Auch das gehört meiner Meinung
nach, einmal zum Thema "Klimawandel und Zerstörung".
Auf Dauer lässt sich das Verlangen des
Menschen nach Ewigkeit und Unendlichkeit nicht verdrängen. Zu
gründlich und tief sind sie in uns angelegt worden. Wer sie uns
nehmen will, amputiert die Menschen und macht sie zu einem Wesen,
das um seine innersten Möglichkeiten gebracht wird, oder ? Der
Albvereinler braucht den aufrechten Gang und den Himmel über seinem
Kopf, passt doch ? Interessenhalber und
ehrenamtseingebettet bin ich
ziemlich oft auf Reisen. Und manchmal ertappe ich mich dabei, dass
ich, kaum an einem Ort angekommen, schon an einen anderen denke. In
Ulm fällt mir in einer Recherchepause ein, wie schön es jetzt wäre,
im Südschwarzwald auf einem Rundweg am Titisee zu wandern. Die
Hektik des Stuttgarter Hauptbahnhofes weckt in mir die Sehnsucht
nach der Stille in den Wäldern am Kaltenbronn. Heimweh kenne ich
eigentlich nicht mehr. Aber das Fernweh meldet sich immer wieder.
Wo sind wir zu Hause ? Wo ist unsere
Heimat? Ist unsere Heimat da, wo mein Personalausweis ausgestellt
wurde? Oder wo meine nächsten Verwandten leben? Das alles ist
unwesentlich. Schließlich kann ich mich mit meinen Angehörigen
grundsätzlich überall treffen. Was also ist Heimat?
Für mich gilt:
Ich bin an vielen Orten zu Hause - und doch nirgends ganz. Heimat
ist da, wo ich gelernt habe, Menschen zu vertrauen, wo Menschen auf
mich warten, wo ich die Sprache gelernt habe. Heimat hat also für
mich etwas mit der Intensität von Beziehungen zu tun. Heimat
Albverein. Woher aber kommt dieses heimliche Fernweh, das sich immer wieder mal
einschleicht? Vielleicht hat der Schriftsteller Heinrich Böll den
Punkt getroffen. Er schreibt: "Ich kann mir keinen Menschen
vorstellen, der sich nicht - jedenfalls zeitweise, stundenweise,
tageweise oder auch nur augenblickeweise - klar darüber wird, dass
er nicht ganz auf diese Erde gehört."
Wohin wir auch immer reisen, wen immer wir
dabei treffen - irgendwann stellen wir fest, dass irgendetwas fehlt,
dass wir noch nicht angekommen sind. Vielleicht behaupten deshalb
manche: "Der Weg ist das Ziel." Welchen Spruch stellen wir über das
Tun. Nennt mir mal Eure Erfahrungen und Meinungen.
Viele verbinden mit
meinem Rundbrief eine sehr persönliche Sicht der Dinge. Und so ist
es auch mit dem Bericht / Jahresbericht über die Kulturarbeit
in Eurer Ortsgruppe. Wie im Naturschutz bräuchte ich für die
Einschätzung unserer Kulturarbeit im Vergleich zu anderen. Die
Kulturwarte wissen Bescheid, Vertrauensleute können sicher auch
Auskunft geben. Bitte bis 22. Februar an mich übermitteln, wie es
die Ortsgruppe Oberesslingen bereits tat. Besten Dank Siegfried.
Ich stelle es frei
mir einmal mitzuteilen, ob wir bis Ostern 2008 ein Kulturwartetreffen einberufen sollen
? Selbst Interessierte, die in der Vollkraft ihres
Albvereinswirkens sonst der Kultur und Brauchtumsarbeit keinen oder
nur einen geringen Platz einräumen, können damit einen Weg zum Thema
finden. Daher bitte bis 22.02. abstimmen.
Ob ich im November
2008 einen Ausflug für die Kulturwarte
mache, lasse ich erst einmal offen, da in der Vergangenheit keine
große Resonanz war und von einer anderen Entscheidung tangiert ist.
Die Zusammenfassung
meiner Tätigkeit im Heimat- und Brauchtumssektor soll ja bei der
Gauversammlung verkündet werden. Die Erklärung, den
möchte ich nicht dem Zufall überlassen, auch wenn dieser immer
genannt ist und damit gründlich überfordert ist Wer kann oder
möchte, da ich anderweitig im Einsatz bin, meinen Bericht am 20.
April 2008 in Wolfschlugen präsentieren / bekannt geben ? Auch zum
Naturschutz erhielt ich noch keine Zusage. Nie aber sind Heimat und
Brauchtum nur eine private Angelegenheit. Heimat ist nicht
der Talisman eigener Glücksbedürfnisse. Auch das Thema Kulturarbeit
gehört zu unserem Verein und wer diese in das private Kämmerlein
seines kleinen Lebens einschließen möchte, läuft in die Sackgasse
einer reinen Trostreligion.
Die zentralen Worte
dieses Briefes sind gefunden: Die Zeit ist erfüllt. Die eigene
Antwort solltet Ihr nicht aufschieben bis irgendwann. Der
Gaurundwanderweg ist dank der Mitarbeit in den Ortsgruppen
Plochingen, Altbach / Zell und Oberesslingen auch sehr gut
entwickelt. Die Projekte für die jeweiligen Ortsgruppen sind
angeleiert.
Bitte beachtet, wegen meiner
vielseitigen Einsätze oder eigenen Fitness halber bin ich seltenst
telefonisch erreichbar. Auch Fax- oder E- Mailanfragen werden stets
beantwortet.
Mit freundlichen
Wandergrüßen / Wandergüssen
Jürgen Gruß
Fachwart für Heimatkunde und Brauchtum im Gau Esslingen
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