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Am "Tag des Offenen Denkmals", dieses
Jahr am, lud ich als Gaukulturwart des
Esslingers Gaus im Schwäbischen Albverein e.V. und eigenständiger
Landeskundler wieder zu einem außergewöhnlichen Ausflug mit
öffentlichen Verkehrsmitteln - diesmal in den Kraichgau ein. Die
Gemeinde Flehingen (zu Oberderdingen) bot sich in viererlei Hinsicht
zur Führung an: Der Ortsteil Sickingen ist die Heimat eines
führenden Adelsgeschlecht des Mittelalters und bestärkte mit Franz
von Sickingen, dem offiziell „letzten Ritter Deutschlands“
eine überregional bekannte Persönlichkeit.
Die Magdalenenkirche präsentiert wertvolle Epitaphe dieses
Geschlechtes, dessen Wappen wir auch in Möhringen auf den Fildern
begegnen, den fünf weißen Kugeln auf schwarzem Feld, den
Schneeballen.
Der Ort zeigt eine Garten- und
Grünanlagenvielfalt wie kaum ein zweiter. Wie im Lichte
des Malers Spitzweg. Historisch betrachtet passt Flehingen mit der
Person Samuel Friedrich Sauter voll in Wirklichkeit des von der
Stiftung Denkmalschutz vorgegebenen Mottos "Romantik, Realismus,
Revolution - das 19. Jahrhundert". Sauter schrieb etwa 500 Gedichte,
Reime und Erzählungen, darunter auch Auftragspoesie. Die
bekanntesten sind Das Krämermichelslied, Das Lied vom
armen Dorfschulmeisterlein, Der Wachtelschlag und die
Täuschung. Seine biederen Gedichte in Kombination mit dem nach
Harmonie und Hingabe zugetanen Menschen der Kraichgaulandschaft
gaben der Zeit von 1815 (Wiener Kongress) bis
1848 (Beginn der bürgerlichen Revolution) von Flehingen ausgehend
ihren Namen „das Biedermeier“. Auch Joseph Victor von
Scheffel hat mit -Biedermanns Abendgemütlichkeit- und – Bummelmeiers
Klage- Sauters Stil parodiert. So prägte Sauter unfreiwillig den
Namen einer ganzen Stilrichtung.
Nächste Station war das um 1600 erbaute
Wasserschloss. Es wird an allen Ecken von mächtigen viereckigen
Türmen flankiert. Der einst offene Innenhof wird
heutevon einem Glasdach geschützt und die früheren Wassergräben sind nur
noch in Ansätzen erkennbar. Die Einrichtung diente mehr als 100
Jahre lang als Jugendheim, bevor 1985 nach der Renovierung eine
sozialpädagogische Fachschule darin untergebracht wurde.
778/779 wurde Flehingen erstmals urkundlich erwähnt. Zu jener Zeit hießen
die Orte aber nicht Flehingen und Sickingen, sondern Flancheim oder
Flanicheim beziehungsweise Sickincheim.
1158 begründete Berthold, der Älteste von Sickingen, die Linie derer von Flehingen.
Sickingen gehörte, wie auch Flehingen, zunächst den Strahlenbergs,
einem reichen Adelsgeschlecht bei Schriesheim an der
Bergstraße. 1368 baute Ludwig Wolff von Flehingen das Flehinger Schloss.
Was kleinere Städte
im Lande mit ihrem Beitrag zum Revolution von 1848/49 zu leisten
vermögen, zeigt das Stadtmuseum in Sinsheim,
das die Gruppe als nächstes besuchte.
Dass in Sinsheim eine so hochrangige Ausstellung gemacht wurde, hat natürlich seinen
besonderen Grund. Die Stadt an der Elsenz ist der Geburtsort von
Franz Sigel, und zehn Kilometer entfernt kam Friedrich Hecker in
Eichtersheim zur Welt. Sinsheim wurde zu einer
demokratischen Hochburg. Die Republikaner wurden angeführt von
Apotheker Karl Gustav Mayer. Wir waren interessiert an den vielen
Originalen, die zu sehen sind: Fahnen, Uniformen, Waffen, Helme,
Epauletten u. v. m., darunter einmalige Stücke wie das im Wasser
gefundene Gewehr, das ein Freischärler auf der Flucht weggeworfen
hat, oder der Revolutionshelm der badischen Infanterie. Die
Darstellung der Auswanderungswelle nach der gescheiterten Erhebung,
welche das ganze Elend des Verlassens der Heimat eindringlich
verdeutlicht, ist gravierend. Trotzdem war die Revolution nicht
umsonst, sie brachte eine, wenn auch undemokratische, neue
Verfassung und in allen Teilen Deutschlands die Bauernbefreiung. In
den Köpfen der Bürger wird die Revolution weiterhin existieren.
Gegen 20.00 Uhr waren
die Teilnehmer(innen) wieder in ihren angestammten Orten im
Württembergischen. Die Ortsgruppe Denkendorf vermerkt
diesen Aktionstag in ihrem Wanderplan. Der Tag des Denkmals stand
diesmal eindeutig auf der Seite der „offenen Denkmäler“: Orte und
Schauplätze, Rahmen, Gedichte, Bürgerlieder. Der Denkmalstag fand
dieses Jahr europaweit zum 19. Mal statt.
Jürgen Gruß
Gaukulturwart
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