Heimat und 
Brauchtum
Begrüßung
Kulturwarte
Mensch der Woche
Wochenblatt 16.4.09
(pdf, ca. 430 kByte)
 
Kultur- und Brauch-
tumsarbeit 2011
Tag des offenen Denk-mals - Im Kraichgau
FlüsseNamenSeminar
August 2011
Bericht zur Kulturarbeit
April 2011
Deutscher Wandertag
2010 in Freiburg
Landesfest 2010
Kulturbrief 2010
Augustbrief 2009
Landesfest 2009 in
Ellwangen
Abenteuer Region 2009
Tourismusmesse in
Fellbach
Bericht zur Kulturarbeit
April 2009
13. VVS-Rallye am
25.01.2009
Wanderführerfort-
bildung Juni 2008
Kulturbrief Jan. 2008
Jahresabschlußbrief 2007
Rundbrief zum Halb-
jahreswechsel 2007
HV 2007
Kulturarbeit zu
Beginn 2007
Kulturarbeit 2005/
1.Quartal 2006
Kulturwartetreffen
Februar 2005
 
 
 
 
 
zurück zur Übersicht
Esslinger Gau

Im Kraichgau zu Biedermeier und Fundamentalem
Tag des offenen Denkmals am 11.09.2011
 

Am "Tag des Offenen Denkmals", dieses Jahr am, lud ich als Gaukulturwart des Esslingers Gaus im Schwäbischen Albverein e.V. und eigenständiger Landeskundler wieder zu einem außergewöhnlichen Ausflug mit öffentlichen Verkehrsmitteln - diesmal in den Kraichgau ein. Die Gemeinde Flehingen (zu Oberderdingen) bot sich in viererlei Hinsicht zur Führung an: Der Ortsteil Sickingen ist die Heimat eines führenden Adelsgeschlecht des Mittelalters und bestärkte mit Franz von Sickingen, dem offiziell „letzten Ritter Deutschlands“ eine überregional bekannte Persönlichkeit.

Die Magdalenenkirche präsentiert wertvolle Epitaphe dieses Geschlechtes, dessen Wappen wir auch in Möhringen auf den Fildern begegnen, den fünf weißen Kugeln auf schwarzem Feld, den Schneeballen.

Der Ort zeigt eine Garten- und Grünanlagenvielfalt wie kaum ein zweiter. Wie im Lichte des Malers Spitzweg. Historisch betrachtet passt Flehingen mit der Person Samuel Friedrich Sauter voll in Wirklichkeit des von der Stiftung Denkmalschutz vorgegebenen Mottos "Romantik, Realismus, Revolution - das 19. Jahrhundert". Sauter schrieb etwa 500 Gedichte, Reime und Erzählungen, darunter auch Auftragspoesie. Die bekanntesten sind Das Krämermichelslied, Das Lied vom armen Dorfschulmeisterlein, Der Wachtelschlag und die Täuschung. Seine biederen Gedichte in Kombination mit dem nach Harmonie und Hingabe zugetanen Menschen der Kraichgaulandschaft gaben der Zeit von 1815 (Wiener Kongress) bis 1848 (Beginn der bürgerlichen Revolution) von Flehingen ausgehend ihren Namen „das Biedermeier“. Auch Joseph Victor von Scheffel hat mit -Biedermanns Abendgemütlichkeit- und – Bummelmeiers Klage- Sauters Stil parodiert. So prägte Sauter unfreiwillig den Namen einer ganzen Stilrichtung.

Nächste Station war das um 1600 erbaute Wasserschloss. Es wird an allen Ecken von mächtigen viereckigen Türmen flankiert. Der einst offene Innenhof wird heutevon einem Glasdach geschützt und die früheren Wassergräben sind nur noch in Ansätzen erkennbar. Die Einrichtung diente mehr als 100 Jahre lang als Jugendheim, bevor 1985 nach der Renovierung eine sozialpädagogische Fachschule darin untergebracht wurde. 778/779 wurde Flehingen erstmals urkundlich erwähnt. Zu jener Zeit hießen die Orte aber nicht Flehingen und Sickingen, sondern Flancheim oder Flanicheim beziehungsweise Sickincheim. 1158 begründete Berthold, der Älteste von Sickingen, die Linie derer von Flehingen. Sickingen gehörte, wie auch Flehingen, zunächst den Strahlenbergs, einem reichen Adelsgeschlecht bei Schriesheim an der Bergstraße. 1368 baute Ludwig Wolff von Flehingen das Flehinger Schloss.

Was kleinere Städte im Lande mit ihrem Beitrag zum Revolution von 1848/49 zu leisten vermögen, zeigt das Stadtmuseum in Sinsheim, das die Gruppe als nächstes besuchte.

Dass in Sinsheim eine so hochrangige Ausstellung gemacht wurde, hat natürlich seinen besonderen Grund. Die Stadt an der Elsenz ist der Geburtsort von Franz Sigel, und zehn Kilometer entfernt kam Friedrich Hecker in Eichtersheim zur Welt. Sinsheim wurde zu einer demokratischen Hochburg. Die Republikaner wurden angeführt von Apotheker Karl Gustav Mayer. Wir waren interessiert an den vielen Originalen, die zu sehen sind: Fahnen, Uniformen, Waffen, Helme, Epauletten u. v. m., darunter einmalige Stücke wie das im Wasser gefundene Gewehr, das ein Freischärler auf der Flucht weggeworfen hat, oder der Revolutionshelm der badischen Infanterie. Die Darstellung der Auswanderungswelle nach der gescheiterten Erhebung, welche das ganze Elend des Verlassens der Heimat eindringlich verdeutlicht, ist gravierend. Trotzdem war die Revolution nicht umsonst, sie brachte eine, wenn auch undemokratische, neue Verfassung und in allen Teilen Deutschlands die Bauernbefreiung. In den Köpfen der Bürger wird die Revolution weiterhin existieren.

Gegen 20.00 Uhr waren die Teilnehmer(innen) wieder in ihren angestammten Orten im Württembergischen. Die Ortsgruppe Denkendorf vermerkt diesen Aktionstag in ihrem Wanderplan. Der Tag des Denkmals stand diesmal eindeutig auf der Seite der „offenen Denkmäler“: Orte und Schauplätze, Rahmen, Gedichte, Bürgerlieder. Der Denkmalstag fand dieses Jahr europaweit zum 19. Mal statt.

Jürgen Gruß

Gaukulturwart

zurück


bottom
© 2012 Schwäbischer Albverein Stuttgart (Ust-IdNr.: 01/DE147849529)   Impressum