Donau Brenz Gau

gau

                           1. Seite      Wir stellen uns vor   Gauprogramm Wandertouren   Die Ortsgruppen   Unsere Kontaktdaten SAV Stgt.

                           Menschen auf dem Zigeunerweg
 
 
                 
                                                                             aus Brenztal - Brauchtum - Blasmusik
 

                                    

Ein uralter Weg führt von Gnannenweiler nach Norden mitten durch den Wald Richtung Bartholomä: Es ist der Zigeunerweg, mittlerweile von dichtem Gras überwachsen und für Unwissende kaum noch zu erkennen Geschichten erzählt er dennoch genug.

Von Walter Starzmann

 

Über viele Jahre hinweg hat der in Söhnstetten lebende Pfarrer im Ruhestand, Walter Starzmann, alte Kirchenbücher durchforstet und sich dabei auf die Spur des alten Zigeunerwegs gemacht. Dabei kam einiges an Material zusammen, denn der Zigeunerweg erzählt seine ganz eigenen Geschichten. Weniger ein Weg im eigentlichen Sinne, vielmehr eine unsichtbare Grenze ist diese Nord-Südverbindung, die schon seit der Keltenzeit besteht.

 

Verlassen liegt er heute da, der mit Gras überwachsene Weg im Wald nördlich von Steinheim-Gnannenweiler. Wer die Strecke gehen will, der muss sich durchkämpfen und findet dabei neben Wildschweinspuren Beispielsweise auch uralte Grenzsteine. Ebenso taucht der Bischofsstab des Klosters Königsbronn auf sowie das Wappen der Rechberger. Der Zigeunerweg ist uralt, er diente als Landesgrenze, als Rennsteig und als Konfessionsgrenze. Der genaue Lauf des Weges ist nicht immer exakt auszumachen, Walter Starzmann hat versucht, ihn anhand von alten Dokumenten zu rekonstruieren. Diese zeigen auch, dass bereits viele Menschen über den Zigeunerweg hetzten. So wurde beispielsweise schon 1605 das Zigeunerkind Hans Trinkle in der evangelischen Martinskirche vom Pfarrer Banzhaf getauft. Nachdem der kleine Hans aber schon nach wenigen Tagen starb und außerhalb des ummauerten Friedhofs in Söhnstetten beerdigt wurde, verschwand die Zigeunersippe wieder im Wald. Eine andere Geschichte erzählt von einer alleinerziehenden Mutter aus Söhnstetten, die um 1775 allein mit ihrer siebenjährigen Tochter floh, um der herzoglich-württembergischen Polizei zu entkommen. Jene hätte die Mutter, deren Kinder außerehelich geboren wurden, nämlich am liebsten im Zuchthaus gesehen.

Die Mutter fand nach ihrer Flucht Asyl bei Essingen, das damals als „Ausland" galt. Doch der Zigeunerweg erzählt auch schöne Geschichten. So trafen sich junge Menschen auf dem romantischen Waldweg. Verstecke gab es genug, die Paare konnten sich bei drohender Gefahr ganz schnell in die Büsche schlagen.

Auch Zigeuner und Landfahrer waren auf dem Zigeunerweg unterwegs. Eine Geschichte handelt von einer Gruppe Landfahrer, die plötzlich in der Abenddämmerung auftauchte. Sie lagerten am Waldrand. Der Polizist aus

Söhnstetten, der in der Sippe einen steckbrieflich gesuchten Zigeuner vermutete, hatte kein Glück. Die Zigeuner waren bereits im Morgengrauen wiederverschwunden, nur ein kleines, buntes Band lag noch am Lagerplatz an der kalten Feuerstelle.

Im April 1945 vernahmen die Söhnstetter Kettenrasseln auf dem geschotterten Fahrweg.

Langsam schoben sich damals die Kanonenrohre der amerikanischen Panzer aus dem Waldrand. Stunden später wurden die Söhnstetter von den Amerikanern überrascht, die ihre Strecke anhand des Zigeunerwegs gewählt hatten. Die Panzersperre der Söhnstetter im Westen, Richtung Böhmenkirch, war somit völlig umsonst.

Info: Wer mehr über den Zigeunerweg und seine Geschichten erfahren will, hat dazu Gelegenheit bei einem Spaziergang entlang der Strecke mit Walter Starzmann

wstarzmann@gmx.de .

 

Aus der Heidenheimer Zeitung Beilage (Brenztal – Brauchtum – Blasmusik vom 27.April 2011)

 

 

 

 
     
 
 

 

Sie sind der    Besucher

< = Zurück zur Startseite

© 2011 Schwäbischer Albverein Stuttgart (Ust-IdNr.: 01/DE147849529)   Impressum  
   Haftungsausschluss