Schwäbischer Albverein e.V.
Ortsgruppe Böblingen
 

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Schwäbischer  Albverein in
 Böblingen/ Baden-Württemberg

  Böblingen, 



Im Stuttgarter Süden über Höhen und durch Klingen -

von Degerloch zur Geroksruhe   

Wolkenverhangener, trüber Himmel und der Jahreszeit entsprechende Temperaturen begleiteten 30 Wanderfreunde und Gäste des Böblinger Albvereins bei einer Halbtageswanderung im Februar 2009 von Degerloch zur Geroksruhe.

Mit S-Bahn und Stadtbahn fuhr die Gruppe bis Haltestelle Weinsteige in Degerloch, dem Ausgangspunkt der Wanderung.



Als erster Aussichtspunkt wurde der Santiago-de-Chile-Platz angesteuert. Anlass zur Namensgebung des Platzes war der Besuch der Präsidentin der Republik Chile im Oktober 2006. Von diesem Aussichtspunkt auf dem "Haigst", bot sich den Wanderern ein guter Blick auf das Stadtgebiet Stuttgart.

"Der Grenzstein rechts bezeichnet nicht nur eine alte Markungsgrenze sondern zugleich eine wichtige Verwaltungsgrenze innerhalb Württembergs. Bei der Teilung der Grafschaft Württembergs 1492 in den Stuttgarter und Uracher Teil verlief hier die Grenze. Das Land wurde unterschieden in "ob der Staig" und "unter der Staig", das heißt in das Oberland und Unterland. Auch nach der Einführung der Reformation 1534 wurden die beiden Landesteile zunächst unabhängig voneinander kirchlich verwaltet." (Aus "Stuttgarter Grenzwanderungen" von Dieter Buck und Harald Schukraft).


Unter den Wanderern kam die Frage auf: Woher kommt der Name Degerloch? Stuttgart liegt doch im Loch und Degerloch auf der Höhe. Die Erklärung lieferten die Wanderführer mit einem Blick in die Geschichte: Degerloch wurde erstmals um 1100 mit dem Namen "Tegerloch" erwähnt. Der Name leitet sich aus dem mittelhochdeutschen Wort "Tegerlohe" ab und bedeutet "dichter Wald".



Der Wanderweg führte auf dem Königsträßle aufwärts, vorbei am Wasserturm Degerloch, zum Stuttgarter Sport- und Erholungsgebiet Waldau. Der Wasserturm wurde 1911/12 erbaut und versorgte 94 Jahre lang die Bevölkerung von Degerloch mit Wasser.

Das Königsträßle ist eine uralte Verbindung von der alten Weinsteige hinauf zu den Filderdörfern und vor allem zum Schloss Hohenheim. Der Weg wurde von den damaligen Königen und den Angehörigen des Hofes als Fahr- und Reitweg benutzt.

Die Waldau war ursprünglich ein mit Wald bedecktes Gebiet und hieß Armenkastenwald. Armenkasten war eine Einrichtung, in der Stiftungen zu Gunsten von Armen und Notleidenden zusammengefasst und verwaltet wurden.
Hier hatten auch die Flecken und Weiler Degerloch, Birkach und Sillenbuch das Recht ihr Holz zu schlagen und das Vieh darin zu weiden.
Ab 1868 wurde ein Teil des Armenkastenwaldes bis zum Königsträßle gerodet und ein Übungs- und Exerzierplatz für das Württembergische Militär angelegt. Nach 1903 wurde die militärische Nutzung aufgegeben und das Gelände Sportvereinen zur Verfügung gestellt.

 


Nach einer kurzen Rast ging es durch den Spital- und Silberwald zur aussichtsreichen Kernenblickstraße am Rande Sillenbuchs (Bilder sind bei der Vor­wanderung entstanden). Die Grabkapelle auf dem Württemberg und die Ausläufer des Schurwaldes waren an diesem Tage nur schemenhaft zu erkennen.

Im angrenzenden Waldgebiet war auf den schnee- und eisbedeckten Waldwegen höchste Konzentration erforderlich um einen Sturz zu vermeiden. Durch bemerkenswerte Klingen wanderte die Gruppe bis zum Talgrund des Tiefenbaches, der dort zu einem kleinen See gestaut ist.

 


Im weiteren Verlauf der Wanderung wurde Rohracker erreicht.

Durch die Weinberge "Burghalde" ging es steil bergauf, vorbei an typischen alten Weinbergmauern aus Stubensandstein, von denen aus idyllische Treppchen weiter in den Weinberg führen. Hier konnte noch ein Blick zum gegenüberliegenden Stadtteil Sillenbuch genossen werden.



Anschließend führte die Wanderung an der Frauenkkopfsiedlung vorbei zum Fernmeldeturm Frauenkopf und weiter abwärts zum Tagesziel, der Geroksruhe.



Ein Ausblick vom Aussichtspunkt Geroksruhe war leider nicht möglich, weil inzwischen dichter Nebel aufgezogen war (Bilder entstanden bei der Vor­wanderung). Dieser Aussichtspunkt war einst der Lieblingsplatz des Dichters und evangelischen Theologen Karl Gerok, der lange Jahre als Oberhofprediger an der Spitze der Stuttgarter Geistlichkeit stand.

Bevor sich die Wandersleute mit der S-Bahn auf den Heimweg machten, ließen sie die Wanderung in der Gaststätte "Paulaner" ausklingen.

 

Wanderführer: Herbert Fauser und Günter Göbl
Text: Gerti Göbl
Bilder: Herbert Fauser und Karl Feucht

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