Aussichtsturm Schwarzer Grat
Daten und Fakten
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Höhe über NN:
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1118 m |
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Turmhöhe:
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28,5 m |
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Turmart:
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Verschalter Holzturm auf
Betonsockel |
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Einweihung:
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1971 |
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Wanderinfos: |
Karte L 8326 Kempten (Allgäu).
Der Schwarze Grat liegt im Osten von Isny. Man erreicht
ihn u. a. von Bolsternang, Großholzleute, Isny, Rohrdorf,
Kreuzthal-Eisenbach, Wengen und Eschachweiher aus. |
Vorschläge für Wanderungen zum Schwarzen Grat finden Sie unter
der Rubrik
Wandertipps
Weitere Aussichtstürme des Schwäbischen Albvereins:
http://schwaebischer-albverein.de/tuerme/
Geschichte des Turmes
Um
die Mitte des 19. Jahrhunderts wurde auch das Allgäu dem
Fremdenverkehr geöffnet, herbeigeführt durch die Anlage
landverbindender Eisenbahnlinien. Sicher hat auch die neu
erwachte Liebe zu Land und Volk die Reise- und Wanderlust
begünstigt. Um dieser Entwicklung Rechnung zu tragen und den
Fremdenverkehr zu fördern, wurde am 16. April 1877 unter dem
Namen "Schwarzer Grat Verein" ein "Verschönerungsverein" ins
Leben gerufen. Das Ziel dieses Vereins lag offen: Erschließung
der Adelegg mit dem Schwarzen Grat, des Eistobels,
Verschönerung der Stadt Isny und ihrer Umgebung. Hauptanliegen
war der Ausbau von Wanderwegen und die Errichtung einer
Unterkunft auf dem Schwarzen Grat, die gleichzeitig als "Lug
ins Land", wie man damals die Aussichtstürme bezeichnete,
dienen sollte. Dank großzügiger Unterstützung des Herrn Grafen
von Quadt-Wykradt konnte dieser erste Pavillon, ein
turmartiges Gebäude mit drei Etagen, schon ein Jahr später
gebaut werden. Der Kostenaufwand betrug damals 700 Mark.
So brach am 5. September 1878 nachmittags Punkt ein Uhr eine
große Schar fröhlicher Wanderer vom Schillerplatz in Isny auf,
um auf die freien lichten Höhen des Schwarzen Grates zu wallen
und dem Schutzturm, Lusthaus oder wie man den Pavillon sonst
noch nannte, die lang ersehnte Weihe zu geben. Unterwegs
begegnete man einigen schon wieder absteigenden Leutkircher
Freunden, welche, um den Zug nicht zu versäumen, die
Einweihungsfeierlichkeiten nicht mehr abwarten konnten. Ihr
unerbittliches Schicksal wurde allgemein lebhaft bedauert.
Unterdessen erfreuten sich die oben Angekommenen an dem
prächtigen Blick in die Alpenwelt, in die oberschwäbische
Hochebene und auf den Bodensee. Für Unterhaltung sorgte die
Bolsternanger Musikkapelle. Stadtschultheiß Munz hielt eine
Ernst und Humor vereinigende Rede, in der er Zweck und
Geschichte der Errichtung dieses "Lug ins Land" auseinander
setzte. Der Kassier des Verschönerungsvereins bot Enzian und
Obstler zur Stärkung der Wanderfreunde an. Bald entwickelte
sich ein gemütliches Leben und Treiben.
Als der "Verschönerungs-Finanzminister" auf der Plattform des
Turmes auftauchte und jeder sich auf eine humorige Rede
freute, geschah Unerhörtes : kein freudiger Toast entströmte
seinen Lippen, sondern nur die inhaltsvolle Mitteilung, dass
der Herr Vetter auch Butter und Käse heraufgebracht habe, der
hiermit den verehrten Anwesenden bestens empfohlen werde. Ein
homerisches Gelächter belohnte diesen gelungenen Scherz des
wackeren Kassiers. Jedem erschien die Stunde des Aufbruchs
viel zu früh, und mit Liedern verabschiedete man sich von dem
hübschen Pavillon.
Im Jahr 1881 übergab der Verschönerungsverein den
Schwarzen-Grat-Pavillon der neu gegründeten "Sektion Schwarzer
Grat" des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, der mit
dem Pavillon auch die Obhut und Pflege der Adelegger
Wanderwege übernahm. Leider war der Holzbau dieses ersten
Turmes der rauen Witterung nicht gewachsen, und obwohl der
Untergrund des Turmbaus schon 1882 entwässert wurde, konnte
der fortschreitende Verfall nicht mehr aufgehalten werden. So
entschloss man sich bei der Hauptversammlung im Jahre 1902 zum
Bau eines neuen und höheren Turmes. Die Kosten für einen
Eisenbetonbau überstiegen aber bei weitem die vorhandenen
Mittel, und so beschloss man 1904 wieder einen Holzbau,
diesmal jedoch auf einem Zementsockel.
Oberamtsbaumeister Kluftinger aus Leutkirch fertigte den Plan
für das Bauwerk. Am 17. September 1905 fand die
Einweihungsfeier statt. Von allen Seiten kraxelten die
Bergfreunde, die Mitglieder des D.Ö. Alpenvereins, des
Allgäuverbandes des Schwäbischen Albvereins und viele sonstige
Touristen herauf auf die Höhe des Schwarzen Grates und
vereinigten sich um das mit Kranzgewinden gezierte und von
Flaggen in den Fürstlich Quadt´schen, Württembergischen,
Bayerischen und Österreichischen Farben umgebene Bauwerk. Mit
Kanonenschüssen und unter den Klängen der Isnyer Stadtkapelle
wurde der Turm eingeweiht. Ein klarer Sonnentag lag über dem
Berg, als Stadtschultheiß Fischer, Leutkirch, für den
erkrankten 1. Vorsitzenden unter den Glückwünschen der
befreundeten Verbände den Turm seiner Bestimmung übergab.
Postsekretär Mahle, Waldsee, überbrachte der Sektion Schwarzer
Grat Glückwünsche vom Allgäuverband des Schwäbischen
Albvereins. Herr Pfeilsticker, der Obmann der Ortsgruppe Isny
des Schwäbischen Albvereins, übergab als Andenken ein Panorama
vom Schwarzen Grat, damit jeder Besucher die einzelnen
Örtlichkeiten feststellen kann. Der Vorstand des Vereins zur
Hebung des Fremdenverkehrs in Isny, Aufsichtslehrer Röser,
beglückwünschte die Sektion zu ihrem stattlichen Aussichtsturm
und gedachte der Einweihungsfeier des vor 27 Jahren vom
Verschönerungsverein erstellten Pavillons.
Die vielen Wanderer, die es auf den höchsten Berg des
damaligen Königreiches Württemberg zog, konnten die
Rundumsicht nun wieder genießen, Lange Zeit gab es keine
Veränderungen mehr. Im Jahre 1928 erwarb der Schwäbische
Albverein den Pavillon von der Sektion Schwarzer Grat des
Deutsch-Österreichischen Alpenvereins. Der Allgäugau führte
seine Gauwanderung zum Schwarzen Grat durch. Bei dieser
Gelegenheit wurde der Turm am 5. August 1928 eingeweiht. Der
Pavillon wurde nach dem Krieg wieder instand gesetzt. Am 21.
Mai 1950 gab es aus diesem Anlass auf dem Schwarzen Grat ein
Wandertreffen des Allgäugaues. Der Schwäbische Albverein
bekundete anlässlich einer Sternwanderung zum Schwarzen Grat,
einen neuen Aussichtsturm zu bauen. Der 60 Jahre alte Pavillon
wurde in der Höhe von den Fichten eingeholt und bot kaum noch
eine Aussicht. Auch der Zahn der Zeit und die raue Witterung
hatten ihm arg zugesetzt. Doch zu dieser Zeit gab es scheinbar
unüberwindbare Gegensätze.
Die Schwäbische Zeitung berichtete darüber: "Nach der
Kundgebung am Sonntagnachmittag empfing Fürst Paul von Quadt
Direktor Fahrbach und Landrat Dr. Münch zu einer
zweieinhalbstündigen Besprechung über diese Fragen. Dabei kam
aber noch nicht allzu viel heraus. Der Fürst wendet sich
keineswegs gegen den Neubau eines Turmes auf dem Schwarzen
Grat, er will aber keinen Quadratmeter Boden an den Albverein
verkaufen oder in Erbpacht vergeben, wie es dieser
vorgeschlagen hat. Nach einem Beschluss des Hauptausschusses
darf nämlich der Albverein nur auf eigenem Grund und Boden
oder auf Gelände in Erbpacht eigene Bauten errichten. Der
Fürst meinte dazu, dann müsse eben der Albverein seine
Beschlüsse ändern. Andererseits war er aber sofort bereit, für
den neuen Turm, der mindestens 25 Meter hoch werden müsse,
damit er über die Tannenspitzen hinausragt, 15 Festmeter Holz
zu stiften. Dagegen fand die Bitte, das Bauholz südlich und
östlich vom Turm schlagen zu lassen, damit ein besserer
Ausblick auf das Hochgebirge frei werde, kein Gehör."
Doch das Schicksal ereilte den Pavillon, er brannte am 15.
September 1967 infolge eines Blitzschlages ab. Anfang des
Jahres 1969 wurden die Verhandlungen wieder aufgenommen. Sie
zogen sich bis April 1970 hin. Zwischen dem Fürstlichen Hause
Quadt und dem Albverein kam es zu einer Verständigung über den
Bau eines neuen Aussichtsturmes auf dem Schwarzen Grat. Am 19.
April 1970 fand im Nebenzimmer des Hotel Ochsen die erste
Sitzung über den "Wiederaufbau des Aussichtsturmes auf dem
Schwarzen Grat bei Großholzleute", so geschrieben im
Sitzungsprotokoll, statt. Die Teilnehmer waren : Direktor
Fahrbach, Gauobmann Lakner, Vertrauensmann Wangler,
Bürgermeister Benk, Gauobmann i.R. Hans Ott, Gauwegmeister
Dadischek, Lehrer Boneberger in Vertretung von Bürgermeister
Freff, Dr. Espenschied, Kreisbaumeister Wiech, Oberförster
Schaupp, Rechner Gruber, Bausachverständiger Wecker und
Architekt Kellner.
Auszüge aus dem Protokoll: Als erster Punkt ist der
Einweihungstermin "Himmelfahrt 1971" (20.Mai 1971)
festgeschrieben worden. Über die Zufahrt zur Baustelle konnte
noch keine endgültige Klarheit erzielt werden. Weiterhin wird
über die Firmen gesprochen, die den Turm erstellen sollen,
auch über die Person des Architekten, wofür Herr Kellner, Isny
vorgeschlagen sei. Dann wird über die Form des Turmes, ob
quadratischer oder sechseckiger Grundriss, diskutiert. Man
hält einen quadratischen Grundriss , schon aus Gründen der
vereinfachten Konstruktion für das Gegebene.
Bausachverständiger Wecker vom SAV ist der Ansicht, dass die
Holzverschalung durch einen anderen Baustoff ersetzt werden
solle, da erfahrungsgemäß die Westseite sehr in
Mitleidenschaft gezogen werde und eine Holzverschalung alle 3
bis 5 Jahre einen Anstrich erfordere, der wegen der Gerüste
recht kostspielig sei. Die Einwürfe von Kreisbaumeister Wiech,
dass ein Holzturm doch eine relativ kurze Lebensdauer habe,
werden vom Vorsitzenden zurückgewiesen mit der Begründung,
dass unsere Holztürme erfahrungsgemäß eine Lebensdauer von 80
bis 100 Jahren haben und dass angesichts der wesentlich
geringeren Baukosten dem Holzturm der Vorzug zu geben sei,
zudem passe ein solcher viel besser in diese Landschaft. Der
Vorsitzende Direktor Fahrbach führt weiter aus, dass Fürst
Paul von Quadt sich mündlich bereit erklärt habe, 15 Festmeter
Holz für den Turm zu stiften, was allgemein anerkannt wird.
Bürgermeister Benk erklärt sich bereit, in Zusammenarbeit mit
den Bürgermeistern der weiteren Umgebung eine Aktion ins Leben
zu rufen mit dem Ziel, das restliche Bauholz für den Turm als
Stiftung zu beschaffen. Architekt Kellner legt einige Entwürfe
vor, die jedoch nicht ganz befriedigen. Er empfiehlt eine
größere Auskragung auf der Höhe der Aussichtsplattform als bei
bekannten Türmen. Der Vorsitzende umreißt nun genau seine
Vorstellungen über den zu erstellenden Turm. Es wird
beschlossen, dass Herr Kellner neue Entwürfe fertigt, die am
Samstag, 9. Mai 1970 im Rathaussaal zu Isny dem Bauausschuss
zur Beratung vorgelegt werden sollen.
Die Verantwortlichen taten alles, um den Bau bald beginnen zu
können. Die baureifen Pläne lagen nun vor. Das Landratsamt
hatte seine Baugenehmigung ebenfalls erteilt. Nun begannen für
die Ortsgruppe Isny ab Juli 1970 die vorbereitenden Arbeiten
wie Holz fällen und Wegebau. Dazu wurden freiwillige Helfer
gesucht. Mitglieder und Freunde schafften fast das gesteckte
Ziel, trotz des manchmal widrigen Wetters. Vertrauensmann
Wangler konnte Anfang November 1970 über die geleisteten
freiwilligen Stunden, es waren 287 an 15 Tagen und rund 700 km
mit den Fahrzeugen, berichten. Bis Mitte November lagen
Zusagen für Holzspenden in Höhe von 105 Festmeter vor. Doch
der Winter kam verhältnismäßig früh. Die Arbeiten wurden
fortgesetzt und die Außenstützen hatten die endgültige Höhe
erreicht, die Arbeitshöhe lag bei 24 Meter. Bis zur geplanten
Höhe von 28 Meter fehlten Anfang Dezember nur noch 4 Meter.
Für die 10 Zimmerleute war es harte Arbeit. Das gesamte
Bauholz musste von Hand hochgezogen werden, auch die
Außenstützen mit einer Länge von 9 Meter und einem Querschnitt
von 30 auf 30 cm. Der Winter 1970/1971 meinte es mit den
Bauleuten am Turm nicht gut. Man befürchtete bereits, dass die
Einweihung verschoben werden müsste. Der Badertobel - Weg
musste für die Baufahrzeuge zu Beginn und Ende des Winters vom
Eis und Schnee befreit werden. Doch der unermüdliche Einsatz
der Mitglieder zusammen mit der Stadt ermöglichten den
baldigen Weiterbau im Jahre 1971. Das Bauwerk konnte
rechtzeitig fertig gestellt werden. Die Baukosten beliefen
sich auf 165.000 DM. An Spenden kamen rund 11.100 DM zusammen,
von den umliegenden Gemeinden Beuren, Eglofs, Großholzleute,
Isny und Rohrdorf, Firmen und Privatpersonen.
Am Himmelfahrtstag des Jahres 1971, dem 20.Mai, strömten etwa
5000 Wanderer auf den Schwarzen Grat, um bei der Einweihung
dabei zu sein. Diesen herrlichen Frühlingstag wird man nicht
so schnell vergessen. Architekt Kellner übergab Dr. Georg
Fahrbach symbolisch einen Riesenschlüssel. Im Jahre 1984
drohte dem Turm wieder Ungemach, jedoch nicht durch Wind und
Wetter, sondern vom Südwestfunk. Die Versorgung des
oberschwäbischen Raumes diente als Argument, auf der Adelegg
einen Sendemast zu errichten. Der Schwarze Grat und der
Herrenberg als mögliche Maststandorte liegen in dem seit 1952
eingetragenen Landschaftsschutzgebiet. Der SWF wollte dann mit
einem Provisorium auf dem Herrenberg, Ortschaft Rohrdorf,
beginnen. Doch der Ortschaftsrat entschied sich in einer
öffentlichen Sitzung einstimmig gegen den Bau. Das war wohl
ein guter Fingerzeig für die Entscheidung in der Stadt. Der
Isnyer Gemeinderat lehnte das Vorhaben des SWF nach
dreistündiger Beratung einstimmig ab. Der Bestand des Turmes
war damit gesichert.
Am Pfingstmontag, dem 27. Mai 1996 feierten etwa 300
Wanderfreunde das 25-jährige Turmjubiläum. Es herrschte leider
kein Jubiläumswetter, Windböen, starker Regen und tief
hängende Wolken ließen keine rechte Stimmung aufkommen.
Trotzdem kamen Gäste, der Präsident Peter Stoll,
Bürgermeisterstellvertreter Julius Hofer von Isny und
Albvereinsmitglieder aus dem ganzen Allgäugau zum Turm.