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Laudatio zur Verleihung der Sebastian Sailer-Medaille an Manfred
Rommel am 30.07.2005 auf der Burg Teck gehalten von Helmut Eberhard
Pfitzer:
Bevor wir zur 2. Verleihung der Sebastian Sailer Medaille kommen,
kurz einige Worte zu Sebastian Sailer.
Sebastian Sailer (1714-1777) war der erste Dichter, der die
Mundart seiner Heimat bewusst als Literatursprache einsetzte. Zunächst
Mönch in Obermarchtal, später als Pfarrer in Reutlingendorf und
Dieterskirch tätig, verfasste er zahlreiche Komödien in naturgetreuer
Mundart, die nicht an die neuhochdeutsche Sprache angeglichen wurden.
Vor allem seine schwäbische Schöpfungsgeschichte, der er den Titel gab: „Die Erschaffung des
Adam, dessen Aufnahme im Paradies, Schuld und Strafe" ist heute noch
bekannt.
Sowohl bei seinen Stücken und Singspielen als auch mit seinen
Predigten bewies er eine erstaunliche Nähe zum Volk, insbesondere auch bei
den manchmal eigenwilligen, dickschädligen Bauern war er sehr beliebt.
Der Kulturrat des Schwäbischen Albvereins ehrt mit der
Sebastian-Sailer Medaille Mundartautoren für Ihr Lebenswerk, die mit ihrem Wortwitz,
ihrer Ausdruckskraft und ihrer Darstellungsgabe die schwäbische
Mundart lebendig und geistig anspruchsvoll nutzen.
Nach dem Stuttgarter Literat und Mundartdichter Helmut Pfisterer
wird der Schwäbische Albverein heute Dr. h.c. Senator e.h. Manfred Rommel mit der im 3jährigen Turnus vergebenen Sebastian-Sailer-Medaille ehren.
Manfred Rommel, 1928 als Sohn des legendären
Generalfeldmarschalls in Stuttgart geboren, studierte nach dem Abitur Rechts- und
Staatswissenschaften und stieg in der Landesverwaltung sehr schnell auf.
Regierungsrat, persönlicher Referent des damaligen Innenministers Hans
Filbinger, 1971 Ministerialdirektor im Finanzministerium, später dort
Staatssekretär. 1974 wurde Manfred Rommel als Nachfolger von Arnulf Klett zum Oberbürgermeister der Stadt Stuttgart gewählt. Er wurde mit
überwältigender Mehrheit zwei Mal wieder gewählt und war als OB bis zu seinem
Ruhestand unermüdlich tätig. Schon bald gewann er die Herzen nicht nur der
Stuttgarter Bürger, weil er einerseits sehr geradlinig war und auch
unbequeme Wahrheiten aussprach, aber auch deshalb, weil er seinen schwäbischen Dialekt
bewusst einsetzte. Dazu kam, dass er seine Reden mit seinem
unvergleichlichen Humor würzte. Als langjähriger Vorsitzender des
Deutschen Städtetages wurde er bundesweit bekannt, auch in dieser
Funktion wo er übrigens überaus erfolgreich war, konnte man seinen
schwäbischen Dialekt heraushören, er hat ihn nie verborgen, wie so
manch andere, die dies meist vergeblich versuchen.
Sein Motto: „Lieber zwoi Mol gschämt, als oimol Geld ausgeba", dem
er auch als OB treu blieb, hat der Stadt Stuttgart sehr gut getan. In
dem vor Kurzem im Silberburg-Verlag erschienen Buch über Friedrich E.
Vogt „Nachlese" behauptet er im Vorwort, dass Vogt ein besser
geprägter Stuttgarter und Schwabe wie er selbst gewesen sei. Verehrter
Herr Rommel, das nehmen wir Ihnen ausnahmsweise nicht ab. Wer als OB
im Stuttgarter Rathaus halbe Butterbrezeln einführt, der muss ein in
der Wolle gefärbter Schwabe sein, der ist durch niemand mehr zu
übertreffen.
Seine Haltung, einen für richtig erkannten Weg einzuschlagen, auch
wenn dieser nicht sehr populär war, hat er getreu seiner Maxime „Das,
was ich an Selbstachtung besitze, beruht weithin darauf, dass ich nicht immer
mit den Wölfen geheult habe und nicht immer mit dem Strom geschwommen bin, sondern gelegentlich abgewichen bin vom bequemen Weg, weil ich sonst des Beifalls anderer, aber meiner eigenen Zustimmung nicht
mehr sicher gewesen wäre." Das hat er immer wieder bewiesen. Als er nach der schwierigen, aufgewühlten Zeit der RAF- Anschläge nach der
Selbsttötung der in Stuttgart-Stammheim inhaftierten RAF-Mitgliedern
entschied, dass diese trotz Protesten auf dem Stuttgarter Dornhaldenfriedhof
zu bestatten seien, hat ihn das, nicht nur in der eigenen Partei zunächst einige
Sympathien gekostet. Seine Begründung: „mit dem Tod hört alle Feindschaft auf"
trug ihm jedoch Respekt, weit über alle Parteigrenzen ein.
Seit seinem Ruhestand ist er unermüdlich als Autor tätig. Neben
seinen Memoiren „Trotz allem heiter!", die hervorragende Kritiken
bekamen, und dem hellsichtigen Buch „Abschied vom Schlaraffenland"
erschienen zahlreiche weitere Bücher. Mit seinen von Frank Planitz
herausgegebenen, im Verlag Hohenheim erschienen schwäbischen Sprüchen
und Aphorismen gehört er inzwischen zu den Bestsellerautoren. Ich
selbst pflege meine eigenen Mundartabende, speziell wenn es um Badener
und Schwaben geht mit einem Rommel-Zitat zu eröffnen: „Die Schwaben, insbesondere die Schtuegerter sind Alemannen. Sie
sind bloß nach ihrer Niederlage in der Frankenschlacht nicht so weit
fortgschprungen wie die anderen.
Bis heute schreibt Manfred Rommel regelmäßig Kommentare in der
Stuttgarter Zeitung. Für viele Leser ist er ein Leuchtturm in der
Wüste der Oberflächlichkeit. Seine Lesungen finden unglaublichen Zuspruch. Die Menschen mögen
Manfred Rommel. Sie spüren, da ist einer, der Lauterkeit zur Maxime
seines Lebens gemacht hat. Einer, der den Widrigkeiten des Lebens mit
Humor begegnet. Einer, der ganz im Geiste Sebastian Sailer’s nahe bei
den Menschen ist.
Der Kulturrat des Schwäbischen Albvereins, an seiner Spitze Manfred
Stingel, engagiert sich seit Jahren um die Erhaltung unserer schwäbischen
Idendität. Wir sind stolz darauf, lieber Herr Rommel, Sie in unserer Mitte zu
wissen.
Ich darf nun unseren Präsident Dr. Hans-Ulrich Rauchfuß bitten, die
Ehrung vorzunehmen.
Für den Kulturrat des Schwäbischen Albvereins,
Bereich Mundart
Helmut Eberhard Pfitzer
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