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Nachfolgend die Laudatio für den beliebten Mundartkünstler Helmut
Pfisterer, gehalten von Helmut Eberhard Pfitzer:
Geboren wurde er 1931 in Leonberg. Über die Muadrschproch, die ihm
seit jeher wichtig war, sagte er unter anderem vor vielen Jahren:
"Wenn da von Leonberg nach Eltinga kommsch / hosch , wenn da
hoimgohsch / Tascha voll/ mit laudr neie Wörter / grauziche drbei
".
Gymnasiast, Feinmechaniker, Ingenieur, er wird schließlich
Schulmeister und unterrichtet als Berufsschullehrer vier Jahre im Iran
und in Afghanistan. Von dieser Zeit erzählen die Geschichten in
seinem ersten Buch "Die Liebe des Muezzin".
1975 erscheint bei Holland und Josenhans "Bildreihen für die
Grundstufe Metall, Arbeitsbuch und Lehrerausgabe". Das Buch
erscheint 1982 bereits in 4. Auflage. In der Fremde entdeckt er die
Lust am heimatlichen Dialekt. Vermutlich auch aus Heimweh entstehen
erste Texte in schwäbischer Mundart. Dann folgen, wieder in der
Heimat, wo er bis zu seiner Pensionierung als begeisterter
Berufsschullehrer tätig ist, in rascher Folge zahlreiche Bücher,
Hörspiele und Stücke: "Weltsprache Schwäbisch",
"Komm, gang mr weg!" "Schwäbisch ? Varianten einer
Weltsprache", "Brauchvers". Diese Bücher kommen beim
Publikum glänzend an. Durch sein Rezitationstalent und seinen
fulminanten Vortrag wird er rasch ein vielgefragter und begehrter
Künstler, den man ständig bei allen möglichen Gelegenheiten erleben
kann, auf Kleinkunstbühnen bei Vernissagen, und, und...
Von herausragender Bedeutung ist sein großes persönliches Engagement
für die Belange der Schriftsteller in Baden-Württemberg. So war er
von 1985 ? 1991 Vorstandsmitglied im Stuttgarter Schriftstellerhaus
e.V., wobei er neben der Betreuung von Stipendiaten und Gästen immer
auch als Ansprechpartner für Kolleginnen und Kollegen fungierte.
Von 1988 bis 1991 war er Vorsitzender des Verbandes Deutscher
Schriftsteller in Baden- Württemberg, dem er heute noch angehört.
Neben den vielfältigen Aufgaben, die dieses Amt mit sich bringt, ist
es seiner Idee und seiner Initiative zu verdanken, dass die S-Bahnen
des Verkehrsverbundes Stuttgart mit Gedichten von Schriftstellerinnen
und Schriftstellern aus Baden-Württemberg geschmückt waren.
1991 erhielt er den Schubart-Preis der Stadt Aalen. 1995 wurde ihm in
Würdigung seiner Verdienste um das Gemeinwohl das Verdienstkreuz am
Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen.
Trotz aller Erfolge bleibt er ein bescheidener, liebenswerter Mensch,
der für seine Mitmenschen stets ein freundliches Wort hat und viele
junge Künstler aufmunternd unterstützt hat. Besonders beeindruckt
seine Lauterkeit, seine Geradlinigkeit. Liebedienerei ist ihm fremd,
Charakterstärke selbstverständlich.
Als Genussmensch dem prallen Leben nie abgeneigt, man lese nur seine
Liebesgedichte, hat er bei allem Fleiß stets verstanden, dem Dasein
auch die schönen Seiten abzuringen.
Die Stuttgarter Zeitung hat ihn vor vielen Jahren als legitimen
Nachfolger von Thaddäus Troll bezeichnet. Aus diesem Schatten ist der
Literat unter den Mundartdichtern lange herausgetreten. Keiner hat wie
er die schwäbische Dialektik auf den Punkt gebracht:
"Ha sag amol, schwätz doch net raus! Komm, gang mr weg! Voll
leer essa sollsch! Schrei Du ruhig! Mach Du ruhig Dein Saukrach!
S?isch jetzt sowieso afanga Zeit, dass da Schluß machsch, siehsch
wie?s schtenkt! Des Allbachene isch obacha bacha, do hendr?s aber
oheimlich heimelich, do hend?rs aber elend guat! Des isch au ganz
schee wiascht! Do ben e scho mal zwoimol reigfloga! Do isch
überhautpt uff dr ganza Linie alles onder em Schtrich! Du i be heit
ganz halblebig!"
Keiner hat so böse schmunzelnd doppelbödig, blitzgescheite Texte
und Gedichte verfasst, bei denen man beim Hören und Lesen immer
wieder etwas entdeckt, einen neuen Blickwinkel, eine andere
Schichtung.
Als der Schwäbische Albverein 1998 das 150jährige Jubiläum von
1848 mit der Nachwanderung des Zwetschgenfeldzuges beging, hat er auf
dem Marktplatz in Balingen eine begeisternde, Gottlob Rau
nachempfundene Rede gehalten. In den letzten beiden Jahren hat er die
inzwischen auf die stattliche Zahl von 10 Mundartbühnen angewachsenen
Bemühungen des Schwäbischen Albvereins unterstützt, schwäbischen
Nachwuchskünstlern ein Sprungbrett zu bieten. Oft hat er, wenn es
finanziell eng war, auf seine Gage ganz oder teilweise verzichtet und
so geholfen neue Mundartbühnen nachhaltig zu etablieren. Auch hier
wieder selbstloser Idealist.
Der Schwäbische Albverein verleiht auf der Burg Teck am 6.7.2002
durch seinen Vorsitzenden des Kulturrates Manfred Stingel erstmals die
Sebastian-Sailer-Medaille für sein Lebenswerk dem
Schriftsteller- und Mundartautor Helmut
Pfisterer
Für den Kulturrat des Schwäbischen Albvereins,
Bereich Mundart
Helmut Eberhard Pfitzer
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