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Geboren wurde Egon Rieble am 20. Mai 1925 in Rottweil.
Er kommt aus traditionsreicher Göllsdorfer Familie (seit 1316).
Das diminutive Suffix am Familiennamen ist fast schon eine
Wegweisung zur mundartlichen Poesie.
Im 2. Weltkrieg war der noch nicht 20-jährige Egon Rieble Jagdflieger
(Ju 87, Focke-Wulff, Me 109), was seine Art zu sehen und Bewegung zu
erleben, aber auch sein Verhältnis zur Technik nachhaltig
beeinflusst hat. Von seinem Einsatzgebiet her har er damals zu Ober-
und Niederösterreich starke Beziehungen entwickelt. Ich denke, der
Begriff "Weltoffenheit" trifft aber nicht nur von daher bis heute
auf Rieble zu.
Sein Abitur machte Egon Rieble nach dem Krieg am AMG in Rottweil.
Es folgte das Studium der Germanistik, der Kunstgeschichte und der
Philosophie an der Uni Tübingen.
Egon Rieble veröffentlichte in dieser Zeit seine ersten
literarischen Arbeiten.
Rieble wurde tätig als Lehrer, später als Kulturreferent des
Landkreises Rottweil.
Egon Rieble wirkte auch in der Kommunalpolitik (Ortschaftsrat,
Gemeinderat).
Rieble ist Träger der Verdienstmedaille des Verdienstordens der
Bundesrepublik Deutschland. Bis heute zeichnet er sich aus durch ein
umfangreiches, unermüdliches, kaum glaubliches kunst- und
literaturpädagogisches Wirken.
Egon Rieble schreibt nicht nur Mudart.
Seit 1963 kunstgeschichtliche Sachbücher (Kunst im Kreis 3 Hefte
1968 ff., Sehen und Entdecken 1980, Wilhelm Kimmich 1982).
Seit 1968 hochsprachliche Lyrik (Im Fadenkreuz der Sinne)
Kunst- und Literaturbeiträge in Zeitschriften, Rundfunk und
Fernsehen
Gedichte, Anthologien und Lesebücher
Einführungen in Kunstausstellungen, Kataloge und Texte
Egon Rieble schreibt aber auch Mundart.
Er weiß, von welchen Gegenständen und Themen er in Mundart
schreibt.
Er weiß, wie er in Mundart zu schreiben hat.
Der Schwerpunkt des mundartlichen Schaffens liegt für Egon Rieble
bei der mundartlichen Lyrik.
Egon Rieble schreibt in der Mundart von Göllsdorf, seinen Heimatort
vor den Toren Rottweils. Er schreibt mit auffallender Präzision,
außergewöhnlicher sprachlicher Konzentration und großer
Anschaulichkeit, plastisch und farbig. Der Literat Rieble ist für
seine Zuhörer bzw. Leser sozusagen das personifizierte Brennglas vor
seinem Objekt. Er verdichtet Assoziationen und löst dabei wieder
neue aus. Das gelingt ihm dank außergewöhnlicher thematischer und
sprachlicher Originalität. Für ihn gilt: Man kann nur sehen - und
anderen zeigen -, was man mit dem Herzen erkennt. Und Egon Rieble
will zeigen, andere sehen lassen. Mundart - und gerade Mundart -
verwendet Egon Rieble somit auch sozial, sie macht ihn andererseits
umgekehrt zum kündenden Künstler.
Solche Festlegungen gelten - nicht nur - aber vor allem für die
Bände:
1978 Em Jesusle isch langweilig
1980 Dr oane geit's dr Herr im Schlof
2003 Guk au dr Gabriel
Damit sind Affinität thematischer Art und von der literarischen
Intention her zu Sebastian Sailer gegeben. Egon Rieble schreibt über
"die Heiligen" und für seine Mitmenschen - ganz wie Sebastian
Sailer.
Affinität besteht aber auch zur humorvollen, wohlwollend
schmunzelnden, lebenserfahrenen, leicht ironischen, kaum einmal
sarkastischen Sichtweise Sailers. Betonen möchte ich noch einmal
Riebles hohes sprachliches Assoziationsvermögen.
Riebles Intention ist von großer Unmittelbarkeit. Er schreibt nicht
von den großen, allseits bekannten, aber auch fernen Kunstwerken. Er
zeigt auf den Bildstock oder das Wegkreuz im Nachbardorf, auf die
Pieta in der Kapelle oder die Besonderheit im Kirchenfenster. So
wird scheinbar Selbstverständliches verständlich, Übersehenes erst
gegenwärtig. Dazu braucht es kein Studium, obwohl Daten, Fakten oder
Maße bei Egon Rieble durchaus präsent sind. Die Mundart wird statt
dessen fast zur naturwissenschaftlichen Messeinheit, zum
ästhetischen Maßstab.
Egon Rieble bewegt sich nicht stur oder gar imitierend in den
literarischen Fußstapfen Sebastian Sailers, aber er begleitet sie
250 Jahre später gelegentlich in ähnlicher Richtung. Egon Rieble
schreibt darüber hinaus höchst originell Mundart von hoher Qualität.
Er teilt in der Mundart Substanzielles mit - mit großer Originalität
und aus einem sehr persönlichen, unverwechselbaren Blickwinkel.
Darum ging es auch Sebastian Sailer - und dem Schwäbischen Albverein
bei er Verleihung der Sebastian-Sailer-Medialle.
Dr. Winfried Hecht
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