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Bettina Grieser Johns, Kampala / Uganda
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Bettina Grieser Johns quasi innerhalb der
Wurzeln eines Riesenfeigenbaumes in Ngogo, wo sie vor Jahren noch
als Studentin die Daten für ihre Doktorarbeit gesammelt hatte und
mit dem sie jetzt bei ihrem neuerlichen Aufenthalt in Uganda ein
Wiedersehen feierte. |
Viel herumgekommen ist unser Auslandsmitglied
Bettina Grieser Johns, die 1962 zwar in Schwäbisch Hall geboren
worden ist, ihre Kindheit und Jugend aber in Esslingen verbracht
hat. „Meine Mitgliedschaft im Schwäbischen Albverein“, so schreibt
sie uns, „habe ich meinem Vater zu verdanken. Er stammt aus
Schwäbisch Gmünd und ist als Jüngster von neun Geschwistern
praktisch auf der Alb aufgewachsen. Er wurde nach dem 2. Weltkrieg
Mitglied im Albverein. Meine Mutter war eine Heimatvertriebene aus
der Tschechei“. Die Familie wanderte viel, vor allem um Schwäbisch
Gmünd herum, das Kalte Feld – Lieblingsort des Vaters – der
Hornberg, der Bernhardus und Reiterles Kapelle sind Bettina Grieser
Johns noch heute ein Begriff. Als Kind sammelte sie Versteinerungen
auf dem Bernhardus, verbrachte Tage und Nächte in der Hütte eines
Onkels in der Nähe des Knörzerhauses. „So lernte ich die Alb lieben,
eine Liebe, die mir bis heute erhalten bleibt“.
Bettina Grieser besuchte die Grundschule in
Esslingen-Wäldenbronn, danach das Georgii-Gymnasium. Schon als ganz
junger Mensch zog Afrika sie magisch an, sie wollte Zoologin werden
und ging nach dem Abitur nach Tübingen, um Biologie zu studieren.
Durch ein Austauschprogramm durfte Bettina an die Duke University in
North Carolina (USA), und der einjährige Studienaufenthalt prägte
ihr weiteres Leben, denn dort gibt es das weltgrößte
Halbaffen-Zuchtzentrum außerhalb Madagaskars. „Zu meinem Entzücken
fragte mich die Professorin, ob ich im Sommer 1987 als Mitglied
ihres Forschungsteams nach Madagaskar gehen wollte – in den
Regenwald! Ich sagte natürlich ja und verbrachte dort sieben
Wochen.“
Da Bettina fortan wieder in Tübingen studierte,
um ihr Diplom zu erwerben, kam sie an den Wochenenden oft heim und
ging - wie vor ihrem Aufenthalt in den USA - wieder mit den
Wanderungen der Esslinger SAV-Ortsgruppe mit. Herr Fahrion war einer
der Wanderführer, ein anderer Herr Kühn. „Ich war mit Abstand die
Jüngste – die anderen Teilnehmer ‚adoptierten’ mich mehr oder
weniger als Enkelin, wir hatten großen Spaß zusammen, abends spielte
ich mit zwei der Senioren Skat, sie waren froh, endlich einen
‚dritten Mann’ gefunden zu haben“.
Da Bettina ihre Doktorarbeit im Ausland machen
wollte, bewarb sie sich um ein Auslandsstipendium beim DAAD und
bekam einen Platz an der Uni London, wo sie unter ihrem Doktorvater
Robin Dunbar Primatololgie studierte. Ihre Feldforschung führte sie
dann endlich ins „richtige“ Afrika, und zwar zu einem Nationalpark
an der östlichen Grenze Zaires. Leider brachen nach nur drei Wochen
Arbeit an den Goprillas im Kahuzi-Biega-Nationalpark im Sommer 1991
Unruhen aus, und Bettina sowie Kollegen wurden nach Ruanda
evakuiert. Um nicht untätig herumzusitzen, machte sie mit einem
Entwicklungshelfer zusammen mit öffentlichen Verkehrsmitteln eine
zehntägige Rundreise um den Victoria-See durch vier verschiedene
Länder: Ruanda, Tansania, Kenia, Uganda und durch ein immer noch
aufgewühltes Zaire wieder zurück nach Ruanda. Da Zaire immer noch
unsicher war, ging es noch einmal los: vier Wochen durch Tansania,
u.a. in die Serengeti und den Ngorongoro-Krater – der Lebenstraum
von Bettina wurde wahr! Wieder zurück in Ruanda riet ihr der
Doktorvater, zu einer Primatenkonferenz nach Kampala/Uganda zu
fliegen, um sich nach anderen Möglichkeiten umzuschauen. Es war
nicht abzusehen, wie sich die Situation in Zaire weiterentwickeln
würde. In Kampala stellte sie sich Andrew Johns vor, dem englischen
Co-Direktor der Feldstation der Makerere-Universität in Kibale,
damals noch ein Forstreservat im Westen Ugandas. Dort konnte sie
statt an Gorillas an Schimpansen arbeiten.
Wie das Leben so spielt, fand Bettina in Andrew
Johns ihren späteren Mann. Sie verbrachte mit ihm 18 Monate in
Kibale, während sie Daten für ihre Doktorarbeit sammelte. 1993
gingen beide nach England, um zu heiraten und rasch zwei Buben (1994
und 1995) zu bekommen. Und in Cambridge vollendete die umtriebige
Bettina ihre Doktorarbeit. Ihr Mann, schrieb in der Zeit ein Buch
über den Einfluss, den Holzeinschlag auf Tierpopulationen hat. 1996
schloss er sich einer Consultingfirma an, die die Familie 1997 nach
Vietnam schickte. Dort arbeitete Andrew als Naturschutzexperte in
einem von der EU finanzierten 20-Millionen-Projekt, in dem es um das
Pu Mat-Reservat an der Grenze zu Laos ging. Die Familie lebte zwei
Jahre in Vinh, einer 200 000-Einwohner-Stadt mit insgesamt um die 15
(!) Ausländer. „In der Menge unterzutauchen war nicht möglich, ich
bin 1,95 m groß. Wo immer ich lief, hieß es ‚Cao, cao qua“ (groß,
sehr groß), und sie stellten sich neben mich, um sich zu messen,
hüpften neben mir auf und ab und wollten ein Foto machen. Mein
damals zweijähriger Sohn Alex ist blond, die Leute fassten ihn an,
um herauszufinden, ob er ein Junge oder Mädchen sei – das konnte
schon recht anstrengend sein.“
Bettina Grieser Johns arbeitete in dieser Zeit
an einer Studie über möglichen Ökotourismus im Pu Mat und als
freischaffende Übersetzerin. Nach vier Jahren kehrte die Familie
Grieser Johns nach England zurück – Andrew arbeitete viel im
Ausland, das Ehepaar war oft getrennt. Danach kehrte er (mit Frau
und Kindern) erneut für seine Firma nach Vietnam zurück, diesmal
nach Hanoi – für 6 Jahre! Bettina arbeitete bei Tierprojekten mit,
konzentrierte sich auf Übersetzungsarbeiten und entwickelte für die
Schule ihrer Söhne ein Basketballprogramm, „denn ich spielte früher
beim ASV Aichwald und beim SV Tübingen“.
Als die Vier nach insgesamt 10 Jahren genug von
Südostasien hatten, wurde Andrew ein neuer Job in Uganda angeboten –
und sie ergriffen die Gelegenheit beim Schopf. Ausgerechnet Uganda!
Dort hatten sich Bettina und Andrew kennen gelernt, und sie
betrachteten dies als gutes Omen. „Hier in Uganda ist Andrew der
technische Berater eines relativ kleinen WWF-Projekts, das dafür
sorgen soll, dass die verschiedenen geschützten Gebiete im
Albert-Graben nicht völlig voneinander getrennt werden“. Es gibt
mehrere Nationalparks und viele Wald- und Wildreservate – die Wälder
und Tiere sind hier theoretisch vor dem Fällen der Bäume und vor der
Jagd geschützt, doch dazwischen liegt Land im Privatbesitz. Die
Besitzer können mit ihren Arealen machen, was sie wollen, „die
meisten fällen ihren Wald, weil sie lieber Feldfrüchte anbauen
wollen, was kurzfristig mehr Gewinn bringt“. Gerade Schimpansen aber
brauchen weite Streifgebiete und „bedienen“ sich an den angebauten
Feldfrüchten. Bettina Grieser Johns schreibt: „Obwohl mir die meist
armen Leute leid tun, die von den Schimpansen um ihre Ernte gebracht
werden, kam mir jedes Mal in den Sinn: Die Schimpansen waren vor
euch da!“
Immer wieder würden Schimpansen getötet, auch
um die Schimpansenbabys als Haustiere zu verkaufen. Um an ein Junges
heranzukommen, müsse man die Mutter töten, denn sie gebe ihr Baby
nicht auf. Die Jungtiere aber stünden unter Schock, bräuchten
geeignete Milch, Futter, Fürsorge und Liebe. Oft würden die
Schimpansenkinder bei Kontrollen von Polizisten befreit – aber wohin
damit? In Uganda, so schreibt Bettina Grieser Johns, gibt es ein
„Sanctuary“ auf der Ngamba-Insel im Viktoriasee für sie. Der
Trägerorganisation fiel auf, dass viele kleine Schimpansen aus Hoima
stammen würden, und man fragte sich, weshalb dort so viele Tiere
gewildert würden.
Bettina Grieser Johns bekam Gelegenheit, in
Hoima mitzuarbeiten. Dort sei der Wald in sehr schlechtem Zustand.
Sie sammelte systematische Daten und teilte den Wald in sog.
Transekte ein, um Flaggen mit Markierungen platzieren, Areale
kennzeichnen, Zählungen und Beobachtungen durchführen zu können.
Bei den Urlauben in der Heimat hat Bettina
ihrem Mann und den Jungs die Liebe zur Schwäbischen Alb vermittelt.
Sie legt Wert auf die Pflege der deutschen Sprache in ihrer Familie,
„weil ich der Meinung bin, dass Kultur ohne Sprache nicht
vermittelbar ist. Und so kommt es auch, dass sich meine Jungs nicht
so sicher sind, für wen sie jubeln sollen, wenn sie z.B. ein
Fußballspiel Deutschland-England anschauen“.
Ihren Mann hat Bettina bereits zu einer für ihn
wahrhaft aufreibenden Radtour von Esslingen zum Hohenstaufen
„gezwungen“. Für die Kinder kaufte sie das Buch „Schwäbische Alb mit
Kindern“ und unternahm viele der beschriebenen Wanderungen: rund um
die Ruine Reußenstein, zur Bären-, Nebel-, Schertels-, Falken-,
Wimsener und zur Laichinger Tiefen-Höhle. Alex und Micha verbrachten
schöne Ferientage im Waldheim im Esslinger Schurwald und in den
Albvereins-Wanderheimen „Fuchsfarm“ und „Eschelhof“. Und gerade hier
erlebten die untereinander englischsprachigen Söhne – heute 16 und
14 Jahre alt – dass nicht nur Mama und Großeltern deutsch sprechen,
sondern quasi ein ganzes Land...
Durch ihre positiven Erfahrungen hat Bettina
Grieser Johns die gesamte Familie im Jahr 2005 als
Albvereinsmitglieder angemeldet. „Wir haben auch vor, uns auf der
Schwäbischen Alb niederzulassen, wenn Andrew pensioniert ist. Er
liebt die Landschaft genauso wie ich, vor allem auf das schwäbische
Essen, vom Most ganz zu schweigen. Ich vermisse die Alb sehr. Afrika
ist schön, keine Frage.... Wir haben noch 12 Jahre Zeit, um zu
entscheiden, wo wir im Ruhestand irgendwo auf der Alb leben wollen.
Unsere Kriterien sind: Das Dorf muss vor allem einen guten Bäcker
haben und eine gute Wirtschaft!“
Im Juni/Juli 2010 kommt die Familie wieder auf
Heimatbesuch in den Raum Esslingen bzw. nach Andrews Heimat England.
Wir wünschen unseren Albvereinsmitgliedern schöne Ferien und viele
erlebnisreiche Tage bzw. Wanderungen auf unserer Schwäbischen Alb.

Das Gruppenfoto zeigt die Familie Grieser Johns
mit dem Personal
von Kanyanchu, dem Ort im Kibale-Nationalpark,
in
dem auch Touristen Schimpansen sehen können.
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