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Bettina Grieser Johns

Pressebericht
Stuttgarter Zeitung
vom 16.09.2010
 
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Treue Mitglieder im Ausland - Portraits
 

Bettina Grieser Johns, Kampala / Uganda

Bettina Grieser Johns quasi innerhalb der Wurzeln eines Riesenfeigenbaumes in Ngogo, wo sie vor Jahren noch als Studentin die Daten für ihre Doktorarbeit gesammelt hatte und mit dem sie jetzt bei ihrem neuerlichen Aufenthalt in Uganda ein Wiedersehen feierte.

Viel herumgekommen ist unser Auslandsmitglied Bettina Grieser Johns, die 1962 zwar in Schwäbisch Hall geboren worden ist, ihre Kindheit und Jugend aber in Esslingen verbracht hat. „Meine Mitgliedschaft im Schwäbischen Albverein“, so schreibt sie uns, „habe ich meinem Vater zu verdanken. Er stammt aus Schwäbisch Gmünd und ist als Jüngster von neun Geschwistern praktisch auf der Alb aufgewachsen. Er wurde nach dem 2. Weltkrieg Mitglied im Albverein. Meine Mutter war eine Heimatvertriebene aus der Tschechei“. Die Familie wanderte viel, vor allem um Schwäbisch Gmünd herum, das Kalte Feld – Lieblingsort des Vaters – der Hornberg, der Bernhardus und Reiterles Kapelle sind Bettina Grieser Johns noch heute ein Begriff. Als Kind sammelte sie Versteinerungen auf dem Bernhardus, verbrachte Tage und Nächte in der Hütte eines Onkels in der Nähe des Knörzerhauses. „So lernte ich die Alb lieben, eine Liebe, die mir bis heute erhalten bleibt“.

Bettina Grieser besuchte die Grundschule in Esslingen-Wäldenbronn, danach das Georgii-Gymnasium. Schon als ganz junger Mensch zog Afrika sie magisch an, sie wollte Zoologin werden und ging nach dem Abitur nach Tübingen, um Biologie zu studieren. Durch ein Austauschprogramm durfte Bettina an die Duke University in North Carolina (USA), und der einjährige Studienaufenthalt prägte ihr weiteres Leben, denn dort gibt es das weltgrößte Halbaffen-Zuchtzentrum außerhalb Madagaskars. „Zu meinem Entzücken fragte mich die Professorin, ob ich im Sommer 1987 als Mitglied ihres Forschungsteams nach Madagaskar gehen wollte – in den Regenwald! Ich sagte natürlich ja und verbrachte dort sieben Wochen.“

Da Bettina fortan wieder in Tübingen studierte, um ihr Diplom zu erwerben, kam sie an den Wochenenden oft heim und ging - wie vor ihrem Aufenthalt in den USA - wieder mit den Wanderungen der Esslinger SAV-Ortsgruppe mit. Herr Fahrion war einer der Wanderführer, ein anderer Herr Kühn. „Ich war mit Abstand die Jüngste – die anderen Teilnehmer ‚adoptierten’ mich mehr oder weniger als Enkelin, wir hatten großen Spaß zusammen, abends spielte ich mit zwei der Senioren Skat, sie waren froh, endlich einen ‚dritten Mann’ gefunden zu haben“.

Da Bettina ihre Doktorarbeit im Ausland machen wollte, bewarb sie sich um ein Auslandsstipendium beim DAAD und bekam einen Platz an der Uni London, wo sie unter ihrem Doktorvater Robin Dunbar Primatololgie studierte. Ihre Feldforschung führte sie dann endlich ins „richtige“ Afrika, und zwar zu einem Nationalpark an der östlichen Grenze Zaires. Leider brachen nach nur drei Wochen Arbeit an den Goprillas im Kahuzi-Biega-Nationalpark im Sommer 1991 Unruhen aus, und Bettina sowie Kollegen wurden nach Ruanda evakuiert. Um nicht untätig herumzusitzen, machte sie mit einem Entwicklungshelfer zusammen mit öffentlichen Verkehrsmitteln eine zehntägige Rundreise um den Victoria-See durch vier verschiedene Länder: Ruanda,  Tansania, Kenia, Uganda und durch ein immer noch aufgewühltes Zaire wieder zurück nach Ruanda. Da Zaire immer noch unsicher war, ging es noch einmal los: vier Wochen durch Tansania, u.a. in die Serengeti und den Ngorongoro-Krater – der Lebenstraum von Bettina wurde wahr! Wieder zurück in Ruanda riet ihr der Doktorvater, zu einer Primatenkonferenz nach Kampala/Uganda zu fliegen, um sich nach anderen Möglichkeiten umzuschauen. Es war nicht abzusehen, wie sich die Situation in Zaire weiterentwickeln würde. In Kampala stellte sie sich Andrew Johns vor, dem englischen Co-Direktor der Feldstation der Makerere-Universität in Kibale, damals noch ein Forstreservat im Westen Ugandas. Dort konnte sie statt an Gorillas an  Schimpansen arbeiten.

Wie das Leben so spielt, fand Bettina in Andrew Johns ihren späteren Mann. Sie verbrachte mit ihm 18 Monate in Kibale, während sie Daten für ihre Doktorarbeit sammelte. 1993 gingen beide nach England, um zu heiraten und rasch zwei Buben (1994 und 1995) zu bekommen. Und in Cambridge vollendete die umtriebige Bettina ihre Doktorarbeit. Ihr Mann, schrieb in der Zeit ein Buch über den Einfluss, den Holzeinschlag auf Tierpopulationen hat. 1996 schloss er sich einer Consultingfirma an, die die Familie 1997 nach Vietnam schickte. Dort arbeitete Andrew als Naturschutzexperte in einem von der EU finanzierten 20-Millionen-Projekt, in dem es um das Pu Mat-Reservat an der Grenze zu Laos ging. Die Familie lebte zwei Jahre in Vinh, einer 200 000-Einwohner-Stadt mit insgesamt um die 15 (!) Ausländer. „In der Menge unterzutauchen war nicht möglich, ich bin 1,95 m groß. Wo immer ich lief, hieß es ‚Cao, cao qua“ (groß, sehr groß), und sie stellten sich neben mich, um sich zu messen, hüpften neben mir auf und ab und wollten ein Foto machen. Mein damals zweijähriger Sohn Alex ist blond, die Leute fassten ihn an, um herauszufinden, ob er ein Junge oder Mädchen sei – das konnte schon recht anstrengend sein.“

Bettina Grieser Johns arbeitete in dieser Zeit an einer Studie über möglichen Ökotourismus im Pu Mat und als freischaffende Übersetzerin. Nach vier Jahren kehrte die Familie Grieser Johns nach England zurück – Andrew arbeitete viel im Ausland, das Ehepaar war oft getrennt. Danach kehrte er (mit Frau und Kindern) erneut für seine Firma nach Vietnam zurück, diesmal nach Hanoi – für 6 Jahre! Bettina arbeitete bei Tierprojekten mit, konzentrierte sich auf Übersetzungsarbeiten und entwickelte für die Schule ihrer Söhne ein Basketballprogramm, „denn ich spielte früher beim ASV Aichwald und beim SV Tübingen“.

Als die Vier nach insgesamt 10 Jahren genug von Südostasien hatten, wurde Andrew ein neuer Job in Uganda angeboten – und sie ergriffen die Gelegenheit beim Schopf. Ausgerechnet Uganda! Dort hatten sich Bettina und Andrew kennen gelernt, und sie betrachteten dies als gutes Omen. „Hier in Uganda ist Andrew der technische Berater eines relativ kleinen WWF-Projekts, das dafür sorgen soll, dass die verschiedenen geschützten Gebiete im Albert-Graben nicht völlig voneinander getrennt werden“. Es gibt mehrere Nationalparks und viele Wald- und Wildreservate – die Wälder und Tiere sind hier theoretisch vor dem Fällen der Bäume und vor der Jagd geschützt, doch dazwischen liegt Land im Privatbesitz. Die Besitzer können mit ihren Arealen machen, was sie wollen, „die meisten fällen ihren Wald, weil sie lieber Feldfrüchte anbauen wollen, was kurzfristig mehr Gewinn bringt“. Gerade Schimpansen aber brauchen weite Streifgebiete und „bedienen“ sich an den angebauten Feldfrüchten. Bettina Grieser Johns schreibt: „Obwohl mir die meist armen Leute leid tun, die von den Schimpansen um ihre Ernte gebracht werden, kam mir jedes Mal in den Sinn: Die Schimpansen waren vor euch da!“

Immer wieder würden Schimpansen getötet, auch um die Schimpansenbabys als Haustiere zu verkaufen. Um an ein Junges heranzukommen, müsse man die Mutter töten, denn sie gebe ihr Baby nicht auf. Die Jungtiere aber stünden unter Schock, bräuchten geeignete Milch, Futter, Fürsorge und Liebe. Oft würden die Schimpansenkinder bei Kontrollen von Polizisten befreit – aber wohin damit? In Uganda, so schreibt Bettina Grieser Johns, gibt es ein „Sanctuary“ auf der Ngamba-Insel im Viktoriasee für sie. Der Trägerorganisation fiel auf, dass viele kleine Schimpansen aus Hoima stammen würden, und man fragte sich, weshalb dort so viele Tiere gewildert würden.

Bettina Grieser Johns bekam Gelegenheit, in Hoima mitzuarbeiten. Dort sei der Wald in sehr schlechtem Zustand. Sie sammelte systematische Daten und teilte den Wald in sog. Transekte ein, um Flaggen mit Markierungen platzieren, Areale kennzeichnen, Zählungen und Beobachtungen durchführen zu können.

Bei den Urlauben in der Heimat hat Bettina ihrem Mann und den Jungs die Liebe zur Schwäbischen Alb vermittelt. Sie legt Wert auf die Pflege der deutschen Sprache in ihrer Familie, „weil ich der Meinung bin, dass Kultur ohne Sprache nicht vermittelbar ist. Und so kommt es auch, dass sich meine Jungs nicht so sicher sind, für wen sie jubeln sollen, wenn sie z.B. ein Fußballspiel Deutschland-England anschauen“.

Ihren Mann hat Bettina bereits zu einer für ihn wahrhaft aufreibenden Radtour von Esslingen zum Hohenstaufen „gezwungen“. Für die Kinder kaufte sie das Buch „Schwäbische Alb mit Kindern“ und unternahm viele der beschriebenen Wanderungen: rund um die Ruine Reußenstein, zur Bären-, Nebel-, Schertels-, Falken-, Wimsener und zur Laichinger Tiefen-Höhle. Alex und Micha verbrachten schöne Ferientage im Waldheim im Esslinger Schurwald und in den Albvereins-Wanderheimen „Fuchsfarm“ und „Eschelhof“. Und gerade hier erlebten die untereinander englischsprachigen Söhne – heute 16 und 14 Jahre alt – dass nicht nur Mama und Großeltern deutsch sprechen, sondern quasi ein ganzes Land...

Durch ihre positiven Erfahrungen hat Bettina Grieser Johns die gesamte Familie im Jahr 2005 als Albvereinsmitglieder angemeldet. „Wir haben auch vor, uns auf der Schwäbischen Alb niederzulassen, wenn Andrew pensioniert ist. Er liebt die Landschaft genauso wie ich, vor allem auf das schwäbische Essen, vom Most ganz zu schweigen. Ich vermisse die Alb sehr. Afrika ist schön, keine Frage.... Wir haben noch 12 Jahre Zeit, um zu entscheiden, wo wir im Ruhestand irgendwo auf der Alb leben wollen. Unsere Kriterien sind: Das Dorf muss vor allem einen guten Bäcker haben und eine gute Wirtschaft!“

Im Juni/Juli 2010 kommt die Familie wieder auf Heimatbesuch in den Raum Esslingen bzw. nach Andrews Heimat England. Wir wünschen unseren Albvereinsmitgliedern schöne Ferien und viele erlebnisreiche Tage bzw. Wanderungen auf unserer Schwäbischen Alb.


Das Gruppenfoto zeigt die Familie Grieser Johns mit dem Personal
 von Kanyanchu, dem Ort im Kibale-Nationalpark,
in dem auch Touristen Schimpansen sehen können.

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